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Cannabinoide

Letzte Aktualisierung: 20.1.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Cannabis gilt seit dem 01.04.2024 in Deutschland als (teil‑)legalisierte Droge (siehe auch: Cannabisgesetz [CanG] unter Tipps & Links). Die Hauptwirkstoffe THC und Cannabidiol werden aus der Hanfpflanze gewonnen und i.d.R. inhalativ als gedrehte Zigaretten (Joints) oder oral, z.B. in Form von Keksen (sog. Spacecookies), konsumiert. Bei etwa 1% der deutschen Bevölkerung liegt ein Cannabismissbrauch bzw. eine -abhängigkeit vor.

Cannabis besitzt eine euphorisierende und sedativ-anxiolytische Hauptwirkung. Je nach Züchtung können unterschiedlich stark ausgeprägte halluzinogene und psychotische Wirkungen hinzukommen.

In Deutschland ist die Verordnung von cannabishaltigen Medikamenten möglich. Die Evidenzlage ist hier noch gering, wobei aufgrund der erleichterten Verordnung in den kommenden Jahren eine Verbesserung der Datenlage zu erwarten ist.

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Epidemiologietoggle arrow icon

Cannabiskonsum [1]

  • 12-Monats-Prävalenz (Stand 2023)
    • Jugendliche (12–17 Jahre): 6,7%
    • Junge Erwachsene (18–25 Jahre): 23,5%
  • Geschlechterverteilung
    • Junge Erwachsene (18–25 Jahre): >
      • Männer: 26,9%
      • Frauen: 19,4%
    • Jugendliche (12–17 Jahre): Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern
  • Zeitliche Trends (Zeitraum 2008–2023)
    • Junge Erwachsene: Deutlicher Anstieg des Konsums
    • Jugendliche: Weitgehend stabile Prävalenzzahlen

Da die Daten auf Selbstauskünften über ein (zum Erhebungszeitpunkt) illegales Verhalten basieren, ist eine Unterschätzung der tatsächlichen Prävalenzen möglich! [1]

Cannabisabhängigkeit [1]

Ein Konsumbeginn im Jugendalter geht mit einem erhöhten Abhängigkeitsrisiko einher – insb. bei täglichem Gebrauch! [1]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Herstellungs- und Konsumformentoggle arrow icon

  • Herstellungsformen
    • Marihuana (sog. „Gras“): Getrocknete Blätter und Blüten der Hanfpflanze
    • Haschisch (sog. „Dope“, „Shit“): Harz der Blütenstände der Hanfpflanze
  • Konsumformen
    • Inhalativ: Als selbst gedrehte Zigaretten (sog. „Joints“), in Wasserpfeifen (sog. „Bongs“) oder mit Verdampfer (sog. „Vaporizer“)
    • Oral: Verarbeitung des in Öl gelösten THC in Lebensmitteln (sog. „Edibles“), z.B. in Kuchen, Plätzchen (sog. „Space-Cookies“) oder Gummibärchen

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Wirkstoffe und Wirkmechanismustoggle arrow icon

  • Wirkstoffe [2]
    • Tetrahydrocannabinol (THC): Psychoaktiver Hauptwirkstoff
    • Cannabidiol (CBD): Weiterer Wirkstoff mit stark reduzierten psychoaktiven Eigenschaften (keine Rauschwirkung), der die Wirkung von THC modulieren kann, u.a. durch Hemmung von dessen Metabolismus [3]
  • Wirkmechanismus
    • THC: Partieller Agonist an spezifischen Cannabinoidrezeptoren (CB1, CB2) [3]
      • CB1-Rezeptoren: Insb. im ZNS [2]
      • CB2-Rezeptoren: Insb. auf Zellen des Immunsystems
    • CBD: Keine primäre Wirkung über CB1-/CB2-Rezeptoren
      • Unter anderem Agonist an 5-HT1A-Rezeptoren, TRPV-Rezeptoren
      • Negativer allosterischer Modulator am CB1-Rezeptor und schwacher Antagonist am CB2-Rezeptor
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Wirkungen und Nebenwirkungentoggle arrow icon

Wirkungen

  • Initial: Euphorie (oft mit sog. „Lachflashs“), Entspannung und halluzinogene Effekte
  • Im Verlauf: Passivität, Antriebshemmung und gesteigerter Appetit / Heißhungerattacken
  • Zeitlicher Ablauf
    • Inhalativer Konsum: Wirkeintritt innerhalb weniger Minuten, Wirkmaximum nach 20–30 min, Wirkdauer insg. ca. 2–5 h
    • Oraler Konsum: Wirkeintritt nach ca. 45–120 min, Wirkmaximum nach 2–3 h, Wirkdauer insg. ca. 5–10 h

Nebenwirkungen

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Komplikationentoggle arrow icon

Körperlich

  • Pulmonale Folgeerkrankungen des inhalativen Konsums
  • Cannabis-Hyperemesis-Syndrom [4]
    • Symptome
    • Merkmale
      • Meist fehlende Linderung durch übliche Antiemetika
      • Oft Besserung durch heißes Duschen/Baden
    • Rom-IV-Kriterien
      • Symptome seit >3 Monaten bestehend; Auftreten der ersten Symptome ≥6 Monate vor der Diagnose
      • Dauer einer Episode <1 Woche
      • Mind. 3 eigenständige Episoden im letzten Jahr
      • Mind. 2 Episoden in den letzten 6 Monaten (Abstand mind. 1 Woche)
      • Fehlen von Erbrechen zwischen den Episoden
    • Mögliche Komplikationen
    • Akuttherapie
    • Kausale Therapie: Vollständige Beendigung des Cannabiskonsums

Psychisch [5]

Cannabisintoxikation [6]

Symptome

Je nach Konsumform ist ein Abklingen der Beschwerden nach 3–5 h (inhalativ) bzw. 8–12 h (oral) zu erwarten! [4]

Therapie bei Cannabisintoxikation

  • Supportive Therapie (Beruhigung und Reizabschirmung): I.d.R. ausreichend
  • Medikamentöse Therapie [4][6]

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Cannabisabhängigkeittoggle arrow icon

Diagnosekriterien

Der Großteil der Cannabiskonsument:innen entwickelt keine Abhängigkeit! [7]

Cannabisentzug [2][8]

Therapie der Cannabisabhängigkeit [9]

Psychotherapie und Soziotherapie

Kinder und Jugendliche

Im Kindes- und Jugendalter sollten bei der Therapie verhaltenstherapeutische Elemente mit systemisch-familienorientierten Ansätzen kombiniert werden!

Erwachsene

Die höchste Effektivität bei Erwachsenen weisen Kurzinterventionen mit Kombinationen aus Motivationsförderung, kognitiver Verhaltenstherapie und Kontingenzmanagement auf!

Digitale Therapieverfahren

  • Bei vorhandener Veränderungsmotivation: Online-Programm „Quit the Shit“ (siehe: Tipps und Links)

Pharmakotherapie

  • Keine spezifische Zulassung zur Entwöhnung oder Rückfallprophylaxe
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Medizinisches Cannabistoggle arrow icon

  • Verordnung: In Deutschland ist die Verordnung von cannabishaltigen Medikamenten unter bestimmten Bedingungen möglich
    • Verschreibung im Rahmen eines BtM-Rezepts entfällt seit 01.04.2024 (Ausnahme: Nabilon )
    • Verschreibungspflicht bleibt bestehen
    • Ggf. Klärung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse
    • Siehe auch: BfArM, Medizinisches Cannabis unter Tipps & Links
  • Verfügbare Präparate [10]
    • Bevorzugt: Fertigarzneien / isolierte Einzelsubstanzen
    • Alternativ: Getrocknete Cannabisblüten und ölige Cannabisextrakte
Verfügbare Cannabis-Präparate zur medizinischen Anwendung [10]
Präparat Wirkstoff Handelsname Darreichungsform Anwendung [10]
Nabilon
  • Canemes®
  • Kapseln

Nabiximols

  • Sublingualspray
Dronabinol (CB1R-Agonist)
  • Marinol®
  • Als Fertigarzneimittel: Kapseln
  • Als Rezepturarzneimittel: Verschiedene Galeniken [11]
Cannabidiol
  • Epidyolex®
  • Lösung zum Einnehmen
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Rechtsmedizinischer Nachweistoggle arrow icon

  • Urin: Je nach Konsumhäufigkeit kann die Nachweisbarkeit zwischen ca. 3 Tagen (Gelegenheitskonsum) bis zu mehreren Wochen (starker Konsum) liegen [2]
  • Blut [2]
    • Nachweis von aktivem THC ca. 12–72 h nach Konsum (je nach Konsummuster)
    • Nachweis von THC-Metaboliten bis zu mehrere Wochen (je nach Konsummuster)
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Studientelegramme zum Thematoggle arrow icon

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AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

Cannabis als Medizin – Indikationen und praktische Anwendung (Mai 2021)

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Meditrickstoggle arrow icon

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Cannabis: THC und CBD

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

F12.-: Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide

T40.-: Vergiftung durch Betäubungsmittel und Psychodysleptika [Halluzinogene]

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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