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Neuralrohrdefekte

Letzte Aktualisierung: 15.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Neuralrohrdefekte oder embryonale Spaltbildungen stellen die häufigsten ZNS-Fehlbildungen dar. Sie entstehen zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag p.c., wenn es zu einem unvollständigen Verschluss des embryonalen Neuralrohrs (meist am kaudalen oder kranialen Ende) kommt. Spaltbildungen am kaudalen Ende sind häufiger, sie werden als Spina bifida bezeichnet.

Bei der Spina bifida occulta besteht lediglich eine Spaltbildung des knöchernen Wirbelbogens; bei der Spina bifida aperta sind in den Defekt zusätzlich die Meningen und evtl. das Rückenmark einbezogen, weshalb die Klinik wesentlich ausgeprägter ist. Diese zeigt sich z.B. bei der Meningomyelozele mit einer Querschnittssymptomatik in Abhängigkeit von der Lokalisation der Fehlbildung.

Die Klinik der kranialen Spaltbildungen (Cranium bifidum) ist ebenfalls stark von der Lokalisation und Ausprägung abhängig, wobei die Maximalvariante, der Anenzephalus, nicht mit dem Leben vereinbar ist.

Die Diagnose eines Neuralrohrdefekts wird häufig schon während der Schwangerschaft mittels Sonografie und der Bestimmung von erhöhten AFP- und Acetylcholinesterase-Werten im Fruchtwasser gestellt. Therapeutisch kann lediglich eine Defektdeckung erfolgen, die neurologische Prognose ist oft nur geringfügig beeinflussbar. Daher ist eine präventive Einnahme von Folsäure, die für die embryonale ZNS-Entwicklung wichtig ist, bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft von großer Bedeutung.

Definitiontoggle arrow icon

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Häufigste Fehlbildungen des ZNS
  • Häufigkeit: 1–2 Fälle/1000 Neugeborene

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

  • Genetische Ursachen
  • Folsäuremangel oder Störungen des Folsäuremetabolismus

Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

Spina bifida

  • Definition [1][2][3]
  • Lokalisation: Meist im unteren Lumbal- bis Sakralbereich
  • Symptomatik
  • Evtl. Assoziation mit einem Hydrozephalus

Cranium bifidum

  • Definition: Kraniale Spaltbildungen unter Einbeziehung von knöchernem Schädel und Gehirn
    • Akranie
    • Anenzephalus
    • Enzephalozele
    • Kraniale Meningozele
  • Lokalisation: Sowohl frontal als auch okzipital möglich
  • Symptomatik: Fehlbildungen und neurologische Störungen in unterschiedlichem Ausprägungsgrad, bei schweren Fehlbildungen keine Lebensfähigkeit

Dermalsinus

  • Definition: Meist lumbale oder lumbosakrale Fistel, die von der Hautoberfläche zum Spinalkanal zieht und häufig in einem Dermoid oder Epidermoid endet.
  • Ätiologie: Unvollständige oder fehlende Trennung des neuralen vom dermalen Ektoderm
  • Klinik
  • Therapie: Neurochirurgische Exploration und evtl. Resektion von Dermoid oder Epidermoid

Diagnostiktoggle arrow icon

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Tethered-Cord-Syndrom

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Präventiontoggle arrow icon

Folsäure

  • Folsäure-Substitution p.o. 400 μg/d
  • Beginn bereits vor einer geplanten Schwangerschaft (mindestens ca. 4 Wochen vorher)
  • Einnahme während des ersten Trimenons weiterführen
  • Frauen mit erhöhtem Risiko für die Entstehung eines Neuralrohrdefekts (bspw. vorheriger Neuralrohrdefekt eines Kindes oder maternale MTHFR-Mutation): 4–5 mg Folsäure pro Tag

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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