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Uterusruptur

Letzte Aktualisierung: 18.8.2021

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Eine Uterusruptur kommt etwa bei 1 von 1.100–5.000 Geburten vor und ist meist auf eine Überdehnung des Uterus oder uterine Narben bei Z.n. früheren Operationen mit Eröffnung der Gebärmutter zurückzuführen. Bei einer kompletten Ruptur ist die gesamte Uteruswand inkl. Serosa gerissen, wobei eine Verbindung von Fötus und ggf. Plazenta zur Bauchhöhle entsteht. Bei einer inkompletten Ruptur ist die Serosa noch intakt, bei einer gedeckten Ruptur schließt ein anderes Organ das Cavum uteri nach außen ab. Es besteht bei diesen beiden Formen also keine Verbindung zur Bauchhöhle.

Während eine stille Ruptur asymptomatisch verläuft, sind die typischen Symptome einer drohenden Ruptur massive Schmerzen, Anstieg der Bandl-Furche und ein Wehensturm. Erfolgt dann nicht sofort eine adäquate Notfalltokolyse, ist eine Uterusruptur möglich. Diese führt zwar initial zu einem Nachlassen der Schmerzen, kann aber aufgrund des Blutverlustes mit einem Volumenmangelschock der Mutter und einer hohen Sterblichkeit des Kindes einhergehen. Bei eingetretener Uterusruptur muss eine sofortige Laparotomie mit notfallmäßiger Sectio caesarea erfolgen. Bei unstillbarer Blutung kann eine Hysterektomie notwendig sein.

  • Komplette Uterusruptur („offene Ruptur“): Zerreißung des Myometriums und der Serosa [1][2][3]
    • Gedeckte Ruptur: Zerreißung des Myometriums und der Serosa mit Abdeckung des Risses durch ein anderes Organ (i.d.R. Harnblase) [1]
  • Inkomplette Uterusruptur: Teilweise oder komplette Zerreißung des Myometriums, Serosa intakt [1][3]
  • Stil­le Ute­rus­ruptur: Asymptomatische Uterusruptur [1][3]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Wenn die Belastbarkeit des Myometriums überschritten wird, kommt es zur Zerreißung des Uterus. Grund ist meist ein relativ zu hohes Maß an Wehentätigkeit oder eine Vorschädigung des myometrialen Gewebes. Auch wenn eine Ruptur theoretisch zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten kann (also auch am wehenlosen Uterus), ist sie aufgrund der massiv wirkenden Kräfte der Wehentätigkeit am häufigsten während des Geburtsvorgangs. [3][4][5][6][7]

Infolge der klassischen Schnittführung (korporaler Längsschnitt) bei der Sectio caesarea kommt es deutlich häufiger zu einer Uterusruptur als nach dem seit vielen Jahren gebräuchlichen isthmischen Querschnitt (je nach Quelle 1–7% vs. 0,5–1%). Nach einem T-Schnitt des Uterus steigt das Risiko sogar auf 4–9%. [4][5][8]

Die Symptome einer Uterusruptur entwickeln sich meistens unter der Geburt.

Drohende Uterusruptur [4][5][7]

Eingetretene Uterusruptur [4][7]

Stille Ruptur [1]

Sowohl die Narbenruptur als auch die gedeckte und die inkomplette Uterusruptur können klinisch stumm verlaufen („stille Ruptur“)! [4][5]

Bei einem unklaren Schockzustand unter oder unmittelbar nach der Geburt muss an eine Uterusruptur gedacht werden! [7]

Die Verdachtsdiagnose stellt sich anhand anamnestischer Risikofaktoren und der klinischen Symptomatik und wird im Rahmen der Sectio caesarea verifiziert oder ausgeschlossen.

Drohende Uterusruptur [4][7]

Eingetretene Uterusruptur [4]

  • Sofortige Laparotomie bzw. notfallmäßige Sectio caesarea mit operativer Versorgung der Uterusruptur nach Entwicklung des Kindes
    • Idealerweise durch Übernähung der Ruptur
    • Ggf. mit interdisziplinärer Behandlung bei Beteiligung von Nachbarorganen
    • Ggf. Hysterektomie bei unstillbarer Blutung als Ultima Ratio notwendig (25–80% der Fälle) [4]

Therapie der Blutungskomplikationen [9]

Bei Hypovolämie muss neben den Vitalzeichen v.a. die Urinausscheidung im Auge behalten werden, da die Nieren besonders empfindlich auf eine Minderperfusion reagieren!

Die Uterusruptur ist eine wesentliche Ursache der Müttersterblichkeit! [4]

  • O71.-: Sonstige Verletzungen unter der Geburt
    • Inklusive: Schädigung durch Instrumente
    • O71.0: Uterusruptur vor Wehenbeginn
    • O71.1: Uterusruptur während der Geburt
      • Uterusruptur ohne Angabe, ob vor Wehenbeginn eingetreten

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Kainer et al.: Facharztwissen Geburtsmedizin. Urban & Fischer 2016, ISBN: 978-3-437-23752-2 .
  2. Schneider et al.: Die Geburtshilfe. Springer 2016, ISBN: 978-3-662-45063-5 .
  3. Uterusruptur. Stand: 1. April 2020. Abgerufen am: 6. April 2021.
  4. Schneider et al.: Geburtshilfefibel. Springer 1997, ISBN: 978-3-540-60538-6 .
  5. Rath et al.: Geburtshilfe und Perinatalmedizin. Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-09682-1 .
  6. Uhl: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Georg Thieme Verlag 2018, ISBN: 978-3-131-07346-4 .
  7. S2k-Leitlinie Geburtseinleitung. Stand: 1. Dezember 2020. Abgerufen am: 22. Januar 2021.
  8. Rote-Hand-Brief zu Hydroxyethylstärke (HES)-haltigen Arzneimitteln zur Infusion: Neue Maßnahmen zur Verstärkung der bestehenden Beschränkungen aufgrund eines erhöhten Risikos von Nierenfunktionsstörungen und tödlichen Verläufen bei kritisch kranken oder septischen Patienten. Stand: 13. August 2018. Abgerufen am: 25. September 2020.
  9. Geburt nach vorausgegangenem Kaiserschnitt. Stand: 6. März 2016. Abgerufen am: 8. April 2021.
  10. Kästner et al.: Inzidenz und Einflussfaktoren einer offenen Uterusruptur In: 29. Deutscher Kongress für Perinatale Medizin. Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) – „Hinterm Horizont geht's weiter, zusammen sind wir stark“. 2019, doi: 10.1055/s-0039-3401192 . | Open in Read by QxMD .
  11. Haag et al.: Gynäkologie und Urologie (2007/08). 3. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2006, ISBN: 978-3-929-85172-4 .
  12. Diedrich et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 1. Auflage Springer 2000, ISBN: 3-540-65258-2 .