Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Anaphylaxie und anaphylaktoide Reaktionen - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 3.11.2020

Grundlagentoggle arrow icon

Ziel der AMBOSS-SOP Anaphylaxie

Klinische Präsentation

Diagnosekriterien der Anaphylaxie
Akuter Beginn
  • Minuten bis Stunden nach Exposition
Erfüllung eines der 3 Kriterien
  • Exposition mit bekanntem Allergen PLUS
  • Hypotension

Kein Symptom ist obligat. Eine Anaphylaxie kann sich auch ohne Haut- und Schleimhautmanifestation zeigen (10% der Fälle)!

Häufigste Auslöser schwerer anaphylaktischer oder anaphylaktoider Reaktionen

  • Kinder: Lebensmittelallergien , Insektengifte
  • Erwachsene: Insektengifte, Medikamente

In 20% der Fälle kann kein Auslöser gefunden werden!

Sofortmaßnahmen

Die sofortige Entfernung des Auslösers und die schnellstmögliche Verabreichung von Adrenalin stellen die wichtigsten Maßnahmen bei Beteiligung der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems dar. Eine Verzögerung der Therapie kann zu Atemversagen, Schock und Tod führen!

  • STOP Allergenzufuhr bzw. Exposition gegenüber Auslöser
  • Adrenalin intramuskulär bei Beteiligung der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems
    • Autoinjektor i.m. (wenn vorhanden): In die Außenseite des Oberschenkels, bei fehlender Wirkung alle 5–15 min wiederholen (max. 3 Anwendungen)
      • Kinder 15–30 kg: 150 μg
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 300 μg
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 300–600 μg
    • Injektionslösung i.m. (alternativ): 0,01 mL/kgKG in einer Verdünnung 1:1.000 (1 mg/1 mL)
  • Sauerstoff inhalativ bei Beteiligung der Atemwege und bei anaphylaktischem Schock: 100% O2 mit hohem Fluss über Atemmaske
    • Kinder <15 kg: 2–10 L/min
    • Kinder ≥15 kg und Erwachsene: 5–12 L/min
  • Symptomorientierte Lagerung
  • Legen eines i.v./intraossären Zugangs
  • Volumengabe i.v./intraossär: Vollelektrolytlösung als i.v. Bolus
    • Kinder ≤30 kg: 20 mL/kgKG
    • Kinder und Erwachsene >30 kg: 10–20 mL/kgKG
  • Monitoring der Vitalparameter

Adrenalin darf in einer Verdünnung 1:1.000 nur intramuskulär verabreicht werden! Intravenös würde eine solche Dosierung zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand führen!

Weiterführende symptomorientierte Therapie

Atemwegsmanagement

Bei rapider klinischer Verschlechterung sollte frühzeitig eine erfahrene anästhesiologische oder intensivmedizinische Hilfe für ein adäquates Atemwegsmanagement (fiberoptische Intubation, Koniotomie) gerufen werden!

Kreislaufmanagement (Therapie eines anaphylaktischen Schocks)

Für eine intravenöse oder intraossäre Injektion sollte Adrenalin verdünnt werden (Adrenalin 1:1.000 (1 mg/1 mL) verdünnt mit 9 mL NaCl 0,9 % → Endkonzentration: Adrenalin 1:10.000 (1 mg/10 mL)!

Antiallergische Begleittherapie

  • Durchführung: Kombination von H1- und H2-Antihistaminikum sowie Steroid
  • H1-Antihistaminikum: Intravenös oder oral (siehe: H1-Antihistaminika)
    • Dimetinden als i.v. Bolus
      • Kinder (ab 1 Jahr) <15 kg: 1 mL (1 mg/1 mL)
      • Kinder 15–30 kg: 2–3 mL (1 mg/1 mL)
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 4 mL (1 Ampulle)
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 8 mL (2 Ampullen) ODER 0,1 mg/kgKG
    • Clemastin als i.v. Bolus
      • Kinder (ab 1 Jahr) <65 kg: 0,03 mg/kgKG (max. 2 mg = 1 Ampulle)
      • Kinder und Erwachsene >65 kg: 2 mg (1 Ampulle) ODER 0,05 mg/kg KG
  • H2-Antihistaminikum: Nur in Kombination mit einem H1-Antihistaminikum bei schweren Anaphylaxien/Therapieresistenz
  • Steroide
    • Hochdosiertes Prednisolon als i.v. Bolus
      • Kinder <15 kg: 50 mg
      • Kinder 15–30 kg: 100 mg
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 250 mg
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 500–1.000 mg
    • Alternativ: Prednison rektal oder oral

Supportive Therapie

Überwachung

  1. Ring et al.: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie In: Allergo J Int. Nummer: 23, 2014, doi: 10.1007/s40629-014-0009-1 . | Open in Read by QxMD p. 96-112.
  2. Anagnostou, Turner: Myths, facts and controversies in the diagnosis and management of anaphylaxis In: Archives of Disease in Childhood. Band: 104, Nummer: 1, 2018, doi: 10.1136/archdischild-2018-314867 . | Open in Read by QxMD p. 83-90.
  3. Lieberman et al.: Anaphylaxis—a practice parameter update 2015 In: Annals of Allergy, Asthma & Immunology. Band: 115, Nummer: 5, 2015, doi: 10.1016/j.anai.2015.07.019 . | Open in Read by QxMD p. 341-384.
  4. Rukma: Glucagon for Refractory Anaphylaxis In: American Journal of Therapeutics. Band: 26, Nummer: 6, 2019, doi: 10.1097/mjt.0000000000000910 . | Open in Read by QxMD p. e755-e756.
  5. Worm et al.: Triggers and Treatment of Anaphylaxis In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0367 . | Open in Read by QxMD .