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Lipidsenker

Letzte Aktualisierung: 14.12.2020

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Lipidsenker werden in der Therapie von Dyslipidämien sowie in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen eingesetzt. Eine zentrale Rolle nehmen die Statine ein; andere Lipidsenker kommen bei speziellen Indikationen, als zusätzliche Therapie bei unzureichender Wirkung der Statine oder bei Statinunverträglichkeit zum Einsatz.

Statine gehören zum führenden medikamentösen Therapieprinzip der Hyperlipidämie, wenn Lebensstilveränderungen (Ernährungsumstellung, Bewegung etc.) nicht ausreichend sind. Die lipidsenkende Wirkung erfolgt über eine Hemmung der HMG-CoA-Reduktase, dem Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese, und führt zu einer verminderten Bildung von LDL-Cholesterin bei gleichzeitig kompensatorisch erhöhter Expression hepatischer LDL-Rezeptoren. Dadurch senken Statine v.a. das Gesamt- und LDL-Cholesterin um bis zu 60%, weshalb sie bevorzugt in der Therapie der Hypercholesterinämie eingesetzt werden.

Wirkung

Wirkmechanismus

Effekte

Die benötigte Dosis, um eine bestimmte LDL-Senkung zu erreichen, variiert je nach Statin!

Nebenwirkungen von Statinen

Allgemeine Nebenwirkungen

Leber

Muskel („Statin-Myopathie“) [1]

Management der Statin-Myopathie

  • Bei CK-Erhöhung unter das 4-Fache des Normwertes
    • Bei fehlender Myalgie
      • Statin kann fortgeführt werden
      • Patienten darüber aufklären, dass sie bei eintretenden Myopathien das Medikament absetzen und sich erneut vorstellen sollen
    • Bei Myalgie: Statin für 4 Wochen pausieren, engmaschige CK-Kontrollen
      • Bei persistenter Myalgie nach 4 Wochen Pause: Statin wahrscheinlich nicht Ursache der CK-Erhöhung → Differentialdiagnosen prüfen → Erneutes Ansetzen desselben Statins kann erwogen werden
      • Bei Besserung der Myalgien: Ggf. anderes Statin eindosieren, Muskelsymptome und CK in diesem Fall engmaschig überwachen
  • Bei CK-Erhöhung über das 4-Fache des Normwertes: Statin für mind. 6 Wochen pausieren, engmaschige CK-Kontrollen, dann Neubewertung
    • Prüfung der Nierenfunktionsparameter
    • Abwarten der Normalisierung von CK, ggf. der Nierenfunktion und der myopathischen Symptome
    • Nach 6 Wochen ggf. hochpotentes Statin wie Atorvastatin in niedriger Dosierung alle 2–3 Tage erwägen
      • Bei Eindosierung: Muskelsymptome und CK engmaschig überwachen, bei Wiederauftreten Verzicht auf Statintherapie
  • Bei CK-Erhöhung über das 10-Fache des Normwertes
    • Statintherapie abbrechen, Prüfung der Nierenfunktionsparameter und ggf. Behandlung eines akuten Nierenversagens
    • CK bei abfallendem Trend bis zur Normalisierung regelmäßig (alle 2 Wochen) kontrollieren
  • Weiteres Vorgehen
    • Myopathie dokumentieren, Statine nicht mehr einsetzen
    • Rückgriff auf Lipidsenker 2. Wahl wie Ezetimib

Bei mehr als 4-fach erhöhter CK sind Statine stets zu pausieren – abhängig vom Verlauf kann eine erneute Statingabe nach 6 Wochen erwogen werden!

Indikationen [2]

Statine sind bei der Behandlung der Hypercholesterinämie essentieller Bestandteil der Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen.

Statine sind die medikamentöse Therapie der ersten Wahl bei Hypercholesterinämie und hohem kardiovaskulärem Risiko!

Kontraindikationen

  • Lebererkrankungen
  • Muskelerkrankungen
  • Bestehende oder geplante Schwangerschaft bzw. während der Stillperiode [2]

Interaktionen

Im Rahmen einer Statintherapie sollte, insb. bei Muskelschmerzen, immer das Risiko für eine Rhabdomyolyse bedacht werden!

Allgemeine Therapieempfehlungen

Simvastatin

Wirkstoff Simvastatin (z.B. Zocor®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
Indikationen
Zu beachten
  • Myopathien und erhöhte Rhabdomyolyseneigung → Initiale CK-Bestimmung und regelmäßige CK-Kontrollen
    • Polypharmazie vermeiden
  • Abendliche Einnahme
  • Dosierungsänderungen bedürfen 4 Wochen Abstand
  • Regelmäßige Kontrollen der LDL-Konzentration sind notwendig, um die optimale Erhaltungsdosis zu ermitteln

Kontraindikationen

DANI
  • Ab GFR <30 mL/min: Dosierungen über 10 mg/Tag nur unter Vorsicht und Risiko-Nutzen-Abwägung
DALI
  • Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Schwangerschaft: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kinder <10 Jahren: Kontraindikation
  • Kinder 10–17 Jahre: Initial Simvastatin 10 mg p.o. 0-0-1, Maximaldosis 40 mg/Tag

Atorvastatin

Wirkstoff Atorvastatin (z.B. Sortis®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Atorvastatin 10 mg p.o. 0-0-1, Dosissteigerung bis Maximaldosis von 80 mg/Tag möglich
Indikationen
Zu beachten
  • Myopathien und erhöhte Rhabdomyolyseneigung → Initiale CK-Bestimmung und regelmäßige CK-Kontrollen
  • Gabe kann zu jeder Tageszeit und unabhängig von Mahlzeiten erfolgen → Bessere Patienten-Compliance im Vergleich zu Simvastatin
  • Dosierungsänderungen bedürfen 4 Wochen Abstand
  • Zahlreiche Interaktionen mit anderen über die Leber verstoffwechselten Substanzen (z.B. Antimykotika, HIV-Protease-Inhibitoren, Makrolide, Gemfibrozil, Ciclosporin oder Danazol)
  • Regelmäßige Kontrollen der LDL-Konzentration sind notwendig, um die optimale Erhaltungsdosis zu ermitteln

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Aktive Lebererkrankung, persistierende Erhöhung der Transaminasen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
DANI
  • Keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Schwangerschaft: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Unzureichende Datenlage

Pravastatin

Wirkstoff Pravastatin (z.B. Pravasin®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Pravastatin 40 mg p.o. 0-0-1, Erhaltungsdosis 10–40 mg 0-0-1
Indikationen
Zu beachten
  • Myopathien und erhöhte Rhabdomyolyseneigung → Initiale CK-Bestimmung und regelmäßige CK-Kontrollen
  • Abendliche Einnahme
  • Dosierungsänderungen bedürfen 4 Wochen Abstand
  • Zahlreiche Interaktionen mit anderen über die Leber verstoffwechselten Substanzen (z.B. Antimykotika, HIV-Protease-Inhibitoren, Makrolide,Gemfibrozil, Ciclosporin oder Danazol)
  • Regelmäßige Kontrollen der LDL-Konzentration sind notwendig, um die optimale Erhaltungsdosis zu ermitteln

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Aktive Lebererkrankung, persistierende Erhöhung der Transaminasen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
DANI
  • Individuelle Dosisreduktion ist empfehlenswert
DALI
  • Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
  • Schwangerschaft: Kontraindikation
  • Stillzeit: Nicht empfohlene Substanz während der Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kinder <8 Jahren: Kontraindikation
  • Kinder 8–13 Jahre: Maximaldosis 20 mg/Tag
  • Kinder 14–18 Jahre: Empfohlene Erhaltungsdosis 10–40 mg/Tag, höhere Dosierungen werden nicht empfohlen

Fluvastatin

Wirkstoff Fluvastatin (z.B. Locol®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Fluvastatin 20 mg p.o. 0-0-1, Dosissteigerung bis Maximaldosis 80 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten
  • Myopathien und erhöhte Rhabdomyolyseneigung → Initiale CK-Bestimmung und regelmäßige CK-Kontrollen
  • Abendliche Einnahme
  • Dosierungsänderungen bedürfen 4 Wochen Abstand
  • Regelmäßige Bestimmung der Transaminasen zur Erkennung einer Leberfunktionsstörung
  • Regelmäßige Kontrollen der LDL-Konzentration sind notwendig, um die optimale Anfangs- und Erhaltungsdosis zu ermitteln
  • Gleichzeitige Gabe mit Fusidinsäure vermeiden

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Aktive Lebererkrankung, persistierende Erhöhung der Transaminasen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
DANI
  • Ab GFR <30 mL/min: Dosierungen über 40 mg/Tag nur unter Vorsicht und Risiko-Nutzen-Abwägung
DALI
  • Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kontraindikation (unzureichende Datenlage)

Rosuvastatin

Wirkstoff Rosuvastatin (z.B. Crestor®)
Applikation
  • p.o.
Standarddosierung
  • Rosuvastatin initial 5–10 mg p.o. 0-0-1, Dosiserhöhung nach 4 Wochen möglich, Maximaldosis 20 mg/Tag
  • Nur bei schwerer Hypercholesterinämie und hohem kardiovaskulärem Risiko max. 40 mg/Tag
Indikationen
Zu beachten
  • Myopathien und erhöhte Rhabdomyolyseneigung → Initiale CK-Bestimmung und regelmäßige CK-Kontrollen
  • Einnahme zu jeder Tageszeit und unabhängig von Mahlzeiten möglich
  • Dosierungsänderungen bedürfen 4 Wochen Abstand
  • Zahlreiche Interaktionen mit anderen über die Leber verstoffwechselten Substanzen (z.B. Antimykotika, HIV-Protease-Inhibitoren, Makrolide, Gemfibrozil, Ciclosporin oder Danazol)
  • Regelmäßige Kontrollen der LDL-Konzentration sind notwendig, um die optimale Erhaltungsdosis zu ermitteln
  • Regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion ab einer Dosis von 40 mg/Tag erwägen
  • Gleichzeitige Gabe mit Fusidinsäure vermeiden

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Schwere Niereninsuffizienz ab GFR <30 mL/min
  • Aktive Lebererkrankung, persistierende Erhöhung der Transaminasen
  • Myopathien
  • Zeitgleiche Behandlung mit Ciclosporin
  • Schwangerschaft, Stillzeit
  • Fehlende kontrazeptive Maßnahmen im gebärfähigen Alter
DANI
  • GFR <60 mL/min: Kontraindikation für 40-mg-Dosis
  • GFR <30 mL/min: Generelle Kontraindikation
DALI
  • Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit
Anwendung bei Kindern
  • Kinder <6 Jahren: nicht empfohlen
  • Kinder 6–17 Jahre: Anfangsdosis 5 mg/Tag; Datenlage begrenzt

Zeigen Fibrate binnen 3 Monaten Therapiedauer keinen nennenswerten triglyceridsenkenden Effekt, sollten andere Therapieformen erwogen werden!

  • Wirkmechanismus: Selektive Hemmung der Cholesterinresorption am Bürstensaum der Enterozyten (Cholesterol-Transporter NPC1L1)
  • Nebenwirkungen (insb. bei Kombinationstherapie): Lebertoxizität (Transaminasen↑), muskuläre Beschwerden
  • Indikation: Ezetimib als
    • Monotherapie: Bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeit einer Statintherapie
    • Kombinationstherapie (Statin + Ezetimib): Bei unzureichender LDL-Cholesterin-Senkung durch Statine
  • Kontraindikation
  • Besonderes: Trotz massiver LDL-Cholesterin-Senkung zeigen neuere Studien, dass die Gefäßwanddicke durch die Therapie unbeeinflusst bleibt und damit das Risiko für einen Gefäßverschluss möglicherweise nicht positiv beeinflusst wird

  • Wirkstoffe
    • Evolocumab
    • Alirocumab: Aktuell in Deutschland aus patentrechtlichen Gründen außer Handel
  • Wirkmechanismus [2]
  • Darreichungsform: s.c. Injektion
  • Nebenwirkungen: Infektionen der oberen Atemwege, Influenza, Arthralgien, Übelkeit
  • Indikationen
  • Kontraindikationen
    • Vorsichtige Anwendung bei schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen
    • Bestehende oder geplante Schwangerschaft bzw. während der Stillperiode [2]
  • Interaktionen: Erhöhte Clearance des PCSK9-Hemmers bei gleichzeitiger Anwendung mit Statinen, eine Dosisanpassung oder spez. Berücksichtigung dieses Umstandes ist nicht erforderlich

Nikotinsäure (außer Handel)

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Statine

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  1. Pocket-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Dyslipidämien. Stand: 1. Januar 2016. Abgerufen am: 24. Oktober 2017.
  2. Mach et al.: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk In: European Heart Journal. 2019, doi: 10.1093/eurheartj/ehz455 . | Open in Read by QxMD .
  3. Wiggins et al.: Recommendations for Management of Clinically Significant Drug-Drug Interactions With Statins and Select Agents Used in Patients With Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association In: Circulation. Band: 134, Nummer: 21, 2016, doi: 10.1161/cir.0000000000000456 . | Open in Read by QxMD p. e468-e495.
  4. Handlungsleitlinie Fettstoffwechselstörungen aus Empfehlungen zur Therapie von Fettstoffwechselstörungen (3. Auflage). Stand: 1. Mai 2012. Abgerufen am: 27. März 2018.
  5. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  6. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .
  7. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2018 .
  8. Bhatt et al.: Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia In: New England Journal of Medicine. Band: 380, Nummer: 1, 2019, doi: 10.1056/nejmoa1812792 . | Open in Read by QxMD p. 11-22.
  9. Icosapent-Ethyl in hoher Dosis: Wirksame „Fischöl“-Prophylaxe, die erneut beeindruckt. Stand: 28. März 2019. Abgerufen am: 3. November 2019.