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Schmalkomplextachykardie - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 8.6.2026

Grundlagentoggle arrow icon

Definition [1]

  • Tachykardie (HF >100/min) mit schmalen QRS-Komplexen (≤120 ms)
  • Ursprungsort im Regelfall supraventrikulär (innerhalb oder oberhalb des His-Bündels)

Schmalkomplextachykardien sind im Regelfall supraventrikuläre Tachykardien!

Therapieprinzipien [1]

  • Hämodynamisch instabil: Elektrische Kardioversion
  • Hämodynamisch stabil: Beurteilung der Regelmäßigkeit (regelmäßige oder unregelmäßige Schmalkomplextachykardie)

Hämodynamisch instabile Schmalkomplextachykardien werden ohne weitere diagnostische Differenzierung elektrisch kardiovertiert!

Initiales Vorgehentoggle arrow icon

Akutmaßnahmen [1][2][3]

Insb. bei hochfrequenter Schmalkomplextachykardie und bei kardiovaskulär Vorerkrankten besteht das Risiko einer hämodynamischen Beeinträchtigung!

Anamnese

  • Alter, Vorerkrankungen, vorherige Tachykardie-Episoden, Medikation
  • Aktuelle Episode
    • Trigger
    • Beginn und Verlauf
    • Assoziierte Symptome

Schmalkomplextachykardien sind potenziell bedrohliche Krankheitsbilder, deren klinisches Spektrum vom (asymptomatischen) Zufallsbefund bis zum kardiogenen Schock und plötzlichen Herztod reicht!

Weiterführende Diagnostiktoggle arrow icon

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Regelmäßige Schmalkomplextachykardien

Differenzialdiagnostik regelmäßiger Schmalkomplextachykardien
Diagnose Anamnestische Hinweise Diagnostische Hinweise und Besonderheiten Therapie
Physiologische oder symptomatische Sinustachykardie
  • Möglichst kausal (Therapie der Trigger/Grunderkrankung)
  • Medikamentös (symptomatisch): Betablocker
Inadäquate Sinustachykardie (selten)
  • Allmählicher Beginn der Tachykardie
  • Auftreten ohne adäquaten (physiologischen oder pathologischen) Stimulus
  • Vorwiegend junge Frauen betroffen
  • Primär: Lebensstilveränderung
  • Medikamentöse Therapie zurückhaltend
Sinusknoten-Reentry-Tachykardie (selten)
Posturales orthostatisches Tachykardie-Syndrom (POTS)
  • Primär: Lebensstilveränderung
  • Medikamentöse Therapie
Vorhofflattern
  • Risikofaktoren: Kardiale Vorerkrankungen, höheres Alter, männliches Geschlecht
  • EKG
    • Durchgehend regelmäßige Vorhofaktivität mit monomorphen Flatterwellen
    • Orientierung: Vorhoffrequenz (Flatterfrequenz) meist 250–350/min
  • Adenosin bei unklarer Diagnose
AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT)
Junktionale ektope Tachykardie (JET)
  • Risikofaktoren: Kardiale Vorerkrankungen (selten kongenital)
  • EKG: Retrograde p-Wellen mit kurzem RP-Intervall oder AV-Dissoziation
Orthodrome AV-Reentry-Tachykardie (AVRT)
  • Risikofaktoren: Etwas häufiger bei Männern , familiär erhöhtes Risiko
  • Tachykardie-Episoden meist abrupt beginnend und endend
  • EKG
    • Retrograde p-Wellen
    • Ventrikelfrequenz meist 150–250/min
  • Ruhe-EKG: Akzessorische Leitungsbahn nur manifest bei antegrader Leitungsfähigkeit
Ektope atriale Tachykardien [8]
  • EKG
    • Monomorphe, vom Sinusrhythmus abweichende p-Wellen
    • Isoelektrische Linie vorhanden
    • Vorhoffrequenz meist 120–250/min
    • Meist atrioventrikuläre 1:1-Übertragung
  • Ggf. Digitalis-Spiegel bestimmen!

Unregelmäßige Schmalkomplextachykardien

Differenzialdiagnostik unregelmäßiger Schmalkomplextachykardien
Diagnose Anamnestische Hinweise Diagnostische Hinweise und Besonderheiten Therapie
Vorhofflimmern
Multifokale atriale Tachykardie
  • Risikofaktoren: Kardiale Vorerkrankungen , Theophyllin-Therapie, Hypomagnesiämie
  • EKG
    • Unregelmäßige, polymorphe p-Wellen
    • Isoelektrische Linie vorhanden
    • Meist allmählicher Beginn
    • Meist atrioventriuläre 1:1-Übertragung mit Ventrikelfrequenz 100–150/min
  • Ausschluss Hypomagnesiämie
Supraventrikuläre Extrasystolen
  • Im Allgemeinen harmlos und ohne Krankheitswert
  • Meiden/Behandlung von Triggern
  • In Einzelfällen bei hohem Leidensdruck medikamentöse Therapie
Sonderfall: Inkonstante AV-Überleitung

Patienteninformationentoggle arrow icon

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