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Nebenniere

Letzte Aktualisierung: 9.5.2022

Abstracttoggle arrow icon

Die Nebennieren sind endokrine Drüsen, die den Nieren aufliegen und an der Bildung lebenswichtiger Hormone beteiligt sind. In der Rinde entstehen Cortisol, das z.B. den Blutzuckerspiegel erhöhen kann, Aldosteron, welches den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers über die Nieren reguliert, und in geringem Maße Androgene. Im Nebennierenmark wird wiederum das Stresshormon Adrenalin gebildet, das der Aufrechterhaltung des Kreislaufs in Stresssituationen dient. Übrigens findest du auch eine Histo-Trainer-Folge zur Nebenniere als Teil der Episode zu den endokrinen Organen im Abschnitt mikroskopische Anatomie der Nebenniere.

Steckbrief

  • Funktion: Biosynthese und Sekretion der Steroidhormone (Rinde) und Katecholamine (Mark)
  • Lage: Auf dem oberen Nierenpol
  • Form: Rechts dreieckig, links halbmondförmig
  • Größe: Ca. 5 cm lang und dick, ca. 1–2 cm breit

Aufbau

Die Nebenniere ist von einer zarten Bindegewebskapsel umgeben. Makroskopisch wird sie in Mark und Rinde unterteilt, wobei die Rinde den Großteil des Organs ausmacht.

Topografie

Die Nebennieren sitzen auf den oberen Nierenpolen und haben eine primär retroperitoneale Lage. Sie befinden sich innerhalb der renalen Fettkapsel.

Lagebeziehungen

Gefäßversorgung und Innervation

Leitungsbahnen der Nebennieren
Gefäßversorgung
Arteriell
Venös
Innervation der Nebennieren
Sympathisch
Parasympathisch
Lymphabfluss der Nebennieren
Regionäre Lymphstationen

Die linke Nebennierenvene mündet in die linke Nierenvene, die rechte Nebennierenvene mündet hingegen direkt in die Vena cava inferior!

Besonderheiten der Durchblutung

Die Nebennieren werden stark durchblutet, um einen schnellen Übertritt der Hormone ins Blut zu gewährleisten. Das Blut fließt dabei aus der Rinde ins Mark, sodass das Mark hohen Konzentrationen von Nebennierenrindenhormonen ausgesetzt ist.

  • Hohe Durchblutung der Nebennierenrinde → Ermöglicht schnellen Übertritt der Hormone ins Blut
  • Sinusoide fließen aus der Rinde ins Mark → Hohe Konzentrationen von Rindenhormonen (vor allem Cortisol) stimulieren Katecholaminausschüttung im Mark

Nebennierenrinde

Die Nebennierenrinde setzt sich aus drei Zonen zusammen, die sich in der Anordnung ihrer Zellen und den produzierten Hormonen unterscheiden. Histologisch weisen die Epithelzellen der Nebennierenrinde typische Merkmale Steroidhormon-produzierender Zellen (bspw. Cholesterinspeicher und ausgeprägtes glattes ER) auf.

Schichten der Nebennierenrinde (von außen nach innen)
Schicht Hormonbildung Zellanordnung Gemeinsame zelluläre Merkmale
Zona glomerulosa
  • Knäuelartig
Zona fasciculata
  • Strangartig
Zona reticularis
  • Netzartig

Der lateinische Begriff für die Anordnung der Zellen verleiht den Zonen der Nebennierenrinde ihre Namen: glomerulosa (= knäuelartig), fasciculata (= strangartig) und reticularis (= netzartig)!

"Salt, sugar, sex, the deeper you go, the better it gets!"

  • "Salzig" außen
  • "Zucker" in der Mitte
  • "Sex" innen

Nebennierenmark

Das Nebennierenmark besteht aus modifizierten zweiten Sympathikusneuronen, die von ersten Sympathikusneuronen des Rückenmarks über cholinerge Synapsen innerviert werden. Die Aufgabe der Nebennierenmarkzellen besteht wie bei postganglionären sympathischen Neuronen in der Katecholaminproduktion.

Bei den Zellen des Nebennierenmarks handelt es sich um modifizierte zweite Sympathikusneurone, die durch cholinerge Synapsen innerviert werden!

Histo-Trainer zur Nebenniere

Cholesterin ist die Ausgangssubstanz aller in der Nebennierenrinde produzierten Hormone und besitzt ein Sterangerüst. Dieses verleiht den Rindenhormonen ihren Namen: Steroidhormone. Aufgrund ihres lipophilen Charakters sind sie membrangängig und entfalten ihre Wirkung intrazellulär durch die Beeinflussung der Transkription. Das Sterangerüst (C17H28) besteht aus drei sechsgliedrigen und einem fünfgliedrigen Ring.

Übersicht über die Steroidhormone der Nebennierenrinde
Nebennierenhormone (= Corticosteroide) Wichtigste Vertreter Ort der Synthese Wirkung
Mineralocorticoide

Glucocorticoide

Androgene

"GFR, von außen nach innen" (G = Zona glomerulosa, F = Zona fasciculata, R = Zona reticularis).

Grundlagen der Steroidhormonsynthese

Bei der Steroidhormonsynthese ist der gemeinsame Vorläufer aller Steroidhormone das Cholesterin. Es ist in Form von Lipidtröpfchen aus Cholesterinestern in den Zellen der Nebennierenrinde gespeichert. Erst die Veresterung macht die Speicherung möglich, da sonst das lipophile Cholesterin durch die Zellwände diffundieren könnte. Durch Hydrolyse kann das Cholesterin aus den Cholesterinestern rückgewonnen werden. Die Synthesewege der verschiedenen Steroidhormone (Mineralo- und Glucocorticoide sowie Androgene) trennen sich nach einigen gemeinsamen Grundreaktionen.

  • Gemeinsame Grundreaktion der Steroidhormonsynthese: Umwandlung von Cholesterin zu Pregnenolon
  • Schlüsselenzym: Cholesterindesmolase
  • Prinzip: Entfernung der Seitenkette mit 6 C-Atomen zwischen den C-Atomen 20 und 22 des CholesterinsHierbei wird die Seitenkette C22 bis C27 oxidativ abgespalten

Mineralocorticoide gehören zur Gruppe der Steroidhormone und werden in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde synthetisiert. Ihr wichtigster Vertreter ist Aldosteron, das der Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts dient und sich damit vor allem auf den Blutdruck auswirkt.

Aldosteronsynthese

Syntheseschritte

Die Aldosteronsynthese erfolgt über zahlreiche Zwischenschritte. An dieser Stelle wird nur auf die relevanten Schritte eingegangen.

Aldosteronbiosynthese
Reaktionsschritt

Substrat

Enzym Produkt
1. Oxidation und Umlagerung der Doppelbindung
  • 3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase
2. Hydroxylierung
  • 21-Hydroxylase
  • 11-Desoxycorticosteron (21 C)
3. 18-Hydroxylierung, 11-β-