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Abdominelle Zugänge und Bauchdeckenverschluss

Letzte Aktualisierung: 14.3.2024

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die anatomische Kenntnis der Bauchdecke ist bei der Wahl eines chirurgischen Zugangs ebenso essenziell wie bei der Trokarplatzierung für minimalinvasive Eingriffe. Zu berücksichtigen sind Verläufe von Muskeln, Sehnen, großen Gefäßen und Nerven sowie die Elastizität der Haut. Starke Blutungen entstehen bspw. durch eine Verletzung der epigastrischen Gefäße, die mit der A. epigastrica superior und inferior vor dem M. rectus abdominis anastomosieren. Für große Eingriffe gibt es meist standardisierte Zugangswege, deren Kenntnis im chirurgischen Arbeitsumfeld vorausgesetzt wird. Insb. bei kleineren Eingriffen werden dagegen individuelle Zugangswege festgelegt. Für eine optimale Wundheilung existieren verschiedene Theorien, u.a. zu Hautspalt- und Hautfaltenlinien.

Für den Bauchdeckenverschluss gibt es mittlerweile validierte, einheitliche Empfehlungen, die im klinischen Alltag jedoch nur teilweise umgesetzt werden. Die Bauchdecke wird schichtweise verschlossen, beginnend mit der Faszie, da eine Peritonealnaht inzwischen als obsolet gilt. Die bevorzugte Verschlusstechnik beim Faszienverschluss ist die sog. Small-Bite-Technik. Bei medianen Laparotomien sollte dabei kein Muskelgewebe erfasst werden, wohingegen bei anderen Zugangswegen ggf. eine separate Muskelnaht notwendig ist. Zur Verstärkung der Bauchwand kann außerdem Fremdmaterial eingebracht werden, u.a. Kunststoffnetze. Die Subkutannaht ist optional, kann allerdings die Stabilität verbessern und die Höhlenbildung verhindern. Zum Hautverschluss dienen verschiedene Nahttechniken, Klammernaht, Tapeverbände oder Cyanoacrylatklebstoffe. Ist ein offenes Abdomen indiziert oder ein primärer Bauchdeckenverschluss nicht möglich, kann die Bauchdecke auch temporär verschlossen werden. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte dies jedoch so kurz wie möglich andauern.

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Anatomische Grundlagentoggle arrow icon

Die Bauchwand bildet die äußere Begrenzung der Bauch- und Beckenhöhle mit den enthaltenen Organen. Sie besteht hauptsächlich aus einer zirkulären Muskel-Sehnen-Platte, was eine Anpassung an wechselnde Volumina der Organe infolge von Nahrungsaufnahme, Schwangerschaft etc. ermöglicht. Die Grenze zwischen Brust- und Bauchhöhle ist die untere Thoraxapertur. Im Gegensatz zur Brustwand hat die Bauchwand einen weniger ausgeprägten segmentalen Aufbau. Gemeinsam bilden Brust- und Bauchwand die vordere Rumpfwand.

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Schichten der Bauchwandtoggle arrow icon

Haut [1][2][3]

  • Kutis: Obere Hautschicht
  • Subkutis: Untere Hautschicht
    • Synonym: Tela subcutanea
    • Aufbau: Subkutanes Fettgewebe , durchsetzt von Bindegewebszügen mit Hautnerven und -gefäßen
  • Hautlinien: Einteilung bspw. nach anatomischen, histologischen oder funktionellen Aspekten
    • Zahlreiche, teilweise widersprüchliche Beschreibungen
    • Grundlegende Kenntnis für chirurgische Schnittführung wichtig

Hautspaltlinien [1][4][5]

Hautspaltlinien haben eine gewisse inter- und intraindividuelle Variabilität!

Hautfaltenlinien (Wrinkle Lines, Main Folding Lines) [2]

Weitere Hautlinien [6]

  • Blaschko-Linien
    • Definition: Linien, die dem Verlauf der ektodermalen Zellen bei der embryonalen Auswanderung entsprechen
    • Besonderheit: Einige kongenitale Dermatosen verlaufen entlang dieser Linien
  • Relaxed Skin Tension Lines (RSTL): Verlauf der Hautfalten bei entspannter Haut, senkrecht zu den Hautfaltenlinien, wie sie durch den Hautfalten-Kneif-Test dargestellt werden können
  • Beugungslinien (Flexion Lines): Hautfalten, die bei der Flexion von Gelenken entstehen

Fascia abdominis superficialis [7][8][9]

  • Synonyme: Lamina profunda strati subcutanei, oberflächliche Bauchfaszie
    • Oberflächliches Blatt: Fascia subcutanea bzw. Camper-Faszie bzw. Panniculus adiposus abdominis
    • Tiefes Blatt: Scarpa-Faszie
  • Definition: Dünne Bindegewebsschicht, die das subkutane Fettgewebe zur Tiefe hin begrenzt
    • Nach ventral: Reicht bis in die Bindegewebszüge der Subkutis
    • Nach dorsal: Teils verbunden mit der oberflächlichen Muskelfaszie (Aponeurose des M. obliquus externus abdominis)
    • Nach kranial: Geht über in die Fascia pectoralis
    • Nach kaudal: Geht über in die Fascia cribrosa (oberflächliche Oberschenkelfaszie)

Bauchwandmuskeln [7][10][11]

Vordere Bauchwandmuskeln

Vordere Bauchwandmuskeln
Muskel Funktion Verlauf Arterielle Versorgung Innervation
M. rectus abdominis
  • Ursprung: Knorpel der Rippen 5–7 und Proc. xiphoideus, Ligg. costoxiphoidea
  • Ansatz: Kranialer Rand des Schambeins
  • Rr. ventrales von Th7–Th12
M. pyramidalis

Seitliche Bauchwandmuskeln

Seitliche Bauchwandmuskeln
Muskel Funktion Verlauf Arterielle Versorgung Innervation
M. transversus abdominis
Verschiebeschicht
M. obliquus internus abdominis
Verschiebeschicht
M. obliquus externus abdominis
  • Ventrale Äste von Th5–Th12, manchmal auch L1

Hintere Bauchwandmuskeln

Hintere Bauchwandmuskeln
Muskel Funktion Verlauf Arterielle Versorgung Innervation
M. quadratus lumborum
M. psoas major

Fascia transversalis [4][7][8]

Fascia propria bzw. extraperitoneales Fett [3]

Peritoneum parietale [10] [7]

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Bindegewebige Grenzstrukturentoggle arrow icon

Rektusscheide (Vagina m. recti abdominis) [7][9]

Linea alba [4][7]

  • Definition: Sehnenstreifen in der Mitte der Bauchwand
  • Entstehung: Verflechtung der Aponeurosen der seitlichen Bauchmuskeln
  • Verlauf: Von der Symphyse zum Proc. xiphoideus sterni (Länge ca. 35–40 cm)
    • Kranialer Abschnitt (Breite ca. 1,7 cm) mit sagittaler und frontaler Durchkreuzung von Aponeurosefasern
    • Breitester Punkt auf Höhe des Bauchnabels (Breite ca. 2,2 cm)
    • Kaudaler Abschnitt (Breite ca. 0,6 cm) mit rein frontaler Durchkreuzung von Aponeurosefasern

Linea arcuata

Linea semilunaris (Spieghel-Linie) [7]

Am Kreuzungspunkt von Linea arcuata und Linea semilunaris kann die sog. Spieghel-Hernie auftreten!

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Leitungsbahnen der Rumpfwandtoggle arrow icon

Arterielle Versorgung der Rumpfwand [11][13]

Arterielle Versorgung der Brustwand [8][14][15]

Tiefe Arterien der Brustwand

Die tiefen Arterien der Brustwand entspringen entweder aus der A. subclavia oder aus der Aorta thoracica!

Oberflächliche Arterien der Brustwand

Die oberflächlichen Arterien der Brustwand entspringen entweder aus der A. axillaris oder aus der A. thoracica interna!

Arterielle Versorgung der Bauchwand [8][16]

Tiefe Arterien der Bauchwand

Die tiefen Arterien der Bauchwand entspringen entweder direkt aus der Aorta, aus der A. thoracica interna oder aus der A. iliaca externa bzw. interna!

Oberflächliche Arterien der Bauchwand

Die oberflächlichen Arterien der Bauchwand entspringen entweder aus der A. thoracica interna oder aus der A. femoralis!

Zoneneinteilung der arteriellen Durchblutung der Bauchwand (nach Huger) [17][18]

Venöse Versorgung der Rumpfwand [8][14][15]

Venöse Ableitung der Brustwand [15][19]

Tiefe Venen der Brustwand

Die tiefen Venen der Brustwand münden entweder in die V. brachiocephalica, in die V. thoracica interna oder direkt in die V. azygos und V. hemiazygos!

Oberflächliche Venen der Brustwand

Die oberflächlichen Venen der Brustwand münden entweder in die V. axillaris oder in die V. thoracica interna!

Venöse Ableitung der Bauchwand

Tiefe Venen der Bauchwand

Die tiefen Venen der Bauchwand drainieren entweder nach dorsal in die V. azygos bzw. hemiazygos, nach kranial in die V. thoracica interna oder nach kaudal in die V. femoralis oder V. iliaca externa!

Oberflächliche Venen der Bauchwand

Die oberflächlichen Venen der Bauchwand münden entweder nach kranial in die V. thoracica interna oder nach kaudal in die V. femoralis oder V. iliaca externa!

Innervation der Rumpfwand [8][11][14][15]

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Abdominelle Zugängetoggle arrow icon

Im Folgenden wird der offene Zugang beschrieben. Für Zugangswege laparoskopischer Operationen bzw. Trokarplatzierung siehe: Laparoskopische Chirurgie.

Allgemeine Durchführung

Hautschnitt

Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie) [4][10][20][21]

Eröffnung des Peritoneum parietale [10]

  • Durchführung: Präparation mit Schere oder Skalpell [4]
  • Zu beachten
    • Adhäsionen: Darmschlingen können fest mit dem Peritoneum verbunden sein
    • Verlauf der Peritonealduplikaturen, teils mit Gefäßen

Spezielle Schnittführung bei abdominellen Zugängen [20][22][23]

Mediane Laparotomie [4][10][21]

  • Indikation: Insb. Notfalloperationen und explorative Eingriffe, kolorektale Eingriffe
  • Schnittführung: Längsinzision entlang der Medianebene
    1. Vertikaler Schnitt der Haut mit Linksumschneidung des Bauchnabels
    2. Vertikaler Schnitt durch das Subkutangewebe bis auf die Faszie
    3. Blutstillung aus subkutanen Gefäßen mittels Naht, Ligatur oder punktförmigen Elektrokoagulationen
    4. Vertikale Inzision der Faszie im Bereich der Linea alba bis auf das Peritoneum
    5. Eröffnung des Peritoneums
  • Betroffene Leitungsbahnen: Subdermaler Plexus der perforierenden Gefäße aus der tiefen epigastrischen Arkade
  • Vorteile
    • Schnelle Ausführung
    • Gute Übersicht über die Bauchhöhle
    • Geringer Blutverlust, keine Verletzung von (relevanten) Leitungsbahnen oder Muskeln
    • Verlängerung von initial kleineren Inzisionen möglich
    • Anlage eines Stomas oder von Drainagen gut möglich
  • Nachteile
    • Geringe Reißfestigkeit der Naht oberhalb des Bauchnabels
    • Höheres Risiko für postoperative Narbenhernien und stärkere postoperative Schmerzen als bei querer Laparotomie

Quere Laparotomie [4][10][20][21]

Die quere Laparotomie hat gegenüber der medianen Laparotomie viele Vorteile für Patient:innen! [4]

Vertikaler Transrektalschnitt [4][10][20]

Vertikaler Pararektalschnitt [4][10]

Rippenbogenrandschnitt (subkostale Laparotomie) [4][10][20]

Wechselschnitt [4][7][10][20]

Verlängerter Wechselschnitt [7][10]

Pfannenstielschnitt (suprasymphysärer Querschnitt) [10]

Kostoumbilikalschnitt (kombinierter Schnitt) [4][20][21]

  • Indikation: Eingriffe im Bereich der Aorta abdominalis, außerdem je nach Seite der Schnittführung
  • Schnittführung: Supraumbilikale Längslaparotomie mit schräger Verlängerung zum Rippenbogen
  • Betroffene Leitungsbahnen: Subdermaler Plexus der perforierenden Gefäße aus der tiefen epigastrischen Arkade, ggf. segmentale interkostale Arterien
  • Vorteile
    • Gute Übersicht
    • Keine Durchtrennung von Leitungsbahnen
    • Geringe postoperative Schmerzen
    • Geringes Risiko für Narbenhernien
  • Nachteile
    • Zeitaufwändige Ausführung
    • Großes Zugangstrauma

Sternförmiger Schnitt (kombinierter Schnitt) [4]

  • Indikation: Komplexe Hepatektomie
  • Schnittführung: Querlaparotomie mit medianer Erweiterung nach kranial
  • Betroffene Leitungsbahnen: Ggf. eine oder beide epigastrische Arkaden, ggf. segmentale interkostale Arterien
  • Vorteile
    • Gute Übersicht über den Oberbauch
    • Inzisionen sind verlängerbar
  • Nachteile
    • Durchtrennung von Leitungsbahnen und Muskeln notwendig
    • Erhöhtes Risiko für Narbenhernien

L-Schnitt (kombinierter Schnitt) [4]

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Primärer Bauchdeckenverschlusstoggle arrow icon

Allgemeine Prinzipien [4]

  • Möglichst evidenzbasiertes Vorgehen , bspw. ist die Peritonealnaht mittlerweile obsolet [4]
  • Maßnahmen zur Qualitätssicherung, bspw. Anwendung von Checklisten vor dem Bauchdeckenverschluss
  • Parameter für ein gutes kosmetisches Ergebnis und zur Vermeidung von Komplikationen
    • Reißfestigkeit der Naht: Richtige Fadenspannung, stabile Nahtlager
    • Maximaler Funktionserhalt: Gute Adaptation, Verträglichkeit der eingebrachten Fremdmaterialien
    • Minimale Beeinträchtigung der Durchblutung: Richtige Fadenspannung, ausreichendes (aber sparsames) Fassen der richtigen Schichten

Vor dem Bauchdeckenverschluss werden Textilien und Instrumente gezählt und auf Vollständigkeit überprüft, sowie der Zählstand dokumentiert! [24]

Verschluss der Bauchdecke nach Schichten

Fasziennaht

  • Indikation: Jede Inzision >1 cm
  • Material: Langsam resorbierbarer Faden
  • Durchführung
    • Präparation der Linea alba vor Inzision: Befreiung von subkutanem Fett [25], Dissektion des Bauchnabels [7]
    • Greifen der Faszie mit chirurgischer Pinzette (vorderes und hinteres Faszienblatt, ggf. Mitfassen des Peritoneums) bzw. getrenntes Fassen von vorderer und hinterer Rektusscheide [10] [24]
    • Wundlänge <1/5 der Fadenlänge: Naht mit einem Faden
      • Erster Stich ca. 1 cm kranial des Wundrandes
      • Dann fortlaufende Naht mit einem Stichabstand von 4–5 mm
      • Am Ende: 6–8 gegenläufige Knoten
    • Wundlänge >1/5 der Fadenlänge: Naht mit zwei Fäden, jeweils vom Wundrand aus
      • Erster Faden: Stich ca. 1 cm kranial des Wundrandes, dann fortlaufende Naht mit einem Stichabstand von 4–5 mm von kranial bis zur Wundmitte
      • Zweiter Faden: Stich ca. 1 cm kaudal des Wundrandes, dann fortlaufende Naht mit einem Stichabstand von 4–5 mm von kaudal zur Wundmitte (Überlappung ca. 2 Stichlängen mit der kranialen Naht)
      • 6–8 gegenläufige Verknotungen der Fäden miteinander oder einzeln
  • Vorteile: Einfache Technik, schnelle Ausführung, geringer Materialbedarf [4]
  • Nachteile: Stabilität basiert nur auf dem Fadenmaterial [4]
Techniken des Faszienverschlusses [7]
Small-Bite-Technik/Short-Stitch-Technik Large-Bite-Technik/Long-Stitch-Technik [7]
Nahtmaterial
  • Monofil
  • Langsam resorbierbar
  • Fadenstärke 0 oder 2–0
  • Feine Nadel
Nahttechnik
  • Isoliert nur die Aponeurose fassend
  • Fortlaufend
  • Adaptierender Zug auf Nahtlager in Nahtrichtung [25]
  • Allschichtig (kombinierte Muskel- und Fasziennaht) [25]
  • Fortlaufend
  • Adaptierender Zug auf Nahtlager
Stiche
  • Abstand des ersten Stiches zur Wunde >1 cm
  • Stichabstand 4–5 mm
  • Wundrandabstand 5–8 mm
  • Stichlänge ≤2,5 cm
  • Abstand des ersten Stiches zur Wunde >1 cm
  • Stichabstand 1 cm
  • Wundrandabstand 1 cm
  • Stichlänge ≤5 cm
Verhältnis Fadenlänge/Wundlänge
  • ≥5:1
  • ≥4:1
Empfohlene Dokumentation
  • Leistungsindikatoren: Wundlänge, Stichanzahl, Nahtlänge (Fadenlänge minus Restfaden) [25]

Laut Studienlage 2023 ist die Small-Bite-Technik die beste Technik für den Faszienverschluss!

Die Fadenspannung darf nicht zu hoch sein, um eine Traumatisierung von Gewebe (Einschneiden des Fadens im Gewebe) und Material (Überdehnung des Fadens) zu vermeiden!

Muskelnaht [10]

  • Indikation: Durchtrennung von Skelettmuskulatur, bspw. M. rectus abdominis
  • Material: Resorbierbarer Faden, Stärke 2–0 oder 3–0 [26]
  • Durchführung: Vernähen der einzelnen Muskelschichten
    • Fortlaufende Naht des hinteren Rektusscheidenblattes
    • Fortlaufende Muskelnaht [24]
    • Fortlaufende Naht des vorderen Rektusscheidenblattes

Bei der medianen Laparotomie sollte möglichst kein Muskelgewebe durch die Fasziennaht erfasst werden. Es ist keine separate Muskelnaht notwendig!

Verstärkung mit Kunststoffnetz [7]

Subkutannaht

  • Indikation: Optional
  • Material: Schnell resorbierbarer atraumatischer Faden, Stärke 4–0 oder 5–0 [10]
  • Durchführung
    • Einzelknopfnaht (oder fortlaufende Naht)
    • Stichtechnik von innen nach außen, dann von außen nach innen, damit der Knoten versenkt zum Liegen kommt [10]
    • Ggf. Anlage einer subkutanen (Redon‑)Drainage für 24–48 h postoperativ [4]
  • Vorteile: Gute mechanische Stabilität, geringeres Risiko für ein Auseinanderweichen der Wundränder [4][10]
  • Nachteile: Zusätzlich eingebrachtes Fremdmaterial [4]

Hautverschluss

  • Indikation: Immer (außer bei Indikation zum temporären Bauchdeckenverschluss)
  • Prinzipien [28]
    • Spannungsfreie Adaptation unter Erhalt der Durchblutung
    • Gleichmäßiger Abstand zwischen Nähten/Klammern/Tapes
    • Entstehung von Hohlräumen vermeiden
    • Möglichst atraumatisches Vorgehen
  • Hautnaht
  • Klammernaht
    • Material: Hautstapler (bspw. Leukoclip SD)
    • Durchführung: Adaptation der Wundränder mit zwei Pinzetten und Fixierung mit umgebogenen Edelstahlklammern mittels Hautklammergerät
    • Vorteile: Zügiger Hautverschluss, kosmetisch ähnliches Ergebnis wie Hautnaht
    • Nachteile: Häufigeres Auftreten von Wunddehiszenzen im Vergleich zur Intrakutannaht [29]
  • Tapeverbände
    • Material: Bspw. Micropore® oder Steri-Strips® [30]
    • Durchführung: Reinigung und Trocknen der Wundumgebung, Adaptation der Wundränder mit zwei Pinzetten , Fixierung mittels Tapestreifen senkrecht zur Wunde
    • Nachteil: Nicht wasserfest
  • Dermale Cyanacrylatklebstoffe
    • Material: Bspw. Dermabond® [30]
    • Durchführung: Adaptation der Wundränder mit zwei Pinzetten, Auftragen des viskösen Klebers auf die Wunde
    • Vorteile: Wasserdicht, Verhalten ähnlich wie Wundschorf
    • Nachteile: Hohe Kosten, kein Flüssigkeitsaustritt aus der Wunde möglich

Verband

  • Indikation: Operationswunde
  • Material
    • Fettgaze
    • Mullkompressen/Saugkompressen/Verbandmull
    • Pflaster (oder elastische Binden)
  • Durchführung
    • Reinigung der Wundumgebung und der Wunde
    • Auflegen der Fettgaze
    • Auflegen der Wundkompressen
    • Verschluss des Verbandes mit Pflaster oder ggf. elastischen Binden
    • Ggf. Stützverband
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Temporärer Bauchdeckenverschluss und offenes Abdomentoggle arrow icon

Temporärer Bauchdeckenverschluss

Laparostoma [4][31][32][33]

Ein Laparostoma sollte so früh wie möglich verschlossen werden! [4]

Skin-only-Verschluss [33][34]

  • Definition: Temporärer Verschluss des Abdomens zum Schutz der Eingeweide
  • Indikation: Kurzzeitige Überbrückung zur Relaparotomie
  • Durchführung: Verschluss mit Hautnaht
  • Vorteile
    • Schnelle und einfache Durchführung
    • Möglich nach abdominellem Packing
    • Guter Schutz der Eingeweide
  • Nachteile
    • Deutliche Schädigung der Haut bei häufiger Relaparotomie
    • Erschwerter endgültiger Verschluss durch Auseinanderweichen der Faszien
    • Keine Umwandlung in Laparostoma möglich
    • Erschwerte postoperative Mobilisation

Offenes Abdomen

  • Definition: Fehlende Vereinigung der ventralen und/oder lateralen Bauchwandschichten [35]
  • Ursachen
    • Postoperative Komplikation (Platzbauch)
    • Folge eines Traumas
    • Therapiemaßnahme
Klassifikation des offenen Abdomens nach Björck 2009 [33][35]
Grad Kontamination Verklebungen/Verwachsungen
1a
  • Nein
  • Keine

1b

  • Ja
  • Keine
2a
  • Nein
2b
  • Ja
3
  • Ja/nein
4
  • Ja/nein

Definitiver Bauchdeckenverschluss [35][36]

  • Definition: Einteilung nach dem Open Abdomen Advisory Panel
  • Durchführung: Faszienverschluss bis zum 10. postoperativen Tag
    • Früher definitiver Verschluss: Beginn bei der ersten Relaparotomie während des initialen Krankenhausaufenthaltes
    • Primärer Faszienverschluss: Mit/ohne Verstärkung mittels Kunststoffnetz
    • Partieller Faszienverschluss: Wundverschluss mit Überbrückung des verbleibenden Fasziendefekts
    • Geplante ventrale Hernie: Offenes Abdomen, Heilung durch Granulation und Hauttransplantation
    • Im Verlauf ggf. Lappenplastik
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Komplikationentoggle arrow icon

Abdominelle Zugänge [4][10]

Primärer Bauchdeckenverschluss [4]

Offenes Abdomen [33]

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