Zusammenfassung
Eine Tendinopathie bezeichnet persistierende Beschwerden und Funktionseinschränkungen einer Sehne aufgrund mechanischer Belastung. Der Begriff wird im klinischen Alltag ohne ätiologische oder histologische Differenzierung genutzt und schließt dadurch inflammatorische und degenerative Veränderungen der Sehne ein. Die Diagnosestellung basiert auf der typischen Anamnese und klinischen Präsentation mit bspw. Druckschmerz oder Schwellung, ggf. unterstützt durch radiologische Bildgebung. Die Therapie kann symptombezogen erfolgen (z.B. durch Schonung, Analgesie, extrakorporale Stoßwellentherapie) oder durch aktiv modifizierende Ansätze (z.B. progressive Belastung der Sehne, Aufklärung hinsichtlich des Krankheitsbildes). Operative Maßnahmen werden nur nach frustranem konservativen Therapieversuch in Erwägung gezogen.
Epidemiologie
- Prävalenz: Abhängig u.a. von Lokalisation, Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen [1]
- Weltweit insgesamt steigend
- Zunahme mit dem Alter
- Lokalisationen [1]
- Untere Extremität: Achillessehne und Plantarfaszie, Trochanter major, Knie
- Obere Extremität: Schulter, Ellenbogen
- Altersverteilung [1]
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
- Intrinsische Risikofaktoren [1]
- Biomechanische Dysfunktion (Fehlstatik)
- Systemische Vorerkrankungen, bspw.
- Diabetes mellitus
- Hyperlipidämie
- Rheumatische Erkrankungen
- Übergewicht
- Genetische Faktoren (familiäre Häufung)
- Alter (degenerative Veränderungen)
- Muskuläre Schwäche
- Extrinsische Risikofaktoren [1]
- Lokale muskuläre Überbelastung (Mikrotraumatisierung)
- Plötzliche Aktivitätssteigerung
- Repetitive Belastung
- Ungewohnte Aktivitäten
- Fehlende Erholung
- Nicht-ergonomischer Arbeitsplatz
- Medikamente, bspw.
Pathophysiologie
- Sehnenaufbau
- Kollagen Typ I: Anordnung in parallelen Mikrofibrillen, Fibrillen und Faszikeln
- Tenozyten: Wenige, Fibroblasten-ähnliche Zellen
- Matrix: Proteoglykane, Glykosaminoglykane und Wasser
- Peritendineum: Nerven und Gefäße
- Grundlegende Pathophysiologie [1][2]
- Chronische Belastung (qualitativ oder quantitativ) → Überschreiten der Belastungsgrenze → Strukturelle Verletzung der Kollagen(I)-Fibrillen bzw. Mikrotraumatisierung
- Zyklus aus mikroskopischer Verletzung, Inflammation und Reparaturmechanismen
- Physiologischer Verlauf: Abbau des Kollagens Typ III und Ersatz durch Kollagen Typ I → Heilung
- Bei ausbleibender bzw. insuffizienter Heilung: Akkumulation von Ersatzgewebe schlechterer Qualität → Tendinopathie
- Merkmale der Tendinopathie
- Pathologische Veränderungen der Zellzusammensetzung, Vaskularität und Kollagenanordnung (angiofibrotische Hyperplasie)
- Kollagen: Vorwiegend Kollagen Typ III, keine parallele Anordnung, fehlende Cross-Link-Verbindungen, unterschiedliche Länge und Dicke der Fibrillen
- Tenozyten: Hyperplasie, Hypertrophie, Apoptose, Produktion von Kollagen Typ III
- Matrix: Vermehrt Glykosaminoglykane
- Endotendon: Vaskuläre Hyperplasie und Inflammation
- Inflammation
- Pathologische Veränderungen der Zellzusammensetzung, Vaskularität und Kollagenanordnung (angiofibrotische Hyperplasie)
Bei einer Tendinopathie stellt sich die Sehne verdickt dar, hat jedoch eine reduzierte Energiespeicherkapazität!
Symptomatik
- Belastungsschmerz (Dehnungs- und Anspannungsschmerz)
- Lokaler Druckschmerz (ggf. mit Ausstrahlung nach distal und/oder proximal)
- Reduzierter Bewegungsumfang
- Funktionseinschränkung
- Ggf. Überwärmung
Diagnostik
Anamnese
- Vorbestehendes Trauma
- Begleiterkrankungen und Vormedikation
- Sozialanamnese
- Beginn (typischerweise subakut), Auslöser und Verlauf der Beschwerden
Körperliche Untersuchung und klinische Tests [3]
- Inspektion: Meist unauffällig, bei chronischem Verlauf ggf.
- Lokale Schwellung
- Sichtbare, knotenförmige Verdickung der betroffenen Sehne
- Palpation
- Diffuser oder lokal begrenzter Druckschmerz
- Ggf. schmerzhafte Triggerpunkte
- Erhöhter Spannungszustand der Sehne (im Seitenvergleich)
- Tastbare, knotenförmige Verdickung der betroffenen Sehne
- pDMS: Meist unauffällig
- Spezifische Provokationstests je nach Lokalisation, siehe:
Apparative Diagnostik
- Röntgen
- Indikation: Ausschluss knöcherner Veränderungen
- Möglicher Befund: Meist unauffällig, ggf. Arthrose, Osteophyten, Verkalkungen
- Sonografie
- Indikation: Nachweis einer Synovialitis oder Veränderungen der Sehne
- Möglicher Befund: Veränderungen der Synovia oder Sehne [3]
- MRT
- Indikation: Chronischer Verlauf
- Möglicher Befund: Bspw. pathologische Veränderungen der Muskulatur, Gelenkbinnenschäden
- CT
- Indikation: In Ausnahmefällen
- Möglicher Befund: Meist unauffällig, ggf. knöcherne Veränderungen wie Osteophyten
- Labordiagnostik
- Indikation: Bei V.a. entzündliche Genese
- Möglicher Befund: Bspw. Veränderung des CRP oder Nachweis von Antikörpern
- Neurophysiologische Untersuchungen
- Indikation: Ausschluss einer peripheren Nervenkompression oder zentralen Nervenläsion
- Möglicher Befund: Bspw. Veränderung der Nervenleitgeschwindigkeit
Therapie
Allgemeine Therapieansätze
- Konservatives Vorgehen (Akutphase)
- Kühlung und Entlastung der betroffenen Sehne
- Vermeidung bzw. Modifikation der Belastung
- Kurzfristige Analgesie, bspw. mit Diclofenac oder Ibuprofen
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden , ggf. kombiniert mit Lokalanästhetika [4]
- Ziel: Entzündungshemmung, Schmerzreduktion
- Indikation: Kritische Indikationsstellung bei schlechter Evidenzlage und potenziellen iatrogenen Schäden
- Durchführung: Ausschließlich peritendinöse Injektion erwägen (nicht intratendinös!)
- Alternative: Bspw. intra- oder peritendinöse Injektion von Hyaluronsäure erwägen
- Konservatives Vorgehen (Spätphase)
- Physiotherapie
- Stoßwellentherapie
- Operatives Vorgehen: Ausschließlich nach frustranem konservativen Therapieversuch erwägen
Eine länger andauernde Ruhigstellung gilt als obsolet!
NSAR sollten im Rahmen der Therapie einer Tendinopathie nur temporär genutzt werden, da sie die intrinsischen Veränderungen der Sehne nicht beeinflussen, sondern ggf. eine Heilung vortäuschen und infolgedessen die Belastung möglicherweise zu früh wieder gesteigert wird!
Beispielhafter Behandlungsalgorithmus [5]
Behandlungsalgorithmus basierend auf dem Ausmaß der Sehnenveränderungen [5] | |||
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Grad | Pathoanatomie | Behandlungsprinzip | Behandlungsoption |
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Spezifische Therapieansätze
Die Therapieoptionen für die einzelnen Krankheitsbilder werden jeweils dort aufgeführt, siehe:
Verlaufs- und Sonderformen
Tendinopathien können prinzipiell jede mechanisch belastete Sehne betreffen. Im Folgenden sind wichtige Lokalisationen getrennt nach oberer und unterer Extremität aufgeführt. Zudem gibt es weitere Formen, bspw.:
- Insertionstendinopathie: Tendinopathie, betrifft nur den Ansatz bzw. Ursprung einer Sehne
- Schambeinentzündung (Osteitis pubis)
- Gilt als Insertionstendinopathie
- Auftreten insb. bei Spitzensportler:innen [6]
- Tendinopathien am Schultergelenk [7]
- Betreffen Sehnen des M. supra- oder infraspinatus, M. subscapularis oder M. biceps brachii
- Mögliche Folgen bzw. einhergehend mit: Tendinosis calcarea, Rotatorenmanschettenruptur, Bizepssehnenruptur
Tendinopathien der oberen Extremität
Epicondylitis humeri radialis (Tennisellenbogen) [5][7][8][9]
- Definition: Tendinopathie der dorsalseitigen Extensoren des Unterarms
- Epidemiologie: 1–3% der Gesamtbevölkerung
- Ätiologie: Übermäßige Belastung der Extensoren des Unterarms, bspw. durch
- Wiederholte, monotone Bewegungsmuster für ≥2 h pro Tag (insb. durch Sportarten wie Tennis oder Spielen eines Instruments)
- Arbeiten mit schwerer Last (Gewicht >20 kg)
- Symptome/Klinik
- Schmerzen der dorsalseitigen Unterarmmuskulatur und des lateralen (radialen) Ellenbogens, ggf. mit Ausstrahlung in den Ober- und Unterarm
- Schmerzverstärkung bei Pronation und Dorsalextension, bei Supination und Flexion oder bei Faustschluss
- Funktionelle Schwäche des Handgelenks
- Klassifikation: Akute und chronische Form
- Provokationstests
- Chair Test: Auslösen von Schmerzen durch Hochheben eines Stuhls mit gestrecktem und proniertem Unterarm
- Coenen-Zeichen: Auslösen von Schmerzen durch „Schnipsen“ mit den Fingern
- Thomsen-Zeichen: Auftreten von Dehnungsschmerzen durch passive Flexion des Handgelenks bzw. der Finger
- Therapie
- Konservativ
- NSARs (oral oder topisch)
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)
- Trainingstherapie: Empfehlung für progressive Belastung der Extensoren des Handgelenks
- Weitere Therapieoptionen mit (bisher) unzureichender Evidenz
- Eigenbluttherapie (Platelet-rich Plasma oder Vollblut)
- Injektion von Botulinumtoxin A , Polidocanol (zur Sklerosierung von Gefäßen) oder Hyaluronsäure
- Prolotherapie: Meist Injektion von Dextrose und Lidocain
- Topische Anwendung von Glyceroltrinitrat
- Akupunktur
- Magnetfeldtherapie
- Strahlentherapie
- Orthesen und/oder Kinesio-Tape
- Operativ
- Indikation: Therapieresistente Beschwerden >6 Monate und entsprechender klinischer bzw. strukturell-morphologischer Befund
- Vorgehen
- Offen: Ablösung der Extensoren (sog. Hohmann-OP), Denervierung nervaler Strukturen (sog. Wilhelm-OP), Débridement und Sehneneinkerbung der Extensoren (sog. OP nach Nirschl)
- Perkutan: Tenotomie und Débridement über einen ca. 1 cm großen Hautschnitt
- Arthroskopisch : Débridement und Release des Sehnenansatzes des M. extensor carpi radialis brevis
- Konservativ
- Prognose
- Meist selbstlimitierende Erkrankung, jedoch Dauer bis zu 2 Jahren
- Bei korrekter Indikationsstellung zur Operation: Gute Ergebnisse
- Prävention
- Vermeiden repetitiver Überbelastung
- Belastungsmodifikation beim Auftreten von Beschwerden
- Arbeitsplatzmodifikation
- Modifikation der Spieltechnik
Epicondylitis humeri ulnaris (Golferellenbogen) [7][10]
- Definition: Tendinopathie der ventralseitigen Flexoren des Unterarms
- Epidemiologie: Ca. 1% der Gesamtbevölkerung [8]
- Ätiologie: Übermäßige Belastung der Flexoren des Unterarms, bspw. durch
- Wiederholte, monotone Flexion und Pronation, ggf. mit Valgusstress des Ellenbogens (insb. bei Sportarten wie Golf oder Tennis)
- Arbeiten mit schwerer Last
- Überkopfbelastung
- Symptome/Klinik
- Schmerzen der ventralseitigen Muskulatur und im Bereich des medialen (ulnaren) Ellenbogens
- Schmerzverstärkung bei Flexion und Pronation
- Provokationstest
- Flexion des Handgelenkes gegen Widerstand
- Therapie
- Konservativ: Siehe: Epicondylitis humeri radialis
- Operativ: Ausschließlich nach frustranem konservativen Therapieversuch erwägen
Tendinopathien der unteren Extremität
Gluteale Tendinopathie (Bursitis trochanterica) [11][12]
- Definition: Schmerzen im Bereich des Trochanter major
- Epidemiologie
- Häufigste Tendinopathie der unteren Extremität
- 40–79 Jahre
- ♀ > ♂
- Ätiologie
- Kompression der Sehne des Mm. gluteus medius und minimus durch den Tractus iliotibialis
- Vermehrte Spannung des Tractus iliotibialis, bspw. bei Flexion über 90° im Hüftgelenk
- Muskuläre Dysbalance: Relative Schwäche der Abduktoren der Hüfte
- Coxa vara
- Symptome/Klinik
- Druckschmerz über dem Trochanter major, ggf. mit Ausstrahlung in den lateralen Oberschenkel
- Schmerzen vermehrt in der Nacht
- Schmerzen bei Extension des Hüftgelenkes
- Provokationstests
- Einbeinstand: Schmerzen innerhalb von 30 Sekunden
- Flexion und Außenrotation der Hüfte: Beschwerden bei Adduktion durch Spannung des Tractus iliotibialis, Beschwerden bei Abduktion durch Anspannung der Glutealmuskulatur
- Therapie
- Konservativ
- Modifikation der Belastung
- Kurzzeitige Gabe von NSARs
- Physiotherapie
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Platelet-rich-Plasma(PRP)-Injektion
- Stoßwellentherapie
- Operativ
- Indikation: Nach frustranem konservativen Therapieverlauf erwägen
- Vorgehen
- Resektion der Bursa trochanterica
- Release (Ablösen) des Tractus iliotibialis
- Naht der Sehne der Mm. gluteus medius und minimus
- Konservativ
Als effektivste Behandlung bei glutealer Tendinopathie gilt die Physiotherapie!
Tractus-iliotibialis-Syndrom (ITBS, Läuferknie) [13][14][15]
- Definition: Überlastungsbedingte Beschwerden im Bereich des anterolateralen Knies
- Epidemiologie
- Ätiologie
- Irritation des Tractus iliotibialis über dem Epicondylus lateralis
- Kompression und Inflammation des Fettkörpers zwischen Tractus iliotibialis und Femur
- Risikofaktoren, bspw. Überpronation, Genu varus oder muskuläre Dysbalance
- Symptome/Klinik
- Stechende Schmerzen bei Belastung
- Druckschmerz am Epicondylus lateralis des Femurs
- Schmerzen am distalen Anteil des Tractus iliotibialis
- Provokationstests
- Lauf(band)test: Beschwerden anterolateral
- Noble-Test: In Rückenlage gebeugtes Knie langsam strecken, Druck von lateral: Beschwerden bei ca. 30° Flexion
- Thomas-Handgriff: Zur Beurteilung einer Verkürzung des M. iliopsoas, M. rectus femoris und Tractus iliotibialis
- Therapie
- Konservativ
- Modifikation der Belastung
- Orthesenversorgung
- Physiotherapie
- Kurzzeitige Gabe von NSARs
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Stoßwellentherapie
- Operativ
- Indikation: Nur indiziert bei frustranem konservativen Verlauf von mind. 6 Monaten
- Vorgehen
- Release (Ablösen) oder Verlängerung des Tractus iliotibialis
- Débridement des Fettkörpers
- Konservativ
Patellaspitzensyndrom (Jumper's Knee) [16][17][18]
- Definition: Belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der Patella- und Quadrizepssehne
- Epidemiologie
- 14,2% aller Sportler:innen
- Häufigste Überlastungsverletzung im Bereich des Kniegelenkes
- Häufigste Tendinopathie bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
- ♂ > ♀
- Ätiologie
- Repetitives Springen
- Ligamentäre Instabilität des Kniegelenkes
- Risikofaktoren, bspw. Übergewicht, Beinlängendifferenz oder muskuläre Dysbalance
- Symptome/Klinik
- Druckschmerz patellar
- Belastungsabhängige Beschwerden
- Provokationstests
- Single Leg Decline Squat: (Einbeinige) Kniebeuge auf einer abschüssigen Fläche, Beschwerden treten isoliert im Bereich der Patellasehne auf
- Royal-London-Hospital-Test: Beschwerden bei gestrecktem Kniegelenk, Schmerzreduktion bei flektiertem Kniegelenk
- Therapie
- Konservativ
- Modifikation der Belastung
- Physiotherapie
- Kurzzeitige Gabe von NSARs
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Platelet-rich-Plasma(PRP)-Injektion
- Stoßwellentherapie
- Operativ
- Indikation: Nur bei frustranem Therapieverlauf in Einzelfällen empfohlen
- Vorgehen
- Arthroskopisch: Débridement und Tenotomie der Patellasehne
- Offen: Débridement und Tenotomie der Patellasehne
- Konservativ
Achillodynie [19][20][21]
- Definition: Sammelbezeichnung für Beschwerden im Bereich der Achillessehne
- Epidemiologie
- 6% der Bevölkerung
- <9,5% aller laufbedingten Verletzungen
- Keine eindeutige Assoziation hinsichtlich Alter und Geschlecht
- Ätiologie
- Biomechanische Faktoren
- Trainingsfehler
- Gabe von Chinolon- und Fluorochinolon-Antibiotika
- Symptome/Klinik
- Schwellung und ggf. Rötung und Überwärmung
- Schmerzen und fehlende Belastbarkeit
- Druckschmerz
- Reduziertes Bewegungsausmaß und/oder Morgensteifigkeit
- Provokationstests
- Arc-Zeichen: Zusammendrücken der Sehne im Bereich der Verdickung, dann aktive Bewegung des Sprunggelenkes
- Royal-London-Hospital-Test: Zusammendrücken des schmerzhaften Bereiches der Sehne bei aktiver Bewegung des Sprunggelenkes
- Therapie
- Konservativ
- Modifikation der Belastung
- Ggf. Fersenpolster und/oder Absatzerhöhung, nächtliche Ruhigstellung
- Physiotherapie
- Kurzzeitige Gabe von NSARs
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Platelet-rich-Plasma(PRP)-Injektion
- Stoßwellentherapie
- Operativ
- Resektion der Haglund-Exostose und Bursektomie
- Débridement nekrotischer Sehnenanteile, ggf. Tenotomie, ggf. Augmentation
- Konservativ
Plantarfasziitis [22][23][24]
Die Plantarfasziitis ist zwar keine klassische Tendinopathie, da die betroffene Struktur eine Faszie bzw. Aponeurose ist. Jedoch sind Ätiologie, Histopathologie und Therapie so ähnlich, dass dieses Krankheitsbild hier abgehandelt wird.
- Definition: Beschwerden im Bereich der Fußsohle, meist der medialen Ferse
- Epidemiologie
- Ätiologie
- Biomechanische Faktoren, bspw. Pes planus
- Trainingsfehler: Ungeeignetes Schuhwerk oder Laufuntergrund
- Symptome/Klinik
- „Anlaufschmerz“, bspw. nach längerem Sitzen oder beim morgendlichen Aufstehen
- Plantarer Druckschmerz im Bereich des medialen Calcaneus
- Belastungsabhängige Beschwerden
- Provokationstests
- Passive Dorsalextension des Sprunggelenkes und der Zehen: Beschwerden plantar-medial
- Windlass-Test: Passive Extension des Hallux mit und ohne Belastung
- Therapie
- Konservativ
- Modifikation der Belastung
- Einlagenversorgung
- Dehnung der Unterschenkelmuskulatur
- Dehnung der Plantarfaszie
- Kurzzeitige Gabe von NSARs
- Peritendinöse Injektion von Glucocorticoiden
- Platelet-rich-Plasma(PRP)-Injektion
- Stoßwellentherapie
- Operativ
- Indikation: Nur bei frustranem konservativen Therapieverlauf zu erwägen
- Vorgehen: Offenes oder endoskopisches Ablösen der Plantarfaszie
- Konservativ
Differenzialdiagnosen
- Tendovaginitis (Peritendinitis, Paratendinitis, Tendosynovitis, Tenosynovitis)
- Bursitis
- Nervenkompressionssyndrome, bspw. Karpaltunnelsyndrom
- Repetitive-Strain-Injury-Syndrom (Mausarm)
- Muskuläre Verspannung oder Verkürzung
- Degenerative Veränderungen, bspw. Arthrose
- Weichteilimpingement, bspw. durch eine Plica
- Traumatische Schäden, bspw. Läsionen des Kapselbandapparates
- Fibromyalgie
- Chronisches Schmerzsyndrom
- Rheumatische Erkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen, bspw. Gicht
- Tendinosis calcarea
- Knöcherne Veränderungen, bspw. Fersensporn
Zu unterscheiden von den eigentlichen Tendinopathien sind u.a. entzündliche Prozesse in der unmittelbaren Umgebung der Sehnen!
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- M76.-: Enthesopathien der unteren Extremität mit Ausnahme des Fußes
- Hinweis: Die scheinbar spezifischen Begriffe Bursitis, Kapsulitis und Tendinitis werden gewöhnlich ohne Unterschied für verschiedene Störungen der peripheren Band- und Muskelansätze benutzt; die Mehrzahl dieser Krankheitszustände ist unter dem Oberbegriff „Enthesopathien“ zusammengeführt.
- Exklusive: Bursitis durch Beanspruchung, Überbeanspruchung und Druck (M70.‑)
- M76.0: Tendinitis der Glutäus-Sehne(n)
- M76.1: Tendinitis der Iliopsoas-Sehne
- M76.2: Knochensporn am Darmbeinkamm
- M76.3: Tractus-iliotibialis-Scheuersyndrom (Iliotibial band syndrome)
- M76.4: Bursitis im Bereich des Lig. collaterale tibiale (Stieda-Pellegrini)
- M76.5: Tendinitis der Patellarsehne
- M76.6: Tendinitis der Achillessehne (Bursitis subachillea)
- M76.7: Tendinitis der Peronäussehne(n)
- M76.8: Sonstige Enthesopathien der unteren Extremität mit Ausnahme des Fußes
- Tendinitis des M. tibialis anterior
- Tendinitis des M. tibialis posterior
- M76.9: Enthesopathie der unteren Extremität, nicht näher bezeichnet
- M77.-: Sonstige Enthesopathien
- Exklusive
- M77.0: Epicondylitis ulnaris humeri
- M77.1: Epicondylitis radialis humeri (Tennisellenbogen)
- M77.2: Periarthritis im Bereich des Handgelenkes
- M77.3: Kalkaneussporn
- M77.4: Metatarsalgie
- Exklusive: Morton-Neuralgie (Morton-Metatarsalgie) (G57.6)
- M77.5: Sonstige Enthesopathie des Fußes
- M77.8: Sonstige Enthesopathien, anderenorts nicht klassifiziert
- M77.9: Enthesopathie, nicht näher bezeichnet
- Kapsulitis o.n.A
- Knochensporn o.n.A
- Periarthritis o.n.A
- Tendinitis o.n.A
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.