Zusammenfassung
Die akute Bronchitis ist eine (überwiegend virale) Infektion der unteren Atemwege und betrifft insb. mittlere und größere Bronchien. Sie geht (fast) immer mit Erkältungssymptomen wie leichtem Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen einher. Auskultatorisch sind seitengleich grob- bis mittelblasige Rasselgeräusche zu vernehmen, bei Bronchialobstruktion außerdem exspiratorisches Pfeifen. Die Diagnosestellung erfolgt meist klinisch. Röntgen-Thorax und Laboruntersuchung sollten nur bei V.a. eine Pneumonie erfolgen. Die Erkrankung verläuft i.d.R. selbstlimitierend. Essenziell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, symptomatisch können Antipyretika und abschwellende Nasensprays sinnvoll sein. Bei bakterieller Sekundärinfektion kommen Antibiotika zum Einsatz.
Für eine fokussierte Betrachtung pädiatrischer Aspekte siehe: Akute obstruktive Bronchitis bei Kindern und Jugendlichen und Akute Bronchiolitis im Säuglingsalter
Definition
- Bronchitis: (I.d.R. virale) Infektion der unteren Atemwege (insb. mittlere und größere Bronchien)
- Bronchiolitis: Virale Infektion der unteren Atemwege (Bronchiolen und kleine Bronchien) im Säuglingsalter [1]
Epidemiologie
- Inzidenz: 5% aller Erwachsener pro Jahr [2]
- Saisonalität: Vorkommen insb. in den Herbst- und Wintermonaten (in Deutschland)
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
- Erreger [3][4]
- I.d.R. viral: Meist Rhinoviren (30–50%) [5]
- Isolierte akute bakterielle Bronchitis : Meist Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae und Bordetella pertussis
Symptomatik
- Initial trockener, im Verlauf produktiver Husten [4][6]
- Ggf. hustenassoziierte retrosternale/thorakale Schmerzen
- Meist spärlicher, zäher Auswurf [6]
- Erkältungssymptome wie Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen
- Ggf. Zeichen der Bronchialobstruktion mit exspiratorischem Giemen und Brummen sowie Atemanstrengung
Der Übergang von Erkältung zu Bronchitis ist fließend. Eine akute Bronchitis ohne Erkältungssymptome ist selten, daher sollten hier mögliche Differenzialdiagnosen ausgeschlossen werden!
Diagnostik
Die Diagnosestellung erfolgt hauptsächlich auf Basis von Anamnese und klinischer Untersuchung.
- Basisdiagnostik [4]
-
Auskultation
- Verschärftes Atemgeräusch
- Seitengleiche grob- bis mittelblasige Rasselgeräusche
- Bei Bronchialobstruktion: Exspiratorisches Giemen/Pfeifen
-
Auskultation
- Weiterführende Diagnostik: Bei hohem Fieber, Dyspnoe und/oder Zyanose sowie bei anhaltender Symptomatik [4][6]
- Großzügigere Indikationsstellung bei Menschen höheren Alters und/oder mit Vorerkrankungen
- Messen der Sauerstoffsättigung mittels Pulsoxymetrie
- Labor [4]
- Bei viraler Genese: CRP meist normal, Leukozyten normal/↓
- Bei bakterieller Genese: CRP normal/↑, Leukozyten↑
- Blutgasanalyse bei Dyspnoe
- Nasen-Rachen-Abstrich mit Multiplex-PCR: Zur Ermittlung einer notwendigen (Kohorten‑)Isolation
- Nicht routinemäßig empfohlen: Bildgebende Verfahren, bspw. Röntgen-Thorax [7]
Die Indikation zum Ausschluss einer SARS-CoV-2-Infektion per Nasen-Rachen-Abstrich sollte auch bei atypischer Symptomatik großzügig gestellt werden!
Bei klinischer Diagnose einer unkomplizierten akuten Bronchitis kann auf weitere Laboruntersuchungen, Erregerdiagnostik und Bildgebung verzichtet werden! [6]
Differenzialdiagnosen
AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Therapie
- Symptomatische Therapie [3][6][8]
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (wichtigste Maßnahme)
- Ggf. Analgetika, bspw. Ibuprofen oder Paracetamol (bei Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen)
- Ggf. abschwellende Nasensprays (bei verlegter Nasenatmung)
- In Ausnahmefällen
- Salbutamol: Nur bei Bronchialobstruktion [9]
-
Antitussiva: Nur zur Nacht bei nicht-produktivem, quälendem Reizhusten
-
Dextromethorphan
- Sirup
- Hartkapseln
- Codein
-
Dextromethorphan
- Antibiotika: Nur bei dringendem V.a. oder Nachweis einer bakteriellen Infektion
- Nicht empfohlen: Expektoranzien
- Sekretolytika (Ambroxol): Soll an der Zelle die Sekretion eines weniger zähen Schleims bewirken
- Mukolytika (N-Acetylcystein): Soll viskositätsmindernd am bereits sezernierten zähen Schleim wirken
- Für Dosierungen: siehe: Expektoranzien - Dosierungen
Eine Antibiotikatherapie vermindert bei der unkomplizierten akuten Bronchitis Symptomatik und Krankheitsdauer nur minimal und kann Resistenzbildungen fördern!
Eine akute unkomplizierte Bronchitis bei Patienten ohne chronische Lungenerkrankung soll nicht mit einem Antibiotikum behandelt werden.
AMBOSS-Pflegewissen: Akute Bronchitis
Beobachten/Überwachen
- Basismonitoring
- Herzfrequenz
- Blutdruck
- Temperatur
-
Atmung
- Siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Überwachen der Atmung
- Ggf. spO2
- Produktivität des Hustens: Auswurfmenge und -qualität im Verlauf
- Schmerzen: Kopf- und Gliederschmerzen, ggf. Schmerzen beim Husten
- Flüssigkeitszufuhr: Auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie erfolgt nach ärztlicher Anordnung.
- Inhalationen: Bei Bronchialobstruktion mit bronchospasmolytischen Medikamenten
- Analgetika: Bei Fieber , Kopf- und Gliederschmerzen
- Abschwellende Nasensprays: Insb. bei verlegter Nasenatmung
- Antitussiva: Nur zur Nacht bei nicht-produktivem, quälendem Reizhusten
- Antibiotische Therapie: Bei V.a. auf eine bakterielle Infektion
Weitere pflegerische Maßnahmen
- Körperliche Schonung: Bettruhe nur bei hohem Fieber für kurze Zeit und nach ärztlicher Anordnung
- Hustenreiz lindern: Mittels Hustenbonbons und warmen Getränken
- Hustentechnik (Huffing) einüben: Insb. bei trockenem, unproduktivem Husten
- Schleimlösende Maßnahmen: Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
- Fiebersenkende Maßnahmen: Wadenwickel, bei zusätzlichen Schmerzen ggf. Analgetikagabe
- Ernährung: Leichte, vitaminreiche Kost, ggf. Wunschkost
- Regelmäßige Frischluftzufuhr: Regelmäßiges Lüften, Nikotinverzicht empfehlen
- Nasen-Rachen-Abstrich durchführen: Nach ärztlicher Anordnung zur Ermittlung einer notwendigen (Kohorten‑)Isolation
Hygiene
- Je nach Erregernachweis: Insb. für COVID-19 und Influenza bestehen i.d.R. Hygienestandards zur Prävention einer Ausbreitung, ggf.
- Isolation: In einem Einzelzimmer bzw. Kohortenisolation
- Mundschutz
- Sinnvoll für Patient:innen beim Verlassen des Zimmers (zum Schutz von Mitpatient:innen und Personal)
- Bei Mitarbeiter:innen für den Eigenschutz
- Sputumhygiene: Patient:innen anleiten, Sputum fachgerecht zu entsorgen
Komplikationen
- Bakterielle Superinfektion
- Bronchopneumonie
- Verschlechterung von Vorerkrankungen, insb. pulmonaler Insuffizienz und Herzinsuffizienz
Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Prognose
-
I.d.R. selbstlimitierender Verlauf [4][6]
- Besserung des Allgemeinzustands nach 2–5 Tagen
- Hustenpersistenz über mehrere Wochen möglich
- Bei älteren, geschwächten und/oder pulmonal vorerkrankten Personen: Häufiger Komplikationen
Studientelegramme zum Thema
HOMe Studientelegramme Innere Medizin
- Studientelegramm 40-2018-1/3: Procalcitonin-gesteuerte Antibiotikatherapie bei unteren Atemwegsinfekten
One-Minute Telegram (aus unserer englischsprachigen Redaktion)
- One-Minute Telegram 70-2023-1/3: The efficacy of the RSV vaccine is nothing to sneeze at
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025
- J20.-: Akute Bronchitis
- Inklusive
- Bronchitis:
- Akut oder subakut (mit): Bronchospasmus, eitrig, fibrinös, membranös, obstruktiv, septisch, Tracheitis
- o.n.A. bei Patienten unter 15 Jahren
- Tracheobronchitis, akut
- Bronchitis:
- Exklusive: Bronchitis:
- J20.0: Akute Bronchitis durch Mycoplasma pneumoniae
- J20.1: Akute Bronchitis durch Haemophilus influenzae
- J20.2: Akute Bronchitis durch Streptokokken
- J20.3: Akute Bronchitis durch Coxsackieviren
- J20.4: Akute Bronchitis durch Parainfluenzaviren
- J20.5: Akute Bronchitis durch Respiratory-Syncytial-Viren [RS-Viren]
- J20.6: Akute Bronchitis durch Rhinoviren
- J20.7: Akute Bronchitis durch ECHO-Viren
- J20.8: Akute Bronchitis durch sonstige näher bezeichnete Erreger
- J20.9: Akute Bronchitis, nicht näher bezeichnet
- Inklusive
- J21.-: Akute Bronchiolitis
- Inklusive: Mit Bronchospasmus
- J21.0: Akute Bronchiolitis durch Respiratory-Syncytial-Viren [RS-Viren]
- J21.1: Akute Bronchiolitis durch humanes Metapneumovirus
- J21.8: Akute Bronchiolitis durch sonstige näher bezeichnete Erreger
- J21.9: Akute Bronchiolitis, nicht näher bezeichnet
- Bronchiolitis (akut)
- J22: Akute Infektion der unteren Atemwege, nicht näher bezeichnet
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.