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Wurmerkrankungen

Letzte Aktualisierung: 20.7.2021

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Bei parasitären Wurmerkrankungen kommt es klassischerweise über die perorale Aufnahme von Würmern und/oder Wurmeiern zu einem gastrointestinalen Befall, der abhängig vom Erreger verschiedene Symptome auslösen kann. Neben Durchfällen und Gewichtsverlust verursachen einige Würmer (z.B. Ankylostoma, Ascaris) asthmatische Beschwerden, da sie durch die Darmwand in die Lunge (Lungenpassage) wandern. Bei anderen (Taenia solium) kann es zu einer Fehlbesiedlung kommen, wenn der Mensch nicht als End-, sondern als Zwischenwirt dient, was mit schweren lebensbedrohlichen Komplikationen (z.B. Neurozystizerkose) einhergehen kann. Diagnostisch sind vor allem der direkte Nachweis in einer Stuhlprobe und der Nachweis einer Eosinophilie im Blutbild die wichtigsten Maßnahmen. Therapiert werden Wurmerkrankungen in der Regel mit den Anthelminthika Albendazol, Mebendazol und Praziquantel.

  • Ätiologie
    • Erreger: Enterobius vermicularis (Madenwurm)
    • Wirt: Mensch
    • Infektionsweg
      • Erstinfektion: Fäkal-oral, meist durch Schmierinfektionen (oder durch Einatmen der Eier über getrockneten Staub)
      • Reinfektion: Digital-oral, durch nächtliches Jucken am Anus
  • Epidemiologie
    • Häufigste Wurmerkrankung in Europa, insb. Kinder betroffen
    • 50 % der Menschen weltweit sind min. einmal in ihrem Leben befallen
    • Weltweit etwa 1 Milliarde Infizierte
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Materialgewinnung mittels analem Klebestreifen
      • Untersuchungszeitpunkt: Morgens, da die Weibchen meist nachts ihre Eier in der Perianalgegend auf die Haut legen
      • Mikroskopischer Nachweis von Wurmeiern
    • Stuhlprobe: Nachweis von Eiern bzw. Würmern
    • Makroskopischer Nachweis von Würmern im Stuhl oder im Analbereich bzw. in der Vulva

Zum Vergleich: Normalbefunde

Akutbehandlung [1]

Bei Nachweis von Oxyuren sollte immer eine anthelminthische Therapie erfolgen, weil Hygienemaßnahmen alleine nicht zu einer Eradikation führen.

  • Pyrviniumembonat (z.B. Molevac®)
    • Darreichungsformen: Orale Applikation als Saft , Tropfen und/oder Dragees
    • Zugelassen ab dem 4. Lebensmonat
    • Standarddosierung (jedes Alter)
    • Zu beachten
      • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
      • Führt zur Stuhlentfärbung
  • Pyrantel (z.B. Helmex®)
    • Darreichungsformen: Suspension und Kautabletten
    • Zugelassen ab dem 7. Lebensmonat
    • Standarddosierung (jedes Alter)
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen Pyrantelembonat, Soja, Erdnuss oder sonstige Bestandteile sowie bei Leberschädigung
  • Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®)
    • Darreichungsformen Tabletten
    • Zugelassen ab 2 J.
    • Standarddosierung [2] (jedes Alter)
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile sowie bei schweren Lebererkrankungen, gleichzeitiger Anwendung von Metronidazol oder Immunsuppressiva (v.a. Glucocorticoide)

Rezidivprophylaxe

  • Nach erfolgter Therapie Waschen von benutzter Kleidung und Bettwäsche
  • Kein Ausschütteln der Bettwäsche
  • Schneiden und Bürsten der Fingernägel bei allen im Haushalt lebenden Personen
  • Tägliches morgendliches Waschen

Vorgehen bei anhaltender oder rezidivierender Oxyuriasis [3]

  • Bei anhaltendem Befall nach durchgeführter Akutbehandlung: Therapie mit einem der drei empfohlenen Wirkstoffe in oben aufgeführten Dosen; Wiederholung nach 2 und 4 Wochen, zeitgleich auch bei allen im Haushalt lebenden Personen
  • Bei rezidivierenden Infektionen
    • Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®)
      • Darreichungsformen: Orale Applikation als Tabletten
      • Zugelassen ab 2 J.
      • Standarddosierung (jedes Alter)
      • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile sowie bei schweren Lebererkrankungen, gleichzeitiger Anwendung von Metronidazol oder Immunsuppressiva (v.a. Glucocorticoide)
    • Albendazol (z.B. Eskazole®) als Alternative zu Mebendazol
      • Darreichungsformen Tabletten
      • Zugelassen ab 6 J. (in Deutschland)
      • Standarddosierung (jedes Alter)
      • Zu beachten

Albendazol ist für diese Indikation nur in der Schweiz zugelassen, darüber müssen die Eltern aufgeklärt werden (off-label-use)!

Vulvovaginitis durch Oxyuren [3]

Eine Vulvovaginitis durch Oxyuren kann Ursache eines hartnäckigen Befalls sein. Daher ist hier die Behandlung mit Mebendazol oder Albendazol empfohlen.

  • Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®)
    • Darreichungsformen Tabletten
    • Zugelassen ab 2 J.
    • Standarddosierung (jedes Alter)
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile sowie bei schweren Lebererkrankungen, gleichzeitiger Anwendung von Metronidazol oder Immunsuppressiva (v.a. Glucocorticoide)
  • Albendazol (z.B. Eskazole®)
    • Darreichungsformen Tabletten
    • Zugelassen ab 6 J. (in Deutschland)
    • Pädiatrische Dosierung (altersabhängig)
      • Kinder 1–2 J. und <10 kgKG
      • Kinder >2 J. und >10 kgKG
    • Zu beachten

Albendazol ist für diese Indikation und für dieses Alter nur in der Schweiz zugelassen, darüber müssen die Eltern aufgeklärt werden (off-label-use)!

Bei der Ascariasis handelt es sich um eine durch den Spulwurm Ascaris lumbricoides ausgelöste Parasitose. Die Eier des Spulwurms gelangen über kontaminierte Lebensmittel in den Dünndarm. Dort werden die Larven aufgenommen und können anschließend über den Blutkreislauf in die Lunge geraten, wo sie eine lokale Entzündungsreaktion auslösen, in Begleitung von Hämoptysen „hochgehustet“ und erneut verschluckt werden. Dieser Kreislauf wird als tracheale Wanderung bezeichnet und wiederholt sich solange, bis therapeutisch mit Anthelminthika (z.B. Mebendazol) interveniert wird.

Der Verzehr von rohem, larvenhaltigem Fleisch (Schwein) kann zum Krankheitsbild der Trichinellose führen. In einer intestinalen Phase kommt es zu den Symptomen: Erbrechen, Durchfall und Fieber. Vom Dünndarm wandern die Erreger in verschiedene Muskeln und kapseln sich dort ein (Muskeltrichinen). Bei Einwanderung der Larven in anderes Gewebe kommt es zu Fieber, Gesichts- und periorbitalen Ödemen (extraintestinale Phase). Im Labor ist eine Eosinophilie nachweisbar. In den meisten Fällen kommt es innerhalb von Wochen zu einer Ausheilung. Treten Komplikationen auf (Myokarditis und/oder Enzephalitis), so kann die Erkrankung aber auch letal verlaufen. Das Garen von kontaminiertem Fleisch über 80 °C tötet den Erreger ab.

Es gibt zwei Verlaufsformen von Taenia-Infektionen: Die Taeniasis entsteht durch Aufnahme von Finnen durch Fleischverzehr, wobei der Mensch als Endwirt dient. Die Zystizerkose entsteht hingegen durch die Aufnahme von Eiern von Taenia solium. In diesem Rahmen dient der Mensch als Zwischenwirt, wodurch die Infektion einen schwereren Verlauf zeigt.

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir Videos zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

Echinokokkose

Oxyuriasis

Wurmmittel

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

B68.-: Taeniasis

B70.-: Diphyllobothriose und Sparganose

  • B70.0: Diphyllobothriose
  • B70.1: Sparganose
    • Befall durch Diphyllobothrium-Larven
    • Infektion durch:
      • Sparganum (mansoni) (proliferum)
      • Spirometra-Larven
    • Spirometrosis

B75: Trichinellose

B76.-: Hakenwurm-Krankheit

  • Inklusive: Unzinariasis
  • B76.0: Ankylostomiasis
  • B76.1: Nekatoriasis
  • B76.8: Sonstige Hakenwurm-Krankheiten
  • B76.9: Hakenwurm-Krankheit, nicht näher bezeichnet

B77.-: Askaridose

  • Inklusive: Askariasis, Askaridiasis, Spulwurm-Infektion
  • B77.0: Askaridose mit intestinalen Komplikationen
  • B77.8: Askaridose mit sonstigen Komplikationen
  • B77.9: Askaridose, nicht näher bezeichnet

B78.-: Strongyloidiasis

B80: Enterobiasis

B83.-: Sonstige Helminthosen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Dietel et al.: Harrisons Innere Medizin (2 Bände). 16. Auflage ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft 2005, ISBN: 978-3-936-07229-7 .
  2. Speer, Gahr: Pädiatrie. 4. Auflage Springer 2013, ISBN: 3-642-34268-x .
  3. Wigger, Stange: Medikamente in der Pädiatrie: Inklusive Neonatologie/ Intensivmedizin. 4. Auflage Urban & Fischer 2013, ISBN: 3-437-21454-3 .
  4. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 6 . Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2013, ISBN: 978-3-131-44716-6 .
  5. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  6. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  7. Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Stand: 15. September 2011. Abgerufen am: 24. August 2016.
  8. Schmid: Ambulanzmanual Pädiatrie von A–Z. Springer 2014, ISBN: 978-3-642-41892-1 .
  9. Trichinellose, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 1. April 2013. Abgerufen am: 8. Oktober 2017.