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Urozystitis

Letzte Aktualisierung: 12.10.2021

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Die Zystitis ist eine häufige Erkrankung und tritt in der Regel in Folge von Infektionen der Harnblase mit Keimen der Darmflora auf. Das weibliche Geschlecht ist durch die anatomische Nähe von Anal- und Genitalregion prädisponiert. Erkranken männliche Patienten, ist eine Ursachenklärung stets indiziert. Klinisch sind Schmerzen bei häufigem Harndrang ein wegweisender Befund. Zunächst kann eine symptomatische Therapie (u.a. erhöhte Trinkmenge) ausreichend sein, muss jedoch spätestens bei Beschwerdepersistenz um eine antibiotische Therapie ergänzt werden. In der Regel heilt eine Zystitis folgenlos ab, kann jedoch bei komplizierenden Faktoren eine systemische Infektion nach sich ziehen.

Einteilung der Harnwegsinfektionen (HWI)

Bei Fieber, Flankenschmerzen bzw. Nierenklopfschmerz in Verbindung mit einer Zystitis muss eine Pyelonephritis angenommen werden!

Erreger

Prädisponierende Faktoren

  • Weibliches Geschlecht
    • Zystitiden bei Männern sind immer suspekt und abklärungsbedürftig
  • Honeymoon-Zystitis
  • Transurethraler Dauerkatheter : Häufigste Ursache für einen nosokomialen Harnwegsinfekt; hier sind Männer gleichermaßen betroffen
  • Anomalien des Harntrakts (z.B. Harnblasendivertikel)
  • Diabetes mellitus

Klinische Chemie

Apparativ

Jeder Verdacht auf eine komplizierte Zystitis bedarf einer ambulant-urologischen Abklärung des gesamten Urogenitaltraktes!

Interstitielle Zystitis

  • Definition: Seltene, abakterielle und schmerzhafte Zystitis mit chronischem Verlauf und Fibrosierung der Harnblasenwand
  • Ätiologie: Unklar
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Zystoskopie
      • Hydrodistensionstest zur morphologischen Beurteilung: Typische Befunde sind u.a.
      • Pathologie: Mastzellinfiltration in zystoskopischen Harnblasenprobebiopsien wegweisend
  • Therapie

Weitere Differenzialdiagnosen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Symptomatische Therapie (insb. erhöhte Trinkmenge) zunächst als alleinige Maßnahme möglich; eine antibiotische Therapie wird jedoch i.d.R. empfohlen

Antibiotische Therapie der unkomplizierten Urozystitis

Eine unkritische antibiotische Behandlung jeglicher Bakteriurien, insb. bei geriatrischen Patienten, fördert die Entwicklung von Resistenzen und begünstigt durch die Eradikation einer asymptomatischen Kolonisationsflora die Infektion durch weitaus virulentere Bakterienstämme!

Patienten mit asymptomatischer Bakteriurie sollen nicht mit Antibiotika behandelt werden (DGIM - Klug entscheiden in der Infektiologie)

Unkomplizierte Urozystitis - Therapie der 1. Wahl bei nicht-schwangeren Frauen [1][2][3]

Bei deutl. Zeichen einer Harnwegsinfektion (z.B. ausgeprägte Leukozyturie und Bakteriurie) kann ein Nitrit-negativer Befund auf eine Infektion mit Enterokokken oder Pseudomonaden hindeuten – in diesen Fällen ist mit Antibiotikaresistenz gegenüber Cephalosporinen zu rechnen!

Unkomplizierte Urozystitis - Therapie der 2. Wahl oder nach frustraner Ersttherapie bei nicht-schwangeren Frauen [1][2][3]

Aufgrund der hohen Resistenzraten bei E. coli werden Aminopenicilline den aktuellen Leitlinien zufolge nicht mehr empfohlen!

Aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen und erhöhter Resistenzlage von Fluorchinolonen wird deren Einsatz bei der unkomplizierten Harnwegsinfektion nicht als Erstlinientherapie empfohlen!

Therapie komplizierter Verlaufsformen und besonderer Patientengruppen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Erhöhte Trinkmenge
  • Miktion direkt nach dem Koitus
  • Im Falle von rezidivierenden Infekten:
    • Möglichkeit der Impfung gegen bestimmte E.-coli-Stämme
    • Langfristige antibakterielle Medikation

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Urozystitis - Antibiotische Therapie in der Schwangerschaft

Jede asymptomatische Bakteriurie im Rahmen einer Schwangerschaft muss behandelt werden (einschließlich Urinkultur und testgerechter Anpassung der Medikation)!

Kinder

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Guidelines on Urologic Infections. Stand: 1. März 2015. Abgerufen am: 11. Januar 2017.
  2. Rationale Antibiotikatherapie bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen .
  3. S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Stand: 1. April 2017. Abgerufen am: 22. Januar 2018.
  4. Embryotox - Fosfomycin. . Abgerufen am: 9. November 2020.
  5. Embryotox - Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit. . Abgerufen am: 25. November 2016.
  6. Herold: Innere Medizin 2017. Herold 2016, ISBN: 3-981-46606-3 .
  7. Michel et al.: Die Urologie. Springer 2016, ISBN: 978-3-642-39939-8 .
  8. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2018 .
  9. Stein et al.: Kinderurologie in Klinik und Praxis. Springer 2012, ISBN: 978-3-131-59323-8 .
  10. Kuwertz-Bröking: Unkomplizierte Harnwegsinfektion im Kindesalter In: Pädiatrische Praxis. Band: Band 86/1, 2016, p. 83-97.
  11. Schweizerische Arbeitsgruppe für pädiatrische Nephrologie: Diagnose und Behandlung von Harnwegsinfektionen beim Kind In: Paediatrica. Band: 24 Nr. 4, 2013, .
  12. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Rationale Antibiotikatherapie bei Harnwegsinfektionen In: Wirkstoff Aktuell. Band: Ausgabe 2, 2012, .
  13. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .
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