Zusammenfassung
Das spastische Syndrom ist Folge einer Läsion deszendierender motorischer Bahnen. Erkrankungen, die häufig mit der Folge von Spastiken einhergehen, sind die Multiple Sklerose, hypoxische, ischämische oder hämorrhagische Hirnschädigungen sowie Läsionen des Rückenmarks.
Definition
Eine Spastik zeigt sich in einem „gesteigerten, geschwindigkeitsabhängigen Dehnungswiderstand der Skelettmuskulatur“ (AWMF-Leitlinie 2012).
Ätiologie
Läsion des 1. Motoneurons durch:
- Schlaganfall
- Perinatale Hirnschäden (Zerebralparese)
- Querschnittslähmung
- Multiple Sklerose, amyotrophe Lateralsklerose, hereditäre spastische Paraplegie
Pathophysiologie
Fällt das 1. Motoneuron aus, kommt es zu einer Lähmung. Kommt es gleichzeitig zu einer Läsion der zuständigen extrapyramidalen Bahnen, fallen auch die hemmenden Einflüsse weg, die sonst von diesem System ausgehen, um eine überschießende Bewegung zu verhindern. So kommt es neben der Lähmung zusätzlich zu einer Tonuserhöhung der Muskulatur.
Diagnostik
Körperliche Untersuchung
- Durchbewegung einzelner Gelenke, Beugung und Streckung verschiedener Muskeln mit alternierender Geschwindigkeit → Es zeigt sich, dass die spastisch erhöhte Muskelspannung mit zunehmender Geschwindigkeit der Bewegung ebenfalls zunimmt (im Gegensatz zum geschwindigkeitsunabhängigen Rigor!)
- Taschenmesser-Phänomen: Initialer Widerstand aufgrund des erhöhten muskulären Tonus gefolgt von plötzlichem Nachlassen des Widerstandes
Therapie
- Physiotherapie
- Medikamentöse Therapie
- Orale antispastische Therapie: Baclofen, Tizanidin, Tolperison, Dantrolen, Clonazepam, Tetrazepam (nicht mehr zugelassen)
- Botulinum-Toxin A i.m.
-
Intrathekale Infusionstherapie mit Baclofen (zentralwirksames Muskelrelaxans):
- Wirkung
- Agonist des inhibitorischen Neurotransmitters GABA
- Erregt prä- und postsynaptische GABAB-Rezeptoren im Rückenmark → Direkte Hemmung der Erregungsübertragung
- Neben zentral antispastischer Wirkung auch analgetische Wirkung
- Plasmahalbwertszeit: 3-4 Stunden
- Applikationsform: Orale oder intrathekale Verabreichung
- Therapieempfehlung: Baclofen sollte immer einschleichend dosiert werden, um Nebenwirkungen (v.a. Hypotonie, Sedierung, Übelkeit, Depression) gering zu halten
- Kontraindikationen: Niereninsuffizienz
- Weitere Indikationen
- Bei zerebral oder spinal bedingten Muskelspasmen
- Bei einschießenden neuropathischen Schmerzen
- Wirkung
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- G95.-: Sonstige Krankheiten des Rückenmarkes
- Exklusive: Myelitis (G04.‑)
- G95.8-: Sonstige näher bezeichnete Krankheiten des Rückenmarkes
- Myelopathie durch:
- Arzneimittel
- Strahlenwirkung
- Rückenmarkblase o.n.A.
- G95.83: Spinale Spastik der quergestreiften Muskulatur
- Myelopathie durch:
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.