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Diphtherie

Last updated: 10.11.2020

Abstract

Die Diphtherie ist eine klassischerweise durch Corynebacterium diphtheriae (grampositive Stäbchen) hervorgerufene Infektionskrankheit. Die Erreger gelangen in der Regel über eine Tröpfcheninfektion in den Rachenraum und lösen dort das Krankheitsbild der Rachen- und/oder Kehlkopfdiphtherie aus. Die Rachendiphtherie stellt sich als Angina tonsillaris mit Pseudomembranen dar, während die Kehlkopfdiphterie im klinischen Vollbild als echter Krupp (bellender Husten, zunehmende Heiserkeit und Aphonie) imponiert. Ausgehend vom Ort der Infektion kommt es nach einigen Tagen zu einer systemischen Intoxikation. Die Intoxikation kann zu einem Multiorganversagen führen, falls keine sofortige Gabe eines Diphtherie-Antitoxins erfolgt. Seit Einführung des Toxoidimpfstoffs in den zwanziger Jahren ist die Inzidenz massiv gesunken.

Ätiologie

Symptome/Klinik

Inkubationszeit

  • 2–5 Tage

Allgemeinsymptome

Lokale Symptome bei Diphtherie

  • Cäsarenhals: Stark geschwollene, schmerzhafte Halslymphknoten, die zu einem Anschwellen des gesamten Halses führen
  • Kehlkopfdiphtherie
  • Rachendiphtherie
  • Nasendiphtherie: Blutiger Schnupfen, beidseitige Nasensekretion
  • Hautdiphtherie

Systemische Ausbreitung/Komplikationen

Diagnostik

Differentialdiagnosen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Bereits bei Verdacht auf Diphtherie bedarf es einer notfallmäßigen stationären Aufnahme mit Isolation des Patienten und einer unmittelbaren Therapieeinleitung!

Therapie (mutmaßlich) erkrankter Personen

Allgemeine Maßnahmen

Medikamentöse Therapie (unmittelbar, d.h. bereits ab Verdacht!)

Entscheidend ist die frühzeitige Gabe des Antitoxins, da die klinischen Symptome nicht vom Erreger hervorgerufen werden, sondern vom Toxin!

Therapie von Kontaktpersonen [1]

Siehe: Diagnostik und Vorgehen bei engen Kontaktpersonen (Diphtherie)

Prognose

  • Letalität [1]
    • Mit Behandlung ca. 5–10%
    • Ohne rechtzeitige Behandlung ca. 25%

Prävention

Diphtherie-Impfung [5]

Eine durchgemachte Erkrankung verleiht keine Immunität. Deswegen gelten die Impfempfehlungen für alle Menschen!

Postexpositionsprophylaxe bei Diphtherie

Bei allen engen Kontaktpersonen, die direkten Körperkontakt mit dem Indexpatienten hatten oder sich über einige Zeit im selben Raum aufgehalten haben (bspw. Haushaltsmitglieder, Freunde, Verwandte, Schulkameraden, Lehrer, Betreuer, Pflegekräfte), sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

Diphtherie - Wiederzulassung in Gemeinschaftseinrichtungen [7]

  • Immer Vorlage eines ärztlichen Attests!

Personen mit nachgewiesener Erkrankung, Krankheitsverdacht oder Keimträgerstatus

  • Voraussetzung der Wiederzulassung: 2 negative Abstrich-Paare
    • Indikationen
      • Nachgewiesene Erkrankung
      • Krankheitsverdacht ohne Abstrichentnahme vor antibiotischer Therapie
      • Keimtragende
    • Durchführung
  • Ausnahme: Nicht bestätigter Krankheitsverdacht
    • Wiederzulassung mit Befundeingang

Enge Kontaktpersonen Erkrankter

  • Voraussetzung der Wiederzulassung
    • Bei Abstrichentnahme vor antibiotischer Postexpositionsprophylaxe: Negativer Abstrichbefund
    • Falls kein Abstrich vor antibiotischer Postexpositionsprophylaxe erfolgte: 1 negatives Abstrich-Paar
      • Nasenabstrich und Rachen- bzw. Wundabstrich
      • Entnahme ≥24 h nach Ende der Postexpositionsprophylaxe

Meldepflicht

Meditricks

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2021

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

Quellen

  1. Diphtherie, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 15. Dezember 2009. Abgerufen am: 9. März 2017.
  2. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  3. S2k-Leitlinie Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. Stand: 1. August 2015. Abgerufen am: 11. August 2016.
  4. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  5. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  6. Hofmann, Tiller: Praktische Infektiologie: Erreger, Diagnose, Therapie, Prävention. 3. Auflage ecomed-Storck 2011, ISBN: 978-3-609-63334-3 .
  7. Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß $34 IfSG. Stand: 13. Januar 2020. Abgerufen am: 23. Oktober 2020.
  8. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  9. Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Stand: 23. August 2018. Abgerufen am: 30. Oktober 2018.