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Blutkulturen

Letzte Aktualisierung: 27.8.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Mithilfe von Blutkulturen können im Blut vorhandene Erreger genau identifiziert und einer spezifischen Resistenztestung unterzogen werden. Dies erlaubt eine effektivere, individualisierte antibiotische Therapie, durch die die Letalität gesenkt, die Prognose verbessert und die Liegedauer verkürzt wird. Zudem kann durch den Einsatz spezifischerer Antibiotika mit schmalerem Wirkspektrum (anstelle einer empirischen Gabe von Breitspektrumantibiotika) eine antimikrobielle Übertherapie vermieden und so der zunehmenden Resistenzentwicklung entgegengewirkt werden.

Studien haben gezeigt, dass ein erfolgreicher Keimnachweis im klinischen Alltag sehr viel seltener als unter kontrollierten Studienbedingungen gelingt, was auf Fehler in der Durchführung einer Blutkulturentnahme zurückgeführt wird. Hieraus erklärt sich die Bedeutung einer korrekten Technik bei der Blutkulturentnahme.

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Indikationtoggle arrow icon

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Material zur Durchführungtoggle arrow icon

Die Abnahme von Blutkulturen wird auf Station und in der Notaufnahme häufig durchgeführt, wie bei allen Prozeduren ist eine gewissenhafte Vorbereitung notwendig. Die erforderlichen Materialien umfassen:

  • Stauschlauch
  • Desinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer
  • Untersuchungshandschuhe
  • Blutkultursets
  • Punktionsnadeln
  • Abwurf
  • Pflaster

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

  1. Vorgehen: Streng aseptisches Arbeiten
    • Hygienische Händedesinfektion
    • Einmalhandschuhe benutzen
    • Einstichmembran der Blutkulturflaschen desinfizieren und trocknen lassen
    • Punktionsstelle desinfizieren, Einwirkzeiten des verwendeten Hautdesinfektionsmittel beachten. Keine erneute Palpation der Vene!
  2. Blutkulturflaschen beschriften bzw. etikettieren
  3. Blutentnahme und Beimpfung der Blutkultursets
    • Mindestens zwei Blutkultursets aus verschiedenen Punktionsstellen beimpfen
    • Entnahmeort aus peripheren Venen, z.B. rechte und linke Vena cubitalis
      • Entnahme aus liegenden Kathetersystemen vermeiden
      • Keine Venenpunktion durch veränderte Haut (Entzündung, Ekzem)
    • Abnahme eines Blutvolumens von 10 mL pro Blutkulturflasche - Ausnahme bei Kindern
    • Mit frischer steriler und blutdurchspülter Kanüle zuerst anaerobe, dann aerobe Flasche befüllen
      • Umgekehrt bei geschlossenen Systemen zur Blutentnahme : Erst aerobe, dann anaerobe Flasche befüllen
  4. Anforderungsschein ausfüllen und schnellstmöglicher Transport
    • Patientendaten abgleichen (Name, Vorname, Geburtsdatum usw.)
    • Datum, Uhrzeit, Entnahmeort
    • Relevante anamnestische Angaben eintragen
    • Lagerung und Transport bei Raumtemperatur

Zusätzlich bei Verdacht auf eine katheterassoziierte Infektion

  • Abnahme von „gepaarten“ Blutkultursets

Eine aseptische Blutentnahme ist essenziell - bei unzureichender Desinfektion besteht die Gefahr einer Kontamination der Blutkultur!

Für die Entnahme von Blutkulturen ist ein Abwarten auf einen Fieberanstieg nicht sinnvoll. Die Abnahme sollte beim Vorliegen von Indikationen rasch und noch vor dem Beginn einer kalkulierten Therapie erfolgen!

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Interpretation/Befundtoggle arrow icon

Positiver Keimnachweis

Gelingt ein positiver Keimnachweis, stellen sich folgende Fragen:

  1. Ist der nachgewiesene Keim als Verursacher der vorliegenden Infektion plausibel?
  2. Wie wahrscheinlich ist eine Kontamination der Blutkultur?
  3. Ist die Aussagekraft eingeschränkt?
    • Nur ein Blutkulturset wurde abgenommen

Bei Unklarheiten unbedingt Rücksprache mit einem Mikrobiologen oder Infektiologen halten!

Infektion ist anzunehmen (richtig-positiv) Kontamination ist anzunehmen (falsch-positiv)
Argumente
  • Nachgewiesener Keim ist als Verursacher der vorliegenden Infektion unwahrscheinlich
  • Blutkulturset wurde aus einem liegenden Katheter entnommen
  • Nur in einem Blutkulturset gelingt der Nachweis eines Keims
Weiteres Vorgehen
  • Unverzüglich erneute Blutkulturdiagnostik veranlassen!

Kein Keimnachweis

Gelingt kein Keimnachweis, stellen sich folgende Fragen:

  1. Könnte es sich um ein falsch-negatives Ergebnis handeln?
    • Entnahme während laufender antibiotischer Therapie?
    • Ausreichendes Beimpfungsvolumen je Blutkultur?
    • Zu lange Transportzeit?
  2. Ist bei der vorliegenden Erkrankung tatsächlich eine Bakteriämie oder Fungämie zu erwarten?

Vorgehen: Ggf. Rücksprache mit einem Mikrobiologen oder Infektiologen und erneute Blutkulturdiagnostik veranlassen.

Katheterassoziierte Infektion gilt als wahrscheinlich

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Blutstrominfektionen: Früh erkennen, gezielt behandeln (August 2024)

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