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Katzenkratzkrankheit

Letzte Aktualisierung: 26.7.2021

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Die Katzenkratzkrankheit ist eine Infektion mit Bartonella henselae (seltener B. clarridgeiae), die insb. Kinder und Jugendliche betrifft. Die Erreger werden vorwiegend von jungen Katzen über kleine Hautläsionen übertragen und führen typischerweise im Verlauf zu einer unilateralen Lymphadenitis im Bereich der Eintrittsstelle. Zur Diagnosesicherung wird der serologische Antikörpernachweis empfohlen. Die Erkrankung verläuft zumeist selbstlimitierend, kann jedoch über Wochen bis Monate andauern. Selten entwickeln sich eine Lymphknoteneinschmelzung oder ein Organbefall, sodass eine antibiotische Therapie und/oder chirurgische Sanierung erforderlich wird. Besonders immunsupprimierte Personen sind häufiger schwer betroffen.

  • Vorkommen: Weltweit [1]
  • Inzidenz: Keine Daten verfügbar, in Deutschland selten diagnostiziert
  • Durchseuchung mit Bartonella henselae in Deutschland: Ca. 10%
  • Häufigkeitsgipfel: Kindes- und Jugendalter [2]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Erreger: Meist Bartonella henselae , seltener Bartonella clarridgeiae [1]
  • Infektionswege
    • Direkte Übertragung über Kratz- bzw. Bisswunden von jungen Katzen, selten Hunden [3][4]
    • Vektorübertragung über Katzenflöhe [2] und ggf. über Zecken
    • Keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bekannt
  • Saisonalität: Vorkommen insb. zwischen September und Februar (in Deutschland)

Die regionale Lymphadenitis ist i.d.R. der erste Hinweis auf die Erkrankung, da die initial auftretende Hautläsion meist übersehen wird! Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist die Primärläsion daher häufig nicht mehr zu eruieren!

Die Diagnosestellung der Lymphknotenschwellung erfolgt auf Basis von Anamnese und klinischer Untersuchung, zur Diagnosesicherung der Katzenkratzkrankheit wird die Serologie empfohlen. Ist die genaue Diagnose noch unklar, erfolgen Untersuchungen zur Differentialdiagnostik. [1][3][6]

Für eine Blutkultur ist der V.a. eine Bartonellen-Infektion als Information an das untersuchende Labor von größter Bedeutung!

Differentialdiagnosen der Lymphknotenschwellung [6][7][8]
Infektiöse Ursachen
Bakteriell
Viral
Pilzinfektionen
Parasitär
Nicht-infektiöse Ursachen
Maligne
Lymphoproliferativ
  • Autoimmunes lymphoproliferatives Syndrom (ALPS)
  • Posttransplant lymphoproliferative Disease (PTLD)
  • X-chromosomale lymphoproliferative Erkrankungen (XLP)
Immunologisch
Stoffwechselerkrankungen
Medikamenten-induziert

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Systemische Antibiotikatherapie [1]

  • Indikationen
  • Wirkstoffe
    • Azithromycin: Alter 3 Monate bis 12 Jahre , Alter ≥13 Jahre
    • Alternativen
      • Doxycyclin : Alter 9–12 Jahre , Alter ≥13 Jahre oder
      • Roxithromycin: Alter 1 Monat bis 12 Jahre , Alter ≥13 Jahre
    • Ggf. plus Rifampicin : Alter 1 Monate bis 12 Jahre , Alter ≥13 Jahre

Chirurgische Sanierung mit Lymphknotenresektion [3]

  • Indikation: Einschmelzung und/oder Abszedierung

Aufgrund des meist selbstlimitierenden Verlaufs (teils über Monate) sind antibiotische oder chirurgische Therapieoptionen i.d.R. nicht notwendig!

Komplikationen kommen bei der Katzenkratzkrankheit selten vor, können jedoch viele Organsysteme betreffen!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Bei Immunsupprimierten: Rückfälle trotz Antibiotikatherapie häufig [1]

Aufgrund des meist milden, selbstlimitierenden Verlaufes sind Präventionsmaßnahmen für die Allgemeinbevölkerung nicht notwendig. [1]

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für die Katzenkratzkrankheit oder Bartonellosen im Allgemeinen.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .
  2. Schöffel et al.: Die Katzenkratzkrankheit In: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie. Band: 68, Nummer: 4, 2017, doi: 10.1007/s40664-017-0224-y . | Open in Read by QxMD p. 211-213.
  3. von Fintel et al.: Submandibuläre Lymphknotenschwellung bei einem 3‑jährigen Mädchen In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band: 166, Nummer: 1, 2017, doi: 10.1007/s00112-017-0412-z . | Open in Read by QxMD p. 10-13.
  4. Jäckel et al.: Okuloglanduläres Syndrom nach Parinaud - Seltene Differenzialdiagnose des „roten Auges“ In: HNO. Band: 54, Nummer: 1, 2006, doi: 10.1007/s00106-005-1221-6 . | Open in Read by QxMD p. 37-40.
  5. Dixon et al.: Parinaud’s Oculoglandular Syndrome: A Case in an Adult with Flea-Borne Typhus and a Review In: Tropical Medicine and Infectious Disease. Band: 5, Nummer: 3, 2020, doi: 10.3390/tropicalmed5030126 . | Open in Read by QxMD p. 126.
  6. Lymphknotenvergrößerung. Stand: 1. April 2020. Abgerufen am: 22. April 2021.
  7. Gaddey, Riegel: Unexplained Lymphadenopathy: Evaluation and Differential Diagnosis. In: American family physician. Band: 94, Nummer: 11, 2016, p. 896-903.
  8. Friedmann: Evaluation and Management of Lymphadenopathy in Children In: Pediatrics in Review. Band: 29, Nummer: 2, 2008, doi: 10.1542/pir.29-2-53 . | Open in Read by QxMD p. 53-60.