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Adenoide Vegetationen

Letzte Aktualisierung: 14.1.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Adenoide Vegetationen bezeichnen eine Hyperplasie der Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis), die in der Regel im Kindesalter auftritt und häufig mit einer partiellen oder kompletten Verlegung im Nasenrachenraum einhergeht. Eine Verlegung von Choanen und/oder Tubenostien führt zu einer Nasenatmungsbehinderung und vermehrten Mundatmung, rezidivierenden Paukenergüssen und Otitiden. Bei persistierender Hörminderung kann sich die Sprachentwicklung verzögern. Klinisch hinweisend sind geschlossenes Näseln, Schnarchen, Tagesmüdigkeit, rezidivierende Atemwegsinfekte und die sog. Facies adenoidea mit offenstehendem Mund und sichtbarer Zunge. Therapeutisch ist nach erfolgloser konservativer Therapie oder bei ausgeprägter Symptomatik eine operative Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) indiziert.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Altersgipfel: 1–5 Jahre
    • Im Erwachsenenalter eine Rarität

Bei V.a. adenoide Vegetationen im Erwachsenenalter sollte eine umfangreiche Abklärung, insb. zum Ausschluss einer malignen Raumforderung, angestrebt werden!

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Für adenoide Vegetationen besteht eine familiäre Disposition!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Die klinische Symptomatik erlaubt Rückschlüsse auf das Ausmaß und die Lokalisation einer Atemwegsverlegung. Infolge einer zusätzlichen permanenten bakteriellen Fehlbesiedelung kann es zu rezidivierenden bzw. hartnäckigen Infektionen der oberen (und unteren) Atemwege kommen.

Die Rachenmandelhyperplasie ist im Kindesalter nicht ungewöhnlich, Symptome ergeben sich erst durch die Verlegung physiologischer Öffnungen!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

  • Gestörte Nasenatmung, überwiegend Mundatmung
  • Häufigkeit und Schwere von Infekten, insb. Otitis media und Bronchitis
  • Allergische Symptome
  • Hör- und Sprachentwicklung
  • Schlafgewohnheiten (Schnarchen, Atemaussetzer, Tagesmüdigkeit)

Inspektion

HNO-ärztliche Untersuchung

Bei V.a. eine Sprachentwicklungsstörung sollte eine Hör- und Sprachtestung erfolgen!

Weiterführende Diagnostik

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Konservativer Therapieversuch

  • Indikation: Symptomatische Adenoidhyperplasie, wenn keine schwerwiegenden Symptome wie OSAS vorliegen
  • Therapieoptionen
    • Watchful waiting über ca. 6 Monate
    • Tubentraining und topische Therapie
  • Durchführung
    • Tubentraining [2]
    • Nasale Steroide (cortisonhaltiges Nasenspray) [3]
      • Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®)
        • Kinder 3–12 Jahre
        • Kinder >12 Jahre und Erwachsene
    • Ggf. Nasentropfen, Nasensprays oder Nasenspülungen auf Sole-Basis (NaCl): Wirken indirekt abschwellend durch Lockerung des Sekrets und Reinigung des Nasenrachenraumes
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Zusätzlich kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid
      • Kinder >6 Jahre und Jugendliche
      • Kinder 2–6 Jahre
      • Kinder von Geburt–2 Jahre
    • Kein Einsatz von systemischen Steroiden, Antibiotika oder Antihistaminika

Operative Verfahren

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Adenotomietoggle arrow icon

Die Adenotomie wird bei Kindern in Intubationsnarkose durchgeführt, häufig kombiniert mit einer Parazentese bzw. Paukendrainage. Bei Erwachsenen kann auch eine lokale Betäubung erwogen werden. Die Operation erfolgt i.d.R. ambulant und nur in Ausnahmefällen stationär, z.B. bei Komplikationen, besonderen Risikofaktoren, langem Anfahrtsweg, fehlender postoperativer Betreuungsmöglichkeit oder auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern.

Indikationen

Kontraindikation

Komplikationen

  • Starke perioperative Blutung bzw. Nachblutung
  • Wundheilungsstörung, Entzündung, Infektion
  • Zahnschäden
  • Verletzung von Lippe, Schleimhaut, Zunge und deren Nerven (Bewegungs-, Gefühls- und Geschmacksnerven)
  • Bleibendes Näseln, Schluckstörungen, Übertritt von Nahrung oder Flüssigkeit in die Nase
  • Bleibende Kiefergelenksbeschwerden
  • Schädigung der Ohrtrompete mit Vernarbung und Schwerhörigkeit
  • Verletzung und/oder Entzündung von Muskelgewebe an der Rachenhinterwand oder der prävertebralen Faszie mit Schonhaltung der HWS (sog. Grisel-Syndrom)
  • Choanalverschluss durch Narbenbildung (selten)
  • Verletzung oder Verschiebungen der Halswirbelkörper (sehr selten)

Präoperative Diagnostik

Operationsverfahren

  • Lagerung und Vorbereitung
    • Keine perioperative Antibiotikaprophylaxe notwendig
    • Maximale Reklination des Kopfes
    • Mundsperrer (z.B. Davis-Boyle-Mundsperrer mit Russel-Davis-Spatel und Rinne) in geschlossenem Zustand median einführen und Tubus in der Mitte aufladen, abstützen an Schneide-/Eckzähnen, dann öffnen
    • Zunächst Abtasten der Rachenhinterwand und Adenoide sowie des weichen Gaumens
    • Einbringen von zwei Gummisaugschläuchen (nicht an Sauger angeschlossen) durch beide Nasenlöcher in den Oropharynx
    • Ergreifen der Schläuche durch die Mundhöhle und Fixation mit einer Klemme
    • Inspektion des Nasenrachenraums mittels Mundspiegel
  • Abtragung der hyperplastischen Rachenmandel
    • Beckmannsches Ringmesser in der passenden Größe auswählen
    • Ringmesser hinter dem Gaumenbogen vorsichtig zum Rachendach hochschieben
    • An der oberen Vomerkante ansetzen und streng median ohne Verkantung mit leichtem Druck entlang des Rachendaches und der Rachenhinterwand abwärts führen
    • Rachenmandel entnehmen
    • Kürettage der Tubenwinkel (CAVE: Verletzung Tubenwulst!)
    • Ggf. Abtragung von Schleimhautfetzen am unteren Schnittrand mit dem Dreieckskonchotom
    • Minutenlange Einlage eines mit einem Vasokonstringens (z.B. Xylometazolin) getränkten, armierten Kugeltupfers
    • Nachkontrolle durch Spiegelung des Nasenrachens
    • Ggf. Nachkürettage oder Blutstillung mit dem Elektrokauter (evtl. wiederholt)
    • Absaugen des Nasenrachenraumes vor der Extubation
  • Alternativen: Shaver , Elektrochirurgie [5][6], Radiofrequenzablation (Coblation®) [7]
    • Keine generelle Empfehlung aufgrund geringer Fallzahlen
  • Keine allgemeine Empfehlung zur histologischen Untersuchung des Gewebes nach Adenotomie

Postoperatives Management

  • Postoperatives Monitoring für 4–6 h
    • Atmung und Kreislauf
    • Regelmäßige Untersuchung und Inspektion (CAVE: Nachblutung)
  • Vor Entlassung
    • Erneute Untersuchung und Anamnese, insb. hinsichtlich einer Nachblutung (mit Dokumentation )
    • Aufklärung der Eltern (mit Dokumentation)
      • Kind sollte am OP-Tag nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen
      • Verhalten im Bezug auf Nachblutung, Ernährung, Medikamenteneinnahme
      • Gewährleistung einer postoperativen, dauerhaften Betreuung und Überwachung durch die Sorgeberechtigten für 24 h
  • Analgesie: Bei Bedarf Ibuprofen oder Paracetamol (Dosierung siehe: Ibuprofen pädiatrisch)
  • Ernährung
    • Postoperativ leichte Kost und Eis
    • Ab dem ersten postoperativen Tag wieder Normalkost
  • Entlassung: Sobald das Kind in gutem Allgemeinzustand ist und keine Komplikationen (wie Nachblutung oder Entzündung) vorliegen
  • Sofortige Wiedervorstellung: Bei Nachblutung, Fieber oder starken Schmerzen
  • Verhalten postoperativ
    • Über 3–5 Tage: Keine körperliche Belastung, keine heißen Bäder, kein Haarewaschen, kein Besuch von Kindergarten bzw Schule
    • Sport frühestens nach 7–14 Tagen
    • Nächste Impfung frühestens nach 6 Wochen
  • Postoperative Kontrollen
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Patienteninformationentoggle arrow icon

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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