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Reizdarmsyndrom

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

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Das Reizdarmsyndrom ist eine sehr häufige Erkrankung, unter der fast jeder zweite Patient mit Magen-Darm-Beschwerden leidet. Klinisch liegen unspezifische Veränderungen des Stuhlgangs (Diarrhö und/oder Obstipation) und abdominelle Beschwerden (diffuse Schmerzen, Druckgefühl) vor. Da die Erkrankung eine Ausschlussdiagnose darstellt, müssen zunächst somatische Erkrankungen abgeklärt werden - Voraussetzung für die Diagnosestellung sind unauffällige laborchemische, bildgebende und mikrobiologische Befunde. Die Therapie kann in einer Änderung der Essgewohnheiten, der Gabe von Spasmolytika und vor allem der Aufklärung über die Harmlosigkeit der Erkrankung bestehen.

  • Frauen deutlich häufiger als Männer betroffen

50% der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden leiden unter einem Reizdarmsyndrom!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Die zugrundeliegende Pathophysiologie ist noch nicht verstanden. Festgestellt wurde bei Patienten mit Reizdarmsyndrom eine verstärkte motorische Darmaktivität und eine viszerale Hypersensitivität (evtl. verursacht durch erhöhte Endorgansensitivität oder ZNS-Modulation). Die gastrointestinale Symptomatik wird durch Stress und Ärger verstärkt. Darminfektionen können ebenfalls ein Reizdarmsyndrom zur Folge haben.

  • Diffuse Bauchschmerzen im gesamten Magen-Darm-Trakt möglich
  • Druck- und Völlegefühl nach den Mahlzeiten, Blähungen
  • Obstipation, Diarrhö
    • Dünnflüssige, häufige Darmentleerungen
    • Ggf. mit Schleimbeimengungen
  • Stuhldrang, Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Besserung des abdominellen Druck- und Völlegefühls nach Darmentleerung
  • Schafskotartige Stühle

Warnhinweise, die gegen das Reizdarmsyndrom sprechen, sind nächtliche Diarrhö, Fieber, Blut im Stuhl und Gewichtsverlust!

Reizmagen-Syndrom

  • Klinik
    • Unspezifische Oberbauchbeschwerden
    • Völlegefühl
    • Frühe Sättigung
  • Diagnostik: Ausschluss somatischer Erkrankungen
  • Anamnese
    • Keine nächtliche Diarrhö
    • Kein Gewichtsverlust
    • Siehe: „Symptomatik“
  • Blutuntersuchung
  • Stuhluntersuchung
  • Evtl. weitere Ausschlussdiagnostik
  • Diagnosestellung nach aktueller S3-Leitlinie: Ein Reizdarmsyndrom liegt vor, wenn die folgenden drei Punkte erfüllt sind:
    • Es bestehen chronische, länger als drei Monate anhaltende, darmbezogene Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen), die in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen
    • Es liegt aufgrund der Symptome eine relevante Beeinträchtigung der Lebensqualität vor
    • Es liegen keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vor, die die Symptomatik erklären könnten

Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose: Somatische Erkrankungen müssen zunächst abgeklärt werden!

Allgemeine Maßnahmen

  • K58.-: Reizdarmsyndrom
    • Inklusive: Colon irritabile, Irritables Kolon, Reizkolon
    • K58.0: Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe
    • K58.9: Reizdarmsyndrom ohne Diarrhoe
      • Reizdarmsyndrom o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Stand: 1. Oktober 2010. Abgerufen am: 17. Oktober 2017.
  2. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .