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Zytostatika

Letzte Aktualisierung: 20.7.2021

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Unter den Oberbegriff Zytostatika fallen zunehmend mehr heterogene Pharmaka. Sie alle haben das Ziel gemein, direkt oder indirekt zur Reduktion von schnell proliferierenden Zellen (meist im Rahmen von Malignomen) beizutragen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden multiple Nebenwirkungen in Kauf genommen. Während sich im Rahmen der Zytostatika-Therapie häufig klassische Befunde wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Neutropenie mit erhöhter Infektanfälligkeit oder eine Beeinflussung von schnell-teilenden Zellen (Haarausfall, Mukositis) zeigen, sind nach Abschluss der Behandlung vorwiegend Zweitneoplasien (z.B. AML) gefürchtet. Die moderne Zytostatika-Therapie wird zwar wegen angemessener Begleitmedikation immer verträglicher, aufgrund möglicher Langzeitkomplikationen ist jedoch eine strenge Indikationsstellung notwendig.

Die einzelnen Bestandteile der Tabelle finden sich ebenfalls in den entsprechenden Abschnitten dieses Kapitels

Zytostatikagruppe Untergruppen Pharmaka Wirkmechanismus Indikation Nebenwirkungen

Alkylantien

  • Hämorrhagische Zystitis: Prophylaktische Gabe von Mesna (2-Mercaptoethansulfonat-Natrium) und Flüssigkeit
  • Myelosuppression
  • Emetogen
  • Myelotoxisch
  • Emetogen
  • Nephrotoxisch
  • Ototoxisch
  • Neurotoxisch (zentrale und periphere Neuropathien)

Topoisomerase-Hemmstoffe

  • Kardiotoxizität
  • U.a. myelotoxisch (dosislimitierend bei Topotecan)
  • Myelotoxizität

Mitosehemmstoffe (Spindelgifte)

  • Neurotoxizität (vor allem Vincristin führt zur (peripheren) Neuropathie)

Antimetabolite

  • Hemmung der Dihydrofolatreduktase u.a. durch Verdrängung der Dihydrofolsäure → Bildung von Purinnukleotiden↓
  • Myelotoxizität
  • Hepatotoxizität
  • Mukositis (Stomatitis, Ösophagitis, Enteritis)
  • Gegenmaßnahme: Folsäure als Rescue-Therapie
  • Wirkungsverstärkung durch Folinsäure
  • Myelotoxizität
  • Wechselwirkung mit Allopurinol
  • Nutzung als Immunsuppressivum
  • Myelotoxizität

Andere

  • Interkalierung und Alkylierung der DNA → Behinderung des Ableseprozesses → RNA-Synthese↓

Zytostatikagruppe Untergruppen Pharmaka Wirkmechanismus

Alkylantien

  • Oxazaphosphorine
  • Cyclophosphamid
  • Ifosfamid
  • N-Lost-Derivate
  • Chlorambucil
  • Melphalan
  • Alkylsulfonate
  • Busulfan
  • Hydrazine
  • Temozolomid
  • Dacarbazin
  • Procarbazin
  • Platin-haltige Substanzen
  • Cisplatin
  • Carboplatin
  • Oxaliplatin

Topoisomerase-Hemmstoffe

  • Anthracycline
  • Doxorubicin
  • Daunorubicin
  • Idarubicin
  • Epirubicin
  • Irinotecan
  • Topotecan
  • Topoisomerase-II-Hemmer
  • Etoposid

Mitosehemmstoffe (Spindelgifte)

  • Vinca-Alkaloide
  • Vincristin
  • Vinblastin
  • Taxane
  • Docetaxel
  • Paclitaxel

Antimetabolite

  • Folsäure-Antagonisten
  • Hemmung der Dihydrofolatreduktase u.a. durch Verdrängung der Dihydrofolsäure → Bildung von Purinnukleotiden↓
  • Pyrimidin-Antagonisten
  • Purin-Antagonisten
  • Ribonukleotidreduktase-Hemmer
  • Hydroxyurea (Hydroxycarbamid)

Andere

  • Bleomycin
  • Actinomycin D
  • Mitomycin
  • Interkalierung und Alkylierung der DNA → Behinderung des Ableseprozesses → RNA-Synthese↓
  • L-Asparaginase

Allgemeine Nebenwirkungen

Spezifische Nebenwirkungen und Charakteristika ausgewählter Zytostatika

Zytostatikagruppe Pharmaka Charakteristika und spez. Nebenwirkungen

Alkylantien

  • Hämorrhagische Zystitis und Urothelkarzinom
    • Prophylaktisch: Gabe von Mesna (2-Mercaptoethansulfonat-Natrium) und Flüssigkeit sowie intermittierende statt kontinuierliche Gabe des Cyclophosphamids [1]
  • Myelosuppression
  • Emetogen
  • Myelotoxisch
  • Emetogen
  • Nephrotoxisch
  • Ototoxisch
  • Neurotoxisch (zentrale und periphere Neuropathien)

Anthracycline

  • Kardiotoxizität
Topoisomerase-I-Hemmer
  • U.a. myelotoxisch (dosislimitierend bei Topotecan)
Topoisomerase-II-Hemmer
  • Myelotoxisch

Mitosehemmstoffe (Spindelgifte)

  • Neurotoxisch (vor allem Vincristin führt zur (peripheren) Neuropathie)

Antimetabolite

  • Myelotoxisch
  • Hepatotoxisch
  • Mukositis (Stomatitis, Ösophagitis, Enteritis)
  • Gegenmaßnahme: Folsäure als Rescue-Therapie
  • Wirkungsverstärkung durch Folinsäure, Myelosuppression
  • Erhöhte Toxizität bei DPD-Mangel
    • Rote-Hand-Brief zu 5-FU, Capecitabin und Tegafur: Vor Behandlung Test auf DPD-Mangel empfohlen [2]
  • Wechselwirkung mit Allopurinol
  • Nutzung als Immunsuppressivum

Andere

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Generelle Indikationen

  • Neoadjuvante Zytostatikatherapie: Präoperativ zur Reduktion der Tumormasse
  • Adjuvante Zytostatikatherapie: Postoperativ zur Senkung des Rezidivrisikos und/oder Verbesserung der Prognose
  • Palliative Zytostatikatherapie: Fehlende Kurabilität – Einsatz aus unterschiedlichen Gründen (Verlängerung der Lebenszeit, Minderung der tumorbedingten Symptomatik, usw.)
  • Konditionierung: High-Dose-Zytostatikatherapie (manchmal in Kombination mit Ganzkörperbestrahlung) zur Ausschaltung des eigenen Knochenmarks vor Knochenmark- oder Stammzelltransplantation

Spezielle Indikationen

Orale Anwendung möglich

Der oralen Anwendung von Zytostatika kommt vor allem in Palliativsituationen eine besondere Bedeutung zu: Durch die orale Einnahme kann langfristig ein ambulantes und kurzstationäres Behandlungskonzept umgesetzt werden.

Mögliche supportive Therapie unter Radiochemotherapie

Siehe auch: Supportive Therapie bei onkologischen Erkrankungen

Eine antiemetische Behandlung unter Einschluss von NK1-Rezeptor-Antagonisten, welche für hoch emetogene Chemotherapie einschließlich Carboplatin vorgesehen ist, soll unterlassen werden bei Patienten, welche eine Chemotherapie mit niedrigem oder moderatem Risiko für Übelkeit und Erbrechen erhalten (DGIM - Klug entscheiden in der Hämatologie und medizinischen Onkologie).

Auf die Anwendung von G-CSF im Kontext einer Chemotherapie-induzierten Neutropenie soll in Situationen ohne belegten klinischen Nutzen verzichtet werden. Dies gilt insb. bei manifester Neutropenie (außer bei Infekt mit zusätzlichen Risikofaktoren) und prophylaktisch bei niedrigem Risiko einer febrilen Neutropenie (<20%) (DGIM - Klug entscheiden in der Hämatologie und medizinischen Onkologie).

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5-Fluorouracil

Cyclophosphamid

Cisplatin (Video frei verfügbar)

Doxorubicin

Etoposid

Taxane

Methotrexat

Azathioprin

L-Asparaginase

Vinca-Alkaloide

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  1. Hiddemann et al.: Die Onkologie: Teil 1: Epidemiologie - Pathogenese - Grundprinzipien der Therapie. Springer 2013, ISBN: 978-3-662-06671-3 .
  2. Rote-Hand-Brief zu 5-Fluorouracil- (i.v.), Capecitabin- und Tegafur-haltigen Arzneimitteln: Tests vor Behandlungsbeginn zur Identifizierung von Patienten mit DPD-Mangel. Stand: 4. Juni 2020. Abgerufen am: 8. Juni 2020.
  3. Leitlinie Antimykotische Prophylaxe bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien oder nach allogener Stammzelltransplantation. Stand: 1. Juli 2015. Abgerufen am: 1. Februar 2018.
  4. Leitlinie Bakterielle Infektionen und Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie – Prophylaxe. Stand: 1. September 2014. Abgerufen am: 23. Mai 2017.
  5. Leitlinie Antivirale Prophylaxe. Stand: 1. September 2014. Abgerufen am: 1. Februar 2018.
  6. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie 2012 .