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Chronische Gastritis

Letzte Aktualisierung: 11.6.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die chronische Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut und wird je nach Ätiologie in die chronische Typ-A- (autoimmun), Typ-B- (bakteriell) und Typ-C-Gastritis (chemisch) unterschieden (daneben bestehen seltene Sonderformen). Es ist eine histologisch definierte Erkrankung. Klinisch kann es zu unspezifischen epigastrischen Beschwerden kommen, häufig verlaufen Magenschleimhautentzündungen jedoch asymptomatisch. Die Typ-B-Gastritis ist hierbei die mit Abstand häufigste Form und wird durch eine Infektion mit Helicobacter pylori (HP) ausgelöst. Diagnostisch wegweisend ist die Magenspiegelung mit der Entnahme von Biopsien sowie ggf. ein Helicobacter-pylori-Nachweis. Darüber hinaus können Blutbildveränderungen auftreten (bspw. makrozytäre Anämie bei Typ-A-Gastritis oder mikrozytäre Anämie bei chronischen Blutungen). Therapeutisch steht je nach Ätiologie eine antibiotische Therapie (Eradikationstherapie bei HP-Nachweis), die Hemmung der Säureproduktion (bei Typ-B- und Typ-C-Gastritis) bzw. die Substitution von Vitamin B12 (bei Typ-A-Gastritis) im Vordergrund. Unbehandelt kann es zu Komplikationen wie Ulkus und Perforation kommen, darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko zur Entstehung von Magenkarzinomen und MALT-Lymphomen.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Typ-A-Gastritis: ca. 5% aller Patienten mit chronischer Gastritis
  • Typ-B-Gastritis: ca. 60% aller Patienten mit chronischer Gastritis
    • Prävalenz der Helicobacter-pylori-Besiedelung steigt mit dem Lebensalter
    • Nord-Süd-Gefälle: Bspw. in Skandinavien deutlich geringere „Durchseuchung“ als in Indien [1]
  • Typ-C-Gastritis: ca. 30% aller Patienten mit chronischer Gastritis

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

ABC-Klassifikation der chronischen Gastritis

Die ABC-Klassifikation ist die einfachste ätiologische Zuordnungsmöglichkeit in drei große Gruppen.

Klassifikationtoggle arrow icon

Sydney-Klassifikation

Die Sydney-Klassifikation ist die allgemeinere und umfassendere Klassifikation. Sie berücksichtigt Lokalisation, endoskopisches Bild, Ätiologie und Grading. Die ätiologische ABC-Klassifikation ist ein Teil der Sydney-Klassifikation.

Zum Vergleich: Normalbefund

Pathophysiologietoggle arrow icon

Typ-A-Gastritis

Typ-B-Gastritis

Typ-C-Gastritis

  • Wechselwirkung zwischen direkten Schleimhautnoxen und einem verstärkten duodenogastralen Reflux → Vereinzelte Infiltration der Magenschleimhaut durch Lymphozyten und PlasmazellenÖdem der Magenschleimhaut → Bei Überschreiten der Regenerationsfähigkeit der Schleimhaut Ausbildung von Erosionen und Ulzera der Magenschleimhaut und Atrophie der Korpusdrüsen mit verminderter Säure- und Pepsinsekretion → Hypochlorhydrie, ggf. Metaplasien und Dysplasien

Symptomatiktoggle arrow icon

Allgemeine Symptomatik einer chronischen Gastritis

  • Individuell sehr variable und inkonstante Symptomausprägung
    • Oberbauchschmerz
    • Übelkeit
    • Abdominelle Missempfindungen
      • Völlegefühl, vermehrtes Aufstoßen
      • Starkes, bohrendes Hungergefühl bei vermindertem Appetit
      • Nüchternschmerz, aber auch postprandialer Schmerz möglich
      • Schneller Sättigungseffekt bei Nahrungsaufnahme

Typ-A-Gastritis

Typ-B-Gastritis

Typ-C-Gastritis

Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

Sonderformen

Diagnostiktoggle arrow icon

Endoskopie

  • Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien aus Magenantrum und -korpus, ggf. auch Fundusbiopsien
    • Die Anzahl und die Lokalisation der notwendigen Biopsien sind abhängig von der Fragestellung
      • Zum Nachweis von Helicobacter pylori: 2× Antrum, 2× Korpus, bei Urease-Schnelltest zusätzlich je 1× Antrum und Korpus
      • Bei Vitamin-B12-Mangel und Verdacht auf Typ-A-Gastritis: 2× Funduskuppel, 2× Korpus
      • Bei unklaren Beschwerden im Oberbauchbereich, optisch unauffälliger Endoskopie und langwierigem Verlauf: Ausschlussdiagnostik durch Biopsien aus tiefem Duodenum (2×), Antrum (2×), Korpus (2×) und Fundus (2×)

Die Diagnose einer chronischen Gastritis darf nur in der Zusammenschau aus endoskopischem und histopathologischem Befund (inklusive HP-Diagnostik) gestellt werden!

Helicobacter-pylori-Diagnostik

  • Untersuchung endoskopischer Biopsien: Es sollten im Regelfall immer zwei Verfahren miteinander kombiniert werden
  • Nicht-invasive Verfahren
    • HP-Antigennachweis im Stuhl: Nachweis von Helicobacter-pylori-Antigenen im Stuhl auf Basis einer ELISA-Testung mit monoklonalen Antikörpern
    • 13C-Atemtest: Gabe von 13C-Harnstoff → Spaltung durch HP über eine Urease → 13CO2 in der Ausatemluft messbar
    • Anti-HP-IgG im Serum: Auch nach Eradikation nachweisbar, nicht primär zum Nachweis einer aktuellen Infektion einzusetzen
  • Diagnosesicherheit: Diagnose gesichert, wenn zwei Testergebnisse positiv
    • Ausnahmen
      • Ulcus duodeni: Ein positives Testergebnis ausreichend
      • Chronisch-aktive Gastritis: Ist histologisch Helicobacter pylori bei gleichzeitigem Bild einer chronisch-aktiven Gastritis nachweisbar (Infiltration neutrophiler Granulozyten als Charakteristikum), gilt die Diagnose auch ohne weiteres positives Testergebnis als gesichert
      • Positive Kultur: Der Nachweis durch kulturelle Anzucht ist allein ausreichend

Blut

Pathologietoggle arrow icon

Pathologische Differenzialdiagnostik bei Gastritis [2][3][4]

Typ-A-Gastritis Typ-B-Gastritis Typ-C-Gastritis
Lokalisation
  • Korpus- und fundusbetont
  • Initial: Antrumbetont
  • Im Verlauf: Pangastritis
  • Antrumbetont
Chronisches Entzündungsinfiltrat
  • Stets vorhanden
  • Stets vorhanden
  • Allenfalls spärlich
Neutrophile Granulozyten
  • Selten
  • Häufig
  • Keine
Atrophie
Intestinale Metaplasie Selten
Foveoläre Hyperplasie (✓)
Lymphfollikel
Weitere Charakteristika

Zum Vergleich: Normalbefunde

Therapietoggle arrow icon

Typ-A-Gastritis

  • Vitamin B12-Substitution parenteral
    • Bei Erstdiagnose höhere Dosierung zum Auffüllen der Vitamin-B12-Speicher
  • Falls Helicobacter pylori positiv: Eradikationsversuch → Kann zur Ausheilung führen
  • Regelmäßige endoskopische Kontrollen aufgrund des Entartungsrisikos

Typ-B-Gastritis

Nach 4–8 Wochen sollte der Eradikationserfolg endoskopisch kontrolliert werden, auch um übersehene Karzinome auszuschließen! Bei fehlender Indikation zur Kontrollendoskopie sollte die Therapiekontrolle mittels Atem- und Stuhlantigentest erfolgen.

Die Clarithromycin-basierten Triple-Therapien (franz. und ital. Therapie) werden laut der aktuellen Leitlinien wegen der Resistenzlage in Deutschland nicht mehr als Erstlinientherapie empfohlen!

Typ-C-Gastritis

  • Noxen reduzieren (NSAR absetzen, Rauchkarenz, Alkoholkarenz)
  • PPI-Therapie, zeitlich limitiert (maximal 4–8 Wochen), ausreichend dosiert
  • Weitere Substanzen
    • Sucralfat : Vor allem bei Gallereflux, insb. bei operiertem Magen und Patienten mit Dyspepsie und Hypomotilität
    • Prokinetika (bspw. Domperidon ) zur schnelleren Symptomkontrolle können erwogen werden

Komplikationentoggle arrow icon

Typ-A-Gastritis

Typ-B-Gastritis

Typ-C-Gastritis

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Meditrickstoggle arrow icon

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Helicobacter pylori

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Patienteninformationentoggle arrow icon

Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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