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Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Letzte Aktualisierung: 6.2.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Bei einer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (HVL-Insuffizienz, Hypopituitarismus) kommt es zu einem Ausfall einzelner oder aller Hormonachsen des Hypophysenvorderlappens (GH, LH/FSH, TSH, ACTH, Prolactin) mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen Hypophysentumoren sowie vaskuläre, inflammatorische oder infiltrative Erkrankungen. Die Symptomatik ist initial häufig unspezifisch und richtet sich im Verlauf nach den betroffenen Hormonachsen. Zur Diagnosestellung werden die Konzentrationen unterschiedlicher Hormone im Blut bestimmt (vor und ggf. nach medikamentöser Stimulation), eine MRT dient der Ursachenabklärung. Therapeutisch werden die fehlenden Hormone substituiert sowie (wenn möglich) die Ursache behandelt. Nicht erkannte oder unzureichend substituierte kortikotrope und thyreotrope Insuffizienzen können zu einem lebensbedrohlichen hypophysären Koma führen.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Hypophysenvorderlappeninsuffizienz: Reduzierte oder fehlende Produktion und Sekretion von Hypophysenvorderlappenhormonen
    • Partiell: Betrifft eines oder mehrere (jedoch nicht alle) Hypophysenvorderlappenhormone
    • Komplett: Betrifft alle Hypophysenvorderlappenhormone
      • Panhypopituitarismus: Häufig genutztes Synonym (in manchen Definitionen nur bei zusätzlichem Vasopressinmangel)
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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Angeborene Formen [3]
  • Erworbene Formen [2][4]
    • Deutlich häufiger als angeborene Formen
    • Inzidenz: Ca. 4/100.000 Personen jährlich
    • Prävalenz: Ca. 45/100.000 Personen

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Angeborene Hypophysenvorderlappeninsuffizienz [3]

Erworbene Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Tumoren der Hypophysen- oder Hypothalamusregion

Vaskulär

Iatrogen

Inflammatorisch: Hypophysitis

Weitere Ursachen

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Pathophysiologietoggle arrow icon

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Symptomatiktoggle arrow icon

Symptome durch verringerte Hormonspiegel

  • Hormonausfälle in typischer Reihenfolge: 1. GH, 2. LH/FSH, 3. TSH, 4. ACTH
  • Initial meist unspezifische Symptomatik: Insb. Müdigkeit, Schwäche, Leistungsminderung
  • Erste spezifische Symptome
    • Erwachsene: I.d.R. Hypogonadismus
    • Kinder: I.d.R. Wachstumsverzögerung
Hypophysenvorderlappeninsuffizienz: Folgen spezifischer Hormonausfälle
Betroffenes Hormon Folge Symptome Relevanz Typischer Zeitpunkt des Hormonausfalls
ACTH Kortikotrope Insuffizienz
  • Spät (erst nach Ausfall aller anderen Hormonachsen)
  • Ausnahme: Hypophysitis
TSH Thyreotrope Insuffizienz
  • Spät (erst nach Ausfall der gonadotropen und somatotropen Hormonachse)
LH/FSH Gonadotrope Insuffizienz
  • Nicht lebensbedrohlich, jedoch eingeschränkte Lebensqualität
  • Langfristig: Osteoporoserisiko↑ und kardiovaskuläre Mortalität
  • Früh
GH Somatotrope Insuffizienz
  • Nicht lebensbedrohlich
  • Früh
Prolactin Laktotrope Insuffizienz
  • Nicht lebensbedrohlich
  • Nur in der Stillzeit bedeutsam
  • Eher bei ausgeprägter Schädigung

Weitere Symptome nach Ätiologie

  • Zeitlicher Verlauf und spezifische Symptomkombinationen erlauben ggf. Rückschlüsse auf Ätiologie
Hypophysenvorderlappeninsuffizienz: Charakteristische Verlaufsformen verschiedener Ätiologien
Ätiologie Weitere Symptome und Besonderheiten Vasopressinmangel Zeitlicher Verlauf
Hypophysenadenom
  • Untypisch
  • Beginn schleichend
Andere Hypophysentumoren
  • Möglich
  • Beginn schleichend
Hypophysenapoplex
  • Untypisch
  • Beginn plötzlich
Sheehan-Syndrom
  • Untypisch
Nach Hypophysenchirurgie
  • SIAD möglich (7–10 Tage postoperativ)
  • Möglich
  • Beginn postoperativ
Nach Strahlentherapie
  • Untypisch
  • Beginn schleichend, häufig erst nach mehreren Jahren
Lymphozytäre Hypophysitis
  • Kopfschmerzen, Sehstörungen
  • Häufig früher ACTH-Mangel
  • Hormonausfälle ggf. reversivel
  • Bis zu 50% der Fälle
Checkpoint-Inhibitor-induzierte Hypophysitis
  • Häufig früher und irreversibler ACTH-Mangel
  • Selten: Kopfschmerzen und Sehstörungen
  • Untypisch
  • Beginn typischerweise mehrere Wochen bis Monate nach Therapiebeginn
Empty-Sella-Syndrom
  • Primäre Form: Hormonausfälle eher selten
  • Sekundäre Form: Je nach Ätiologie
  • Neurologische Symptome möglich
  • Untypisch
  • Kein typischer zeitlicher Verlauf
Infiltrative Erkrankungen
  • Symptome der Grunderkrankung
  • Häufig
  • Beginn schleichend
Infektiöse Erkrankungen
  • Symptome der Grunderkrankung
  • Insb. in Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung
  • Möglich
  • Beginn schleichend

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

Körperliche Untersuchung

  • Haut: Blass , teigig und/oder trocken
  • Haare: Trocken und brüchig , Mangel an Sekundärbehaarung
  • Beim Mann: Untersuchung auf Anzeichen für Testosteronmangel
  • Fingerperimetrie: Zur groben Untersuchung des Gesichtsfeldes

Hormondiagnostik

Zweistufiges Prinzip

  1. Basale Hormonwerte bestimmen
  2. Ggf. Stimulationstest durchführen (dynamische Testung): Bestimmung hypophysärer Hormone oder Hormone der Zieldrüse nach iatrogener Stimulation

Bildgebung

Eine kraniale MRT mit Zielaufnahme der Hypophyse ist der radiologische Goldstandard zur Klärung der Ätiologie bei Hypophysenvorderlappeninsuffizienz!

Weitere apparative Diagnostik

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Hormondiagnostik bei HVL-Insuffizienztoggle arrow icon

Basale Hormondiagnostik

Basale Hormondiagnostik bei V.a. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
Hormonachse

Parameter

Interpretation
Kortikotrope Achse (ACTH)
Thyreotrope Achse (TSH)
Gonadotrope Achse (LH/FSH)
  • Frauen
  • Männer: Messung morgens vor 10 Uhr
Somatotrope Achse (GH)
Laktotrope Achse (Prolactin)

Eine thyreotrope und eine gonadotrope Insuffizienz lassen sich durch Anamnese und basale Hormonwerte diagnostizieren. Stimulationstests werden nur noch bei V.a. eine somatotrope Insuffizienz oder uneindeutigen basalen Cortisolwerten bei V.a. eine kortikotrope Insuffizienz empfohlen!

Die Hormonspiegel (sowohl basal als auch stimuliert) sollten immer von darin erfahrenen Ärzt:innen beurteilt werden! [5]

Stimulationstests bei V.a. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz

Stimulationstests (dynamische Testung) bei V.a. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz
Testverfahren
ACTH-Test Insulin-Hypoglykämie-Test Glucagontest Macimorelin-Test GHRH-Arginin-Test TRH-Test GnRH-Test
Verdachtsdiagnose Kortikotrope Insuffizienz

Somatotrope Insuffizienz [2]

Thyreotrope Insuffizienz (✓)
Gonadotrope Insuffizienz (✓)
Laktotrope Insuffizienz (✓) (✓)
Weitere Hinweise
  • Potenziell lebensbedrohlich (lückenlose ärztliche Überwachung notwendig)
  • Wird zunehmend eingesetzt
  • Bei Kindern und Jugendlichen nicht zugelassen
  • Aufgrund von GHRH-Lieferengpässen aktuell nicht durchführbar
  • Nicht mehr empfohlen

ACTH-Test [1][9]

Insulin-Hypoglykämie-Test [2][11]

Beim Insulin-Hypoglykämie-Test wird eine (potenziell lebensbedrohliche) Hypoglykämie induziert. Die gesamte Durchführung sollte daher ärztlich überwacht werden!

Glucagontest [2][12]

Macimorelin-Test [12][13]

GHRH-Arginin-Test [2][11][14]

TRH-Test

GnRH-Test

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Therapietoggle arrow icon

Grundsätze

  • Kausale Therapie (wenn möglich)
  • Hormonsubstitution
  • Anbindung an Selbsthilfegruppen (bspw. Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V.)

Menschen mit einer HVL-Insuffizienz benötigen eine lebenslange endokrinologische Anbindung!

Kausale Therapie

Hormonsubstitution

Kortikotrope Insuffizienz

Thyreotrope Insuffizienz [15]

Gonadotrope Insuffizienz [16]

Somatotrope Insuffizienz

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Komplikationentoggle arrow icon

Hypophysäres Koma

Ein hypophysäres Koma und eine Addison-Krise sind lebensbedrohliche Notfälle, die sofort behandelt werden müssen. Die Diagnostik darf die Therapie nicht verzögern!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

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In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Hypopituitarismus)

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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