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Denguefieber

Letzte Aktualisierung: 31.7.2022

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Das Denguefieber ist eine in den (Sub‑)Tropen häufig auftretende Infektionserkrankung (insb. in Asien sowie Latein- und Südamerika). Sie wird durch Stiche der tagaktiven Tigermücke (Aedes aegypti, Aedes albopictus) übertragen. Das Denguefieber ist in Europa als häufige Ursache und Differenzialdiagnose von Fiebererkrankungen bei Reisenden von Bedeutung.

Klinisch tritt meist 2–14 Tage nach Infektion ein influenzaähnliches Krankheitsbild mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Myalgien („Knochenbrecherfieber“), Exanthem und retrobulbären Kopfschmerzen auf. In seltenen Fällen kann es nach der Entfieberung biphasisch zu einem schweren Denguefieber mit Blutungen, Kapillarlecksyndrom oder Organversagen kommen. Wichtige Warnsymptome sind bspw. abdominelle Beschwerden oder anhaltendes Erbrechen. Laborchemisch zeigen sich typischerweise eine Thrombo- und Leukopenie sowie eine Transaminasenerhöhung. Zum Nachweis des Erregers dienen das NS1-Antigen, die PCR und die Serologie.

Die Therapie erfolgt rein symptomatisch. Seit einigen Jahren ist zur Prävention neben der Mücken-Prophylaxe ein tetravalenter Impfstoff zugelassen, der jedoch nur in Einzelfällen für Personen in Endemiegebieten empfohlen ist.

  • Häufigkeit: Etwa 50–100 Millionen symptomatische Fälle jährlich [1]
  • Vorkommen: Tropen weltweit, insb. tropisches Asien (bspw. Thailand) sowie Latein- bzw. Südamerika [2]

Das Denguefieber ist die häufigste Ursache für Fieber bei Reiserückkehrer:innen aus Asien und Lateinamerika! [3]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Erreger: Denguevirus (RNA-Virus aus dem Genus der Flaviviren)
    • 4 Serotypen bekannt: Denguevirus (DENV) 1–4 [4][5]
    • Immunität nach Infektion nur gegen den entsprechenden Serotyp, keine Kreuzimmunität
  • Infektionsweg: Vektor-Übertragung
    • Tigermücken (Gattung Aedes; Synonym: Stegomyia)
      • Vorwiegend tagaktiv (insb. in der Dämmerung)
      • Aedes aegypti (hauptsächlich)
      • Aedes albopictus (seltener)

Antibody-dependent Enhancement (ADE) [6]

Das Vorliegen nicht-/subneutralisierender Antikörper führt bei (erneuter) Denguevirus-Infektion – insb. durch andere Serotypen – zu einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe (wie dem hämorrhagischen Denguefieber)!

Eine Denguevirus-Infektion verläuft meist asymptomatisch. Falls es zu einem Denguefieber kommt, ist das schwere Denguefieber abzugrenzen. Dieses tritt als seltene Komplikation biphasisch nach einer zwischenzeitlichen Entfieberung auf. Die klinischen Warnzeichen können helfen, die Personen zu überwachen und solche mit einer schweren Infektion zu identifizieren.

Denguefieber [1][15][16]

Es kommt zu einem influenzaähnlichen Krankheitsbild mit plötzlichem Beginn, hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl.

Denguefieber mit Warnzeichen [1][15][16]

  • Hämatokrit↑ mit raschem Abfall der Thrombozyten
  • Bewusstseinsstörungen
  • Lethargie
  • Flüssigkeitseinlagerungen
  • Lebervergrößerung >2 cm
  • Schleimhautblutungen
  • Anhaltendes Erbrechen
  • Schwere abdominelle Beschwerden oder druckschmerzhaftes Abdomen

Diese Warnzeichen (Red Flags) sollten bei Denguevirus-Infektion regelmäßig evaluiert werden – Personen mit Warnzeichen sollten stationär aufgenommen und engmaschiger überwacht werden!

Schweres Denguefieber [1][15][16][17]

  • Synonyme (veraltet): Hämorrhagisches Denguefieber, Dengue hemorrhagic Fever (DHF)
  • Beginn: 3–7 Tage nach Symptombeginn, insb. in den 24–48 h um die Entfieberung
  • Häufigkeit: 1–2% der Fälle
  • Erhöhtes Risiko
    • Vorherige Dengue-Infektion
    • Kinder ≤1 Jahre (insb. in Endemiegebieten)
    • Komorbiditäten
  • Symptome
    • Kapillarlecksyndrom: Ggf. mit Flüssigkeitseinlagerungen, respiratorischer Verschlechterung und/oder Schock (Dengue Shock Syndrome, DSS)
    • Schwere Blutung
    • Organversagen

Das klassische klinische Bild einer Dengue-Infektion umfasst Fieber mit starkem Krankheitsgefühl, ein Exanthem und eine Thrombopenie nach einer Tropenreise (meist Südostasien oder Südamerika)!

  • Labordiagnostik
  • Erregernachweis
    • Direkt: Methode der Wahl mit NS1-Antigen + PCR
    • Indirekt: Serologie
      • IgM: Nachweis spricht für eine akute Infektion, ab ca. 5 Tagen positiv
      • IgG: Titeranstieg von IgG um mehr als das 4-Fache gilt als beweisend, später positiv als IgM, bleiben lange nachweisbar (ggf. auch lebenslang)
    • Zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen
  • Praktisches Vorgehen bei begründetem Verdacht in Deutschland:
    • Rücksprache mit dem Bernhard-Nocht-Institut (BNITM) (siehe Tipps und Links) : Beratung und ggf. Labordiagnostik sind hier möglich

Bei klinischem Verdacht aufgrund der Symptomatik und der Reiseanamnese erfolgt die Diagnose durch einen direkten Erregernachweis (NS1-Antigen, PCR) oder über die Serologie (IgM, IgG)!

Bei fiebernden Reiserückkehrer:innen aus Endemiegebieten mit typischer Symptomatik sollte der Ausschluss eines Denguefiebers erfolgen!

Bei Reiserückkehrer:innen aus einem Malaria-Endemiegebiet sollte auch bei bereits gesicherter Dengue-Infektion eine Malaria ausgeschlossen werden!

Eine Diagnose nur aufgrund der Symptomatik ist kaum möglich, da differenzialdiagnostisch viele andere fieberhafte Erkrankungen infrage kommen, bspw.

Die klinische Symptomatik des Denguefiebers ist einer Zikavirus-Infektion oder der Chikungunya ähnlich und daher klinisch nicht sicher zu unterscheiden!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Eine kausale Therapie existiert nicht, sodass das Denguefieber symptomatisch behandelt werden muss. Bei schwereren Verläufen stehen der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes sowie die Beherrschung von Blutungskomplikationen im Vordergrund.

Stationäre oder ambulante Behandlung

  • Stationäre Aufnahme: Bei Red Flags bei Denguefieber oder bestimmten Personengruppen , sonst ambulante Behandlung
  • Bei ambulant geführten Personen
    • Wiedereinbestellung: Mehrfach wöchentlich bis täglich inkl.
    • Aufklärung
      • Auf regelmäßige Flüssigkeitszufuhr hinweisen
      • Red Flags bei Denguefieber mit Empfehlung zur Wiedervorstellung bei Auftreten
      • „Kritische Phase“ (ca. 24–48 h nach Entfieberung, ca. 3.–7. Symptomtag), bei der es selten, aber potenziell zu einer raschen Verschlechterung kommen kann

Management

Kein ASS oder NSAR, da bereits eine erhöhte Blutungsneigung besteht!

  • Letalität bei hospitalisierten Personen
    • Unter adäquater supportiver Therapie <1%
    • Unbehandelt bis zu 20%

Vektorkontrolle

  • Eindämmung von Aedes-Mücken
  • Schutz vor Mückenstichen

Denguefieber-Impfung [19]

Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht eine namentliche Meldepflicht bei

  • Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an virusbedingtem hämorrhagischem Fieber (durch behandelndes ärztliches Personal)
  • Direktem und indirektem Nachweis von Erregern hämorrhagischer Fieber, soweit der Nachweis hinweisend auf eine akute Infektion ist (durch Laborpersonal)

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  • A97.-: Dengue
    • A97.0: Dengue-Fieber ohne Warnzeichen (Hämorrhagisches Dengue-Fieber, Grad 1 und Grad 2; Hämorrhagisches Dengue-Fieber ohne Warnzeichen)
    • A97.1: Dengue-Fieber mit Warnzeichen (Hämorrhagisches Dengue-Fieber mit Warnzeichen)
    • A97.2: Schweres Dengue (Schweres Dengue-Fieber, Schweres hämorrhagisches Dengue-Fieber)
    • A97.9: Dengue, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Dengvaxia® Product Information. Stand: 19. Mai 2020. Abgerufen am: 4. Januar 2021.
  2. World Health Organization (WHO): Dengue Vaccine: WHO position paper - September 2018 In: Weekly epidemiological record. Band: 93, Nummer: 36, 2018, p. 457-476.
  3. Katzelnick et al.: Antibody-dependent enhancement of severe dengue disease in humans In: Science. Band: 358, Nummer: 6365, 2017, doi: 10.1126/science.aan6836 . | Open in Read by QxMD p. 929-932.
  4. Ulrich et al.: Dengue Fever, COVID-19 (SARS-CoV-2), and Antibody-Dependent Enhancement (ADE): A Perspective In: Cytometry Part A. Band: 97, Nummer: 7, 2020, doi: 10.1002/cyto.a.24047 . | Open in Read by QxMD p. 662-667.
  5. Shukla et al.: Antibody-Dependent Enhancement: A Challenge for Developing a Safe Dengue Vaccine In: Frontiers in Cellular and Infection Microbiology. Band: 10, 2020, doi: 10.3389/fcimb.2020.572681 . | Open in Read by QxMD p. article 572681.
  6. Arvin et al.: A perspective on potential antibody-dependent enhancement of SARS-CoV-2 In: Nature. Band: 584, Nummer: 7821, 2020, doi: 10.1038/s41586-020-2538-8 . | Open in Read by QxMD p. 353-363.
  7. van Riel, de Wit: Next-generation vaccine platforms for COVID-19 In: Nature Materials. Band: 19, Nummer: 8, 2020, doi: 10.1038/s41563-020-0746-0 . | Open in Read by QxMD p. 810-812.
  8. Rauch et al.: New Vaccine Technologies to Combat Outbreak Situations In: Frontiers in Immunology. Band: 9, 2018, doi: 10.3389/fimmu.2018.01963 . | Open in Read by QxMD p. number 1963.
  9. Thomas, Yoon: A review of Dengvaxia®: development to deployment In: Human Vaccines & Immunotherapeutics. Band: 15, Nummer: 10, 2019, doi: 10.1080/21645515.2019.1658503 . | Open in Read by QxMD p. 2295-2314.
  10. WHO - Dengue and severe dengue fact sheet 2020. Stand: 23. Juni 2020. Abgerufen am: 3. Februar 2021.
  11. Tomasello, Schlagenhauf: Chikungunya and dengue autochthonous cases in Europe, 2007–2012 In: Travel Medicine and Infectious Disease. Band: 11, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1016/j.tmaid.2013.07.006 . | Open in Read by QxMD p. 274-284.
  12. Löscher: Fieber nach Tropenaufenthalt In: hautnah dermatologie. Band: 35, Nummer: 3, 2019, doi: 10.1007/s15012-019-3090-9 . | Open in Read by QxMD p. 39-48.
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  14. Mustafa et al.: Discovery of fifth serotype of dengue virus (DENV-5): A new public health dilemma in dengue control In: Med J Armed Forces India. 2014, doi: 10.1016/j.mjafi.2014.09.011 . | Open in Read by QxMD .
  15. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) - Dengue Case Management for Clinicians 2021. . Abgerufen am: 13. Mai 2022.
  16. Herold et al.: Innere Medizin 2021. Herold 2021, ISBN: 978-3-982-11660-0 .
  17. WHO: Dengue Guidelines for Diagnosis, Treatment, Prevention and Control 2009. Stand: 1. Januar 2009. Abgerufen am: 8. September 2016.
  18. Jung et al.: Klinikleitfaden Infektiologie. Elsevier 2020, ISBN: 978-3-437-22321-1 .
  19. Lee et al.: Antibody-dependent enhancement and SARS-CoV-2 vaccines and therapies In: Nature Microbiology. Band: 5, Nummer: 10, 2020, doi: 10.1038/s41564-020-00789-5 . | Open in Read by QxMD p. 1185-1191.
  20. Wen et al.: Antibody-dependent enhancement of coronavirus In: International Journal of Infectious Diseases. Band: 100, 2020, doi: 10.1016/j.ijid.2020.09.015 . | Open in Read by QxMD p. 483-489.
  21. Polack: Atypical Measles and Enhanced Respiratory Syncytial Virus Disease (ERD) Made Simple In: Pediatric Research. Band: 62, Nummer: 1, 2007, doi: 10.1203/pdr.0b013e3180686ce0 . | Open in Read by QxMD p. 111-115.
  22. Acosta et al.: Brief History and Characterization of Enhanced Respiratory Syncytial Virus Disease In: Clinical and Vaccine Immunology. Band: 23, Nummer: 3, 2015, doi: 10.1128/cvi.00609-15 . | Open in Read by QxMD p. 189-195.
  23. Karthik et al.: Role of antibody-dependent enhancement (ADE) in the virulence of SARS-CoV-2 and its mitigation strategies for the development of vaccines and immunotherapies to counter COVID-19 In: Human Vaccines & Immunotherapeutics. Band: 16, Nummer: 12, 2020, doi: 10.1080/21645515.2020.1796425 . | Open in Read by QxMD p. 3055-3060.
  24. Brady et al.: Refining the global spatial limits of dengue virus transmission by evidence-based consensus. In: PLoS Negl Trop Dis. 2012, doi: 10.1371/journal.pntd.0001760 . | Open in Read by QxMD .