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Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Letzte Aktualisierung: 13.12.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die gastroduodenale Ulkuskrankheit beschreibt einen ulzerierenden Gewebedefekt im Bereich der Wand des Magens bzw. des Duodenums. Klinisch kommt es meist zu epigastrischen Schmerzen, jedoch können Ulzera auch asymptomatisch sein und sich erst durch Komplikationen wie Blutungen oder Perforation klinisch manifestieren. Die häufigste Ursache ist eine Helicobacter-pylori-Infektion, weitere mögliche Gründe können in der Einnahme von NSAR, anderen Noxen oder Stress liegen. Diagnostisch wegweisend sind insb. der makroskopische Befund in der Endoskopie sowie ggf. der Nachweis von Helicobacter pylori.

Therapeutisch wird i.d.R. die Säureproduktion medikamentös gesenkt (z.B. mittels Protonenpumpeninhibitoren), je nach Ätiologie erfolgen weitere Maßnahmen wie bspw. eine Helicobacter-pylori(HP)-Eradikationstherapie oder die Karenz der entsprechenden Noxen. In seltenen Fällen – v.a. bei Komplikationen wie einer Perforation oder starken Blutung – kann eine chirurgische Intervention notwendig werden. Differenzialdiagnostisch muss beim Magenulkus auch immer an ein Magenkarzinom gedacht und sicher ausgeschlossen werden.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz in Deutschland: Ca. 200/100.000 Einwohner pro Jahr
    • Ulcus duodeni 2–3× häufiger als Ulcus ventriculi
    • Ulcus duodeni: >
  • Insgesamt durch verbreitete PPI-Einnahme rückläufige Inzidenz

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

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Klassifikationtoggle arrow icon

Eine atypische Lage ist immer karzinomverdächtig!

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Pathophysiologietoggle arrow icon

Anatomie des Magens

Magenabschnitte

Gefäßversorgung

Physiologischer Magensaft

Merkspruch zur Zusammensetzung des Magensaftes: „Die Belegschaft ist sauer und intrigiert, weil die Hauptmänner Pepsi trinken und die Nebenmänner rumschleimen.“

Schädigende Einflüsse

Das klassische („peptische“) Ulkus beruht wesentlich auf der aggressiven Wirkung der Magensäure zusammen mit weiteren Einflüssen wie H. pylori-Besiedelung, die die Aggression (Säure) verstärken und defensive Faktoren vermindern!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Durch NSAR-Einnahme verursachte Ulzera verlaufen oftmals asymptomatisch, bis es zur Blutung oder Perforation kommt!

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Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

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Diagnostiktoggle arrow icon

Ein Ulcus duodeni ist fast nie maligne und muss daher auch nicht zwingend biopsiert werden!

Zum Ausschluss eines Magenkarzinoms muss jedes Magenulkus bis zur vollständigen Abheilung mittels ÖGD und histologischer Untersuchungen kontrolliert werden!

Bei gastroduodenaler Ulkusblutung soll bei vertretbarem Risiko bereits in der Notfallendoskopie eine bioptische Helicobacter-pylori-Diagnostik mittels Histologie erfolgen. (DGIM - Klug entscheiden in der Inneren Medizin)

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Therapietoggle arrow icon

Medikamentös

Nach 4–8 Wochen sollte der Eradikationserfolg endoskopisch kontrolliert werden, auch um übersehene Karzinome auszuschließen! Bei fehlender Indikation zur Kontrollendoskopie sollte die Therapiekontrolle mittels Atem- und Stuhlantigentest erfolgen. Anschließend kann über die Fortführungsmodalitäten der PPI-Therapie entschieden werden!

Interventionell

Eine elektive Kontrollendoskopie innerhalb von 72 Stunden nach oberer gastrointestinaler Blutung soll nicht regelhaft durchgeführt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Inneren Medizin)

Operativ

Aufgrund der Effektivität der Protonenpumpeninhibitor-Therapie werden operative Verfahren heutzutage nur noch selten angewandt. Magenteilresektionen sind mitunter eine Option bei endoskopisch nicht beherrschbarer Ulkusblutung.

  • Indikation
    • Ultima Ratio bei medikamentös nicht beherrschbarer Ulkuskrankheit
    • Karzinomverdacht
  • Distale Magenteilresektion und Rekonstruktion nach Billroth I oder Billroth II
  • Vagotomie
    • Trunkuläre Vagotomie: Durchtrennung von Truncus vagalis anterior und posterior des Nervus vagus (N.X) im Bereich des distalen Ösophagus
    • Selektive proximale Vagotomie: Durchtrennung der den proximalen Magenanteil innervierenden Fasern des Nervus vagus (N.X)
      • Postvagotomiesyndrom
        • Definition: Magenentleerungs- und Passagestörungen nach Vagotomie (ohne Durchführung einer Pyloroplastik)
        • Symptome
          • Meist verzögerte Magenentleerung mit begleitendem frühem Sättigungsgefühl, Aufstoßen, Inappetenz und Refluxbeschwerden
          • Teilweise intermittierend Diarrhöen
        • Therapie: Symptomatisch (im Falle von Diarrhö: Therapieversuch mit Colestyramin)

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Nachsorgetoggle arrow icon

Kontrollendoskopie und -biopsien

  • Ulcus ventriculi: Immer nach 4–6 Wochen. Unter adäquater Therapie sind nicht vollständig abgeheilte Ulzerationen hochsuspekt auf ein Magenkarzinom.
    • Bei schlechter bzw. unvollständiger Abheilung: Erneut ausgedehnte Biopsien aus dem Grund- und Randbereich des Ulkus
    • Wenn bei der Erstuntersuchung kein HP-Nachweis erfolgte: Erneute Helicobacter pylori-Diagnostik
  • Ulcus duodeni: Kontrollendoskopie nach 2–4 Wochen bei folgenden Risikokonstellationen und Komplikationen:
    • Blutung
    • Perforation
    • Penetration
    • HP-Negativität, hierbei dann auch erneute HP-Diagnostik

Ulkusprophylaxe

  • Bei HP-negativen gastroduodenalen Ulzerationen mit Risikofaktoren für ein Rezidiv: PPI-Therapie in Standarddosierung zur Prophylaxe (auch nach Abheilung)
    • Die Risikofaktoren entsprechen den Risikofaktoren für HP-negative Ulzera (s. Ätiologie oben)
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Präventiontoggle arrow icon

Rezidivprophylaxe

Stressulkusprophylaxe (auch Stressläsionsprophylaxe) [1][2][3]

Trotz großer klinischer Verbreitung ist der Benefit einer standardmäßigen Stressulkusprophylaxe auf der Intensivstation nicht erwiesen und weiterhin Gegenstand aktueller Forschung! [6]

Die alleinige Behandlung auf einer Intensivstation ist keine Indikation für eine Stressulkusprophylaxe! [3]

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Stressulkusprophylaxe auf Intensivstation (Oktober 2020)


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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

  • K25.-: Ulcus ventriculi
    • Inklusive: Ulcus (pepticum): Magen, Pylorus
    • Exklusive: Akute hämorrhagische erosive Gastritis (K29.0), Magenerosion (akut) (K29.6), Ulcus pepticum o.n.A. (K27.‑)
  • K26.-: Ulcus duodeni
  • K27.-: Ulcus pepticum, Lokalisation nicht näher bezeichnet
    • Inklusive: Ulcus: gastroduodenale o.n.A.. pepticum o.n.A.
    • Exklusive: Ulcus pepticum beim Neugeborenen (P78.8)
  • K28.-: Ulcus pepticum jejuni
    • Inklusive: Ulkus (peptisch) oder Erosion: marginal, magenseitig, jejunal, gastrokolisch, gastrojejunal, gastrointestinal, Anastomosenulcus
    • Exklusive: Primäres Ulkus des Dünndarmes (K63.3)
  • Vierte Stelle des Codes: Bei den Schlüsselnummern K25K28 sind die folgenden vierten Stellen zu benutzen
    • 0 – Akut, mit Blutung
    • 1 – Akut, mit Perforation
    • 2 – Akut, mit Blutung und Perforation
    • 3 – Akut, ohne Blutung oder Perforation
    • 4 – Chronisch oder nicht näher bezeichnet, mit Blutung
    • 5 – Chronisch oder nicht näher bezeichnet, mit Perforation
    • 6 – Chronisch oder nicht näher bezeichnet, mit Blutung und Perforation
    • 7 – Chronisch, ohne Blutung oder Perforation
    • 9 – Weder als akut noch als chronisch bezeichnet, ohne Blutung oder Perforation

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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