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Hereditäre Stoffwechselerkrankungen

Letzte Aktualisierung: 23.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Hereditäre Stoffwechselerkrankungen umfassen eine große Gruppe äußerst heterogener Krankheitsbilder. Sie werden meist autosomal-rezessiv vererbt und können zum Teil bereits im frühen Neugeborenenalter zu einer lebensbedrohlichen metabolischen Dekompensation führen (sog. Stoffwechselnotfall). Um schwere neurologische Folgeschäden und letale Verläufe zu vermeiden, ist in diesen Fällen eine umgehende Therapie entscheidend. Weniger akut verlaufende Stoffwechselerkrankungen können hingegen auch später auftreten und zu vielfältigen und eher langsam progredienten Symptomen führen.

Dieses Kapitel beschränkt sich auf Grundlagen, allgemeine Informationen zu möglichen Symptomen und dem diagnostischen Vorgehen, sowie auf eine Auswahl klinisch besonders relevanter und/oder häufiger Stoffwechselerkrankungen.

Für das Management einer akuten metabolischen Dekompensation siehe: Stoffwechselnotfall - AMBOSS-SOP!

Grundlagentoggle arrow icon

  • Epidemiologie: Prävalenz kumulativ >0,2% aller Neugeborenen [1]
  • Ätiologie: Gendefekt (i.d.R. autosomal-rezessiv vererbt ) [2]
  • Pathophysiologie: Defekt von Stoffwechselkomponenten (z.B. Enzyme oder Transportproteine) → Störung in Stoffwechselwegen → Akkumulation toxischer Metabolite und/oder Mangel an essenziellen Metaboliten → Klinische Symptome

Symptomatiktoggle arrow icon

Akuter Stoffwechselnotfall [1][2]

Neugeborene mit akuter metabolischer Dekompensation zeigen typischerweise ähnliche Symptome wie bei einer Neugeborenensepsis!

Typische Laborbefunde und Akutmanagement einer akuten metabolischen Dekompensation, siehe: Stoffwechselnotfall - AMBOSS-SOP!

Stoffwechselerkrankung [1][2]

  • Beginn: In jedem Alter möglich
  • Verlauf
    • Langsam progredient
    • Akute Stoffwechselnotfälle möglich (insb. durch Trigger)
  • Symptome
  • Ursache: Kontinuierliche Akkumulation toxischer Metabolite, Mangel an energiereichen Substraten und/oder Substanzablagerung in Organen

Viele hereditäre Stoffwechselerkrankungen verlaufen langsam progredient, können jedoch durch bestimmte Trigger in jedem Alter zu einer akuten metabolischen Dekompensation führen!

Diagnostiktoggle arrow icon

Basisdiagnostik [1]

Vorgehen bei akuter metabolischer Dekompensation, siehe: Akutmanagement bei Stoffwechselnotfall!

Erweiterte Stoffwechseldiagnostik [1]

Stoffwechselmetabolite

Stoffwechselmetabolite zur Abklärung hereditärer Stoffwechselerkrankungen
Metabolite Indikationen (Auswahl) Material/Versand
Aminosäuren
Organische Säuren
Carnitine
Ggf. weitere Stoffwechselmetabolite (z.B. freie Fettsäuren, 3-Hydroxybutyrat, Orotsäure)

Molekulargenetik

Funktionstests

Tagesprofile

Fastentest

Ein Fastentest kann lebensbedrohlich sein! Die Indikation sollte daher streng und erst nach Abschluss aller anderen diagnostischen Maßnahmen gestellt werden!

Glucagontest

  • Indikationen, u.a.
  • Durchführung
  • Pathologische Befunde
    • Unzureichender Anstieg der Glucosekonzentration um <25 mg/dL (<1,4 mmol/L) innerhalb von 45 min
      • Mit Lactatanstieg
      • Ohne Lactatanstieg

BH4-Test

  • Neugeborene
    • Indikation: Hyperphenylalaninämie + klinische Hinweise auf BH4-Mangel
    • Ziel: Schnelle Unterscheidung zwischen BH4-Mangel und Phenylketonurie
    • Voraussetzung: Hyperphenylalaninämie ≥360 μmol/L (≥6 mg/dL) unter normaler Ernährung
    • Durchführung
      1. Bestimmung der Phenylalaninkonzentration unmittelbar vor Gabe von Sapropterin
      2. Gabe von Sapropterin (20 mg/kgKG p.o. zur Mahlzeit)
      3. Bestimmung der Phenylalaninkonzentration nach 4, 8 und 24 h
    • Interpretation
      • Phenylalanin↓↓ (Normalwert innerhalb von 4–8 h): BH4-Mangel wahrscheinlich
      • Phenylalanin↓ (verzögerter Abfall nach >8 h): BH4-sensitive PKU wahrscheinlich
      • Phenylalanin↔︎: Nicht-BH4-sensitive PKU wahrscheinlich
  • Ältere Kinder
    • Indikation: Phenylketonurie + Hinweise auf BH4-sensitive Form
    • Ziel: Nachweis einer BH4-sensitiven PKU
    • Voraussetzung: Hyperphenylalaninämie ≥600 μmol/L (≥10 mg/dL) unter normaler Ernährung
    • Durchführung
      • 1. Tag: Bestimmung der Phenylalaninkonzentration 24 h, 12 h und unmittelbar vor Gabe von Sapropterin
      • 2. Tag
        • 1. Gabe von Sapropterin (20 mg/kgKG p.o. zur Mahlzeit)
        • Bestimmung der Phenylalaninkonzentration nach 8, 16 und 24 h
      • 3. Tag
        • 2. Gabe von Sapropterin (unmittelbar nach letzter Messung; 20 mg/kgKG p.o. zur Mahlzeit)
        • Bestimmung der Phenylalaninkonzentration nach 8 und 24 h
    • Interpretation
      • Phenylalanin↓↓ (≥30% innerhalb von 48 h): BH4-sensitive PKU wahrscheinlich
      • Phenylalanin↓/↔︎ (<30% innerhalb von 48 h): Nicht-BH4-sensitive PKU wahrscheinlich

Kategorien (Auswahl)toggle arrow icon

  • Kategorien: Nach ICIMD [3]
  • Auswahl: Erkrankungen mit vergleichsweise hoher klinischer Relevanz und/oder Prävalenz

Energiesubstratetoggle arrow icon

Kreatintransporter-Mangel [4][5]

Mitochondriopathien [6]

Lipidetoggle arrow icon

Fettaldehyddehydrogenase-Mangel [7][8]

X-chromosomale Adrenoleukodystrophie [9][10][11][12]

Rhizomele Chondrodysplasia punctata [13][14][15][16]

Smith-Lemli-Opitz-Syndrom [17][18]

Purinetoggle arrow icon

Adenosin-Desaminase-Mangel [19][20]

Lesch-Nyhan-Syndrom [21][22]

Vitamine und Cofaktorentoggle arrow icon

Biotinidase-Mangel [23][24]

Tetrahydrobiopterin-Mangel [25]

Cobalamin-C-Defekt [26][27]

Pyridoxin-abhängige Epilepsie [28][29]

Spurenelemente und Metalletoggle arrow icon

Menkes-Syndrom [30][31]

Morbus Wilson

Hereditäre Hämochromatose

Weiteretoggle arrow icon

α1-Antitrypsin-Mangel

COPD-Patient:innen unter 50 Jahren sollten auf einen α1-Antitrypsin-Mangel untersucht werden!

AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

Von Kolibris und Zebras: Seltene Erkrankungen (Februar/2022)

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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