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Toxoplasmose

Letzte Aktualisierung: 26.8.2019

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Die Toxoplasmose ist eine durch Toxoplasma gondii verursachte Zoonose, bei der Zysten der obligat intrazellulären Erreger zumeist über Katzenkontakt oder rohes Fleisch übertragen werden. Die Klinik ist abhängig vom Immunstatus: Bei Immunkompetenz kommt es bei über 95% der Infizierten zur harmlosen asymptomatischen Chronifizierung – bei immunsupprimierten Patienten (z.B. bei HIV-Infektionen) kann es zu einer zerebralen Toxoplasmose mit hoher Letalität oder zur Retinochorioiditis toxoplasmotica kommen. Eine besondere Bedeutung hat die Erstinfektion mit Toxoplasma gondii in der Schwangerschaft. Da die Mutter noch keine plazentagängigen IgG-Antikörper gebildet hat, kann der Erreger auf den Fötus übergehen und eine konnatale Toxoplasmose mit einer typischen Trias auslösen: Hydrozephalus, intrazerebrale Verkalkung und Chorioretinitis. Indikationen für eine Kombinationstherapie mit Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure sind u.a. die aktive Toxoplasmose bei Immunsuppression und die konnatale Toxoplasmose (ab der 16. SSW, zuvor wird die Behandlung mit Spiramycin empfohlen).

  • Durchseuchung in Deutschland ca. 50%

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Okuläre Toxoplasmose

  • Chorioretinitis/Retinochorioiditis toxoplasmotica: Entzündung von Netzhaut und Aderhaut (Uveitis posterior)
    • Akute Toxoplasmose (frische Herde)
      • Gelblich-weiße flauschige Herde, ausgeprägte Glaskörperreaktion, begleitende Vaskulitis, Gesichtsfeldausfälle im Bereich des Entzündungsherdes, ggf. Papillenödem
    • Abgelaufene Toxoplasmose (alte Herde)
      • Ausbildung von Narben mit weißlicher Atrophiezone und umgebender dunkler, scharf begrenzter Pigmentierung
    • Rezidivherde entstehen meist an alten Narbenbereichen
    • Kongenitale Toxoplasmose geht nahezu immer mit der Ausbildung von Makulanarben und entsprechender erheblicher Visusbeeinträchtigung einher
    • Häufig Beteiligung des vorderen Augenabschnitts im Sinne einer Uveitis anterior
  • Sonderform: Retinochorioiditis juxtapapillaris Jensen

  • Allgemeines
    • Nicht jede Toxoplasmen-Infektion muss behandelt werden!
    • Insb. bei immunkompetenten, asymptomatischen Trägern kann abgewartet bzw. i.d.R. auf eine Behandlung verzichtet werden
  • Indikationen zur Therapie
  • Durchführung
    • Therapiedauer: Mind. 4–6 Wochen
    • Wirkstoffe
      • Mittel der 1. Wahl: Pyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure
      • In der Schwangerschaft bis zur 16. SSW Gabe von Spiramycin; ab der 16. SSW Pyrimethamin + Sulfadiazin + Folinsäure als Intervalltherapie

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2010 .
  3. Lang et al.: Augenheilkunde. 4. Auflage Thieme 2008, ISBN: 978-3-131-02834-1 .
  4. S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen. Stand: 1. September 2012. Abgerufen am: 6. Oktober 2017.
  5. Toxoplasmose, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 12. Dezember 2016. Abgerufen am: 8. Oktober 2017.