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Clostridioides-difficile-Infektion

Letzte Aktualisierung: 21.6.2021

Abstracttoggle arrow icon

Eine Infektion mit dem grampositiven, sporenbildenden Stäbchenbakterium Clostridioides difficile (kurz C. difficile oder C. diff., früher Clostridium difficile [1]) bleibt bei Gesunden meist asymptomatisch. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral. Es gibt eine hohe Durchseuchungsrate bei Hospitalisierten und Kindern.

Typischerweise kommt es bei asymptomatischer Durchseuchung erst im Verlauf einer Antibiotikatherapie (z.B. bei Pneumonie oder HNO-Infektion) zu Beschwerden. Die Schädigung der physiologischen Darmflora führt dazu, dass der relativ resistente Clostridioides-difficile-Keim den Dickdarm überwuchern kann. Folge ist dann eine Antibiotika-assoziierte Kolitis mit Fieber, Bauchschmerzen und charakteristischen übelriechenden Durchfällen. Die Maximalform wird als pseudomembranöse Kolitis bezeichnet und kann einen Ileus, eine Sepsis und ein toxisches Megakolon auslösen.

Diagnostisch steht der Toxinnachweis im Stuhl im Vordergrund, bei pseudomembranöser Kolitis evtl. auch die Durchführung einer Koloskopie. Die Therapie besteht bei leichten Verläufen in der Gabe von Metronidazol (oral), schwere Verläufe hingegen werden mit Vancomycin (ebenfalls oral) behandelt. Essentiell ist bei Diagnosestellung im stationären Rahmen die Einhaltung von Hygienevorschriften und insb. die Isolierung.

  • Inzidenz: Ca. 65.000/Jahr [2]
  • Rekurrenz einer Infektion: Das Risiko einer rekurrenten Infektion steigt mit der Anzahl vorausgegangener Infektionen [2]
    • Erste Rekurrenz: Bei ca. 18%
    • Zweite Rekurrenz: Bei ca. 28% von denen, die eine erste Rekurrenz hatten
    • Dritte Rekurrenz: Bei ca. 30% von denen, die eine zweite Rekurrenz hatten

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Die Infektion mit Clostridioides difficile bleibt meist asymptomatisch. Die assoziierte Diarrhö entwickelt sich erst nach Antibiotikagabe und folgender Vermehrung von Clostridioides difficile!

Untersuchungen

  • Frischer Stuhl : Zum Nachweis von [3]
  • Blutuntersuchung
  • Temperatur messen
  • Koloskopie nur unter großer Vorsicht
    • Nachweis der typischen Pseudomembranen bei Vorliegen einer pseudomembranösen Kolitis

Diagnosekriterien [3]

Kriterien der ambulant erworbenen Clostridioides-difficile-Infektion

  • Erste Symptome schon vor bzw. spätestens am Tag der stationären Aufnahme sowie
  • Kein Aufenthalt in medizinischen Einrichtung in den letzten 3 Monaten vor Beginn der Symptomatik

Diagnosekriterien eines schweren Verlaufs [3]

  • Mind. 1 der folgenden Kriterien muss erfüllt sein
    1. Notwendigkeit der stationären Behandlung aufgrund einer ambulant erworbenen Clostridioides-difficile-Infektion (siehe auch: Kriterien der ambulant erworbenen Clostridioides-difficile-Infektion)
    2. Notwendigkeit der Verlegung auf Intensivstation aufgrund einer Clostridioides-difficile-Infektion oder ihrer Komplikationen
    3. Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs (bspw. Kolektomie aufgrund eines Megakolons, einer Perforation oder einer refraktären Kolitis) infolge einer Clostridioides-difficile-Infektion
    4. Versterben innerhalb von 30 Tagen nach Diagnose der Clostridioides-difficile-Infektion und Wertung der Infektion als direkte Todesursache oder als zum Tode beitragende Erkrankung

Zusätzliche Risikofaktoren für einen schweren Verlauf

Hinweise auf einen schweren Verlauf

Allgemein

  • Absetzen der auslösenden Antibiotikatherapie, sobald vertretbar! [3][5]
    • Nach Möglichkeit außerdem absetzen
  • Flüssigkeitssubstitution

Medikamentös [3][6][7][8]

  • Indikationen
    • Bei schwerer bzw. fortbestehender Symptomatik
    • Bei Älteren und/oder Grundleiden
    • Bei Notwendigkeit der Fortsetzung der aktuellen Antibiotikabehandlung
  • Bei mildem Verlauf: Mittel der Wahl ist Metronidazol oral (oder Vancomycin )
  • Bei schwerem Verlauf
    • Vancomycin (ausschließlich orale Applikation )
    • Reservemittel bei schweren Verläufen (z.B. bei Ribotyp O27) oder Rezidiven: Fidaxomicin
  • Bei lebensbedrohlichem Verlauf
  • Bei Rezidiven
  • Weitere Optionen
    • Reserveantibiotika
    • Cadazolid
    • Ridinilazol
    • Bezlotoxumab

Die einzige Indikation für eine orale Gabe von Vancomycin ist die Clostridioides-difficile-Kolitis!

Stuhltransplantation (Mikrobiomtransfer, fäkale Bakterientherapie)

  • Indikation
  • Vorbereitung: Absetzen der bisherigen antibiotischen Therapie spätestens 48 Std. vor dem Eingriff
  • Prinzip: Zu <6 Std. altem Spenderstuhl wird physiologische Kochsalzlösung zugegeben und gerührt, danach erfolgt ein mehrmaliges Sieben durch einen Kaffeefilter, um feste Bestandteile des Stuhls zu entfernen
  • Applikationsmöglichkeiten
    • Koloskopische Applikation mit vorheriger Darmreinigung nach lokalem Standardschema [9]
    • Nasogastrale Applikation: Am Vortag und am Tag der Intervention Einnahme eines PPI
    • Orale Applikation: Wird derzeit in Studien getestet [10]
  • Erfolgsrate: Bis zu 90%, wobei die koloskopische Applikation der nasogastralen Applikation etwas überlegen scheint; zudem hat der rektale Zugangsweg eine größere Akzeptanz bei Betroffenen
  • Nachsorge
    • Nahrungsaufnahme sofort nach Intervention möglich
    • Stuhluntersuchung auf Toxine A und B nach 2 Wochen sowie nach 1, 3 und 6 Monaten
    • Standardisierte Therapieverfahren und eine Dokumentation in einem Stuhltransplantations-Register sind wünschenswert, um Erkenntnisse hinsichtlich Langzeitwirkung und -nebenwirkungen des noch nicht sehr etablierten Verfahrens zu gewinnen

Interventionell/chirurgisch

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Isolierung
    • Während der symptomatischen Phase (bis 2 Tage nach Abklingen der Symptome) sollte eine Einzelzimmerunterbringung mit eigener Toilette veranlasst werden
  • Antiseptische Maßnahmen
    • Handschuhe und Schutzkittel bei engem Patientenkontakt benutzen
    • Händedesinfektion und anschließend Händewaschen mit Seife
    • Konsequente Flächendesinfektion von Zimmern inklusive Einrichtungsgegenständen, die mit dem infizierten Patienten in Berührung gekommen sind
      • Die Sporen von Clostridien können auf Oberflächen wie Tischen, Schränken und Türgriffen monatelang überleben
      • Es muss ein sporenabtötendes Flächendesinfektionsmittel zum Einsatz kommen
  • Aktive Immunisierung: Phase-III-Studie zu Toxoid-Impfstoff zur aktiven Immunisierung gegen Clostridioides difficile läuft (Stand November 2020)
  • Siehe auch: Clostridioides difficile – Meldepflicht

  • Arztmeldepflicht
    • Nach § 6 IfSG: Namentliche Meldepflicht bei Krankheits- oder Todesfällen nur bei klinisch schwerem Verlauf
    • Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen): Namentliche Meldepflicht bei allen Krankheits- oder Todesfällen

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

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  1. Lawson et al.: Reclassification of Clostridium difficile as Clostridioides difficile (Hall and O’Toole 1935) Prévot 1938 In: Anaerobe. Band: 40, 2016, doi: 10.1016/j.anaerobe.2016.06.008 . | Open in Read by QxMD p. 95-99.
  2. RKI-Ratgeber Clostridoides. Stand: 1. Juni 2009. Abgerufen am: 29. Januar 2020.
  3. Best et al.: The Potential for Airborne Dispersal ofClostridium difficilefrom Symptomatic Patients In: Clinical Infectious Diseases. Band: 50, Nummer: 11, 2010, doi: 10.1086/652648 . | Open in Read by QxMD p. 1450-1457.
  4. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.
  5. McDonald et al.: Clinical Practice Guidelines for Clostridium difficile Infection in Adults and Children: 2017 Update by the Infectious Diseases Society of America (IDSA) and Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA) In: Clinical Infectious Diseases. Band: 66, Nummer: 7, 2018, doi: 10.1093/cid/cix1085 . | Open in Read by QxMD p. e1-e48.
  6. Lübbert et al.: Neue Leitlinien und Daten zu Clostridium difficile – Was ändert sich? In: DMW - Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band: 143, Nummer: 11, 2018, doi: 10.1055/a-0585-9595 . | Open in Read by QxMD p. 787-792.
  7. S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple. . Abgerufen am: 2. Februar 2015.
  8. Lee et al.: Frozen vs Fresh Fecal Microbiota Transplantation and Clinical Resolution of Diarrhea in Patients With RecurrentClostridium difficileInfection In: JAMA. Band: 315, Nummer: 2, 2016, doi: 10.1001/jama.2015.18098 . | Open in Read by QxMD p. 142.
  9. Kao et al.: Effect of Oral Capsule– vs Colonoscopy-Delivered Fecal Microbiota Transplantation on Recurrent Clostridium difficile Infection In: JAMA. Band: 318, Nummer: 20, 2017, doi: 10.1001/jama.2017.17077 . | Open in Read by QxMD p. 1985.
  10. Lübbert et al.: Epidemiology and Recurrence Rates of Clostridium difficile Infections in Germany: A Secondary Data Analysis In: Infectious Diseases and Therapy. Band: 5, Nummer: 4, 2016, doi: 10.1007/s40121-016-0135-9 . | Open in Read by QxMD p. 545-554.
  11. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  12. Bakken et al.: Treating Clostridium difficile Infection With Fecal Microbiota Transplantation In: Clinical Gastroenterology and Hepatology. Band: 9, Nummer: 12, 2011, doi: 10.1016/j.cgh.2011.08.014 . | Open in Read by QxMD p. 1044-1049.
  13. Lübbert et al.: Clostridium difficile infection: guideline-based diagnosis and treatment In: Deutsches Ärzteblatt International. Band: 111, Nummer: 43, 2014, doi: 10.3238/arztebl.2014.0723 . | Open in Read by QxMD p. 723–731.
  14. Herold et al.: Innere Medizin 2020. Herold 2020, ISBN: 978-3-981-46609-6 .