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Antipsychotika

Letzte Aktualisierung: 3.11.2022

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Antipsychotika sind eine heterogene Substanzgruppe, die insb. zur Behandlung von Schizophrenien, Manien, Wahn- und Erregungszuständen eingesetzt werden. Der Begriff „Neuroleptika“ („nervenberuhigendes Medikament“) wird zunehmend durch den Begriff „Antipsychotika“ ersetzt, der die Wirkung der Substanzen besser beschreibt. Früher wurde angenommen, dass die antipsychotische Wirksamkeit einer Substanz eng mit einem D2-Rezeptor-Antagonismus korreliert. Diese Annahme konnte jedoch durch die Einführung von Clozapin, das eine geringe D2-Affinität bei gleichzeitiger starker antipsychotischer Wirksamkeit besitzt, widerlegt werden. Entsprechend können Antipsychotika in typische Antipsychotika und atypische Antipsychotika eingeteilt werden. Eine weitere Einteilung orientiert sich an der neuroleptischen Potenz: Hochpotente Antipsychotika (z.B. Haloperidol) wirken stark antipsychotisch und gering sedierend, niederpotente Antipsychotika (z.B. Chlorprothixen) hingegen primär sedierend. Die Nebenwirkungen von Antipsychotika können entsprechend der unterschiedlichen Rezeptorbindungsprofile vielfältig sein, wobei extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS) durch den D2-Antagonismus verursacht werden. Als weitere wichtige Nebenwirkung aller Substanzen ist das maligne neuroleptische Syndrom zu nennen, das sich mit Fieber, Hypertonie, Rigor, Tremor und psychopathologischen Symptomen präsentieren kann.

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Für die vollständigen Herstellerangaben sei auf die in AMBOSS vorhandene ifap-Arzneimitteldatenbank verwiesen.

Keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte. Die Angaben erfolgen nach sorgfältigster redaktioneller Recherche. Insbesondere aktuelle Warnhinweise und veränderte Empfehlungen müssen beachtet werden. Soweit nicht anders genannt, beziehen sich die genannten Empfehlungen auf Erwachsene.

Hochpotente Antipsychotika

Benperidol

Wirkstoff Benperidol (z.B. Benperidol-neuraxpharm®)
Applikation
  • p.o. [1]
  • i.m. (akut) und i.v. [2]
Standarddosierungen
  • Akute psychotische Störungsbilder, katatone Störungsbilder, delirante Syndrome, chronische Psychosen, Manie
    • p.o.
      • Anfangs- und Erhaltungsdosis: 1–6 mg/d p.o. verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Hauptdosis zur Nacht, Maximaldosis: 40 mg/d
      • Bei älteren Patienten (>65 Jahre): Dosisreduktion mit einer Initialdosis von 0,3–3mg/d
    • i.m./i.v.: Insb. zur Initialbehandlung akuter Symptome, wenn keine orale Gabe möglich ist (nicht zur Behandlung chronischer Psychosen)
      • Anfangs- und Erhaltungsdosis: 2–6 mg/d i.v. oder i.m. verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Hauptdosis zur Nacht, Maximaldosis: 40 mg/d
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit einer Initialdosis von 0,3–3 mg/d
  • Psychomotorische Erregungszustände
    • p.o.
      • Initial 1–3 mg/d p.o. verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Hauptdosis zur Nacht, Erhaltungsdosis: 1–6 mg/d, Maximaldosis: 40 mg/d
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit einer Initialdosis von 0,3–3 mg/d
    • i.m./i.v.
      • Initial 1–3 mg/d i.v. oder i.m.verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Hauptdosis zur Nacht, Erhaltungsdosis: 1–6 mg/d, Maximaldosis: 40 mg/d
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit einer Initialdosis von 0,3–3 mg/d
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Haloperidol

Wirkstoff Haloperidol (z.B. Haldol®)
Applikation
  • p.o. [4]
  • i.m. (akut [5] und Depot [6])
Standarddosierung
  • Schizophrenie, schizoaffektive Störung
    • p.o.
      • Initial 2–10 mg/d p.o. verteilt auf 1–2 Einzelgaben, Dosisanpassung alle 1–7 Tage möglich, bei Erstmanifestationen häufig Erhaltungsdosis von 2–4 mg/d ausreichend, bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium häufig Dosierungen bis zu 10 mg/d, Maximaldosis: 20 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 1 mg/d p.o., langsame und vorsichtige Dosiserhöhung, Maximaldosis: 5 mg/d
    • i.m. Depot: Als Erhaltungstherapie bei Patient:innen, die bereits mit Haloperidol p.o. eingestellt sind und auf eine Depotgabe umgestellt werden sollen
      • Initial 10-bis 15-fache Dosierung der oralen Dosis, i.d.R. 25–150 mg alle 4 Wochen i.m., Erhöhung der Dosierung um 50 mg i.m. alle 4 Wochen möglich, Erhaltungsdosis: 50–200 mg i.m. alle 4 Wochen, Maximaldosis: 300 mg i.m. alle 4 Wochen
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 12,5–25 mg i.m. alle 4 Wochen, Erhaltungsdosis: 25–75 mg i.m. alle 4 Wochen, Maximaldosis: 75 mg i.m. alle 4 Wochen
  • Delir (Akutbehandlung, nach Versagen nicht-pharmakologischer Therapien)
    • p.o.
      • Initial 1–10 mg p.o. verteilt auf 1–3 Einzelgaben, Dosiserhöhung bei unzureichendem Ansprechen alle 2–4 h möglich, Maximaldosis: 10 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 0,5 mg/d p.o., langsame und vorsichtige Dosiserhöhung, Maximaldosis: 5 mg/d
    • i.m. akut
      • Initial 1–10 mg i.m., bei unzureichendem Ansprechen erneute Gabe nach 2–4 h möglich, Maximaldosis: 10 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 0,5 mg i.m., langsame und vorsichtige Dosiserhöhung, Maximaldosis: 5 mg/d
      • Dauer der i.m. Akutbehandlung so kurz wie möglich
  • Mittelschwere bis schwere manische Episoden bei Bipolar-I-Störung (p.o.)
    • Initial 2–10 mg/d p.o. verteilt auf 1–2 Einzelgaben, Dosisanpassung alle 1–3 Tage möglich, Maximaldosis: 15 mg/d
    • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 1 mg/d p.o., langsame und vorsichtige Dosiserhöhung, Maximaldosis: 5 mg/d
  • Akute psychomotorische Erregungszustände bei psychotischer Störung oder manischen Episoden einer Bipolar-I-Störung
    • p.o.
      • Initial 5–10 mg p.o. als Einmalgabe, bei unzureichender Wirkung erneute Gabe nach 12 h, Maximaldosis: 20 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 2,5 mg/d p.o., langsame und vorsichtige Dosiserhöhung, Maximaldosis: 5 mg/d
    • i.m. akut
      • Initial 5 mg i.m., bei unzureichendem Ansprechen stündliche Gabe bis zu einer Maximaldosis von 20 mg/d möglich
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 2,5 mg i.m., Maximaldosis: 5 mg/d
      • Dauer der i.m. Akutbehandlung so kurz wie möglich
  • Aggression und psychotische Symptome bei Personen mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz (p.o.): Nach Versagen nicht-pharmakologischer Therapien und bei Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung
    • Initial 0,5 mg/d p.o. als Einmalgabe, Dosiserhöhung alle 1–3 Tage möglich, Erhaltungsdosis: 0,5–5 mg/d verteilt auf 1–2 Einzelgaben, Maximaldosis: 5 mg/d
    • Spätestens nach 6 Wochen Notwendigkeit einer Weiterbehandlung überprüfen
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

  • Gravidität: Hoher Erfahrungsumfang
  • Stillzeit: Stillen bei Therapie im Niedrigdosisbereich, unter guter Beobachtung und Kontrolle der Plasmakonzentration beim Kind nach 2–3 Wochen unter Vorbehalt akzeptabel

Flupentixol

Wirkstoff Flupentixol (z.B. Fluanxol®)
Applikation
  • p.o. [7]
  • i.m. (Depot) [8]
Standarddosierung
  • Schizophrenie
    • p.o.
      • Initial 3–15 mg/d p.o. verteilt auf 2–3 Einzelgaben, anschließend ggf. Dosiserhöhung auf bis zu 40 mg/d, Erhaltungsdosis: 5–20 mg/d
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Halbierung der üblichen Dosis
      • Zur Behandlung der Negativsymptomatik (Off-Label) i.d.R. niedrigere Dosierungen
    • i.m. Depot
      • 20–100 mg i.m. alle 2–4 Wochen
      • Dosierung in Abhängigkeit von der Höhe der oralen Dosierung (Umrechnungsfaktor 5), bspw. [9]
        • Zieldosis orales Flupentixol 4 mg/d: Depot 20 mg/2 Wochen
        • Zieldosis orales Flupentixol 10 mg/d: Depot 50 mg/2 Wochen
        • Zieldosis orales Flupentixol 20 mg/d: Depot 100 mg/2 Wochen
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
  • Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen
  • Dosisanpassung nicht zwingend erforderlich, ggf. jedoch Dosisreduktion
DALI
  • Bei Leberinsuffizienz: Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen (Labor- und Spiegelkontrollen), ggf. Dosisreduktion
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Mittelpotente Antipsychotika

Loxapin

Wirkstoff Loxapin (Adasuve®)

Applikation

  • Inhalativ [10]
Standarddosierungen
  • Leichte bis mittelschwere Agitiertheit im Rahmen einer Schizophrenie oder bipolaren Störung
    • Initial 9,1 mg (1 Inhalation) inhalativ, bei unzureichendem Ansprechen erneut 1 Inhalation nach 2 Stunden, Maximaldosis: 18,2 mg/d (2 Inhalationen)
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Anwendung aufgrund fehlender Datenlage nicht empfohlen
Indikationen
Zu beachten
  • Risikoprofil beachten
  • Möglichst nicht anwenden bei Funktionsstörungen folgender Organe: Herz, Niere, Leber
  • Keine Anwendung bei älteren Personen
  • Praktische Anwendung
    • Anwendung nur in einem Krankenhaus unter Aufsicht von medizinischem Personal
    • Inhalator mit sichtbarer Lasche: Nach Entfernen der Lasche Aufleuchten eines grünes Lichtes, anschließend innerhalb von 15 Minuten Inhalation über ein integriertes Mundstück, anschließend kurz Luft anhalten
    • Nach der Anwendung: Überwachung des Patienten für 1 Stunde und Bereithalten eines kurzwirksamen β-Sympathomimetikum aufgrund des Risikos von Bronchospasmen
Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff oder Amoxapin
  • Lungenerkrankungen (COPD, Asthma bronchiale)
  • Aktuelle respiratorische Beschwerden
DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit
  • Gravidität: Anwendung ausschließlich unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung
  • Stillzeit: Nach Inhalation sollte über einen Zeitraum von 48 Stunden nicht gestillt werden

Perazin

Wirkstoff Perazin (z.B. Perazin-neuraxpharm®)
Applikation
  • p.o. [11]
Standarddosierungen
  • Akute psychotische und katatone Syndrome, maniforme Syndrome, psychomotorische Erregungszustände
    • Initial 50–150 mg p.o. als Einzeldosis oder verteilt über mehrere Einzelgaben, bei schweren Erregungszuständen: Dosissteigerung innerhalb von 24 Stunden auf 500 mg/d verteilt auf mehrere Einzelgaben möglich, Erhaltungsdosis: Im stationären Setting 200–600 mg/d mit einer Maximaldosis von 1.000 mg/d, im ambulanten Setting bis 300 mg/d
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion um die Hälfte o.g. Dosierungen
  • Chronisch verlaufende Psychosen
    • 75–600 mg/d p.o. als Einzeldosis oder verteilt über mehrere Einzelgaben
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion um die Hälfte o.g. Dosierungen
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff oder andere Antipsychotika, v.a. Phenothiazine
  • Schwere Blutzell- und Knochenmarksschädigung
DANI
  • Bei Nierenfunktionsstörungen keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Bei leichten bis mittelgradigen Leberfunktionsstörungen: Regelmäßige Laborkontrollen und ggf. Dosisreduktion
  • Bei schwerer Leberfunktionsstörung: Anwendung nur unter besonderer Vorsicht
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Zuclopenthixol

Wirkstoff Zuclopenthixol
Applikation
  • p.o. [12][13]
  • i.m. akut [14]
  • i.m. Depot [15]
Standarddosierungen
  • Psychomotorische Erregungszustände und aggressive Verhaltensweisen bei Demenz (p.o.)
    • Initiale Dosis und Erhaltungsdosis: 2–6 mg/d p.o. als abendliche Einmalgabe oder verteilt auf 2–3 Einzelgaben, Maximaldosis: 6 mg/d
  • Psychomotorische Erregungszustände bei geistiger Behinderung (p.o.)
    • Initiale Dosis und Erhaltungsdosis: 10–40 mg/d p.o. als abendliche Einmalgabe oder verteilt auf 2–3 Einzelgaben, Maximaldosis: 50 mg/d
  • Schizophrenie und Manie
    • p.o.
      • Initial 20–50 mg/d p.o. als abendliche Einmalgabe oder verteilt auf 2–3 Einzelgaben, bei unzureichendem Ansprechen weitere Dosissteigerung nach 2–3 Tagen bis zu einer Erhaltungsdosis von 25–75 mg/d, Maximaldosis: 75 mg/d
    • i.m. akut (Zuclopenthixolacetat): Zur Initialbehandlung bei akuten psychotischen und manischen Zustandsbildern
      • Initial 50–150 mg i.m., bei unzureichendem Ansprechen erneute Gabe nach 2–3 Tagen möglich, max. Anwendungsanzahl: 2–3 Applikationen
    • i.m. Depot (Zuclopenthixoldecaonat): Als Langzeitbehandlung bei chronischer Schizophrenie, wenn eine adäquate orale antipsychotische Therapie nicht möglich ist
      • 200–400 mg i.m. alle 2–4 Wochen
Indikationen
  • Psychomotorische Erregungszustände und aggressive Verhaltensweisen bei Demenz (p.o.)
  • Psychomotorische Erregungszustände bei geistiger Behinderung (p.o.)
  • Schizophrenie (p.o., i.m. akut, i.m. Depot)
  • Manie (p.o., i.m. akut)
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
  • Bei Niereninsuffizienz: Vorsichtige Anwendung, bei leichter und mittelgradiger Ausprägung i.d.R. keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Bei leichter und mittelgradiger Leberfunktionsstörung: Vorsichtige Anwendung, regelmäßige Laborkontrollen und ggf. Dosisreduktion
  • Bei schwerer Leberinsuffizienz: Keine Anwendung
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Niederpotente Antipsychotika

Chlorprothixen

Wirkstoff Chlorprothixen (z.B. Chlorprothixen-neuraxpharm®)
Applikation
  • p.o. [16]
Standarddosierungen
  • Leichte bis mittelschwere Unruhe und Erregungszustände: 15–100 mg/d p.o. verteilt auf mehrere Einzelgaben, initial Bettruhe bei Einzeldosen von >30 mg bzw. Tagesdosen >90 mg
  • Schwere Unruhe und Erregungszustände, manische Syndrome: Initial 100–400 mg/d p.o. verteilt auf mehrere Einzelgaben, Erhaltungsdosis: 30–200 mg/d, Maximaldosis: 400 mg/d (in Einzelfällen höhere Dosierung möglich), Dosierungen >150 mg/d ausschließlich im stationären Setting, initial Bettruhe bei Einzeldosen von >30 mg bzw. Tagesdosen >90 mg
  • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 15 mg bis zu 3×/Tag, Maximaldosis: 90 mg/d
Indikationen
  • Psychomotorische Unruhe und Erregungszustände bei akuten psychotischen Störungsbildern
  • Manische Syndrome
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
DALI
  • Bei leichter und mittelgradiger Leberfunktionsstörung: Vorsichtige Anwendung, regelmäßige Laborkontrollen und ggf. Dosisreduktion
  • Bei schwerer Leberinsuffizienz: Keine Anwendung
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Levomepromazin

Wirkstoff Levomepromazin (z.B. Neurocil®)
Applikation
  • p.o. [17]
  • i.m. (akut) und i.v. [18]
Standarddosierung
  • Unruhe- und Erregungszustände bei psychotischen Störungen und manischen Episoden
    • p.o.
      • Stationär: Initial 75–150 mg/d p.o. verteilt auf 3 Einzelgaben, Dosiserhöhung auf bis zu 300 mg/d möglich, bei schweren Psychosen bis zu 600 mg/d, Maximaldosis: 600 mg/d
      • Ambulant: Initial 15–30 mg/d p.o. verteilt auf 3 Einzelgaben, Erhaltungsdosis (Maximaldosis): 75–150 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisanpassung erforderlich
    • i.m. akut/i.v.
      • Initial 25–50 mg i.m. oder i.v., bei unzureichendem Ansprechen mehrmalige Wiederholung bis zu einer Maximaldosis von 150 mg/d möglich
      • Bei älteren Personen: Dosisanpassung erforderlich
      • Anwendungshinweise
        • Nur stationär, strikte Bettruhe erforderlich
        • So kurz wie möglich
        • i.v. Applikation: Nur in absoluten Ausnahmefällen, Inhalt einer Ampulle mit 10 mL Kochsalzlösung verdünnen, langsame Injektion
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
  • Niereninsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Nierenparameter

DALI
  • Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

  • Gravidität: Mittlerer Erfahrungsumfang, bessere Alternativen empfohlen
  • Stillzeit: Sehr geringe Datenlage, daher Stillen ausschließlich bei Therapie im Niedrigdosisbereich und unter guter Beobachtung und Kontrolle der Plasmaspiegelkonzentration beim Kind nach 2–3 Wochen akzeptabel

Melperon

Wirkstoff Melperon (z.B. Melneurin®)
Applikation
  • p.o. [19]
Standarddosierungen
  • Zur milden Beruhigung und Anxiolyse: 25–75 mg/d p.o., verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Einnahme möglichst nach den Mahlzeiten bzw. vor dem Schlafengehen
  • Verwirrtheitszustände und psychomotorische Unruhe und Erregungszustände: Initial 50–100 mg/d p.o., ggf. Dosissteigerung auf bis zu 200 mg/d, verteilt auf 2–4 Einzelgaben, Maximaldosis: 400 mg/d, Einnahme möglichst nach den Mahlzeiten bzw. vor dem Schlafengehen
  • Schlafstörungen: 25–100 mg zur Nacht
  • Bei älteren Personen: Keine Dosisanpassung erforderlich, niedrigere Dosierung jedoch häufig ausreichend
Indikationen
  • Schlafstörungen
  • Verwirrtheitszustände
  • Psychomotorische Unruhe und Erregungszustände
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
  • Bei Nierenfunktionsstörung: Vorsichtige Anwendung, regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion und ggf. Dosisanpassung
DALI
  • Bei Leberfunktionsstörung: Vorsichtige Anwendung, regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion und ggf. Dosisanpassung
  • Keine Anwendung bei hochgradiger Leberinsuffizienz
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Pipamperon

Wirkstoff Pipamperon (z.B. Dipiperon®)
Applikation
  • p.o. [20]
Standarddosierung
  • Psychomotorische Erregungszustände: Initial 120 mg/d verteilt auf 3 Einzelgaben, bei unzureichendem Ansprechen Dosissteigerung bis zu einer Maximaldosis von 360 mg/d verteilt auf 3 Einzelgaben möglich
  • Schlafstörungen: I.d.R. 40 mg als Einmalgabe ausreichend, Dosissteigerung auf bis zu 80 mg möglich
  • Bei älteren Personen: Dosisreduktion um die Hälfte o.g. Dosierungen, insg. langsame Aufdosierung unter regelmäßigen Blutdruckkontrollen, mittlere Dosis i.d.R. 20–40 mg 3×/d
Indikationen
  • Schlafstörungen, insb. bei geriatrischen Patient:innen
  • Psychomotorische Erregungszustände
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
DALI
  • Bei schweren Leberfunktionsstörungen: Regelmäßige Laborkontrollen und ggf. Dosisanpassung
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Amisulprid

Wirkstoff Amisulprid

Applikation

  • p.o. [21]
Standarddosierung
  • Schizophrene Störungen (akut und chronisch)
    • Positivsymptomatik: Initial 400 mg p.o. als Einmalgabe, Erhaltungsdosis: 400–800 mg/d, Maximaldosis: 1.200 mg/d, ab einer Dosierung von >400 mg/d Dosisverteilung auf mehrere Einzelgaben
    • Negativsymptomatik: 50–300 mg/d p.o., ab einer Dosierung von >300 mg Dosisverteilung auf mehrere Einzelgaben
    • Gemischte Positiv- und Negativsymptomatik: Dosierung dementsprechend wählen, dass Positivsymptomatik gut kontrolliert wird
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Anwendung nicht empfohlen und nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und besonderer Vorsicht akzeptabel
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
  • Bei Kreatinin-Clearance von
    • 30–60 mL/min: Dosisreduktion um die Hälfte
    • 10–30 mL/min: Dosisreduktion auf ⅓ der Dosis
    • <10 mL/min: Anwendung kontraindiziert
DALI
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Aripiprazol

Wirkstoff Aripiprazol (z.B. AripiHEXAL®)
Applikation
  • p.o. [22]
  • i.m. (akut [23] und Depot [24])

Standarddosierung

  • Schizophrenie
    • p.o.: Initial 10–15 mg/d p.o. 1× täglich, Erhaltungsdosis: 15 mg/d, Maximaldosis: 30 mg/d
    • i.m. Depot: Als Erhaltungstherapie bei Personen, die bereits stabil mit Aripiprazol p.o. eingestellt sind
      • Anfangs- und Erhaltungsdosis 400 mg/Monat i.m., bei Auftreten von Nebenwirkungen Dosisreduktion auf 300 mg/Monat evaluieren
      • Nach der Erstgabe: Fortführen einer oralen Behandlung mit Aripiprazol für 2 Wochen mit einer Dosierung von 10–20 mg/d p.o.
  • Akute Manie bei Bipolar-I-Störung (p.o.)
    • Anfangs- und Erhaltungsdosis 15 mg/d p.o. 1× täglich, Maximaldosis: 30 mg/d, zur Rezidivprophylaxe Fortsetzen der Therapie mit gleicher Dosierung (ggf. Dosisreduktion je nach klinischem Status)
  • Zur schnellen Kontrolle von Agitiertheit/Verhaltensstörungen bei Schizophrenie und Manie (i.m. akut)
    • Initial 9,75 mg i.m., erneute Gabe frühestens 2 Stunden nach 1. Injektion, max. 3 Injektionen/d, Maximaldosis: 30 mg/d
  • Bei älteren Personen
    • p.o. Gabe bei Personen >65 Jahre: Ggf. Dosisreduktion
    • i.m. Depot-Gabe bei Personen ≥65 Jahre: Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen
    • i.m. Akut-Gabe bei Personen >65 Jahre: Wirksamkeit nicht erwiesen, wenn möglich Dosisreduktion
Indikationen
Zu beachten
  • Risikoprofil beachten
  • Vorsicht und Dosisreduktion bei älteren Personen
  • Keine relevante QT-Zeit-Verlängerung im Vergleich zu anderen Antipsychotika
  • Pharmakokinetische Interaktionsrisiken beachten
  • Ein durch andere Antipsychotika verursachter Anstieg des Prolaktinspiegels kann evtl. durch die Gabe von Aripiprazol gesenkt werden
  • Rote-Hand-Brief zu Aripiprazol: Keine Zulassung für die Behandlung von akuten Psychosen und Verhaltensstörungen bei vorbestehender Demenz [25]
Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff
DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Cariprazin

Wirkstoff Cariprazin (z.B. Reagila®)
Applikation
  • p.o. [26]
Standarddosierung
  • Schizophrenie (p.o.)
    • Initial 1,5 mg p.o., ggf. im Verlauf langsame Dosiserhöhung in 1,5 mg Schritten, Erhaltungsdosis: 1,5–6 mg/d, Maximaldosis: 6 mg/d
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Unzureichende Datenlage, vorsichtig dosieren
Indikation
Zu beachten
Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff
  • Gleichzeitige Gabe starker oder moderater CYP3A4-Inhibitoren und/oder -Induktoren
DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit

Clozapin

Wirkstoff Clozapin (z.B. Leponex®)
Applikation
  • p.o. [27]
Standarddosierung
  • Therapieresistente Schizophrenie
    • Initial 12,5 mg p.o. 1–2×/d, an Tag 2 25 mg p.o. 1–2×/d, anschließend bei guter Verträglichkeit schrittweise Erhöhung der Tagesdosis um 25–50 mg, bis innerhalb von 2–3 Wochen eine Dosis von bis zu 300 mg/d erreicht ist
    • Im Verlauf: Bei Bedarf weitere halbwöchentliche oder vorzugsweise wöchentliche Erhöhung der Tagesdosis schrittweise um 50–100 mg mit einer Zieldosis von 200–450 mg/d verteilt auf mehrere Einzelgaben, Maximaldosis: 900 mg/d
    • Bei älteren Personen (≥60 Jahre): Dosisreduktion mit initial 12,5 mg p.o. als Einmaldosis, weitere Dosissteigerung in Schritten von max. 25 mg/d
    • Therapiedauer mind. 6 Monate, Annahme einer Non-Response erst nach Ablauf dieses Zeitraums
  • Psychosen bei Morbus Parkinson nach erfolgloser Standardtherapie
    • Initial 6,25–12,5 mg/d p.o. als abendliche Einmalgabe, ggf. weitere schrittweise Erhöhung der Tagesdosis um 12,5 mg mit max. 2 Erhöhungen pro Woche, Erhaltungsdosis: 25–37,5 mg/d, Maximaldosis: 50 mg/d, bei nicht Ausreichen von 50 mg/d in Ausnahmefällen weitere Dosissteigerung um 12,5 mg/Woche auf bis zu 100 mg/d
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

DANI
DALI
  • Leichte und mittelgradige Leberinsuffizienz: Vorsichtige Dosierung unter engmaschiger Kontrolle der Leberparameter
  • Akute Lebererkrankungen, fortschreitende Lebererkrankungen und Leberversagen: Kontraindikation
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Olanzapin

Wirkstoff Olanzapin (z.B. Zyprexa®)
Applikation
  • p.o. [28]
  • i.m. (akut [29] und Depot [30])
Standarddosierung
  • Schizophrenie
    • p.o.
      • Initial 10 mg/d als abendliche Einmalgabe, ggf. im Verlauf Dosiserhöhung in Abständen von >24 h, Erhaltungsdosis: 5–20 mg/d als abendliche Einmalgabe
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit inital 5 mg/d, wenn klinische Gründe dafür vorliegen
    • i.m. Depot: Als Erhaltungstherapie bei Patient:innen mit Schizophrenie, die während einer akuten Behandlung hinreichend mit Olanzapin p.o. stabilisiert wurden
      • Vor einer Depotgabe muss zur Verträglichkeitstestung eine orale Behandlung mit Olanzapin stattgefunden haben
      • Dosierung in Abhängigkeit von der Höhe der oralen Dosierung
        • Zieldosis orales Olanzapin 10 mg/d: Anfangsdosis Depot 210 mg/2 Wochen oder 405 mg/4 Wochen i.m., nach 2 Monaten Erhaltungsdosis von 150 mg/2 Wochen oder 300 mg/4 Wochen i.m.
        • Zieldosis orales Olanzapin 15 mg/d: Anfangsdosis Depot 300 mg/2 Wochen i.m., nach 2 Monaten Erhaltungsdosis von 210 mg/2 Wochen oder 405 mg/4 Wochen i.m.
        • Zieldosis orales Olanzapin 20 mg/d: Anfangsdosis Depot 300 mg/2 Wochen i.m., nach 2 Monaten Erhaltungsdosis von 300 mg/2 Wochen i.m.
      • Bei Personen >65 Jahre: Aufgrund einer unzureichenden Studienlage Anwendung von Olanzapin-Depot nur erwägen, wenn zuvor eine stabile Einstellung auf orales Olanzapin erfolgt ist, dann Beginn mit einer Anfangsdosis von 150 mg/Monat i.m.
      • Bei Personen >75 Jahre: Anwendung von Olanzapin-Depot nicht empfohlen
  • Manische Episoden (p.o.)
    • Bei Monotherapie initial 15 mg/d als abendliche Einmalgabe, bei Kombinationstherapie initial 10 mg/d, ggf. im Verlauf Dosiserhöhung in Abständen von >24 h, Erhaltungsdosis: 5–20 mg/d als abendliche Einmalgabe
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit inital 5 mg/d, wenn klinische Gründe dafür vorliegen
  • Phasenprophylaxe bipolarer Störungen (p.o.)
    • Initial 10 mg/d als abendliche Einmalgabe, ggf. im Verlauf Dosiserhöhung in Abständen von >24 h, Erhaltungsdosis: 5–20 mg/d als abendliche Einmalgabe
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Dosisreduktion mit inital 5 mg/d, wenn klinische Gründe dafür vorliegen
  • Erregungszustände bei Schizophrenie oder manischen Episoden, wenn eine orale Therapie nicht geeignet ist (i.m. akut)
    • Initial 10 mg i.m., auch niedrigere Initialdosis (5–7,5 mg) möglich, erneute Gabe von 5–10 mg i.m. frühestens 2 h nach der 1. Injektion, max. 3 Injektionen/Tag, max. an 3 aufeinanderfolgenden Tagen, Maximaldosis: 20 mg/d inkl. ggf. anderer Darreichungsformen von Olanzapin
    • Bei älteren Personen (>60 Jahre): Dosisreduktion mit initial 2,5–5 mg i.m., erneute Gabe von 2,5–5 mg i.m. frühestens 2 h nach der 1. Injektion, max. 3 Injektionen/Tag, Maximaldosis: 20 mg/d inkl. ggf. anderer Darreichungsformen von Olanzapin
    • Dauer der i.m. Akutbehandlung so kurz wie möglich
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
  • Risiko eines Engwinkelglaukoms
DANI
  • p.o. und i.m. akut: Bei Niereninsuffizienz Reduktion der Anfangsdosis auf 5 mg/d
  • i.m. Depot: Bei Nierenfunktionsstörungen Depotgabe nur möglich, wenn zuvor eine stabile Einstellung auf orales Olanzapin bestand, dann Initialdosis: 150 mg/4 Wochen
DALI
  • p.o. und i.m. akut: Bei Leberinsuffizienz Reduktion der Anfangsdosis auf 5 mg/d, bei mittelgradiger Leberinsuffizienz zudem Dosiserhöhung nur mit größter Vorsicht
  • i.m. Depot: Bei Leberfunktionsstörungen Depotgabe nur möglich, wenn zuvor eine stabile Einstellung auf orales Olanzapin bestand, dann Initialdosis: 150 mg/4 Wochen, bei mittelgradiger Leberinsuffizienz Dosiserhöhung nur mit größter Vorsicht
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Paliperidon

Wirkstoff Paliperidon
Applikation
  • p.o. [31]
  • i.m. (1-Monats-Depot [32] und 3-Monats-Depot [33])
Standarddosierungen
  • Schizophrenie
    • p.o.: Initial 6 mg p.o. als morgendliche Einmalgabe, ggf. Dosiserhöhung um 3 mg/d in Intervallen von >5 Tagen, Erhaltungsdosis: 3–12 mg/d, Maximaldosis: 12 mg/d
    • i.m. Depot: Als Erhaltungstherapie bei Personen, die auf Paliperidon oder Risperidon p.o. eingestellt sind
      • 1-Monats-Depot (Xeplion®)
        • Initial 150 mg i.m. (deltoidal), an Tag 8 100 mg i.m. (deltoidal), nach 4 Wochen 75 mg/Monat i.m., Erhaltungsdosis: 25–150 mg/Monat in Abhängigkeit von der Höhe der oralen Dosierung, Dosisänderungen alle 4 Wochen möglich
        • Erhaltungsdosis in Abhängigkeit von der Höhe der oralen Dosierung
          • Zieldosis orales Paliperidon 3 mg/d: Depot 25–50 mg/Monat i.m.
          • Zieldosis orales Paliperidon 6 mg/d: Depot 75 mg/Monat i.m.
          • Zieldosis orales Paliperidon 9 mg/d: Depot 100 mg/Monat i.m.
          • Zieldosis orales Paliperidon 12 mg/d: Depot 150 mg/Monat i.m.
      • 3-Monats-Depot (Trevicta®): Als Erhaltungstherapie bei Personen, die stabil auf 1-Monats-Depot eingestellt sind (vorzugsweise seit ≥4 Monaten)
        • 1. Gabe 1 Monat nach letzter 1-Monats-Depot-Gabe, anschließend alle 3 Monate, Wahl der 3,5-fachen Dosis des 1-Monats-Depots: 50/75/100/150 mg 1-Monats-Depot entsprechen 175/263/350/525 mg 3-Monats-Depot, kein Dosisäquivalent zu 25 mg 1-Monats-Depot, Dosisänderungen sind alle 3 Monate möglich
  • Schizoaffektive Störung (p.o.)
    • Initial 6 mg p.o. als morgendliche Einmalgabe, ggf. Dosiserhöhung um 3 mg/d in Intervallen von >4 Tagen, Erhaltungsdosis: 6–12 mg/d, Maximaldosis: 12 mg/d
  • Bei älteren Personen
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
DALI
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Quetiapin

Wirkstoff Quetiapin
Applikation
  • p.o. (nicht-retardierte [35] und retardierte Form [36])
Standarddosierungen
  • Nicht-retardierte Form
    • Schizophrenie
      • Initial 50 mg p.o., Tag 2: 100 mg p.o., Tag 3: 200 mg p.o., Tag 4: 300 mg p.o., danach individuelle Dosissteigerung auf eine Erhaltungsdosis von 150–750 mg/d , verteilt auf 2 Einzelgaben, Maximaldosis: 750 mg/d
      • Bei älteren Personen: Langsamere Dosissteigerung und geringere Zieldosis
    • Mittelschwere bis schwere manische Episode bei bipolarer Störung
      • Initial 100 mg p.o., weitere Dosissteigerung in 100 mg Schritten für 4 Tage, danach individuelle Dosissteigerung in Schritten von bis zu 200 mg/d, Erhaltungsdosis: 200–800 mg/d , verteilt auf 2 Einzelgaben, Maximaldosis: 800 mg/d
      • Bei älteren Personen: Langsamere Dosissteigerung und geringere Zieldosis
    • Schwere depressive Episode bei bipolarer Störung
      • Initial 50 mg p.o., Tag 2: 100 mg p.o., Tag 3: 200 mg p.o., Tag 4: 300 mg p.o, empfohlene Erhaltungsdosis: 300 mg/d als abendliche Einmalgabe (im Einzelfall bis zu 600 mg/d sinnvoll)
      • Unzureichende Studienlage bei älteren Personen für diese Indikation, keine Anwendungsempfehlung
    • Rezidivprophylaxe einer bipolaren Störung
      • Fortführung der in der Akutbehandlung wirksamen Dosierung, ggf. Dosisreduktion auf die niedrigste wirksame Dosierung, empfohlene Erhaltungsdosis: 300–800 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben
      • Bei älteren Personen: Langsamere Dosissteigerung und geringere Zieldosis
  • Retardierte Form
    • Schizophrenie und mittelschwere bis schwere manische Episode bei bipolarer Störung
      • Initial 300 mg p.o., am Folgetag Dosiserhöhung auf 600 mg p.o., als abendliche Einmalgabe, empfohlene Erhaltungsdosis: 600 mg/d , Maximaldosis: 800 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 50 mg p.o., weitere Dosiserhöhung in Schritten von max. 50 mg/d möglich bis zum Erreichen einer therapeutisch wirksamen Dosierung
    • Schwere depressive Episode bei bipolarer Störung
      • Initial 50 mg p.o., Tag 2: 100 mg p.o., Tag 3: 200 mg p.o., Tag 4: 300 mg p.o., als abendliche Einmalgabe, empfohlene Erhaltungsdosis: 300 mg/d (im Einzelfall bis zu 600 mg/d sinnvoll)
      • Unzureichende Studienlage bei älteren Personen (>65 Jahre) für diese Indikation, keine Anwendungsempfehlung
    • Rezidivprophylaxe einer bipolaren Störung: Bei Personen, die in der Akutbehandlung der bipolaren Störung auf Quetiapin ansprachen
      • Fortführung der in der Akutbehandlung wirksamen Dosierung, ggf. Dosisreduktion auf die niedrigste wirksame Dosierung, empfohlene Erhaltungsdosis: 300–800 mg/d als abendliche Einmalgabe
      • Bei älteren Personen (>65 Jahre) geringere Erhaltungsdosis
    • Augmentationstherapie einer unipolaren Depression
      • 1. und 2. Behandlungstag: 50 mg/d p.o., 3. und 4. Behandlungstag: 150 mg/d, als abendliche Einmalgabe, danach individuelle Dosisanpassung auf eine Erhaltungsdosis von 150–300 mg/d, Maximaldosis: 300 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 50 mg/d p.o., ab Tag 4: 100 mg/d, ab Tag 8: 150 mg/d, als abendliche Einmalgabe, Maximaldosis: 300 mg/d, die frühestens am 22. Behandlungstag erreicht werden darf
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff
  • Gleichzeitige Anwendung von CYP3A4-Inhibitoren
DANI
  • Bei Nierenfunktionsstörungen: Keine Dosisanpassung erforderlich
DALI
  • Bei Leberinsuffizienz: Äußerst vorsichtige Dosierung (insb. in der Anfangsphase)
    • Nicht retardierte Form: Inital 25 mg/d, Dosissteigerung in Schritten von 25–50 mg/d
    • Retardierte Form: Initial 50 mg/d, Dosissteigerung in Schritten von 50 mg/d
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Risperidon

Wirkstoff Risperidon (z.B. Risperdal®)
Applikation
  • p.o. [37]
  • i.m. Depot [38]
Standarddosierungen und Indikationen
  • Schizophrenie
    • p.o.
      • Initial 2 mg/d p.o. verteilt auf 1–2 Einzelgaben, an Tag 2 Dosiserhöhung auf 4 mg/d p.o. verteilt auf 1–2 Einzelgaben, danach individuelle Dosisanpassung auf eine Erhaltungsdosis von i.d.R. 4–6 mg/d verteilt auf 1–2 Einzelgaben, Maximaldosis: 16 mg/d
      • Bei älteren Personen: Dosisreduktion auf initial 1 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben, individuelle Dosissteigerung um je max. 0,5 mg pro Einzelgabe, Maximaldosis: 4 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben
    • i.m. (Depot): Als Erhaltungstherapie bei Patient:innen, die bereits mit oralem Antipsychotikum eingestellt sind und auf eine Depotgabe umgestellt werden sollen
      • Initial 25 mg i.m. alle 2 Wochen, bei Dosierungen von >4 mg/d oral über mind. 2 Wochen ggf. Beginn mit 37,5 mg Risperidon Depot i.m. alle 2 Wochen
      • Ggf. im Verlauf wirkungsabhängige Dosisanpassung, Dosiserhöhung max. alle 4 Wochen, Erhaltungsdosis: 25–50 mg/2 Wochen i.m.
      • Bei älteren Personen: Keine Dosisanpassung erforderlich
      • Nach der ersten Injektion muss zur Überbrückung der sog. Latenzphase die zuvor oral eingenommene antipsychotische Medikation für 3 Wochen weiter eingenommen und in der 4. Behandlungswoche langsam ausgeschlichen werden
  • Mäßig bis schwere manische Episode bei bipolarer Störung (p.o.)
    • Initial 2 mg/d p.o., weitere Dosiserhöhung in Abständen von mind. 24 h um max. 1 mg/d, Erhaltungsdosis: 1–6 mg/d verteilt auf 1–2 Einzelgaben, Maximaldosis: 6 mg/d
    • Bei älteren Personen: Dosisreduktion mit initial 1 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben, individuelle Dosissteigerung um je max. 0,5 mg pro Einzelgabe, Maximaldosis: 4 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben
  • Anhaltende Aggression bei mäßig bis schwerer Alzheimer-Demenz (p.o.)
    • Initial 0,5 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben, ggf. Dosissteigerung in Abständen von mind. 2 Tagen um je max. 0,25 mg pro Einzelgabe, Erhaltungsdosis: 1–2 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben, max. Therapiedauer: 6 Wochen
Indikationen
Zu beachten

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit ggü. dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe
DANI
  • Nierenerkrankung: Dosishalbierung, langsame Dosiserhöhung und Anwendung nur mit großer Vorsicht
DALI
  • Lebererkrankung: Dosishalbierung, langsame Dosiserhöhung und Anwendung nur mit großer Vorsicht
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox. [3]

Ziprasidon

Wirkstoff Ziprasidon (z.B. Ziprasidon - 1 A Pharma®)
Applikation
  • p.o. [39]
  • i.m. (akut) [40]
Standarddosierungen
  • Akut- und Erhaltungstherapie der Schizophrenie, mäßig schwere manische oder gemischte Episode bei bipolarer Störung (p.o.)
    • Initial 80 mg p.o. verteilt auf 2 Einzelgaben, ggf. weitere Dosiserhöhung, wobei die Maximaldosis von 160 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben ab dem 3. Behandlungstag erreicht werden darf, Erhaltungsdosis: I.d.R. 40 mg/d verteilt auf 2 Einzelgaben
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Prinzipiell keine Dosisanpassung erforderlich, jedoch niedrigere Initialdosis erwägen
  • Erregungszustände bei Schizophrenie (i.m. akut): Wenn eine p.o.-Gabe nicht möglich ist
    • Initial 10 mg i.m., ggf. max. alle 2 Stunden erneut 10 mg i.m., Maximaldosis: 40 mg/d, höhere Initialdosis von max. 20 mg i.m. bei Bedarf möglich, dann jedoch nächste Gabe (10 mg) frühestens nach 4 Stunden, maximale Therapiedauer: 3 aufeinanderfolgende Tage
    • Bei älteren Personen (>65 Jahre): Anwendung aufgrund begrenzter klinischer Erfahrung nicht empfohlen
Indikationen
Zu beachten
Kontraindikationen
DANI
  • p.o.: Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich
  • i.m. (akut): Bei eingeschränkter Nierenfunktion äußerst vorsichtige Anwendung
DALI
  • Bei eingeschränkter Leberfunktion: Dosisreduktion erwägen
Gravidität/Stillzeit

Die folgenden Infos richten sich nach dem Eintrag zum Wirkstoff in Embryotox [3].

Einteilung in typische und atypische Antipsychotika [41]

Die klassische Einteilung in „typische“ und „atypische“ Antipsychotika ist als solch strikte Abgrenzung nicht ohne Weiteres möglich, sodass aktuell eher die Begriffe „First Generation Antipsychotics“ (FGA) und „Second Generation Antipsychotics“ (SGA) verwendet werden . Substanzen mit partialagonistischer Wirkung am D2-Rezeptor (Aripiprazol, Cariprazin) werden auch als „Third Generation Antipsychotics“ (TGA) bezeichnet. Letztendlich wird keine dieser Einteilung der Komplexität gerecht und eine Einteilung der Antipsychotika sollte sich in Zukunft an deren neurobiologischen Wirkprinzipien orientieren. Nichtsdestotrotz ist die Einteilung in „typische“ und „atypische“ Antipsychotika didaktisch sinnvoll und wird deswegen an dieser Stelle noch verwendet. [41][42]

Typische Antipsychotika (First Generation Antipsychotics)

  • Definition: Antipsychotika, die primär über einen Antagonismus am D2-Rezeptor wirken und deren antipsychotischer Effekt mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von EPMS einhergeht
  • Wirkmechanismus: Primärer Antagonismus am Dopamin-D2-Rezeptor
  • Unterteilung anhand der neuroleptischen Potenz
    • Hochpotente Antipsychotika: Ausgeprägter D2-Antagonismus, dadurch bereits in niedrigerer Dosierung gute antipsychotische Wirkung bei gleichzeitig geringerer Sedierung, jedoch hohes Risiko für das Auftreten von EPMS
    • Niederpotente Antipsychotika: Primär sedierender Effekt bei relativ geringem Risiko für das Auftreten von EPMS, erst in höheren Dosierungen antipsychotische Wirkung, dann jedoch entsprechend erhöhtes Risiko für das Auftreten von EPMS
  • Verwendete Substanzen
Typische Antipsychotika
Substanzen Antipsychotische Wirkung Sedierende und antiemetische Wirkung
Hochpotente Antipsychotika
  • Haloperidol
  • Benperidol
  • Flupentixol
  • Fluspirilen
  • Fluphenazin
  • Perphenazin

↑↑↑

Mittelpotente Antipsychotika
  • Chlorpromazin
  • Loxapin
  • Perazin
  • Zuclopenthixol

↑↑

↑↑
Niederpotente Antipsychotika
  • Melperon
  • Levomepromazin
  • Chlorprothixen
  • Pipamperon
  • Promethazin

↑↑↑

Atypische Antipsychotika (Second and Third Generation Antipsychotics)

  • Definition: Antipsychotika, die ihre antipsychotische Wirkung über ein komplexes Rezeptorbindungsprofil entfalten und i.d.R. zu deutlich weniger extrapyramidalmotorischen Störungen führen als typische Antipsychotika
  • Historisches Konzept des atypischen Antipsychotikums: Heute so nur noch auf Clozapin zutreffend
  • Wirkmechanismus: Komplexes Rezeptorbindungsprofil, das je nach Substanz variiert, jedoch für ein verbessertes Verhältnis von antipsychotischem Wirkeffekt und dem Auftreten von Nebenwirkungen verantwortlich ist
  • Rezeptoren atypischer Antipsychotika: Dopaminerge, serotonerge, muskarinerge, adrenerge und histaminerge Rezeptoren
  • Verwendete Substanzen: Amisulprid, Aripiprazol, Cariprazin, Clozapin, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon, Sulpirid, Ziprasidon

Übersicht Rezeptorbindungsprofile [42][43]

Rezeptorbindungsprofile der Antipsychotika
Substanz Rezeptoren
D1-Rezeptor D2-Rezeptor D3-Rezeptor 5-HT2-Rezeptor M1-Rezeptor α1-Rezeptor H1-Rezeptor
A–F
Amisulprid 0 +++ +++ 0 0 0 0
Aripiprazol 0 +++ +++ ++ 0 + +
Benperidol 0 +++ ++ ++ 0 + 0
Cariprazin + +++ +++(+) ++ 0 0 +
Chlorprothixen ++ + + ++ + + +++
Clozapin ++ + ++ +++ +++ + +++
Flupentixol ++ +++ +++ ++ 0 + +
Fluphenazin ++ +++ +++ ++ 0 ++ ++
H–P
Haloperidol ++ +++ ++ + 0 ++ 0
Loxapin 0 +++ + +++ ++ +++ +++
Melperon 0 + + ++ 0 + +
Olanzapin ++ +++ ++ +++ ++ ++ +++
Paliperidon 0 +++ + +++ + + +
Perazin 0 ++ ++ ++ + ++ +++
Perphenazin + +++ +++ ++ 0 ++ ++
Pipamperon 0 + + ++ 0 + 0
Q–Z
Quetiapin + + + + 0 + ++
Risperidon ++ +++ ++ +++ 0 +++ +
Sulpirid 0 + +++ 0 0 0 0
Ziprasidon + ++ ++ +++ 0 + ++
Zuclopenthixol ++ +++ ++ 0 +++ +++ +++

Weitere mögliche Einteilungen

Einteilung anhand der chemischen Struktur

Antipsychotika stellen bzgl. ihrer chemischen Struktur eine heterogene Gruppe dar. Bestimmte chemische Gruppen sind jedoch mit charakteristischen Nebenwirkungen assoziiert. So ist bspw. bei Phenothiazinen (Chlorpromazin, Levomepromazin, Perphenazin) im Vergleich zu Butyrophenonen (Melperon, Benperidol, Pipamperon) neben der sedierenden, antihistaminergen Wirkung vermehrt mit vegetativen, anticholinergen Nebenwirkungen zu rechnen.

Anhand der chemischen Struktur können Antipsychotika wie folgt eingeteilt werden:

Einteilung anhand des Wirkmechanismus

Ein neuer Ansatz der Antipsychotika-Einteilung ist die nach dem Wirkmechanismus. Der Vorteil dieser Einteilung ist eine nicht-wertende Haltung und Neutralität ggü. der klinischen Verwendung.

Einteilung der Antipsychotika nach Wirkmechanismus
Wirkweise Substanzen
D2R-mGPCR-Antagonisten
p-mGPCR-Antagonisten

Die meisten Antipsychotika haben bei oraler Einnahme folgende Eigenschaften (Details und Ausnahmen siehe: Pharmakokinetik gängiger Antipsychotika) [45]:

Für Informationen zur Pharmakokinetik der Depot-Antipsychotika siehe: Übersicht gängiger Depot-Antipsychotika

Pharmakokinetik gängiger Antipsychotika [44][45][46]
Substanz
A–F HWZ Zeit bis Erreichen des max. Plasmaspiegels Beteiligte Isoenzyme des Cytochrom-P450-Systems
Amisulprid 12–20 h ∼2 h Keine relevante Metabolisierung
Aripiprazol 60–80 h 3–5 h CYP3A4, CYP2D6
Benperidol 4–6 h 3 h Unklar
Cariprazin 24–48 h 3–6 h CYP3A4, CYP2D6
Chlorprothixen 8–12 h 2–3 h CYP2D6
Clozapin 8–16 h 2–4 h CYP1A2, CYP2C19, CYP3A4, CYP2D6
Flupentixol 20–40 h 3–6 h CYP2D6
H–P HWZ Zeit bis Erreichen des max. Plasmaspiegels Beteiligte Isoenzyme des Cytochrom-P450-Systems
Haloperidol 12–36 h 1,5–3,5 h CYP3A4, CYP2D6
Levomepromazin 16–78 h 2–3 h CYP3A4, CYP1A2, CYP2B6
Loxapin 6–8 h 1 min CYP3A4, CYP2D6, CYP1A2, CYP2C19, CYP2C8
Melperon 4–6 h

1–1,5 h

Fast vollständige hepatische Metabolisierung (Enzyme unklar)
Olanzapin 23–43 h

5–8 h

CYP1A2, CYP2D6
Paliperidon 17–23 h ∼24 h Keine relevante Metabolisierung
Perazin 8–16 h 1–4 h CYP1A2, CYP3A4, CYP2C9
Perphenazin 8–12 h 1–4 h CYP2D6
Pipamperon 17–22 h ∼2 h

Hepatische Metabolisierung (Enzyme unklar)

Q–Z HWZ Zeit bis Erreichen des max. Plasmaspiegels Beteiligte Isoenzyme des Cytochrom-P450-Systems
Quetiapin 6–11 h ∼1,5 h (Retardpräparat: 6 h) CYP3A4
Risperidon 2–4 h 1–2 h CYP3A4, CYP2D6
Ziprasidon 4–8 h 6–8 h CYP3A4 (∼30%)
Zuclopenthixol 15–25 h 3–4 h CYP2D6

Allgemein [45]

Vor- und Nachteile des Einsatzes von Depotantipsychotika [45]
Vorteile Nachteile
  • Eingeschränkte Steuerbarkeit (insb. bei Nebenwirkungen)
  • Nicht alle Substanzen als Depotformulierung verfügbar
  • Evtl. zusätzlicher Eingriff in Autonomie und Selbstwirksamkeit
  • Zusätzliche mögliche Probleme bzgl. der Injektion selbst
    • Stigmatisierung durch (Fremd‑)Eingriff
    • Angst vor Spritzen
    • Eingriff wird in Wahnsystem einbezogen
    • Lokale Reaktionen (u.a. Schmerzen, Infektion) an der Injektionsstelle

Übersicht gängiger Depotantipsychotika

Übersicht gängiger Depotantipsychotika [45]
Substanz Gängiger Handelsname (oft herstellerübergreifend) Injektionsintervall HWZ Zeit bis Erreichen des max. Plasmaspiegels Injektionsort
Aripiprazol Abilify Maintena® 4 Wochen 30–47 Tage (dosisabhängig) 5–7 Tage

Deltoidal oder gluteal

Flupentixol (Flupentixoldecanoat) Fluanxol® Depot 2–4 Wochen 14–20 Tage 5–7 Tage

Intramuskulär (nicht näher spezifiziert)

Haloperidol (Haloperidoldecanoat) Haldol® Decanoat 2–4 Wochen 14–28 Tage 1–9 Tage Gluteal
Olanzapin (Olanzapinpamoat) ZypAdhera® 2 Wochen (bei 150 mg und 210 mg) ∼30 Tage 2–4 Tage Gluteal
4 Wochen (bei 300 mg und 405 mg)
Paliperidon (Paliperidonpalmitat) Xeplion® 4 Wochen 25–49 Tage 13–17 Tage

Deltoidal oder gluteal

Trevicta® 3 Monate 2–4 Monate 23–34 Tage Deltoidal oder gluteal
Risperidon Risperdal Consta® 2 Wochen ∼26 Tage 4–5 Wochen Deltoidal oder gluteal
Zuclopenthixol (Zuclopenthixolacetat) Ciatyl- Acuphase 2–3 Tage 1–2 Tage 1–2 Tage Intramuskulär (nicht näher spezifiziert)

Durchführung [45]

  • Vor jeder Injektion: Sorgfältige, schriftliche Aufklärung
  • Bei Bedarf: Haut spannen
  • Tiefe intramuskuläre Injektion: 5–8 cm lange Nadel nutzen
  • Bei Olanzapinpamoat: Mind. 3 h Nachbeobachtung in medizinischer Einrichtung erforderlich aufgrund der Gefahr eines Postinjektionssyndroms

Typische Indikationen für Antipsychotika
Indikation Bevorzugte Substanz bei Indikation für ein Antipsychotikum
Schizophrenie
Wahnhafte Störungen
Schizoaffektive Störungen [45][47]
Affektive Störungen
Augmentationstherapie bei therapierefraktären Zwangsstörungen
Psychotische Symptome bei PTBS
L-Dopa induzierte Psychosen/Psychose bei Morbus Parkinson
Demenzassoziierte schwere Verhaltensstörung

Delir

Psychomotorische Unruhe
Substanzinduzierte psychotische Störung
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen
Dyskinesien unterschiedlicher Genese
  • Tiaprid (Erhaltungsdosis: 300–600 mg, Maximaldosis: 1.200 mg/d) [43]

Bei älteren Menschen sollten bevorzugt Antipsychotika mit wenigen/keinen anticholinergen Nebenwirkungen eingesetzt werden!

Neuroleptika für Verhaltens- und Psychologische Symptome (BPSD) bei demenziell Erkrankten sollen nicht ohne ein Assessment für die Ursachen solcher Symptome verordnet werden (DGIM - Klug entscheiden in der Geriatrie).

Typische Nebenwirkungen von Antipsychotika

Spezifische Nebenwirkungsprofile von Antipsychotika

Für typische und atypische Antipsychotika lassen sich folgende Nebenwirkungsprofile herausstellen.

Übersicht Nebenwirkungsprofile [42]

Die folgende Darstellung dient der Übersicht und bildet nicht alle potenziell relevanten Nebenwirkungen ab. Für Details siehe folgende Sektionen und die Fachinformationen der jeweiligen Substanzen.

Nebenwirkungsprofile gängiger Antipsychotika [42]
Sedierung Prolaktin EPMS Metabolische Nebenwirkungen QTc-Verlängerung Orthostatische Regulationsstörungen Blutbildveränderungen
Amisulprid 0/+ +++ + 0/+ ++ 0/+ 0/+
Aripiprazol 0/+ 0/+ [45] +/++ 0/+ 0/+ 0/+ 0/+
Cariprazin 0 0 +/++ 0/+ 0/+ 0/+ 0/+
Clozapin +++ 0/+ 0/+ +++ + +++ +/++
Flupentixol ++ 0/+ +++ + 0/+ ++ 0/+
Fluphenazin ++ 0/+ +++ 0/+ + ++ +
Haloperidol + +++ +++ 0/+ 0/+ 0

+

Melperon ++ 0/+ 0/+ 0/+ + ++ +
Olanzapin +/++ + 0/+ +++ 0/+ ++ 0/+
Paliperidon 0/+ +++ +/++ + + + 0/+
Perphenazin + + ++ + + + 0/+
Pipamperon ++ 0/+ + unklar + ++ +
Quetiapin ++ 0/+ 0/+ ++ + ++ ++ [36]
Risperidon + +++ +/++ +/++ + + 0/+
Ziprasidon + + +/++ 0/+ ++ 0/+ 0/+
Zuclopenthixol +++ ++ ++/+++ + 0/+ ++ 0/+
Legende
  • +++: Häufig
  • ++: Gelegentlich
  • +: Selten
  • 0: Sehr geringes bis kein Risiko

Generelles Vorgehen bzgl. antipsychotikainduzierter Nebenwirkungen [42]

  • Diagnostik
  • Therapieoptionen: Abhängig von der Schwere der Nebenwirkungen und nach Risiko-Nutzen-Abwägung
    • Dosisreduktion
    • Umstellung der Medikation
    • Absetzen der Medikation

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Senkung der Anfallsschwelle [42][43][45][50][51]

Außer Melperon führen alle Antipsychotika zu einer Senkung der Anfallsschwelle, wobei das Ausmaß je nach Substanz variiert. Antipsychotika können zudem zu unspezifischen EEG-Veränderungen führen, die jedoch meist keine therapeutische Konsequenz haben.

Alle Antipsychotika außer Melperon senken die Anfallsschwelle in unterschiedlichem Ausmaß!

Sedierung [42][45]

Insb. niederpotente, typische und einige atypische Antipsychotika verfügen über einen primär sedierenden Effekt, der häufig auch therapeutisch eingesetzt wird (u.a. bei Agitation, Schlaflosigkeit).

  • Mechanismus: Insb. Antagonismus an histaminergen Rezeptoren (H1-Rezeptoren)
  • Substanzen
  • Behandlungsoptionen bei nicht erwünschter Sedierung
    • Medikationscheck auf zusätzlich sedierende Begleitmedikation/Interaktionen
    • Spiegelbestimmung und ggf. Dosisreduktion
    • Falls möglich, Umstellung auf ein weniger sedierendes Antipsychotikum

Prolaktinerhöhung [42][52]

Kognitive Störungen [42]

Evtl. können Antipsychotika zu kognitiven Störungen führen, insb. zu Einschränkungen des Arbeitsgedächtnisses .

  • Mechanismus: Es wird angenommen, dass das Ausmaß kognitiver Störungen mit der Intensität des D2-Antagonismus korreliert
  • Behandlungsoptionen
    • Medikationscheck auf eine anticholinerg wirksame Begleitmedikation
    • Dosisreduktion oder Umstellung der antipsychotischen Medikation

Zerebrovaskuläre Ereignisse [43]

Eine Behandlung mit Antipsychotika scheint mit einem erhöhten Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse (TIA, Schlaganfall) einherzugehen.

Zwangssymptome [43]

Evtl. kann eine Behandlung mit atypischen Antipsychotika das Auftreten von Zwangssymptomen verursachen.

Weitere zentralnervöse Nebenwirkungen

  • Definition: Reihe verschiedener motorischer Bewegungsstörungen (Frühdyskinesien, Parkinsonoid, Akathisie und Spätdyskinesien), die durch eine Blockade des D2-Rezeptors ausgelöst werden
  • Mechanismus
    • Antagonismus am D2-Rezeptor, was zu einem Dopaminmangel führt
    • Auftreten und Intensität hängen von Intensität der D2-Rezeptorblockade ab
  • Substanzen
  • Folgen von EPMS
    • Verminderte Lebensqualität
    • Einschränkungen in der alltäglichen Funktionsfähigkeit
    • Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung
    • Verminderte körperliche Belastbarkeit
    • Verminderte Compliance und Adhärenz
    • Verlängerte Hospitalisierungsdauer

EPMS werden von den Betroffenen als äußerst quälend empfunden und führen häufig zu einem Absetzen der antipsychotischen Medikation!

EPMS sind dosisabhängig!

Frühdyskinesien (Frühdystonie, akute Dystonie) [42][43][53]

  • Definition: Unwillkürlich auftretende Kontraktionen und/oder Spasmen verschiedener Muskelgruppen, die klassischerweise die Muskulatur des Halses, des Nackens, der Augen und des Rumpfes betreffen
  • Beginn: Innerhalb der 1. Behandlungswoche
  • Risikofaktoren
  • Symptome, u.a.
  • Behandlungsoptionen
    • Anpassen der auslösenden antipsychotischen Medikation
      • Falls möglich, Dosisreduktion
      • Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigerem Risikoprofil
      • Absetzen
    • Medikamentöse Behandlungsoptionen: I.d.R. gutes Ansprechen auf die Gabe eines Anticholinergikums
      • Biperiden p.o.
      • Bei Zungen-, Schlundkrämpfen, laryngealer Dystonie: Biperiden i.v./i.m. als Einmalgabe (anschließend Umstieg auf orale Gabe)
      • Zu beachten
        • I.d.R. schnelleres Ansprechen auf die i.v. Gabe
        • Gabe so kurz wie möglich und nur in Ausnahmefällen als Dauermedikation
        • Keine prophylaktische Gabe

Parkinsonoid [42][43][53]

  • Definition: Bewegungsstörung, die durch einen Antipsychotika-verursachten Dopaminmangel im nigrostriatalen System hervorgerufen wird und mit der klassischen parkinsonoiden Symptomtrias aus Rigor, Tremor und Akinesie einhergeht
  • Beginn: Innerhalb der 1.–10. Behandlungswoche
  • Risikofaktoren
  • Symptome
  • Behandlungsoptionen
    • Anpassen der auslösenden antipsychotischen Medikation
      • Falls möglich, Dosisreduktion
      • Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigerem Risikoprofil
      • Absetzen
    • Medikamentöse Behandlungsoption

Akathisie [42][43][53]

  • Definition: Bewegungsstörung, die durch eine ausgeprägte psychomotorische Bewegungsunruhe im Sitzen und/oder im Stehen gekennzeichnet ist
  • Beginn: 1.–7. Behandlungswoche
  • Risikofaktoren
    • Alle Antipsychotika (auch atypische Antipsychotika)
    • Hohe Dosierungen und schnelle Dosissteigerung
    • Weibliches Geschlecht
    • Jüngere Patient:innen mit chronischer Verlaufsform der Schizophrenie sowie ältere Menschen
    • Menschen mit somatischen Vorerkrankungen
    • EPMS in der Anamnese
  • Symptome
    • Bewegungsunruhe im Sitzen
      • Trippeln mit den Füßen
      • Ständiges Übereinanderschlagen der Beine
      • Hin- und Herrutschen auf dem Stuhl
      • Ständiges Aufstehen und Hinsetzen
    • Bewegungsunruhe im Stehen (Tasikinesie)
      • Ständiges Trippeln mit den Füßen
      • Hin- und Herlaufen
    • Zusätzlich
      • Dysphorische Stimmungslage
      • Angstsymptome
      • Konzentrationsstörungen
      • Erhöhtes Risiko für Suizidalität
  • Behandlungsoptionen

Eine Akathisie ist mit einem erhöhten Risiko für Suizidalität assoziiert!

Tardive Dyskinesien (Spätdyskinesien) [42][43][53]

  • Definition: Choreatiforme Bewegungsstörungen und andere Hyperkinesien, die frühestens nach 3-monatiger Antipsychotikabehandlung auftreten und potenziell irreversibel sind
  • Beginn: Frühestens nach 3 Behandlungsmonaten, jedoch auch erstes Auftreten erst nach mehreren Jahren möglich
  • Risikofaktoren
  • Symptome: Unwillkürliche, stereotype und choreatiforme Bewegungen der Zungen-, Mund-, Gesichts- und distalen Muskulatur usw.
    • Mahlende oder mümmelnde Kaubewegungen
    • Schluckautomatismen
    • Schmatzen und Grimassieren
    • Rollende Zungenbewegungen
    • Kopfwendungen
    • Ständiges Blinzeln
    • Choreatiforme Bewegungen der Hände und Füße
  • Einflussfaktoren
  • Behandlungsoptionen: Je später tardive Dyskinesien diagnostiziert werden, desto schwieriger ist die Behandlung
    • Anpassen der auslösenden antipsychotischen Medikation
      • Dosisreduktion oder Absetzen oder
      • Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigerem Risikoprofil
    • Medikamentöse Behandlungsoptionen
      • Behandlungsversuch mit Tetrabenazin p.o.
      • Vitamin B6 (1.200mg/d)

Spätdyskinesien sind potenziell irreversibel!

Epidemiologie

  • Häufigkeit unter Antipsychotikatherapie: 0,01–3% [49]
  • Altersverteilung: Keine einheitliche Studienlage [54][55]
  • Geschlechterverteilung: > [55]

Ätiologie

Als wichtigster ätiologischer Faktor für die Entwicklung eines malignen neuroleptischen Syndroms gilt die Einnahme von Antipsychotika, wobei bestimmte Risikofaktoren die Entstehung eines MNS begünstigen.

Risikofaktoren [54]

  • Einnahme von Antipsychotika
    • Einnahme typischer Antipsychotika: Am häufigsten unter Haloperidol
    • Intramuskuläre und intravenöse Injektionen
    • Hohe Dosierungen
    • Schnelle Dosissteigerungen
    • Komedikation mit anderen Psychopharmaka
  • Anamnestische Faktoren
    • Genetische Vorbelastung für ein MNS [56]
    • Vorbestehende zerebrale Schädigungen
    • Katatone Episode in der Vorgeschichte
    • Absetzen dopaminerger Substanzen bei Morbus Parkinson
    • Männliches Geschlecht
    • Positive Anamnese für ein bereits aufgetretenes MNS
  • Aktuelle Faktoren

Nicht nur die Höhe der Dosierung, sondern insb. die Geschwindigkeit der Dosissteigerung ist für die Entwicklung eines malignen neuroleptischen Syndroms entscheidend!

Ätiopathogenese [54]

Symptome [54]

Das klinische Bild des malignen neuroleptischen Syndroms ist durch eine Trias aus vegetativen und neurologischen Symptomen sowie Bewusstseinsstörungen gekennzeichnet.

FALTER – Fieber, Autonome Instabilität, Leukozytose, Tremor, Erhöhte Enzyme (CK, Transaminasen), Rigor

Das Auftreten der einzelnen Symptome ist nicht obligat. Häufig sind nicht alle Symptome in voller Ausprägung nachweisbar!

Bei der Gabe von Clozapin können Rigor und weitere extrapyramidal motorische Störungen geringer ausgeprägt sein!

Verlauf

  • Beginn der Symptomatik: I.d.R. innerhalb von 2 Wochen nach Beginn/Veränderung der Antipsychotikatherapie [49]
  • Entwicklung der Symptomatik: I.d.R. innerhalb von 24–72 Std. [49]
  • Erste Symptome: In 82% der Fälle [59]
  • Verlaufsbeurteilung: Anhand des CK-Wertes

Aufgrund des schnellen, fulminanten Verlaufs sollte eine Therapie möglichst früh erfolgen!

Stadieneinteilung des malignen neuroleptischen Syndroms [54][60]

Stadieneinteilung des malignen neuroleptischen Syndroms
Stadium Klinische Symptomatik Herzfrequenz Körpertemperatur

Stadium 1: Medikamenteninduziertes Parkinsonoid

  • Unauffällig
  • Unauffällig

Stadium 2: Medikamenteninduzierte Katatonie

  • Unauffällig
  • Unauffällig

Stadium 3: Leichtes MNS

  • <100/min
  • <38 °C

Stadium 4: Mittelgradig schweres MNS

  • 100–120/min
  • 38–40 °C

Stadium 5: Schweres MNS

  • >120/min
  • >40 °C

Diagnostik

Differenzialdiagnostik [49][54]

Ist nicht klar, ob ein MNS oder eine perniziöse Katatonie vorliegt, sollte neben einer intensivmedizinischen Überwachung pharmakologisch die alleinige Gabe von Benzodiazepinen erfolgen!

Therapie

Die Behandlungsstrategie richtet sich nach der Schwere des malignen neuroleptischen Syndroms, sodass im Folgenden auf die Stadieneinteilung des malignen neuroleptischen Syndroms Bezug genommen wird.

Grundsätze der Therapie

Stadienabhängige Therapie [42][49][54][60] [43]

Stadienabhängige Therapie des malignen neuroleptischen Syndroms
Maßnahmen Medikamentöse Therapie
Stadium 1
  • Antipsychotikum wechseln oder reduzieren
Stadium 2
  • Antipsychotikum wechseln, reduzieren oder ggf. absetzen
Stadium 3
  • Antipsychotikum und ggf. weitere Psychopharmaka absetzen
  • Engmaschige Kontrollen der Vitalparameter
Stadium 4
Stadium 5

Liegt der V.a. ein MNS vor, sollte möglichst frühzeitig ein Absetzen des Antipsychotikums erwogen werden!

Antipsychotische Behandlung nach einem MNS [49][58]

  • Erneuter Beginn mit medikamentöser antipsychotischer Therapie frühestens nach 14 Tagen
  • Atypische Antipsychotika bevorzugen
  • Beginn mit niedriger Testdosis
  • Sehr langsame Dosissteigerung
  • Keine Verwendung von Depotpräparaten [42]

Komplikationen

Aufgrund der Rhabdomyolyse besteht die Gefahr einer Crush-Niere!

Prognose [49][60]

  • Hohe Letalität: 10–20% der behandelten Fälle
    • Erhöhtes Risiko für letalen Ausgang bei
  • Rezidivrate: 15–30%

Das maligne neuroleptische Syndrom ist ein psychiatrischer Notfall und geht mit einer hohen Letalität sowie einer hohen Rezidivrate von 15–30% einher!

Gewichtszunahme [42][61][62][63]

Fast alle Antipsychotika führen in unterschiedlichem Ausmaß zu einer Gewichtszunahme, wobei dieser Effekt bei atypischen Antipsychotika ausgeprägter scheint als bei typischen Antipsychotika. Eine Behandlung mit Antipsychotika ist mit einem deutlich erhöhten Adipositasrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung assoziiert.

Eine Gewichtszunahme ist ein häufiger Grund für das Absetzen von Antipsychotika, weswegen die Betroffenen unbedingt über diese mögliche Nebenwirkung vor Beginn der Behandlung aufgeklärt werden müssen!

Hyperlipidämie, pathologische Glucosetoleranz und Diabetes mellitus [42][43][64][65]

Menschen mit Schizophrenie haben bereits vor Beginn einer Behandlung mit Antipsychotika ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Zudem sind fast alle Antipsychotika mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus assoziiert. Jedoch scheint dieser Effekt bei atypischen Antipsychotika stärker ausgeprägt zu sein als bei typischen Antipsychotika.

Behandlungsoptionen bei metabolischen Nebenwirkungen unter Antipsychotikagabe

  • Monitoring: Regelmäßige Kontrolle von
    • Körpergewicht und Taillenumfang
    • Blutzucker bzw. HbA1c, insb. bei Risikopatient:innen und bei Verwendung von Antipsychotika mit hohem Risiko
    • Blutfetten
  • Aufklärung über die klinischen Zeichen einer Hyperglykämie (Polyurie, Durst, Müdigkeit)
  • Lebensstilinterventionen
    • Motivation zu regelmäßiger Bewegung
    • Ernährungsberatung (u.a. individualisierte Diätpläne, Pläne für Essattacken)
  • Psychotherapeutische Interventionen
  • Medikamentöse Optionen
    • Wenn möglich, primär Auswahl eines Antipsychotikums mit niedrigem Risiko
    • Bei Gewichtszunahme von >7% des Ausgangsgewichts in den ersten 6 Wochen der Behandlung und erfolglosen nicht-pharmakologischen Maßnahmen: Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigerem Risiko
      • Falls eine Umstellung nicht möglich oder erfolglos ist: Behandlungsversuch mit
    • Bei Auftreten eines Diabetes mellitus oder einer Hyperlipidämie: Dosisreduktion oder Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigem Risiko, sofern möglich

Die Behandlung mit Antipsychotika geht mit einer erhöhten kardialen Mortalität einher [42][43][46][66]

Orthostatische Regulationsstörungen

Orthostatische Regulationsstörungen treten insb. zu Beginn Therapie mit Antipsychotika auf, im weiteren Verlauf zeigt sich häufig eine Normalisierung des Blutdrucks.

  • Mechanismus: Antagonismus an peripheren α1-Adrenorezeptoren → Periphere Vasodilatation → Blutdruckabfall und kompensatorische Tachykardie
  • Substanzen
  • Behandlungsoptionen
    • Zu Beginn der Behandlung langsame Eindosierung und möglichst niedrige Erhaltungsdosis
    • Dosisreduktion oder Umstellung auf ein Antipsychotikum mit niedrigerer antiadrenerger Wirkkomponente
    • Verteilung der Gesamtdosis auf mehrere Einzelgaben

Reizleitungsstörungen

Eine Behandlung mit Antipsychotika geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen einher und erhöht das Risiko für einen plötzlichen Herztod um das Doppelte.

Aufgrund des Risikos einer QTc-Zeit-Verlängerung mit der damit verbundenen Gefahr von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen müssen bei einer Behandlung mit Antipsychotika regelmäßig EKG-Kontrollen durchgeführt werden!

Myokarditis, Perikarditis, Kardiomyopathie [42][43]

Anticholinerge Nebenwirkungen [42][45]

Leberfunktionsstörungen [46]

Blutbildveränderungen [42][43][45]

Musste in der Vergangenheit die Behandlung mit Clozapin aufgrund einer Leuko- oder Granulozytopenie abgebrochen werden, darf keine erneute Gabe von Clozapin erfolgen!

Aufgrund des Agranulozytoserisikos unter Clozapintherapie müssen in den ersten 18 Behandlungswochen wöchentliche, und danach monatliche Blutbildkontrollen erfolgen (Konzept der kontrollierten Anwendung)!

Thromboembolien [43]

Unter der Behandlung mit Antipsychotika ist das Risiko für thromboembolische Ereignisse erhöht.

CK-Erhöhung [42][43]

Erhöhungen des CK-Wertes treten unter einer Behandlung mit Antipsychotika mit einer Inzidenz von 2–7% auf.

Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) [43]

Pneumonie [42]

Unter einer Antipsychotikabehandlung ist das Risiko für eine Pneumonie erhöht, wobei dieser Effekt v.a. bei atypischen Antipsychotika zu beobachten ist.

  • Mechanismus: Multifaktoriell
    • Hohe Prävalenz der Tabakabhängigkeit unter an einer Schizophrenie erkrankten Menschen
    • Häufige Hospitation und lange stationäre Aufenthalte
    • Vermehrter Speichelfluss und häufigere Aspiration verursacht durch EPMS (verminderter Schluck- und Hustenreflex)
    • Motilitätsstörungen der Atemmuskulatur
    • Immunsuppressive Effekte als Folge der medikamenteninduzierten Blutbildveränderungen
    • Evtl. immunologische Ursachen hervorgerufen durch die psychiatrische Grunderkrankung
  • Substanzen
  • Behandlungsoptionen
    • Regelmäßiges Screening auf Atemwegserkrankungen
    • Symptome, die auf eine Pneumonie hindeuten könnten, unbedingt weiter fachärztlich abklären lassen

Sexuelle Funktionsstörungen [45][46]

Sexuelle Funktionsstörungen unter Antipsychotika-Einnahme treten in 40–70% der Fälle auf und zählen zu den wichtigsten Ursachen für Non-Adhärenz.

Sexuelle Funktionsstörungen unter Antipsychotika-Einnahme sind häufig! Patient:innen sollten aktiv danach gefragt werden!

Empfohlene Kontrolluntersuchungen

Der Umfang der Kontrolluntersuchungen kann je nach Behandlungsfall und Risikokonstellation entsprechend der jeweiligen Fachinformationen angepasst werden.

Notwendige Kontrolluntersuchungen im Rahmen einer Behandlung mit Antipsychotika [42]
Untersuchung Antipsychotikum Zeitpunkte
Vor Behandlungsbeginn Monate Ab 7. Monat
1 2 3 4 5 6 Monatlich Vierteljährlich Halbjährlich Jährlich
Blutbild

Trizyklische Antipsychotika

(auch Olanzapin und Quetiapin)

X X X Xa
Clozapin X XXXX XXXX XXXX XXXX XX X X
Andere Antipsychotika X X X

Blutzucker/HBA1cb

Blutfette

Quetiapin, Risperidon X X X X X
Clozapin, Olanzapin X X X X X
Andere Antipsychotika X X X

Nierenwerte (Kreatinin, GFR)

Alle Antipsychotika X X X X X
Leberwerte X X X X Xa

EKG (QTc-Zeit)

Elektrolyte

Sertindolc X X X X X

Clozapind

X X X X Xa
Andere Antipsychotikae X X X X
EEG Clozapinf X
Andere Antipsychotika (X)

Blutdruck, Puls

Alle Antipsychotika X X X X X

Erfragen von / untersuchen auf motorische Nebenwirkungen, Sedierung, sexuelle Nebenwirkungen

X X X X Xa

Körpergewicht (BMI) , Taillenumfang

X X X X X X

Prolaktin

Schwangerschaftstest

X
Legende
  • a: Bei bisher unauffälligen Befunden im Steady State können jährliche Kontrollen oder sogar noch längere Kontrollintervalle ausreichen
  • b: Bei pathologischen Ergebnissen ggf. Einleiten einer entsprechenden Therapie und monatliche Kontrollen, zusätzlich monatliche Kontrollen bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms
  • c: Erforderliche EKG-Kontrollen unter Sertindol: Vor Beginn der Behandlung, nach Erreichen des Steady State (ca. 3 Wochen), ab einer Dosis von 16 mg, nach 3-monatiger Behandlung und danach alle 3 Monate, vor und nach jeder Dosiserhöhung während der Erhaltungstherapie, nach jeder Gabe/Erhöhung einer Begleitmedikation, die zu einer Erhöhung der Sertindolkonzentration führen könnte
  • d: Erforderliche Kontrollen bei einer Clozapin-Neueinstellung: Vor der Behandlung EKG, CRP und Troponin I oder T, Blutdruck, Puls, Temperatur, anschließend für 4 Wochen wöchentlich CRP, Troponin T/I, alle 2 Tage Blutdruck, Puls und Temperatur; nach 2 Behandlungswochen bzw. bei Fieber und kardialen Symptomen sind zusätzliche EKG-Kontrollen und ggf. eine Echokardiografie empfohlen (Gefahr toxisch-allergischer Myokarditiden)
  • e: Häufigere EKG-Kontrollen bei: Älteren Patient:innen, hochpotenten Butyrophenonen, Ziprasidon, Perazin, Fluspirilen, QTc-Zeit-Verlängerungen, kardialen Risiken, Kombinationstherapie mit anderen potenziell QTc-Zeit-verlängernden Medikamenten
  • f: EEG vor Beginn der Behandlung mit Clozapin, zusätzliche Verlaufskontrollen bei Hinweisen auf ein Anfallsgeschehen, häufigere Kontrollen bei zerebraler Vorschädigung, erhöhter Anfallsbereitschaft, ggf. bei sehr hohen Dosierungen und unklaren Bewusstseinsveränderungen (DD: nicht-konvulsiver Status)

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) [44][46]

Ältere Patient:innen [42][43]

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Typische Antipsychotika

Atypische Antipsychotika

Malignes neuroleptisches Syndrom

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