Zusammenfassung
Die Brucellose ist eine bakterielle Zoonose. Sie wird meist durch die Erreger Brucella melitensis (Erregerreservoir Schafe, Ziegen) und Brucella abortus (Rinder) ausgelöst. Die Infektion des Menschen erfolgt über die Aufnahme kontaminierter Lebensmittel wie unpasteurisierte Milch oder durch den Kontakt exponierter Berufsgruppen (wie Landwirte oder Tierärzte) mit infizierten Tieren. Während die Fallzahl in Deutschland sehr gering ist, ist die Brucellose etwa in Mittelmeerländern endemisch.
Die meisten Infektionen verlaufen subklinisch. Zu den Symptomen manifester Verlaufsformen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Nachtschweiß. Der Erreger kann zahlreiche Organe mit entsprechenden Herdsymptomen befallen und durch den Organbefall auch chronische Krankheitsverläufe unterhalten. Die antibiotische Kombinationstherapie besteht aus Doxycyclin plus Streptomycin.
Epidemiologie
- In Deutschland selten, etwa 30 Fälle pro Jahr
- Endemisch u.a. im Mittelmeerraum, Afrika und Asien
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
- Erreger und Erregerreservoir
-
Bakterien der Gattung Brucella (gramnegative Stäbchen, nicht-sporenbildend, aerob und teilweise mikroaerophil wachsend, fakultativ intrazellulär)
- Brucella melitensis (insb. in Schafen, Ziegen)
- Auch als „Maltafieber“ bezeichnete Brucellose
- Brucella abortus (bei Rindern)
- Auch als „Morbus Bang“ bezeichnete Brucellose
- Brucella canis (Hunde): Hundebrucellose (selten)
- Brucella suis (Haus- und Wildschweine): Schweinebrucellose (selten)
- Brucella melitensis (insb. in Schafen, Ziegen)
-
Bakterien der Gattung Brucella (gramnegative Stäbchen, nicht-sporenbildend, aerob und teilweise mikroaerophil wachsend, fakultativ intrazellulär)
- Infektionsweg
- Aufnahme kontaminierter Lebensmittel (insb. unpasteurisierte Milch)
- Kontaktinfektion bei Metzgern, Landwirten oder Tierärzten
- Selten Mensch-zu-Mensch-Übertragung beim Stillen durch infizierte Frau
- Laborinfektion (relativ häufig)
- Pathogenese
- Aufnahme der Erreger und Vermehrung in lokalen Lymphknoten
- Hämatogene Streuung, Ansiedlung in zahlreichen Organen möglich
- Bildung von Granulomen in befallenen Organen, etwa in Lymphknoten, Leber und Milz
Symptomatik
- Inkubationszeit
- 5 Tage bis mehrere Monate
- Verlauf
- Subklinisch: Großteil aller Infektionen (bis 90 %)
- Akute Brucellose
- Akuter (meist B. melitensis) oder subakuter Beginn (meist B. abortus)
- Kopfschmerzen, Müdigkeit
- Hohes Fieber über 1–3 Wochen, teilweise undulierend mit mehrtägigen fieberfreien Intervallen
- Arthralgien
- Lymphadenopathie
- Nachtschweiß
- Chronische Brucellose
- Allgemeinsymptome (Abgeschlagenheit, Schweißausbrüche)
- Spondylitiden und Uveitiden
- Möglicher Organbefall (Auswahl) bei akuter und chronischer Verlaufsform
- Knochen und Gelenke → Sakroiliitis, Arthritis, Spondylitis und Bursitis
- Herz → Endokarditis
- Lunge → Pneumonie
- Knochenmark → Anämie, Leukopenie und Thrombopenie
- Leber- und Milzbefall → Hepatosplenomegalie
Diagnostik
- Anamnestische Hinweise (etwa Umgang mit o.g. Nutztieren, Aufenthalt in Endemiegebieten)
- Erregernachweis
- Kultureller Nachweis (Blutkultur , je nach Infektfokus auch etwa Urin, Liquor, Knochenmark, anderes Gewebe), insgesamt schwierige Anzüchtung
- PCR-Diagnostik
- Serologie: Nachweis eines Antikörpertiteranstiegs bei wiederholten Untersuchungen (Abstand: 2–3 Wochen)
- Histologische Untersuchung punktierter Gewebe
Therapie
- Nur Kombinationstherapien aufgrund hoher Rezidivraten bei Monotherapien [1][2][3]
- Doxycyclin plus Streptomycin oder
- Doxycyclin plus Rifampicin
- Bei schwer zu behandelndem Organbefall – etwa Spondylitis – können weitere Wirkstoffe ergänzt werden
Prognose
Prävention
- Viehwirtschaft
- Pasteurisieren von Milch und Milchprodukten
- Importkontrollen von Vieh
- Arbeitshygiene in der Viehwirtschaft (Schutzhandschuhe, Hand- und Flächendesinfektion)
- Bei Ausbrüchen Maßnahmen nach Brucellose-Verordnung
- Einzelpersonen
- Verzicht auf Rohmilchprodukte in Endemiegebieten (insb. Mittelmeerraum)
- Erkrankte Mütter sollten nicht stillen
- Bei Erkrankten keine Isolationsmaßnahmen notwendig
- Siehe auch: Brucellose – Meldepflicht
Meldepflicht
- Arztmeldepflicht nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen ): Namentliche Meldepflicht bei Krankheits- und Todesfällen
- Labormeldepflicht nach § 7 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Erregernachweis
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Brucellose
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- A23.-: Brucellose
- Inklusive: Maltafieber, Mittelmeerfieber, Undulierendes Fieber
- A23.0: Brucellose durch Brucella melitensis
- A23.1: Brucellose durch Brucella abortus
- Bang-Krankheit
- Morbus Bang
- A23.2: Brucellose durch Brucella suis
- Schweinebrucellose
- A23.3: Brucellose durch Brucella canis
- A23.8: Sonstige Brucellose
- A23.9: Brucellose, nicht näher bezeichnet
- N16.0*: Tubulointerstitielle Nierenkrankheiten bei anderenorts klassifizierten infektiösen und parasitären Krankheiten
- Tubulointerstitielle Nierenkrankheiten (durch) (bei):
- Brucellose (A23.-†)
- Diphtherie (A36.8†)
- Salmonelleninfektion (A02.2†)
- Sepsis (A40-A41†)
- Toxoplasmose (B58.8†)
- Tubulointerstitielle Nierenkrankheiten (durch) (bei):
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.