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Trikuspidalklappeninsuffizienz

Letzte Aktualisierung: 27.9.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Als Trikuspidalklappeninsuffizienz (Syn.: Trikuspidalinsuffizienz, TI) wird ein unzureichender Verschluss der Trikuspidalklappe bezeichnet. Infolgedessen strömt während der Systole Blut aus dem rechten Ventrikel (RV) in den rechten Vorhof (RA). Leichte Formen kommen sehr häufig vor und sind bei normaler Klappenmorphologie meist physiologisch. Symptome treten insb. bei höhergradigen Insuffizienzen auf. Die Betroffenen klagen u.a. über unspezifische Beschwerden wie Leistungsminderung und Völlegefühl. Diagnostisch stehen die transthorakale und transösophageale Echokardiografie im Vordergrund. Neben symptomatisch-medikamentösen Therapieoptionen werden operative und zunehmend auch interventionelle Verfahren zur Behebung der Klappenundichtigkeit angewandt.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz [1][2]
    • Allgemein: Ca. 75% der Bevölkerung
    • Mind. mittelgradige TI: Ca. 0,6% der Bevölkerung
      • Altersabhängige Zunahme

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Primäre (organische) Trikuspidalklappeninsuffizienz (<10% der Fälle)

Sekundäre (funktionelle) Trikuspidalklappeninsuffizienz (>90% der Fälle)

Sonderform: Isolierte Trikuspidalklappeninsuffizienz

Pathophysiologietoggle arrow icon

Primäre Trikuspidalklappeninsuffizienz

  • Bei normalen Druckverhältnissen im Lungenkreislauf: Keine Druck-, sondern reine Volumenbelastung von RA und RV

Sekundäre Trikuspidalklappeninsuffizienz (am Beispiel einer Linksherzerkrankung)

Sonderform: Isolierte Trikuspidalklappeninsuffizienz

Systemische Folgen der Trikuspidalklappeninsuffizienz

Symptomatiktoggle arrow icon

Diagnostiktoggle arrow icon

Körperliche Untersuchung

Echokardiografie

Echokardiografische Quantifizierung der Trikuspidalklappeninsuffizienz

Differenzierte echokardiografische Quantifizierung der Trikuspidalklappeninsuffizienz [1]
Nach EACVI und ASE Geringgradig (I) Mittelgradig (II) Hochgradig (III)
Nach Hahn et al. [11] Hochgradig (III) Massiv (IV) Sintflutartig (V)
Klappenmorphologie (2D-Bild) Normal/pathologisch Pathologisch
Insuffizienzjet (CW-Doppler) Flau, parabelförmig Dicht, parabelförmig Dicht, triangulär, Vmax <2 m/s
Insuffizienzjet Farb-Doppler Klein Intermediär Großer zentraler Jet oder exzentrischer Jet
CW-Doppler
Flau, parabelförmig Dicht, parabelförmig Dicht, triangulär, Vmax <2 m/s
Trikuspidalklappeneinstrom (PW-Doppler) A-Welle dominant Intermediär E-Welle dominant (Vmax >1 m/s)
V. contracta (Farb-Doppler; biplan; mm) <3 3–6 7–13 14–20 ≥21
PISA-Radius (Farb-Doppler, mm) ≤5 6–9 >9
Errechnete EROA (PISA-Methode, mm2) <20 20–39 40–59 60–79 ≥80
Errechnetes Regurgitationsvolumen (mL/Schlag) <30 30–44 ≥45
Lebervenenfluss (PW-Doppler) Systolisch dominant Systolische Abschwächung Systolische Flussumkehr

Der pulmonal-arterielle Druck wird insb. bei hochgradiger Trikuspidalklappeninsuffizienz häufig unterschätzt oder kann gar nicht gemessen werden. Wenn keine valide Abschätzung möglich ist, sollte eine invasive Messung mittels Rechtsherzkatheter erwogen werden!

Weitere Diagnostik

Therapietoggle arrow icon

Allgemeines

Kausale Therapie

Chirurgische und interventionelle Therapie

  • Chirurgische oder interventionelle Behandlung i.d.R. bei (anhaltend) hochgradiger TI sinnvoll
  • Planung und Umsetzung der Therapiestrategie: Individuell durch ein Heart Team und in einem erfahrenen Zentrum

Indikationen zur chirurgischen oder interventionellen Versorgung bei Trikuspidalklappeninsuffizienz

  • Primäre TI
    • Als konkomitanter Eingriff bei Linksherzoperation
      • Hochgradige TI
      • Mittelgradige TI
    • Als isolierter Eingriff
      • Symptomatische hochgradige TI ohne relevante RV-Dysfunktion
      • Asymptomatische hochgradige TI mit zunehmender RV-Dilatation oder abnehmender RV-Funktion
  • Sekundäre TI
    • Als konkomitanter Eingriff bei Linksherzoperation
      • Hochgradige TI
      • Gering- oder mittelgradige TI mit Anulusdilatation
    • Als isolierter Eingriff
      • Hochgradige TI mit Symptomatik oder RV-Dilatation ohne schwere RV- oder LV-Dysfunktion und pulmonale Hypertonie

Chirurgische Therapieverfahren

  • Chirurgische Trikuspidalklappenrekonstruktion: Bevorzugtes Verfahren (insb. bei sekundärer Genese)
    • Anuloplastie mit Ringimplantat
    • Ggf. zusätzlich Segelaugmentation
  • Chirurgischer Trikuspidalklappenersatz: Wenn eine Rekonstruktion anatomisch oder technisch nicht möglich oder sinnvoll ist

Interventionelle Therapieverfahren

  • Transkutane Edge-to-Edge-Reparatur (TEER): Bspw. mittels TriClip® oder PASCAL®
    • Voraussetzung: Gute individuelle Schallbarkeit in der TEE
    • Anatomische Prädiktoren für eine erfolgreiche TEER bei TI (Auswahl)
      • Klappenkonfiguration
      • Lokalisation der Insuffizienz
      • Maximale Koaptationslücke
  • Interventionelle Anuloplastie: Bspw. mittels Cardioband®
    • Voraussetzungen
      • Gute individuelle Schallbarkeit in der TEE
      • Keine beeinflussenden ICD- oder Schrittmachersonden, strukturell geschädigten Segel oder Verkalkungen des Trikuspidalklappenanulus
      • Mind. 5 mm Abstand zwischen Segelansatz und A. coronaria dextra
  • Kathetergestützter Trikuspidalklappenersatz: Aktuell (Stand: 2024) noch keine eindeutigen Empfehlungen [1]

Die rechtzeitige Behandlung einer Trikuspidalklappeninsuffizienz ist essenziell, um einer irreversiblen Schädigung des rechten Ventrikels und Organfolgeschäden vorzubeugen!

Antikoagulation nach Trikuspidalklappeneingriff

Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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