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Intraossärer Zugang - Klinische Anwendung

Letzte Aktualisierung: 2.12.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Anlage eines intraossären Zugangs erlebte in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Paradigmenwechsel: Vom Ausnahmeverfahren avancierte sie zur etablierten Alternative in der Notfallmedizin und löste bspw. bei der Reanimation die endobronchiale Gabe von Medikamenten ab. Nicht nur zur Versorgung von Kindern, sondern auch bei Erwachsenen gehört die Anlage eines intraossären Zugangs daher zu den grundlegenden praktischen Fertigkeiten rettungsmedizinischen Personals. Vorteilhaft ist insb. die Schnelligkeit des Verfahrens. Bei schwierigen Venenverhältnissen und unter Zeitdruck kann hierdurch ein sicherer Zugang für alle gängigen notfallmedizinischen Medikamente und Infusionen geschaffen werden. Voraussetzungen dafür sind jedoch eine Vertrautheit mit der Funktionsweise des jeweiligen verwendeten Punktionssystems sowie ein regelmäßiges Training. Fast alle Komplikationen sind durch eine falsche Technik bzw. Handhabung verursacht. Zudem muss beachtet werden, dass der intraossäre Zugang nur eine temporäre Lösung zur Überbrückung ist. Somit ist er nur bis zur Schaffung eines anderen venösen Zugangs indiziert und sollte nach spätestens 24 h entfernt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

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Definitiontoggle arrow icon

Der intraossäre Zugang ist eine temporäre Alternative zur zeitnahen Gabe von Medikamenten und/oder Volumen im Notfall, falls die Anlage eines PVK oder ZVK nicht gelingt!

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Anatomische und physiologische Grundlagentoggle arrow icon

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Indikationtoggle arrow icon

Nahezu alle i.v. verabreichten Notfallmedikamente und Infusionen können auch intraossär verabreicht werden!

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Kontraindikationtoggle arrow icon

Absolute Kontraindikationen

Bei akuter Lebensgefahr gibt es grundsätzlich keine absoluten Kontraindikationen für eine intraossäre Infusion! Jedoch sind der potenzielle Nutzen bzw. die Erfolgsaussichten der Punktion bei Vorliegen der absoluten Risikofaktoren so sehr reduziert, dass auf alternative Verfahren oder Punktionsstellen ausgewichen werden sollte!

Relative Kontraindikationen

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Vorbereitungtoggle arrow icon

Materialien [5][6]

  • Desinfektionsmittel
  • Sterile Handschuhe
  • Steriles Lochtuch
  • Sterile Unterlage
  • Tuchrolle oder Polster zur Lagerung
  • Punktionskanüle bzw. Punktionssystem [7][8]
    • Manuelle Systeme
    • Halbautomatische Systeme
    • Automatische Systeme
  • 10-mL-Spritze mit 5–10 mL Lokalanästhetikum (bspw. 5–10 mL Lidocain 1% wie etwa 1% Xylocain®)
  • 10-mL-Spritze mit 5–10 mL NaCl 0,9%
  • Dünne Kanüle (25 G–26 G) zur Infiltration der Haut bis zum Periost mit Lokalanästhetikum
  • Kurze Infusionsleitung mit Dreiwegehahn
  • Druckspülsystem
  • Verbandmaterial bzw. Material zum Fixieren des Zugangs

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Auswahl der Punktionsstelle [1][7]

Bei der Auswahl der optimalen Punktionsstelle sind Besonderheiten des verwendeten Punktionssystems sowie die Kontraindikationen zur Anlage eines intraossären Zugangs zu beachten. Die Punktion des Sternums erfordert spezielle Punktionssysteme.

Auswahl der Punktionsstelle zur Anlage eines intraossären Zugangs
Kinder Erwachsene
1. Wahl Proximale Tibia Proximale Tibia , alternativ: Sternum
2. Wahl Distale Tibia
3. Wahl Distales Femur Proximaler Humerus

Bei Kindern darf keinesfalls eine sternale Punktion durchgeführt werden, da die beengten anatomischen Verhältnisse das Risiko einer mediastinalen Perforation bergen!

Lagerung und Vorbereitung der Punktionsstelle [7]

Prinzip der manuellen intraossären Punktion [1][3][7][8][9]

  1. Hygienische Händedesinfektion
  2. Desinfektion der Punktionsstelle: Gründliches und großzügiges Desinfizieren des Areals mit vollständiger Benetzung durch das Desinfektionsmittel; Einwirkzeit beachten und abwarten
  3. Anziehen der sterilen Handschuhe
  4. Auflegen eines durchsichtigen Lochtuches, sodass die geplante Punktionsstelle zentral im Lochbereich liegt
  5. Ggf. Lokalanästhesie der Punktionsstelle bei wachen Personen (Infiltrationsanästhesie)
  6. Punktion: Über dem Knochen liegende Haut mit der freien Hand spannen, Kanüle aufsetzen, 90° Einstichwinkel, unter gleichmäßigen Links-Rechts-Drehbewegungen und konstantem Druck in den Knochen einbringen, bis Widerstand nachlässt
  7. Entfernen des Trokars bzw. Mandrins
  8. Lagekontrolle
  9. Fixieren: Zugang und Zuleitung der Infusion sicher fixieren
  10. Anschluss der Infusionsleitung: Möglichst Druckinfusionssystem verwenden, um Zugang gleichmäßig durchzuspülen
  11. Dokumentation des Punktionszeitpunkts

Bei akuter vitaler Bedrohung sollte man einige Aspekte zu Hygiene und Infektionsschutz der raschen Etablierung eines Zugangs unterordnen (bspw. durch Verzicht auf ein Lochtuch)!

Wegen des Risikos einer potenziell lebensbedrohlichen Überdosierung soll bei Kindern kein Lidocain zur Linderung des Punktions- und Injektionsschmerzes verabreicht werden! [11]

Handling und Entfernen des intraossären Zugangs [1]

  • Regelmäßige Kontrollen bei intraossärer Infusionsgabe
  • Unmittelbar nach Medikamentengabe: Flüssigkeitsbolus zum Einschwemmen des Wirkstoffs verabreichen, bspw. 5–10 mL NaCl 0,9%
  • Insb. bei Katecholamingabe: Gleichzeitige Infusionsgabe, um potenzielle Extravasation früh zu bemerken
  • Liegedauer: So kurz wie möglich, max. 24 h
  • Entfernung: Unter sterilen Bedingungen, Punktionsstelle für mind. 48 h steril verbinden
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Komplikationentoggle arrow icon

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