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Uterusruptur

Letzte Aktualisierung: 2.9.2019

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Eine Uterusruptur kommt etwa bei jeder 1500. Geburt vor und ist meist auf eine Überdehnung des Uterus oder uteriner Narben bei Z.n. früheren Operationen mit Eröffnung der Gebärmutter zurückzuführen. Eine komplette Ruptur zeichnet sich durch die Zerreißung der gesamten Uteruswand inkl. Eröffnung des viszeralen Peritoneums aus, wobei der Fetus und ggf. die Plazenta dann freie Verbindung zur Bauchhöhle bekommen. Bei einer gedeckten (oder auch „stillen“) Ruptur handelt es sich um eine Dehiszenz einer alten Uterusnarbe (z.B. durch vorangegangene Operationen, Sectiones) ohne Verbindung zur Bauchhöhle.

Während eine Narbenruptur initial symptomlos bleiben kann (stille Ruptur), sind bei drohender Ruptur massive Schmerzen und ein Wehensturm zu beobachten. Erfolgt dann nicht sofort eine adäquate Tokolyse, ist eine Uterusruptur möglich. Diese führt zwar initial zu einem Sistieren der Schmerzen, geht aber aufgrund des Blutverlustes mit einem Volumenmangelschock der Mutter und einer hohen Sterblichkeit des Kindes einher. Bei eingetretener Uterusruptur muss eine sofortige Laparotomie mit Not-Sectio erfolgen; bei unstillbarer Blutung kann eine Hysterektomie notwendig sein.

  • Komplette Uterusruptur: Zerreißung der gesamten Uteruswand, Eröffnung des Peritoneum viscerale, sodass Fetus und ggf. die Plazenta dann freie Verbindung zur Bauchhöhle bekommen
  • Gedeckte Uterusruptur („stille Ruptur“): Dehiszenz einer alten Uterusnarbe (z.B. durch vorangegangene Operationen, Sectiones) ohne Verbindung zur Bauchhöhle

  • Häufigkeit ca. 1:1500 Geburten[1]
    • Erhöhtes Risiko nach vorangegangenen operativen Eingriffen am Uterus

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Es kommt zum Zerreißen des Uterus, wenn die Belastbarkeit des Myometriums überschritten wird. Hierfür ist in den meisten Fällen entweder ein relativ zu hohes Maß an Wehentätigkeit oder aber eine Vorschädigung des myometranen Gewebes verantwortlich. Eine Ruptur kann theoretisch zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft (auch am wehenlosen Uterus) passieren, ist aber aufgrund der massiv wirkenden Kräfte der Wehentätigkeit am häufigsten während des Geburtsvorgangs.

Infolge der klassischen Schnittführung (korporaler Längsschnitt) bei der Sectio kommt es deutlich häufiger zu einer Uterusruptur als nach dem seit vielen Jahren gebräuchlichen isthmischem Querschnitt (etwa 3-4% vs. 0,25%)!

Siehe auch: Klinisches Management postpartaler Blutungen

Die Diagnose ist anhand anamnestischer Risikofaktoren und der klinischen Symptomatik zu stellen. Häufig bleibt die Uterusruptur bis zur notfallmäßig durchgeführten Sectio eine Verdachtsdiagnose, welche sich erst bei eröffnetem Abdomen und Blick auf den Uterus eindeutig verifizieren oder ausschließen lässt. Andersherum ist eine gedeckte „stille“ Ruptur häufig ein „Zufallsbefund“ bei sekundär durchgeführter Sectio.

Bei Hypovolämie muss neben den Vitalzeichen v.a. die Urinausscheidung im Auge behalten werden, da die Nieren besonders empfindlich auf eine Minderperfusion reagieren!

Vor allem traumatische und spontane Uterusrupturen gehen mit einer erhöhten Sterblichkeit von Mutter und Kind einher.

  • Vermeidung uteriner operativer Eingriffe, wenn möglich, insb. bei noch bestehendem Kinderwunsch
  • Ggf. primäre Sectio bei Z.n. Uterotomie, allerdings nicht zwingend notwendig
  • Medikamentöse Geburtseinleitung bei Z.n. Sectio sollte aufgrund des Risikos einer Wehenüberstimulation vermieden werden
  • Bedachter Einsatz von Oxytocin peripartal zur Vermeidung eines Wehensturms
  • Vermeidung und frühzeitige Abklärung protrahierter Geburtsverläufe
  • Identifikation von Risikoschwangerschaften
  • O71.-: Sonstige Verletzungen unter der Geburt
    • Inklusive: Schädigung durch Instrumente
    • O71.0: Uterusruptur vor Wehenbeginn
    • O71.1: Uterusruptur während der Geburt
      • Uterusruptur ohne Angabe, ob vor Wehenbeginn eingetreten

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Schneider et al.: Die Geburtshilfe. Springer 2016, ISBN: 978-3-662-45063-5 .
  2. Kainer et al.: Facharztwissen Geburtsmedizin. Urban & Fischer 2016, ISBN: 978-3-437-23752-2 .
  3. Haag et al.: Gynäkologie und Urologie (2007/08). 3. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2006, ISBN: 978-3-929-85172-4 .
  4. Diedrich et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. 1. Auflage Springer 2000, ISBN: 3-540-65258-2 .