Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Denguefieber

Letzte Aktualisierung: 6.2.2021

Abstracttoggle arrow icon

Das durch das Denguevirus ausgelöste Denguefieber wird hauptsächlich über die Mückenart Aedes aegypti übertragen. Als Endemiegebiet gelten die gesamten Tropen, wobei insbesondere im tropischen Asien mit einem vermehrten Auftreten zu rechnen ist. Die Klinik ist klassischerweise von einem dreiphasigen Verlauf geprägt: Die erste Phase geht mit hohem Fieber, Arthralgien und Myalgien einher. Nach einer kurzen fieberfreien Zeit ist ein erneutes Auftreten des Fiebers (biphasisch) sowie gegebenenfalls das Entstehen eines Masern-ähnlichen Exanthems typisch. Die Symptome halten etwa eine Woche an und sistieren dann meist spontan - oder es kommt in einer dritten Phase zum hämorrhagischen Denguefieber mit Schocksymptomatik, Thrombozytopenie und petechialen Blutungen. Die Therapie erfolgt rein symptomatisch.

Seit 2015 ist in einigen Ländern ein tetravalenter Impfstoff zugelassen.

  • Häufigkeit: Etwa 50–100 Millionen symptomatische Fälle jährlich [1]
  • Vorkommen: Tropen weltweit, insb. tropisches Asien (bspw. Thailand)

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Erreger: Dengue-Virus (RNA-Virus aus dem Genus der Flaviviren)
    • Fünf Serotypen bekannt: Dengue-Virus (DENV) 1 bis 5 [2]
    • Immunität nach Infektion nur gegen den entsprechenden Serotyp, keine Kreuzimmunität
  • Infektionsweg: Vektor-Übertragung
    • Mücken der Gattung Aedes (Synonym: Stegomyia)
      • Aedes aegypti (hauptsächlich)
      • Aedes albopictus (seltener)

  • Inkubationszeit
    • 2–14 Tage
  • Symptome
    • 90% asymptomatisch
    • 10% symptomatisches Dengue-Fieber
      • Stadium I (Tag 1–2)
      • Stadium II (Tag 3–5)
      • Stadium III (nach 1 Woche)
        • I.d.R. Abklingen der Symptome
        • In 1–2% der Fälle kommt es zum hämorrhagischen Dengue-Fieber
  • Letalität bei hospitalisierten Patienten
    • Unter adäquater supportiver Therapie <1%
    • Historisch bei bis zu 20%!
  • Antibody-dependent-enhancement (ADE)
    • Dengue-Fieber verläuft schwerer, wenn nicht-neutralisierende Antikörper vorhanden sind
      • Auftreten: Bei abgelaufenen Infektionen mit anderen Dengue-Stämmen
      • Pathophysiologie: Wahrscheinlich erleichterte Aufnahme in Körperzellen
      • Folge: Mehr hämorrhagische Verläufe bei Reinfektion mit anderem Stamm!

Das hämorrhagische Dengue-Fieber tritt gehäuft auf, wenn Menschen mehreren Virustypen gleichzeitig oder nacheinander ausgesetzt sind. Die Krankheit verläuft demnach interessanterweise schwerer, wenn bereits Antikörper gegen andere Dengue-Viren gebildet wurden!

Bei klinischem Verdacht aufgrund der Symptomatik und der Reiseanamnese erfolgt die Diagnose durch einen direkten Erregernachweis (über PCR, in der akuten Phase) oder über die Serologie.

  • Klinik: Bei Risikopersonen (Reiseanamnese!) sollte bei einer fieberhaften Erkrankung mit den oben beschriebenen Symptomen an Denguefieber gedacht werden
  • Labordiagnostik
    • Unspezifische Zeichen
    • Direkter Erregernachweis: Tag 3–7
      • Virusisolierung und Anzucht
      • Nachweis von Virus-RNA (RT-PCR)
      • Antigennachweis (NS1)
    • Serologie: ab Tag 7
      • IgM ab Tag 10 bei 99% der Erstinfizierten nachweisbar
      • IgG etwa ab Tag 7 nachweisbar, Persistenz für Monate, tlw. lebenslang
  • Praktisches Vorgehen bei begründetem Verdacht in Deutschland:
    • Rücksprache mit dem Bernhard-Nocht-Institut (BNITM) (siehe Tipps und Links) : Beratung und ggf. Labordiagnostik hier möglich

Eine Diagnose nur aufgrund der Symptomatik ist kaum möglich, differentialdiagnostisch kommen viele andere fieberhafte Erkrankungen infrage, bspw:

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Eine kausale Therapie existiert nicht, sodass das Denguefieber symptomatisch behandelt werden muss. Bei schwereren Verläufen stehen der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes sowie die Beherrschung von Blutungskomplikationen im Vordergrund.

Kein ASS oder Ibuprofen, da an sich schon eine erhöhte Blutungsneigung besteht! Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen in Endemiegebieten kann z.B. auf Paracetamol zurückgegriffen werden!

  • Letalität bei hospitalisierten Patienten
    • Unter adäquater supportiver Therapie <1%
    • Historisch bei bis zu 20%!

Vektorkontrolle

  • Eindämmung von Aedes-Mücken
  • Schutz vor Mückenstichen

Denguefieber-Impfung [3]

  • Keine Standardimpfung in Deutschland
  • Zulassung: In Endemiegebieten lebende Personen im Alter von 9–45 Jahren mit stattgehabter Denguevirus-Infektion [4]
    • Erhöhtes Risiko schwerer Denguefieber-Verläufe bei Dengue-naiven geimpften Personen [5][6][7][8]
    • Bei Patienten, die bereits eine Denguevirus-Infektion hatten, wird durch die Impfung i.d.R. ein anhaltender Schutz erreicht
  • Impfstoff: Tetravalenter Vektorimpfstoff, replizierend [9][10][11]
  • Impfschema: 3 Impfdosen im Abstand von je 6 Monaten

Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht eine namentliche Meldepflicht bei

  • Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an Virus-bedingtem hämorrhagischen Fieber
  • Direktem und indirektem Nachweis von Erregern hämorrhagischer Fieber, soweit der Nachweis hinweisend ist auf eine akute Infektion

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir durchdachte Merkhilfen zum Einprägen relevanter Fakten, dies sind animierte Videos und Erkundungsbilder. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung, oder mit Basis- und Expertenwissen, Quiz und Kurzwiederholung. Eine Übersicht über alle Inhalte findest du in dem Kapitel Meditricks. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – welche, siehst du im Shop.

Inhaltliches Feedback ggf. bitte an kontakt@meditricks.de.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Stanaway et al.: The global burden of dengue: an analysis from the Global Burden of Disease Study 2013 In: Lancet Infect Dis.. 2016, doi: 10.1016/S1473-3099(16)00026-8 . | Open in Read by QxMD .
  2. Mustafa et al.: Discovery of fifth serotype of dengue virus (DENV-5): A new public health dilemma in dengue control In: Med J Armed Forces India. 2014, doi: 10.1016/j.mjafi.2014.09.011 . | Open in Read by QxMD .
  3. Dengvaxia® Product Information. Stand: 19. Mai 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  4. World Health Organization (WHO): Dengue Vaccine: WHO position paper - September 2018 In: Weekly epidemiological record. Band: 93, Nummer: 36, 2018, p. 457-476.
  5. Katzelnick et al.: Antibody-dependent enhancement of severe dengue disease in humans In: Science. Band: 358, Nummer: 6365, 2017, doi: 10.1126/science.aan6836 . | Open in Read by QxMD p. 929-932.
  6. Ulrich et al.: Dengue Fever, COVID-19 (SARS-CoV-2), and Antibody-Dependent Enhancement (ADE): A Perspective In: Cytometry Part A. Band: 97, Nummer: 7, 2020, doi: 10.1002/cyto.a.24047 . | Open in Read by QxMD p. 662-667.
  7. Shukla et al.: Antibody-Dependent Enhancement: A Challenge for Developing a Safe Dengue Vaccine In: Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. Band: 10, 2020, doi: 10.3389/fcimb.2020.572681 . | Open in Read by QxMD p. article 572681.
  8. Arvin et al.: A perspective on potential antibody-dependent enhancement of SARS-CoV-2 In: Nature. Band: 584, Nummer: 7821, 2020, doi: 10.1038/s41586-020-2538-8 . | Open in Read by QxMD p. 353-363.
  9. van Riel, de Wit: Next-generation vaccine platforms for COVID-19 In: Nature Materials. Band: 19, Nummer: 8, 2020, doi: 10.1038/s41563-020-0746-0 . | Open in Read by QxMD p. 810-812.
  10. Rauch et al.: New Vaccine Technologies to Combat Outbreak Situations In: Frontiers in Immunology. Band: 9, 2018, doi: 10.3389/fimmu.2018.01963 . | Open in Read by QxMD p. number 1963.
  11. Thomas, Yoon: A review of Dengvaxia®: development to deployment In: Human Vaccines & Immunotherapeutics. Band: 15, Nummer: 10, 2019, doi: 10.1080/21645515.2019.1658503 . | Open in Read by QxMD p. 2295-2314.
  12. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  13. Hof, Dörries: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 3. Auflage Thieme 2004, ISBN: 3-131-25313-4 .
  14. Dengue Guidelines for Diagnosis, Treatment, Prevention and Control. Stand: 1. Januar 2009. Abgerufen am: 8. September 2016.
  15. Brady et al.: Refining the global spatial limits of dengue virus transmission by evidence-based consensus. In: PLoS Negl Trop Dis. 2012, doi: 10.1371/journal.pntd.0001760 . | Open in Read by QxMD .