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Anaphylaxie und anaphylaktoide Reaktionen - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 5.8.2021

Grundlagentoggle arrow icon

Ziel der AMBOSS-SOP Anaphylaxie

Klinische Präsentation

Diagnosekriterien der Anaphylaxie
Akuter Beginn
  • Minuten bis Stunden nach Exposition
Erfüllung eines der 3 Kriterien
  • Exposition mit bekanntem Allergen PLUS
  • Hypotension

Kein Symptom ist obligat. Eine Anaphylaxie kann sich auch ohne Haut- und Schleimhautmanifestation zeigen (10% der Fälle)!

Häufigste Auslöser schwerer anaphylaktischer oder anaphylaktoider Reaktionen

  • Kinder: Lebensmittelallergien , Insektengifte
  • Erwachsene: Insektengifte, Medikamente

In 20% der Fälle kann kein Auslöser gefunden werden!

Sofortmaßnahmen [1]

Die sofortige Entfernung des Auslösers und die schnellstmögliche Verabreichung von Adrenalin stellen die wichtigsten Maßnahmen bei Beteiligung der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems dar. Eine Verzögerung der Therapie kann zu Atemversagen, Schock und Tod führen!

  • STOP Allergenzufuhr bzw. Exposition gegenüber Auslöser
  • Adrenalin intramuskulär bei Beteiligung der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems
    • Autoinjektor i.m. (wenn vorhanden): In die Außenseite des Oberschenkels, bei fehlender Wirkung alle 5–15 min wiederholen (max. 3 Anwendungen)
      • Kinder 15–30 kg: 150 μg
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 300 μg
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 300–600 μg
    • Injektionslösung i.m. (alternativ): 0,01 mL/kgKG in einer Verdünnung 1:1.000 (1 mg/1 mL)
  • Sauerstoff inhalativ bei Beteiligung der Atemwege und bei anaphylaktischem Schock: 100% O2 mit hohem Fluss über Atemmaske
    • Kinder <15 kg: 2–10 L/min
    • Kinder ≥15 kg und Erwachsene: 5–12 L/min
  • Symptomorientierte Lagerung
  • Legen eines i.v./intraossären Zugangs
  • Volumengabe i.v./intraossär: Vollelektrolytlösung als i.v. Bolus
    • Kinder ≤30 kg: 20 mL/kgKG
    • Kinder und Erwachsene >30 kg: 10–20 mL/kgKG
  • Monitoring der Vitalparameter

Adrenalin darf in einer Verdünnung 1:1.000 nur intramuskulär verabreicht werden! Intravenös würde eine solche Dosierung zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand führen!

Weiterführende symptomorientierte Therapie

Atemwegsmanagement [1]

Bei rapider klinischer Verschlechterung sollte frühzeitig eine erfahrene anästhesiologische oder intensivmedizinische Hilfe für ein adäquates Atemwegsmanagement (fiberoptische Intubation, Koniotomie) gerufen werden!

Kreislaufmanagement (Therapie eines anaphylaktischen Schocks) [1]

Für eine intravenöse oder intraossäre Injektion sollte Adrenalin verdünnt werden (Adrenalin 1:1.000 (1 mg/1 mL) verdünnt mit 9 mL NaCl 0,9 % → Endkonzentration: Adrenalin 1:10.000 (1 mg/10 mL)!

Antiallergische Begleittherapie [1]

  • Durchführung: Kombination von H1- und H2-Antihistaminikum sowie Steroid
  • H1-Antihistaminikum: Intravenös oder oral (siehe: H1-Antihistaminika)
    • Dimetinden als i.v. Bolus
      • Kinder (ab 1 Jahr) <15 kg: 1 mL (1 mg/1 mL)
      • Kinder 15–30 kg: 2–3 mL (1 mg/1 mL)
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 4 mL (1 Ampulle)
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 8 mL (2 Ampullen) ODER 0,1 mg/kgKG
    • Clemastin als i.v. Bolus
      • Kinder (ab 1 Jahr) <65 kg: 0,03 mg/kgKG (max. 2 mg = 1 Ampulle)
      • Kinder und Erwachsene >65 kg: 2 mg (1 Ampulle) ODER 0,05 mg/kg KG
  • H2-Antihistaminikum: Nur in Kombination mit einem H1-Antihistaminikum bei schweren Anaphylaxien/Therapieresistenz
  • Steroide
    • Hochdosiertes Prednisolon als i.v. Bolus
      • Kinder <15 kg: 50 mg
      • Kinder 15–30 kg: 100 mg
      • Kinder und Erwachsene >30–60 kg: 250 mg
      • Kinder und Erwachsene >60 kg: 500–1.000 mg
    • Alternativ: Prednison rektal oder oral

Supportive Therapie

Überwachung

  1. Ring et al.: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie In: Allergo J Int. Nummer: 23, 2014, doi: 10.1007/s40629-014-0009-1 . | Open in Read by QxMD p. 96-112.
  2. Anagnostou, Turner: Myths, facts and controversies in the diagnosis and management of anaphylaxis In: Archives of Disease in Childhood. Band: 104, Nummer: 1, 2018, doi: 10.1136/archdischild-2018-314867 . | Open in Read by QxMD p. 83-90.
  3. Lieberman et al.: Anaphylaxis—a practice parameter update 2015 In: Annals of Allergy, Asthma & Immunology. Band: 115, Nummer: 5, 2015, doi: 10.1016/j.anai.2015.07.019 . | Open in Read by QxMD p. 341-384.
  4. Rukma: Glucagon for Refractory Anaphylaxis In: American Journal of Therapeutics. Band: 26, Nummer: 6, 2019, doi: 10.1097/mjt.0000000000000910 . | Open in Read by QxMD p. e755-e756.
  5. Worm et al.: Triggers and Treatment of Anaphylaxis In: Deutsches Aerzteblatt Online. 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0367 . | Open in Read by QxMD .