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Fibromyalgiesyndrom

Letzte Aktualisierung: 13.1.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist ein primäres Schmerzsyndrom, das durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, Schlafstörungen und Müdigkeit gekennzeichnet ist. Die Entstehung ist multifaktoriell und wird im Rahmen eines biopsychosozialen Modells verstanden, das genetische Faktoren, psychosoziale Belastungen und auslösende Stressoren berücksichtigt. Zentral für die Pathophysiologie sind eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Dysfunktionen des schmerzmodulierenden Systems und eine Dysregulation der Stressantwort. Die Diagnose wird klinisch gestellt anhand der Anamnese und körperlichen Untersuchung sowie durch den Ausschluss anderer körperlicher Erkrankungen, die die Symptome erklären könnten.

Die Therapie ist multimodal und überwiegend nicht-medikamentös ausgerichtet. Sie umfasst Patientenedukation, körperliche Aktivierung und psychotherapeutische Verfahren. Bei schwereren Verläufen kann eine zeitlich begrenzte medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Ziel der Behandlung sind die Verbesserung der Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und Schmerzbewältigung.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Punktprävalenz: 2,1% [2]
  • Geschlechterverteilung: >
  • Altersgipfel (im klinischen Setting): 40–60 Jahre

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Die genauen Ursachen des Fibromyalgiesyndroms sind weitgehend unbekannt; folgende Faktoren können allerdings assoziiert sein:

  • Biologische Faktoren [1]
    • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen [3]
    • Genetische Faktoren [3]
    • Vitamin-D-Mangel
  • Biografische/psychische Faktoren [1]
    • Körperliche und sexuelle Gewalterfahrungen in Kindheit und Erwachsenenalter
    • Frühe negative Schmerzerfahrungen
    • Anhaltende kritische Lebensereignisse, hohes Stressniveau [3]
    • Depressionen
  • Lebensstilfaktoren [1]

Die genaue Ätiologie des Fibromyalgiesyndroms ist bislang unbekannt!

Pathophysiologietoggle arrow icon

Es existieren verschiedene Konzepte zur pathophysiologischen Entstehung des Fibromyalgiesyndroms. Neben einem biopsychosozialen Krankheitsmodell zählen dazu u.a.

Symptomatiktoggle arrow icon

Klinisches Bild [1][3]

Häufige Komorbiditäten

Diagnostiktoggle arrow icon

Basisdiagnostik [1][3]

Die Untersuchung der Tender Points ist unspezifisch und wird bei der Diagnostik des Fibromyalgiesyndroms nicht mehr empfohlen! [2]

Weiterführende Diagnostik [1]

  • Apparative Diagnostik: Nur bei klinischen oder laborchemischen Hinweisen auf somatische (Mit‑)Ursachen
  • Ggf. psychiatrische/psychotherapeutische Untersuchung: Bei Hinweisen für
    • Erhöhte psychische Belastung
    • Psychosoziale Stressoren
    • Frühere psychiatrische Behandlungen
    • Maladaptive Krankheitsverarbeitung
    • Subjektive psychische Krankheitsattributionen

Schweregradeinteilung des FMS [1]

Diagnostische Kriterientoggle arrow icon

ACR-Kriterien (2016) [2]

Für die Diagnose müssen alle Kriterien erfüllt sein!

Das gleichzeitige Vorliegen anderer (Schmerz‑)Erkrankungen schließt die Diagnose nicht aus!

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Allgemeine Prinzipien [1][3]

  • Therapieziele
    • Linderung der Symptome (nicht Heilung) [4]
    • Partizipatives Erarbeiten von realistischen Zielen
  • Therapiestrategie
    • Berücksichtigung von Komorbiditäten und Präferenzen der Betroffenen
    • I.d.R. multimodal
    • Je nach Schweregrad (siehe auch: Schweregradeinteilung des FMS)
      • Leicht: Bewegungstherapie und psychosoziale Aktivierung
      • Schwer: Multimodale Therapie und medikamentöse Therapie
  • Therapieevaluation: Regelmäßige Überprüfung von Nutzen und unerwünschten Wirkungen der eingeleiteten Therapie

Nicht-medikamentöse Therapie[1][3]

Psychoedukation

  • Funktionelles Syndrom, keine organisch-rheumatische Erkrankung
  • Normale Lebenserwartung
  • Symptomlinderung durch eigene Aktivität möglich
  • Verweis auf Selbsthilfegruppen (siehe unter Tipps & Links)

Die Basis jeder FMS-Therapie ist eine umfassende Edukation der Betroffenen über das biopsychosoziale Krankheitsmodell. Dies fördert die aktive Mitarbeit und kann bereits zu einer signifikanten Schmerzreduktion beitragen!

Bewegungstherapie und physikalische Verfahren [1]

  • Indikation: Alle Patient:innen mit FMS
  • Trainingsformen, insb. [2]
    • Ausdauertraining (geringe bis mittlere Intensität) oder
      • Beispiele: Schnelles Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren, Tanzen, Aquajogging
      • Frequenz und Dauer: 2–3 ×/Woche über mind. 30 min
    • Wasser- und Trockengymnastik
      • Kombination aus aerobem Training, Flexibilitäts-, Koordinations- und Kräftigungsübungen
      • Frequenz und Dauer: 2–3 ×/Woche über mind. 30 min
  • Weitere

Bewegung ist wesentlicher Bestandteil der Therapie!

Zahlreiche Verfahren wie Massage, Kältekammertherapie, Chirotherapie oder TENS sollen bei FMS nicht empfohlen werden!

Psychotherapeutische Verfahren

Komplementäre und weitere Verfahren

Medikamentöse Therapie [1][8]

Medikamentöse Therapieoptionen beim Fibromyalgiesyndrom [1][8]
Wirkstoff Dosierung Indikationen/Besonderheiten
1. Wahl Milnacipran 100–200 mg/d [8]
Duloxetin 60–120 mg/d [8]
Pregabalin 300–450 mg/d [8]
2. Wahl Amitriptylin 25–50 mg/d [8]
3. Wahl Quetiapin 50–300 mg/d [8]

In Deutschland ist kein Medikament explizit zur Therapie des FMS zugelassen. Der zeitlich befristete Einsatz bestimmter Medikamente erfolgt im Rahmen eines Gesamttherapiekonzepts zur Behandlung chronischer Schmerzen oder komorbider psychischer Erkrankungen!

Starke Opioide sollen zur Therapie des FMS nicht eingesetzt werden! Es besteht keine Indikation und die Gefahr einer opiatinduzierten Hyperalgesie. Auch andere Substanzklassen wie Anxiolytika, Hypnotika, NSAR, Muskelrelaxanzien und Cannabinoide werden nicht empfohlen!

Kinder und Jugendlichetoggle arrow icon

Definition

Da für Kinder und Jugendliche bislang keine validierten Definitionskriterien eines juvenilen Fibromyalgiesyndroms existieren, sollte die Diagnose (M79.7) in dieser Altersgruppe nicht verwendet werden!

Epidemiologie

  • Prävalenz: <1% (im Alter von 8–15 Jahren)
  • Geschlechterverteilung: >

Ätiologie

  • Ursachen: Weitgehend unbekannt
  • Mögliche Einflussfaktoren
    • Familiär
    • Weitere (im Vorfeld)
      • Kopf- und Bauchschmerzen
      • Verhaltensauffälligkeiten
      • Vermehrte sportliche Aktivität

Klinisches Bild

Bei einer chronischen Schmerzstörung in mehreren Körperregionen mit somatischen und psychischen Faktoren ist ein wechselhafter Verlauf mit symptomarmen/-freien Intervallen typisch!

Diagnostik

Differenzialdiagnosen

Therapie

Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen (ohne relevante Komorbiditäten) sollten nicht medikamentös behandelt werden!

Prognosetoggle arrow icon

  • Keine erhöhte Mortalität
  • Krankheitsverlauf: Oft chronisch und fluktuierend

Patienteninformationentoggle arrow icon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • M79.-: Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes, anderenorts nicht klassifiziert
    • Exklusive: Psychogene Schmerzen im Weichteilgewebe (F45.40)
    • M79.7-: Fibromyalgie (0)
      • Fibromyositis
      • Fibrositis
      • Juvenile Fibromyalgie
      • Myofibrositis

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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