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Neuroblastom

Letzte Aktualisierung: 27.7.2021

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Das Neuroblastom ist ein maligner Tumor des sympathischen Nervensystems und nach ZNS-Tumoren der häufigste maligne solide Tumor im Kindesalter. Der Tumor entstammt den Zellen der Neuralleiste und kann in allen Geweben auftreten, in denen sich Ansammlungen von sympathischen Nervenzellen befinden, also bspw. im Nebennierenmark, im Grenzstrang oder in den Paraganglien (z.B. Glomus caroticum). Die Klinik ist entsprechend abhängig von der Lokalisation der Tumoren, deren spontane Regression samt begleitender Metastasen nicht selten beobachtet wird. Zumeist befinden sich die Primärtumoren aber im Abdomen und fallen durch unspezifische Bauchschmerzen und Vorwölbung des Abdomens auf. Bei der Diagnostik ist die Bestimmung der Vanillinmandelsäure im Urin wichtig. Die Therapie richtet sich nach dem Alter des Kindes und dem Stadium der Erkrankung. Die Prognose kann je nach Stadium sehr gut sein.

Maligner Tumor des sympathischen Nervensystems, der aus Zellen der Neuralleiste entstammt

  • Nach ZNS-Tumoren häufigster maligner solider Tumor im Kindesalter
  • Mittleres Erkrankungsalter: 2 Jahre
  • Bei 50% der Betroffenen liegt zum Diagnosezeitpunkt ein Stadium 4 vor

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Unklar
  • Amplifikation des Onkogens N-myc trägt zu einer Vergrößerung des Neuroblastoms bei

Histologische Einteilung der Malignitätsgrade nach Hughes

  • Grad 1: Mix aus undifferenzierten Zellen und reifen Ganglienzellen
  • Grad 2: Unreife Zellen zusammen mit einigen ausreifenden Ganglienzellen
  • Grad 3: Undifferenzierte Zellen, gelegentlich Rosettenbildung

Allgemeinsymptome

Lokalisierte Symptomatik (je nach Lage des Tumors)

Lokalisation Leitsymptome
  • Hals
  • Orbitainfiltration
  • Lidekchymosen
  • Thorakaler Tumor (ca. 20%)
  • Abdomen (>60%)
  • Knochenschmerzen

Klinische Stadien nach Evans

  • Stadium 1: Tumor auf Ursprungsorgan begrenzt
  • Stadium 2a: Infiltration der Umgebung ohne Überschreitung der Mittellinie ohne Lymphknotenbefall
  • Stadium 2b: Infiltration der Umgebung ohne Überschreitung der Mittellinie mit ipsilateralem Lymphknotenbefall
  • Stadium 3: Überschreiten der Mittellinie
  • Stadium 4: Metastasierung in andere Organe sowie Fernlymphknoten
  • Stadium 4S: Lokalisierter Primärtumor bei Säuglingen im ersten Lebensjahr, der in Haut, Leber und/oder Knochenmark metastasiert, allerdings nicht in die Knochen (Prognose besser als bei Stadium 4); nicht selten spontane Rückbildung

Klinische Chemie

  • Urin: Katecholaminabbauprodukte (v.a. Vanillinmandelsäure, Homovanillinsäure) im 24-h-Sammelurin↑
  • Blut

Apparative Diagnostik

  • Röntgen-Thorax
  • CT bzw. MRT zum Ausschluss eines Sanduhrtumors
  • Sono-Abdomen
  • MIBG-Szintigrafie
  • Knochenmarkpunktion zum Ausschluss von Knochenmarkinfiltration

Histopathologie

  • Untersuchung des Gewebes nach übermäßiger Expression des N-myc-Onkogens

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Durchführung immer nach Therapiestudie!

Abhängig vom Alter des Kindes und Krankheitsstadium

Bei Sanduhrtumoren sofortige Operation wegen Gefahr der Querschnittslähmung indiziert!

Weitere postoperative Therapiemöglichkeiten

  • 131I-MIBG-Therapie
  • Knochenmarktransplantation in Remission
  • Je niedriger das Tumorstadium zum Behandlungszeitpunkt, desto besser die Prognose
    • Stadium 1 und 2 >90% Heilungsrate
    • Stadium 3 und 4S ca. 60–70% Heilungsrate
    • Stadium 4 10–20% Überlebenschance
  • Je älter das Kind bei Tumorentdeckung, desto schlechter die Prognose
  • Eine hohe LDH ist mit einem schlechten Outcome assoziiert

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Sitzmann: Duale Reihe Pädiatrie. 3. Auflage Thieme 2006, ISBN: 978-3-131-25332-3 .
  2. Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. 2. Auflage Urban & Fischer 2003, ISBN: 978-3-437-43200-2 .
  3. Heinrich, Schäffer: Kinderchirurgie. 1. Auflage Zuckschwerdt 2008, ISBN: 978-3-886-03942-5 .
  4. Koletzko: Pädiatrie. 13. Auflage Springer 2007, ISBN: 978-3-540-48632-9 .