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Prolaktinom

Letzte Aktualisierung: 29.8.2019

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Das Prolaktinom ist ein benigner Hypophysenvorderlappentumor, der aus ausschließlich Prolaktin produzierenden Zellen besteht. Hinsichtlich der Größe unterscheidet man Mikro- und Makroprolaktinome. Obwohl das Prolaktinom der häufigste Hypophysentumor ist, sind die Gründe für seine Entstehung weitestgehend unbekannt.

Die Symptomatik beruht einerseits auf den Folgen des verdrängenden Tumorwachstums (meningeale Reizung, Hemianopsie), andererseits auf den Folgen der Hyperprolaktinämie. Während ein Libidoverlust bei beiden Geschlechtern zu finden ist, macht bei Frauen eine sekundäre Amenorrhö häufig auf ein Prolaktinom aufmerksam.

In der Diagnostik kann bei deutlich erhöhten Prolaktinwerten (>200 ng/mL) beinahe sicher von einem Prolaktinom ausgegangen werden, niedrigere Werte erfordern allerdings eine intensivere Diagnostik. Ein Kopf-MRT dient der Größenbestimmung der Raumforderung.

Therapeutisch können Dopamin-D2-Agonisten gegeben werden, die in den meisten Fällen zu einer Normalisierung des Serum-Prolaktins und einer Regredienz der Symptomatik führen. Ist eine medikamentöse Therapie nicht oder nicht ausreichend erfolgreich (Persistenz von Gesichtsfeldausfällen), muss eine operative Therapie angestrebt werden.

  • Geschlecht: > (etwa 5:1)
  • Alter: Häufigkeitsgipfel im 20.–40. Lebensjahr [1]

Das Prolaktinom ist der häufigste endokrin aktive Hypophysentumor (40%)! Hypophysentumoren machen 10% aller intrakraniellen Tumoren aus!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Mikroprolaktinom (ca. 70%)
  • Makroprolaktinom (ca. 30%)

Prolaktin ist ein Hormon des Hypophysenvorderlappens und bedingt u.a. eine Laktation und ein Wachstum der weiblichen Brust während der Schwangerschaft. Bei einem Prolaktinom ist die Prolaktinausschüttung unphysiologisch erhöht, welches z.B. zu einer Galaktorrhö führen kann. Des Weiteren führt Prolaktin zu einer Hemmung der pulsatilen Ausschüttung von LH und FSH mit nachfolgend verminderten Testosteron- und Östrogenspiegeln, wodurch es zu einem hypogonadotropen Hypogonadismus kommen kann. Bei progredientem Wachstum des Prolaktinoms sind auch tumorwachstumsbedingte Einschränkungen, wie z.B. Gesichtsfeldausfälle, zu verzeichnen.

Es kann in Folge eines Prolaktinoms zu einer Hypophysenvorderlappeninsuffizienz kommen!

  • Anamnese: Medikamentenanamnese
  • Klinische Chemie
    • Repetitive Bestimmung des basalen Prolaktinwertes
    • Prolaktin-Stimulationstest : Kommt es nicht zu einem Anstieg der Prolaktin-Spiegel, ist ein Prolaktinom sehr wahrscheinlich.
  • Bildgebung: MRT (Lokalisationsdiagnostik: Kompression der A. carotis interna und von Nerven möglich ), alternativ CT
  • Weitere Diagnostik: Kontrolle anderer Hypophysenfunktionen, ophthalmologische Untersuchung, Ausschluss Niereninsuffizienz und Hypothyreose

Andere Ursachen für eine Prolaktinämie

Dopamin hemmt Prolaktin (Prolactin inhibiting factor, PIF) – TRH hingegen stimuliert u.a. Prolaktin (Prolactin Releasing Hormone)!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Medikamentös

Operativ

  • Transsphenoidale oder transfrontale operative Entfernung des Prolaktinoms bei fehlendem Ansprechen oder Unverträglichkeit der Dopaminagonisten
  • Bestrahlung bei aggressiven Tumoren, die auf eine maximale medikamentöse und/oder operative Therapie nicht ansprechen (wird nur noch selten durchgeführt)

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

  • D35.-: Gutartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter endokriner Drüsen
  • E22.-: Überfunktion der Hypophyse
    • E22.1: Hyperprolaktinämie

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Rabe et al.: Prolaktin und Hyperprolaktinämie - Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) e.V. In: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Band: 10, Nummer: 2, p. 107-108.
  2. Herold et al.: Innere Medizin. Eigenverlag 2012, ISBN: 978-3-981-46602-7 .
  3. Dietel et al.: Harrisons Innere Medizin (2 Bände). 16. Auflage ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft 2005, ISBN: 978-3-936-07229-7 .