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Paronychie und Panaritium

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

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Die Paronychie ist eine Entzündung des Nagelwalls, die sich zu einem Panaritium mit eitriger Entzündung des den Nagel umgebenden Gewebes entwickeln kann. Ein Panaritium kann sich allerdings auch ohne vorhergehende Paronychie infolge von Bagatellverletzungen bilden, die durch Keimeinwanderung und -besiedlung zu einer eitrigen Entzündung führen.

Klinisch zeigen sich eine schmerzhafte Schwellung und eine Rötung des betroffenen Areals, ggf. mit Eitersekretion. Kommt es zur Ausdehnung in tiefere Strukturen und Sehnenscheiden, kann dies zu einer schnellen Fortleitung der Entzündung mit Ausbildung einer sog. V-, Hohlhand- oder Unterarmphlegmone kommen. Bei fortgeschrittenen Befunden ist auch eine systemische Infektion bis hin zur Sepsis möglich.

Therapeutisch kann bei sehr kleinen, nicht-abszedierenden Befunden ein konservativer Therapieversuch durchgeführt werden. Meist ist jedoch ein chirurgisches Vorgehen zur Abszessentlastung und Spülung indiziert, das zusätzlich immer von einer Antibiotikatherapie flankiert wird.

  • Paronychie (Nagelwallentzündung): Entzündung des Nagelwalls, evtl. mit nachfolgender eitriger Einschmelzung (= Panaritium parunguale)
  • Panaritium: Lokalisierte, eitrig-einschmelzende Entzündung im Bereich der Finger oder (seltener) Zehen .

  • Auftreten [2]
    • Meist akut
    • Bei Nagelaffektion chronischer oder rezidivierender Verlauf
  • Initialsymptomatik: Pulsierender Schmerz, Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schonhaltung
  • Bei fortgeschrittenen Infektionen: Systemische Beteiligung möglich mit Fieber, Schüttelfrost, Entzündungsparameter↑, septisches Bild

  • Anamnese mit passenden Risikofaktoren und/oder Berufsausübung [1][2]
  • Klinik
  • Ggf. Labor mit erhöhten Entzündungsparametern bei systemischer Infektion
  • Ggf. Abstrich bei rezidivierenden oder persistierenden Symptomen
  • Ggf. Bildgebung, bspw. Röntgen Vorfuß in zwei Ebenen oder MRT zum Ausschluss ossärer Beteiligung

Konservative Therapie [1][2]

Chirurgische Sanierung [1][2]

Überprüfung des Tetanusschutzes! Insbesondere bei vorangegangenen Verletzungen als Ursache des Panaritiums

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  2. Harrasser et al.: Facharztwissen Orthopädie Unfallchirurgie. Springer 2016, ISBN: 978-3-662-44463-4 .
  3. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  4. S2k-Leitlinie Staphylococcus aureus bedingte Infektionen der Haut und Schleimhäute, Diagnostik und Therapie. Stand: 1. April 2011. Abgerufen am: 20. Februar 2017.
  5. Bühren, Marzi: Checkliste Traumatologie. Thieme 2011, ISBN: 978-3-135-98107-9 .