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Ernährungsmedizin

Letzte Aktualisierung: 3.6.2026

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Die moderne Ernährungsmedizin hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und fokussiert sich nicht mehr primär auf die reine Gewichtsreduktion, sondern auf einen ganzheitlichen Ansatz. Heute verstehen wir die Ernährungsmedizin als eine evidenzbasierte Säule der Patientenversorgung, die sowohl in der Primärprävention als auch im Management chronischer Erkrankungen eine Schlüsselrolle spielt. Ziel ist es, biochemische Prozesse im Körper durch die Nährstoffzufuhr gezielt zu beeinflussen, Entzündungswerte zu senken und die metabolische Gesundheit wiederherzustellen. Die therapeutischen Ansätze sind dabei so vielfältig wie die Krankheitsbilder selbst.

Einige gezielte Diäten und Ernährungsformen kommen zur Behandlung klinischer Krankheitsbilder zum Einsatz, bspw. die ketogene Diät bei therapieresistenter Epilepsie, die Low-FODMAP-Diät bei Reizdarmsyndrom oder streng bilanzierte Diäten bei angeborenen Stoffwechselstörungen. Therapeutisches Fasten mit dem Ziel, die Autophagie („zelluläre Müllabfuhr“) zu aktivieren zeigt vielversprechende Ergebnisse bei der Verbesserung der Insulinsensitivität und der Reduktion von systemischen Entzündungen. Andere Ernährungsansätze können nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv eingesetzt werden, bspw. die mediterrane Ernährung und die pflanzenbasierten Ernährungsformen.

Obwohl das Wort „Diät“ eine zeitlich begrenzte Umsetzung einer Ernährungsform suggeriert, ist es bei den meisten therapeutisch eingesetzten Ernährungskonzepten sinnvoll oder sogar notwendig, eine dauerhafte Ernährungsumstellung vorzunehmen.

Für weitere Informationen zu den einzelnen Ernährungsformen, bspw. mediterrane und pflanzenbasierte Ernährung, siehe auch: Ernährung: Grundlagen, Empfehlungen und Umweltaspekte und Ernährung im Kindes- und Jugendalter.

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Ketogene Diättoggle arrow icon

Die Ketose unter ketogener Diät ist nicht mit der Ketoazidose zu verwechseln – einer gefährlichen Überproduktion von Ketonkörpern unter absolutem Insulinmangel, die zur Azidose führt und v.a. bei Diabetes mellitus Typ 1 vorkommt!

Die pharmakoresistente Epilepsie und einige seltene Stoffwechselstörungen sind die einzig sinnvollen Indikationen für eine ketogene Diät. Für andere Indikationen wie bspw. Adipositas überwiegen die Risiken den erwartbaren Nutzen!

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Ornish-Diättoggle arrow icon

  • Definition: Extrem fettarmes, überwiegend pflanzliches Ernährungskonzept zur Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, oft ergänzt durch Bewegung und Maßnahmen zur Stressbewältigung
  • Indikationen u.a.
  • Durchführung
    • Ernährungsweise
      • Vollwertige, pflanzliche und ballaststoffreiche Kost: Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte
      • Insg. max. 10% Fettanteil
      • Meidung tierischer Produkte
      • Keine zugesetzten Fette oder Öle
      • Keine raffinierten Produkte
    • Bewegung
    • Stressmanagement
    • Soziale Unterstützung
  • Evidenz: Signifikante Effekte bei chronischen Erkrankungen mit 30–40% weniger Gesundheitskosten

Die Ornish-Diät ist oft schwer langfristig umzusetzen, weshalb für die Primärprävention die mediterrane Ernährung i.d.R. praktikabler ist!

Die Ornish-Diät ist Teil eines multimodalen Programms, daher sind die Effekte nicht der Diät allein zuzuschreiben!

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DASH-Diättoggle arrow icon

Obwohl das Wort „Diät“ eine zeitlich begrenzte Umsetzung dieser Ernährungsform suggeriert, sollte die DASH-Diät dauerhaft durchgeführt werden!

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Low-FODMAP-Diättoggle arrow icon

Bestehende Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Orthorexia nervosa können durch eine Diät verstärkt werden!

Vor Beginn einer Low-FODMAP-Diät zur Therapie des Reizdarmsyndroms sollte eine medizinische Ernährungsberatung durchgeführt werden, um unnötige und zu starke Einschränkungen sowie Mangelernährung zu verhindern und orthorektische oder anorektische Patient:innen zu identifizieren!

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Low-Carb-Diättoggle arrow icon

Durch den Verzicht auf vollwertige Kohlenhydrate aus Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten ergeben sich keine gesundheitlichen Vorteile; eine Ernährung mit geringem Kohlenhydratanteil ist mit einer erhöhten Gesamtmortalität assoziiert! [33]

Eine hohe Proteinzufuhr (>10–20% der Nahrungskalorien) aus tierischen Quellen ist zumindest bis zum 65. Lebensjahr nicht empfohlen, da sie mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit und einer erhöhten Sterblichkeit durch maligne Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Herzkreislauferkrankungen assoziiert ist! [34][35]

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Bircher-Benner-Diättoggle arrow icon

  • Definition
    • Ursprüngliche Form der Vollwerternährung (nach Kollath und Bircher-Benner )
    • Kern der Theorie: Annahme, dass durch die industrielle Verarbeitung von Lebensmittelrohstoffen der Gehalt an essenziellen Nahrungsinhaltsstoffen und somit die Wertigkeit abnimmt
  • Indikationen
    • Prävention
    • Therapeutischer Nutzen u.a. bei Rheuma, Gicht, Lebererkrankungen und Verdauungsstörungen
  • Durchführung: Roh- und Vollwertkost
    • Frisches Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte, insb. als Bircher-Müsli
    • Zusätzlich in kleinem Umfang Milchprodukte und schonend gekochtes Gemüse
    • Meiden von Fleisch und stark verarbeiteten Lebensmitteln
    • Trinken: Möglichst nicht während, sondern zwischen den Mahlzeiten, um Verdauungssäfte nicht zu verdünnen
    • Abendmahlzeit: So einfach, so leicht und so früh wie möglich
  • Evidenz: Moderne Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind denen der Vollwerternährung sehr ähnlich
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Pflanzenbasierte Ernährungsformentoggle arrow icon

Für weitere Informationen zu pflanzenbasierten Ernährungsformen siehe: Vegane und vegetarische Ernährung bei Erwachsenen und Vegetarische und vegane Kinderernährung

Präventive und therapeutische Wirkungen bei korrekter Umsetzung pflanzenbasierter Ernährungsformen

Prävention u.a. von

Zum Einfluss spezifischer Nahrungsbestandteile auf das kardiovaskuläre, metabolische und onkologische Risiko siehe auch: Ernährung: Grundlagen, Empfehlungen und Umweltaspekte

Komplementäre Therapie u.a. von

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Fastentoggle arrow icon

Allgemeines

Ein therapeutisches Fasten muss bei bestehenden Vorerkrankungen ärztlich begleitet, Medikamente müssen entsprechend angepasst werden!

Bei therapeutischem Fasten müssen Diuretika i.d.R. pausiert werden, da sonst das Risiko einer schweren Hyponatriämie besteht!

Varianten

Heilfasten nach Buchinger [75][106]

Intervallfasten [61][67][75][107][108]

  • Durchführung: Anders als bei vielen anderen Fastenvarianten als dauerhafte Ernährungsform (bzw. -umstellung) gedacht
    • Tageweise
    • Stundenweise
  • Evidenz
    • Reduktion von Körpergewicht
    • Förderung der Zellerneuerung (Autophagie), Verbesserung des Darmmikrobioms und antiinflammatorische Effekte

Mayr-Kur [75]

Schroth-Kur [75]

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Weiteretoggle arrow icon

Glyx-Diät [109][110]

  • Prinzip: Bevorzugter Verzehr von Nahrungsmitteln mit niedrigem glykämischem Index
  • Glykämischer Index („Glyx“): Blutzuckerwirksamkeit verschiedener Nahrungsmittel im Vergleich zu reiner Glucose
  • Evidenz: Wissenschaftlich umstritten

Detox-Diät [111]

  • Prinzip: Ernährungsform mit dem Ziel, den Körper zu „entgiften“ oder zu „entschlacken“
  • Umsetzung: Häufig Fasten, Säfte oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel
  • Evidenz: Konzept der „Entschlackung“ wissenschaftlich sehr umstritten und nicht evidenzbasiert
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Gesundheitliche Vorteile bestimmter Nahrungsmitteltoggle arrow icon

Nahrungsmittel Ausgewählte Wirkungen Ausgewählte Wirkstoffe
Geschrotete Leinsamen [112][113][114][115][116]
  • Blutdruck↓
  • Gewicht↓
  • Verbesserung des Lipidprofils
  • Blutzucker↓
  • Insulinsensitivität↑
Hibiskustee [117][118][119]
Haferflocken oder -körner (in Form von Hafertagen) [120]
  • Gewicht↓
  • Blutzucker↓ langfristig
  • Insulinsensitivität↑
  • Regenerierend bei Fettleber
  • Cholesterin
Nüsse [121][122][123]
  • Risiko↓ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Vollkorngetreide [124]
Kreuzblütler bzw. Kohlgemüse [125][126][127][128]
  • Malignomrisiko↓
  • Blutdruck↓
Rote Bete [129][130]
  • Blutdruck↓
Hülsenfrüchte [131][132]
Extra virgin Olivenöl [123]
  • Risiko↓ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Grünes Blattgemüse [133][134]
  • Sättigend
  • Gewicht↓
  • Chlorophyll
Yacón [135]
  • Verbesserung des Lipidprofils
  • Blutzuckerstabilisierend durch Second-Meal-Effekt
  • Insulinsensitivität↑
  • Sättigend
Grüner Tee [136][137][138]
  • Risiko↓ für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verbesserung des Lipidprofils
  • Erhaltung der kognitiven Funktion
Fermentierte Produkte [139][140][141]
  • Mikroorganismen
Kurkuma [142][143]
  • Blutzuckerstabilisierend durch Second-Meal-Effekt
  • Antiinflammatorisch
  • Antioxidativ
  • Schmerzlindernd
Abgekühlte oder wiedererwärmte Kartoffeln, Nudeln oder Reis [144][145][146]
  • Blutzuckerstabilisierend durch Second-Meal-Effekt
  • Gewicht↓
  • Präbiotisch wirksam
  • Antiinflammatorisch

Fehlernährung ist der Hauptrisikofaktor für nicht-übertragbare Krankheiten (NCDs), die häufigste Todesursache weltweit und Hauptgrund für den Verlust gesunder Lebensjahre (Disability-adjusted Life Years, DALYs)! [147]

In Deutschland zählen besonders eine hohe Natriumzufuhr sowie ein Mangel an Vollkornprodukten, Obst, Nüssen und Saaten zu den führenden Ernährungsrisiken! [147]

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