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AV-Block

Letzte Aktualisierung: 28.10.2020

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Eine Überleitungsstörung im Bereich des AV-Knotens zwischen Vorhof und Kammer wird als AV-Block bezeichnet und je nach Ausmaß des Blockbildes in drei Stadien eingeteilt. Erstgradige Blockbilder zeigen sich ausschließlich im EKG durch Verlängerung der PQ-Zeit und haben isoliert keinen Krankheitswert. Beim AV-Block II° wird zwischen zwei Subtypen unterschieden: Der Typ 1 „Wenckebach“ ist durch eine periodische Zunahme der PQ-Zeit gekennzeichnet, bei der es zwischenzeitlich zum Ausfall eines einzelnen Kammerkomplexes kommt, und bleibt ebenfalls meist asymptomatisch. Beim Typ 2 „Mobitz“ tritt nur im 2:1- oder 3:1-Rhythmus ein Kammerkomplex auf – hier ist ein Übergang in den totalen AV-Block III° möglich und kritisch zu bewerten. Ein drittgradiger AV-Block führt zur vollständigen Entkopplung von Vorhof und Kammer. Der daraufhin einsetzende Kammerersatzrhythmus kann einerseits verzögert – mit lebensbedrohlich langer Pause oder Adams-Stokes-Anfall – stimulieren oder zu gefährlicher Bradykardie führen. Daher besteht in diesem Fall eine absolute Schrittmacherindikation.

AV-Block I°

  • PQ-Zeit ist auf >200 Millisekunden verlängert
  • Sinusknotenfrequenz = Herzfrequenz
  • Befund kann auch bei Gesunden auftreten (z.B. Sportler mit erhöhtem Vagotonus) und hat allein genommen keinen pathologischen Wert

AV-Block II°

  • Typ 1 „Wenckebach (auch: Wenckebach-Periodik)
    • PQ-Zeit nimmt mit jeder Herzaktion zu
    • Zunahme der PQ-Zeit setzt sich bis zum vollständigen Fehlen einer Herzaktion nach einer regulären Vorhoferregung (normale P-Welle) fort
    • Sinusknotenfrequenz > Herzfrequenz, meist rhythmisch mit plötzlicher Pause, dadurch häufig Reduktion der Herzfrequenz auf bradykarde Werte
  • Typ 2 „Mobitz
    • Vereinzelter oder regelmäßiger Ausfall eines QRS-Komplexes nach vorangegangener P-Welle, die PQ-Zeit bleibt dabei konstant
      • 2:1-Überleitung: Regelmäßige AV-Blockierung, bei der jede zweite Vorhoferregung (P-Welle) auf die Kammer übergeleitet wird
      • 3:1-Überleitung: Regelmäßige AV-Blockierung, bei der nur jede dritte Vorhoferregung auf die Kammer übergeleitet wird
    • Die Pause entspricht einem doppelten PP-Intervall

Da der AV-Block II° Typ 2 „Mobitz“ in einen AV-Block III° übergehen kann, stellt er einen Notfall dar!

AV-Block III° („totaler AV-Block“)

  • Linksposteriorer Hemiblock
    • Blockade des hinteren Faszikels am linken Tawara-Schenkel
    • (Überdrehter) Rechtstyp mit träger R-Progression
    • Die Diagnose im EKG ist schwierig und kann nur gestellt werden, wenn der Rechtslagetyp nicht durch Rechtsherzbelastung erklärt werden kann
  • Linksanteriorer Hemiblock
  • Linksschenkelblock
  • Rechtsschenkelblock
  • Sinuatrialer Block
    • Definition: Reizleitungsstörung im Sinusknoten selbst
    • Einteilung
      • SA-Block I.°: Leitungsverzögerung von Sinusknoten auf Vorhofmyokard
      • SA-Block II.°: Periodische Leitungsverzögerung nach zwei Mustern
        • Typ 1 (Wenckebach): Progrediente Verkürzung des PP-Intervalls gefolgt von einer Pause, die kürzer ist als beide vorausgegangenen PP-Intervalle zusammen
        • Typ 2 (Mobitz): Gelegentlicher Ausfall einer gesamten elektrischen Herzerregung (z.B. einer 2:1 oder 3:1-Periodik folgend)
      • SA-Block III.°: Die Weiterleitung vom Sinusknoten auf den Vorhof ist komplett unterbrochen, so dass bei Bestehen eine Asystolie vorliegen kann, wenn kein Ersatzrhythmus (AV-junktional oder ventrikulär) einspringt.

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Siehe: Fahrtauglichkeit bei bradykarden Herzrhythmusstörungen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  2. Hahn: Checkliste Innere Medizin. 6. Auflage Thieme 2010, ISBN: 978-3-131-07246-7 .
  3. Fröhlig et al.: Herzschrittmacher- und Defibrillator-Therapie. Thieme 2013, ISBN: 978-3-131-55912-8 .