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Erkrankungen durch organische Lösungsmittel, Insektizide, Halogenkohlenwasserstoffe, Benzol und Homologe

Letzte Aktualisierung: 30.5.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

In diesem Kapitel sind verschiedene (organische) Stoffe erfasst, die u.a. als Lösungsmittel, Insektizide, Reinigungsmittel oder industriell verwendet werden. Sie zeichnen sich meist durch eine hohe Lipidlöslichkeit aus und führen daher häufig zu ZNS-Störungen und Polyneuropathie. Die Abbauprodukte einiger Vertreter werden zudem als kanzerogen eingestuft.

Für weiterführende Informationen zu akuten Intoxikationen siehe auch: Überblick über Vergiftungen und Grundlagen der Akuttoxikologie.

Allgemeintoggle arrow icon

Die in diesem Kapitel aufgeführten organischen Stoffe werden in vielen unterschiedlichen Bereichen eingesetzt (u.a. als Lösungsmittel, Insektizid, Reinigungsmittel, in der Kunststoff-, Kleber- und Farbindustrie).

Wird als Ursache eine Exposition am Arbeitsplatz angenommen, muss eine Anzeige mit Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit erfolgen!

Lösungsmittel-induzierte toxische Enzephalopathie

  • Kurzbeschreibung: Diffuse Störung der Hirnfunktion, die mit Konzentrationsdefiziten, Merkschwächen, Denkstörungen, Persönlichkeits- und Affektveränderungen einhergeht
  • Vorkommen: Gehäuft bei „Lösungsmittelschnüfflern“
  • Klinik: Auftreten meist während des Expositionszeitraums. Eine Latenz über Monate würde eher für eine andere Ursache sprechen (z.B. Altersdemenz). Folgende Stadien (Schweregrade) werden unterschieden
Klinik Diagnostik Prognose
Stadium I Anamnese und psychopathologischer Befund Vollständige Ausheilung innerhalb von zwei Jahren bei Expositionskarenz
Stadium II A
  • Zusätzlich Persönlichkeitsveränderungen
Zusätzlich Nachweis testpsychologischer Leistungsminderungen Verzögerte Heilungstendenz
B
  • Zusätzlich Tremor, Ataxie und andere Koordinationsstörungen
Zusätzlich Nachweis sensomotorischer Ausfälle in der neurologischen Untersuchung
Stadium III Nachweis hirnatrophischer Veränderungen in der kranialen Bildgebung Nur selten kommt es zur Besserung der Symptome

Aromatische Amine (Benzidin (=Diaminodiphenyl), β-Naphthylamin)toggle arrow icon

Alkane (aliphatische Kohlenwasserstoffe)toggle arrow icon

Benzoltoggle arrow icon

Chinon (Benzochinon)toggle arrow icon

Dimethylformamid (DMF)toggle arrow icon

Flüchtige organische Verbindungentoggle arrow icon

  • Vorkommen: Kleber, diverse Farben (z.B. im Haushalt bei/nach Renovierungen)
  • Klinik

Formaldehydtoggle arrow icon

Ketonetoggle arrow icon

Lindan (γ-Hexachlorcyclohexan)toggle arrow icon

  • Lindan ist ein Halogenkohlenwasserstoff
  • Vorkommen: Holzschutzmittel, Insektizide, stark verdünnt als Therapeutikum bei Krätze oder Läusebefall (seit Anfang 2008 in Europa verboten)
  • Folgen
    • Schwindel, Kopfschmerzen, Übererregbarkeit, Krämpfe, krebserregende Wirkung wird diskutiert
    • Biologische Halbwertzeit beträgt bis zu 10 Tage
  • Diagnostik: Lindanbestimmung im Blut

Methanoltoggle arrow icon

Monochlorethylen (Vinylchlorid)toggle arrow icon

Diagnostik durch Bestimmung der Thiodiglykolsäure im Urin!

Pyrethroid (Insektizid)toggle arrow icon

para-tertiär-Butylphenoltoggle arrow icon

Schwefelkohlenstofftoggle arrow icon

Styroltoggle arrow icon

Trichlorethen (Trichlorethylen, Ethylentrichlorid, Acetylentrichlorid, TCE)toggle arrow icon

Trikresylphosphattoggle arrow icon

  • Vorkommen: Weichmacher und Flammschutzmittel
  • Folgen: Neurotoxizität (z.B. Polyneuropathie)

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • T60.-: Toxische Wirkung von Schädlingsbekämpfungsmitteln [Pestiziden]
    • Inklusive: Holzschutzmittel
    • T60.0: Organophosphat- und Carbamat-Insektizide
    • T60.1: Halogenierte Insektizide
    • T60.2: Sonstige und nicht näher bezeichnete Insektizide
    • T60.3: Herbizide und Fungizide
    • T60.4: Rodentizide
    • T60.8: Sonstige Schädlingsbekämpfungsmittel
    • T60.9: Schädlingsbekämpfungsmittel, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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