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Extrauteringravidität

Letzte Aktualisierung: 5.3.2025

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Außerhalb der physiologischen Lokalisation im Uteruskavum gelegene Schwangerschaften werden als Extrauteringravidität (EUG) bezeichnet. Der häufigste extrauterine Einnistungsort ist die Tube. An den Eileitern können im Rahmen von vorausgegangenen Operationen oder durch aufsteigende genitale Infektionen (v.a. durch Chlamydien) Verwachsungen entstehen, die eine befruchtete Eizelle nicht passieren kann. Diese nistet sich aus diesem Grund in der Tube oder seltener in anderen extrauterinen Lokalisationen ein. Klinisch auffällig werden die Patientinnen häufig durch ein Ausbleiben der Zyklusblutung (sekundäre Amenorrhö) in Kombination mit einseitigen oder unspezifischen Unterbauchschmerzen. Diese sind Folge der Aufweitung des Eileiterlumens bzw. einer peritonealen Reizung durch die häufig in diesem Zusammenhang auftretenden intraabdominellen Blutungen, welche binnen kurzer Zeit zusätzlich zu einer lebensbedrohlichen Schocksymptomatik führen können. Daher ist es wichtig, bei Frauen im gebärfähigen Alter mit unklaren abdominalen Schmerzen immer an eine EUG zu denken und einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Dieser und die vaginale Sonografie sind die wichtigsten diagnostischen Mittel bei diesem Krankheitsbild. Therapeutisch ist bei einer Eileiterschwangerschaft in den meisten Fällen die operative Entfernung (nach Möglichkeit tubenerhaltend) indiziert.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

Inzidenz [1][2]

  • 1–2% aller Schwangerschaften
    • <20 Jahre: Ca. 0,4%
    • 20–30 Jahre: Ca. 0,7%
    • >30 Jahre: Ca. 1,3–2%
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Ätiologietoggle arrow icon

Risikofaktoren der EUG [2]

Beeinträchtigungen der Fimbrientrichter und Eileiter können eine extrauterine Gravidität zur Folge haben. Daraus lassen sich folgende Risikofaktoren ableiten [2]:

Eine durchgeführte operative Tubensterilisation schließt eine Schwangerschaft und somit eine potenzielle EUG nicht gänzlich aus!

Die Wahrscheinlichkeit einer EUG steht im direkten Zusammenhang mit dem Lebensalter der schwangeren Frau. Die Zunahme von Schwangerschaften im höheren Lebensalter und die ebenfalls zunehmende Anzahl reproduktionsmedizinischer Interventionen tragen wesentlich zu einer steigenden Inzidenz von Extrauteringraviditäten bei!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Lokalisation [6]

Spezifische Symptome [4][6]

Zum Vergleich: Normalbefunde

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

Labor [4]

Bei jeder(!) fertilen Frau sollte bei abdominellen Beschwerden ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden, auch wenn eine Schwangerschaft anamnestisch sicher ausgeschlossen scheint!

In unklaren Fällen ist eine stationäre Aufnahme der Patientin zur klinischen Beobachtung und zur Durchführung fristgerechter Verlaufsuntersuchungen sinnvoll und empfehlenswert!

Gynäkologische Untersuchung

DD bei rechtsseitiger Extrauteringravidität: Appendizitis!

DD bei Portioschiebeschmerz: Adnexitis, Endomyometritis. Dann aber kein positiver Schwangerschaftstest; stattdessen Infektzeichen und evtl. vaginaler Fluor!

Transvaginalsonografie

Bei jeder Patientin mit positivem Schwangerschaftstest und Bauchschmerzen muss stets eine Transvaginalsonografie durchgeführt werden, um eine EUG auszuschließen!

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Die Therapiestrategie einer Extrauteringravidität kann konservativ („abwartendes Verhalten“), operativ oder unter bestimmten Voraussetzungen auch medikamentös (Methotrexat-Gabe) sein.

Abwartendes Verhalten [2][3][4][6]

  • Indikationen [2][3][4]
  • Vorgehen [4]
    • Engmaschige ambulante Kontrollen (ansonsten ggf. stationäre Aufnahme oder medikamentöse/operative Therapie erwägen)
    • β-hCG-Kontrollen an Tag 2, 4 und 7 (bis zur β-hCG-Negativität [<5 mIE/mL])
    • Sonografische Kontrollen bei Auffälligkeiten
    • Anti-D-Prophylaxe bei Rh-negativen Frauen
  • Vorteile (gegenüber medikamentöser und operativer Therapie): Vermeidung der Nebenwirkungen von Methotrexat, keine mehrmonatige Wartezeit vor erneuter Schwangerschaft notwendig (wie bei Therapie mit Methotrexat), Vermeidung des Operations- und Narkoserisikos
  • Nachteile: Ggf. höhere Morbidität bei Nicht-Ansprechen auf abwartendes Verhalten; Dauer bis zu 6 Wochen
  • Wichtig: Aufklärung der Patientin über Risiken und Komplikationen des abwartenden Verhaltens (bspw. Tubarruptur und notwendige Laparoskopie, zukünftige Fertilität ) [4]

Medikamentöse Therapie [2][3][4][5]

Methotrexat (Off-Label Use!) i.m. oder i.v. [2][3]

Operative Therapie [1][2][4][5][6]

Je nach Befund (Ausmaß der Gewebeschädigung) und Kinderwunsch der Patientin muss ein geeignetes Verfahren gewählt und mit der Patientin besprochen werden. Dabei ist die Patientin insb. über die bestehende Gefahr einer nicht zu rettenden Tube aufzuklären.

Diagnostisch-therapeutische Laparoskopie bei EUG

  • Siehe auch: Laparoskopische Chirurgie
  • Indikationen
  • Tubenerhaltend
    • „Melking out“: Ausmelken der Schwangerschaftsanlage aus der Tube bzw. Absaugen selbiger aus dem Fimbrientrichter
    • Lineare Salpingotomie [1][3]
      • Indikationen: Intakte Tubenwand, Kinderwunsch
      • Durchführung: Längliche Inzision der Tube an ihrer antimesenterialen Seite über der Vorwölbung und Entfernung der Schwangerschaftsanlage, Naht optional
    • Keilexzision [1][3]
      • Indikation: Lokalisation in der Ampulle
      • Durchführung: Keilexzision des betroffenen Abschnittes und Reanastomosierung
  • Nicht-tubenerhaltend: (Partielle) Salpingektomie [1]
    • Indikationen: Rupturierte Tube mit akuter Blutung, schlechte Tubenqualität, Rezidivprophylaxe, abgeschlossene Familienplanung, evtl. bei Lokalisation am proximalen Isthmus [1][3]
    • Durchführung: Partielle oder totale Eileiterentfernung
  • Bei nicht auffindbarer EUG im Zuge der OP
    • Inspektion der Bauchhöhle und reichliches Spülen
    • Ggf. gleichzeitige Saugkürettage durchführen (nur bei inadäquat angestiegenem β-HCG!) [4]
    • Postoperative, engmaschige Kontrolle (β-HCG, klinische Kontrollen, transvaginale Sonografie)
  • Nachsorge [4]
    • Postoperative β-HCG-Bestimmungen bei tubenerhaltendem Verfahren
    • Anti-D-Prophylaxe bei Rh-negativen Frauen

Notfall-Laparotomie

Im Anschluss an jede Therapie einer EUG muss die Patientin zur Sicherung des Therapieerfolgs bis zu einem Serum-β-HCG von <5 mIE/mL begleitet werden. Dies kann mittels ambulanter Kontrollen in der Praxis erfolgen. Bei Rhesus-negativen Patientinnen darf die Anti-D-Prophylaxe nicht vergessen werden! [3]

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Prognosetoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

O00.-: Extrauteringravidität

  • Inklusive: Rupturierte Extrauteringravidität
  • O00.0: Abdominalgravidität
    • Exklusive: Betreuung der Mutter wegen eines lebensfähigen Fetus bei Abdominalgravidität (O36.7)
  • O00.1: Tubargravidität
  • O00.2: Ovarialgravidität
  • O00.8: Sonstige Extrauteringravidität
  • O00.9: Extrauteringravidität, nicht näher bezeichnet

O08.-: Komplikationen nach Abort, Extrauteringravidität und Molenschwangerschaft

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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