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Analfissur

Letzte Aktualisierung: 3.1.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Analfissur ist ein meist längs verlaufender Defekt im Anoderm. Man unterscheidet primäre Fissuren, die i.d.R. traumatisch oder durch einen erhöhten Sphinktertonus bedingt sind, von sekundären Fissuren, die beispielsweise im Rahmen von Grunderkrankungen wie dem Morbus Crohn auftreten. Die Erkrankung wird klinisch diagnostiziert. Charakteristisch für primäre Fissuren ist ein heftiger Schmerz während und nach der Defäkation, der von einem hellroten Blutabgang begleitet werden kann. Therapeutisch stehen konservative Maßnahmen im Vordergrund (bspw. Anwendung antiphlogistischer und analgetischer Salben). Kommt es hierunter zu keiner Besserung, kann abhängig vom Leidensdruck eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden (i.d.R. Fissurektomie nach Gabriel unter Schonung des Sphinkterapparates).

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Definitiontoggle arrow icon

Als Analfissur bezeichnet man einen zwischen Linea dentata und Analkanalrand gelegenen länglichen Defekt im sensiblen Anoderm. Je nach Genese wird zwischen primären und sekundären Analfissuren unterschieden:

  • Primäre Analfissur: Spontan auftretende Analfissur, häufig traumatisch bedingt
    • In etwa 80% der Fälle befindet sich diese in der hinteren Kommissur, d.h. bei 6 Uhr in Steinschnittlage.
      • Akute Analfissur: Glatt berandeter, i.d.R. konservativ beherrschbarer Riss im Anoderm. Bei einer bis acht Wochen anhaltenden Symptomatik (Maximaldauer) gilt die Fissur als akut
      • Chronische Analfissur: Über einen längeren Zeitraum anhaltender, ulkusartiger Defekt im Anoderm, der zum Teil mit Sekundärveränderungen wie einer Vorpostenfalte, einer hypertrophen Analpapille oder freiliegenden Fasern des M. sphincter ani internus einhergeht
  • Sekundäre Analfissur: Im Rahmen von Begleiterkrankungen (bspw. Infektionen, Tumoren, Morbus Crohn) auftretender Defekt im Anoderm; im Gegensatz zur primären Analfissur ist der Defekt oft an atypischer Stelle (d.h. nicht in der vorderen bzw. hinteren Kommissur) gelegen

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Ätiologietoggle arrow icon

Die genaue Entstehung ist bislang nicht geklärt, scheint jedoch multifaktoriell zu sein

Bei einer Analfissur in atypischer Lage (≠ hintere oder vordere Kommissur) sollte auch an Ursachen wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung gedacht werden!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Akute Analfissur

Chronische Analfissur [1]

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Diagnostiktoggle arrow icon

Die Diagnose einer Analfissur wird anamnestisch und klinisch gestellt.

Anamnese

Klinische Untersuchung

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Die Therapie der Analfissur sollte primär konservativ erfolgen. Bringen konservative Maßnahmen keinen Behandlungserfolg, kann abhängig vom Leidensdruck eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.

Therapie der akuten Analfissur

Akute Analfissuren haben eine sehr hohe Spontanheilungsrate!

Therapie der chronischen Analfissur

Konservativ

Operativ

Die Indikation zur OP ist aufgrund einer potenziellen Sphinkterverletzung streng zu stellen. In Deutschland ist die operative Therapie der Wahl die sphinkterschonende Fissurektomie nach Gabriel.

Präoperatives Management

OP-Verfahren

  • Erstlinientherapie: Fissurektomie nach Gabriel
    • Lokales Ausschneiden des Ulkus/der narbigen Veränderungen unter Mitnahme von Begleitveränderungen (Analpapille, Vorpostenfalte) und unter Schonung des Sphinkterapparates [1]
    • Histologische Untersuchung des exzidierten Gewebes
  • Zweitlinientherapie
    • Analer Advancement-Flap (anale Mukosa oder perianale Haut wird über die Fissur mobilisiert)
    • Laterale Sphinkterotomie (seitliche Durchtrennung des M. sphincter ani internus): Aufgrund des hohen Inkontinenzrisikos nur nach sorgfältigem Abwägen und Ausschöpfen aller anderen Therapieoptionen anzuwenden
      • Offen oder geschlossen
      • Reduzierter Sphinktertonus → Abheilung der Fissur
      • Vergesellschaftet mit einer höheren Inkontinenzrate

Aufgrund der drohenden Inkontinenz sollte immer erst eine konservative Therapie angestrebt werden!

Postoperatives Management

  • Kontrolluntersuchungen
    • Inspektion: Augenmerk auf Infekt (putride Sekretion, belegte Wunde), mögliche Nachblutung (reichlich Blut in der Vorlage)
  • Bedarfsorientierte Medikation
    • Antiphlogistika: Bspw. Ibuprofen bei gegebenen Risikofaktoren in Verbindung mit einem Protonenpumpenhemmer , z.B. Pantoprazol
    • Alternative oder zusätzliche Analgetika: Bspw. Metamizol
    • Ggf. zusätzlich analgetische Salben, siehe: Konservative Therapie
  • Entlassungsmanagement / Hinweise für Patient:innen
    • Mehrfach täglich Ausduschen des Wundgebietes, insb. nach erfolgter Defäkation
    • Stuhlgangregulation, bspw. mit Macrogol-Beuteln
    • Verweis auf möglichen Abgang von (wenig) Blut
    • Verzicht auf Analverkehr bis Abheilung
  • Nachkontrolle mit Proktoskopie nach 6 Wochen

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

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