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Röteln

Letzte Aktualisierung: 19.3.2021

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Bei Röteln handelt es sich um eine durch das Rötelnvirus hervorgerufene virale Infektionskrankheit, die typischerweise Kinder im Alter von 5–9 Jahren betrifft und mit einem hinter den Ohren beginnenden und im Verlauf generalisierten, fein- bis mittelfleckigen Exanthem sowie mit einer Schwellung der nuchalen Lymphknoten einhergeht. Oft folgt das Exanthem einem Prodromalstadium mit Zeichen eines leichten grippalen Infekts. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion, der Krankheitsverlauf ist meist milde. Dennoch wird eindringlich zur Impfung geraten, da eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft zur Rötelnembryofetopathie mit schweren Fehlbildungen (Taubheit, Katarakt, Herzfehler und geistige Retardierung) führen kann. Eine spezielle Therapie besteht nicht. Der beste Schutz ist die Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Röteln, Masern und Mumps (sowie ggf. Varizellen).

  • Altersgipfel: 5–9 Jahre, zunehmend Adoleszente und junge Erwachsene

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Klinik bei Manifestation

  • Geringe Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes
  • Milde Prodromalsymptome: Temperaturerhöhung bis 38°C, Rhinokonjunktivitis, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Nuchale und retroaurikuläre Lymphadenopathie sind typisch, tlw. auch Splenomegalie
  • Effloreszenzen (wenige Tage nach Beginn der Prodromalzeichen)
    • Makulopapulöses hellrotes Exanthem, eher nicht konfluierend, fein- bis mittelfleckig
    • Beginn am Kopf, oft hinter den Ohren → Übergang auf Rumpf und Extremitäten
    • Flüchtig, Rückbildung meist innerhalb von drei Tagen!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Symptomatisch

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

In der Regel blander Verlauf, das Exanthem bildet sich meist rasch zurück. Gelenkschmerzen können einige Wochen anhalten.

Röteln-Impfung [1][2]

Die STIKO empfiehlt allen Kindern (im Alter von 11 Monaten17 Jahren) und allen Frauen im gebärfähigen Alter eine Grundimmunisierung gegen Röteln als Standardimpfung.

  • Ziel: Verhinderung von Röteln-Embryopathien sowie Elimination der Röteln in Deutschland
  • Impfstoff
  • Grundimmunisierung: 2 Impfdosen im Alter von 11 und 15 Monaten
    • Bei der 1. Impfung wird die Gabe des MMR-Impfstoffs mit gleichzeitiger Varizellen-Impfung (an verschiedenen Körperstellen) empfohlen
    • Bei der 2. Impfung kann der MMRV-Impfstoff verabreicht werden
    • Bei angestrebter schneller Immunisierung: Zweitimpfung nach 4 Wochen möglich (zeitlicher Mindestabstand)
    • Erfolgt die 1. Impfung (insb. zum Schutz vor Masern) vor dem Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung schon ab einem Alter von 9 Monaten, sollte die 2. Impfung im Alter von 12–14 Monaten durchgeführt werden (Mindestabstand zur Erstimpfung: 4 Wochen)
  • Nachholimpfung
    • Personen <18 Jahre: 2 Impfdosen mit MMR(V)-Impfstoff im Abstand von 4–6 Wochen
    • Personen ≥18 Jahre
  • Berufsbedingte Impfung
    • Nach 1970 geborenes Personal mit unklarem, fehlendem oder unvollständigem Impfschutz: Insgesamt zweimalige MMR(V)-Impfung
      • Gesundheitsdienst
      • Gemeinschaftseinrichtungen und Ausbildungsstellen für junge Erwachsene
      • Gemeinschaftsunterkünfte
  • Bestimmung des Immunstatus

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte bei Frauen mit unbekanntem oder fehlendem Impfschutz rechtzeitig eine Nachholimpfung erfolgen!

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

  • B06.-: Röteln [Rubeola] [Rubella]
    • Exklusive: Angeborene Röteln (P35.0)
    • B06.0: Röteln mit neurologischen Komplikationen
    • B06.8: Röteln mit sonstigen Komplikationen
      • Röteln: Arthritis† (M01.4-*), Pneumonie† (J17.1*)
    • B06.9: Röteln ohne Komplikation
      • Röteln o.n.A.
  • P35.-: Angeborene Viruskrankheiten
  • Z20.-: Kontakt mit und Exposition gegenüber übertragbaren Krankheiten
    • Z20.4: Kontakt mit und Exposition gegenüber Röteln

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Röteln, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 7. September 2017. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  2. Epidemiologisches Bulletin 34/2020. Stand: 20. August 2020. Abgerufen am: 14. September 2020.
  3. Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. Stand: 31. März 2014. Abgerufen am: 20. Oktober 2020.
  4. Koletzko: Pädiatrie. 13. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48632-9 .
  5. Lentze et al.: Pädiatrie Grundlagen und Praxis. 2. Auflage Springer 2003, ISBN: 3-540-43628-6 .
  6. Speer, Gahr: Pädiatrie. 3. Auflage Springer 2009, ISBN: 978-3-540-69479-3 .
  7. Bühling, Friedmann: Intensivkurs Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier 2009, ISBN: 978-3-437-42401-4 .