ambossIconambossIcon

Adrenogenitales Syndrom

Letzte Aktualisierung: 26.2.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das adrenogenitale Syndrom (AGS) umfasst eine Gruppe autosomal-rezessiver Stoffwechselstörungen, die aufgrund unterschiedlicher Enzymdefekte in der Nebennierenrinde zu einer verminderten Cortisolsynthese führen. Das klinische Bild hängt von der enzymatischen Restaktivität und dem zugrunde liegenden Enzymdefekt ab. Beim klassischen AGS kommt es zu einem vollständigen Funktionsverlust des jeweiligen Enzyms, sodass die Symptome i.d.R. bereits in der Neugeborenenperiode auftreten.

In ca. 95% der Fälle liegt ein 21-Hydroxylase-Mangel vor, sodass Cortisolvorstufen (insb. 17-Hydroxyprogesteron) nicht mehr zu Cortisol umgewandelt werden können. Die fehlende negative Feedbackwirkung von Cortisol auf die Hypophyse hat eine gesteigerte ACTH-Sekretion zur Folge. Durch den ACTH-Anstieg hyperplasiert die Nebennierenrinde und es werden vermehrt Androgene produziert. Bei der klassischen Form kommt es beim XX-Genotyp durch diesen Androgenexzess zu einer intrauterinen Virilisierung, die bereits bei Geburt (z.B. durch eine Klitorishypertrophie) auffallen kann. Zusätzlich ist in diesen Fällen häufig die Aldosteronsynthese eingeschränkt. Wird die Erkrankung dann nicht im Rahmen des Neugeborenenscreenings rechtzeitig detektiert und behandelt, kann es durch den Aldosteronmangel innerhalb der ersten 1–2 Lebenswochen zu einer lebensbedrohlichen Salzverlustkrise bei AGS mit Hyperkaliämie, Hyponatriämie und metabolischer Azidose kommen. Betroffene Neugeborene werden dabei mit Erbrechen und schockähnlichen Symptomen klinisch auffällig. Die Therapie eines klassischen AGS besteht aus einer lebenslangen Glucocorticoid-Substitution, die in Stresssituationen (z.B. fieberhaftem Infekt) deutlich erhöht werden muss, um den gesteigerten Glucocorticoid-Bedarf zu decken und eine Nebennierenkrise bei AGS zu vermeiden. Neugeborene erhalten zudem regelhaft eine Mineralocorticoid-Therapie, um eine Salzverlustkrise zu verhindern.

Beim nicht-klassischen AGS sind die Symptome aufgrund einer höheren enzymatischen Restaktivität milder ausgeprägt und treten frühestens im Schulalter auf (z.B. vorzeitige Pubertätsentwicklung und/oder Knochenreifung). Im Erwachsenenalter kann ein nicht-klassisches AGS z.B. die Ursache einer verminderten Fertilität sein. Eine Therapieindikation sollte anhand der Symptomausprägung individuell gestellt werden.

Weitere, seltene Enzymdefekte greifen ebenfalls in die Cortisol-, Aldosteron- und Androgensynthese ein, führen z.T. aber zu gegensätzlichen Symptomen.

Bei der medizinischen Betreuung von Personen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung steht das Selbstbestimmungsrecht im Vordergrund. Unnötige geschlechtsangleichende Eingriffe bei nicht-einwilligungsfähigen Personen sollen nicht durchgeführt werden. Nach der Geburt kann bei Neugeborenen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung der Geschlechtseintrag im Geburtenregister offen gelassen oder als „divers“ eingetragen werden. Diese Angabe kann später entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität auch geändert oder gestrichen werden. Rechtliche Grundlagen sind das Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung und das Personenstandsgesetz! [1][2]

Dieses Kapitel ist CME-zertifiziert. Wenn du die CME-Fragen zu diesem Kapitel erfolgreich beantwortest, erhältst du 2 CME-Punkte (siehe: Tipps & Links)!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Klassifikationtoggle arrow icon

  • Nach klinischem Bild (siehe auch: AGS - Symptome)
    • Klassisches AGS: Starke Ausprägung und früher Symptombeginn (i.d.R. im Neugeborenenalter)
      • Mit Salzverlustsyndrom
      • Ohne Salzverlustsyndrom
    • Nicht-klassisches AGS (Late-Onset-AGS): Milde Ausprägung und später Symptombeginn (häufig im späten Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter)
  • Nach Enzymdefekt (siehe auch: AGS - Ätiologie)
    • 21-Hydroxylase-Mangel (ca. 95% der Fälle)
    • 11β-Hydroxylase-Mangel (ca. 4–5% der Fälle)
    • 17α-Hydroxylase-Mangel (selten)
    • 3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel (selten)

Ein klassisches AGS kann durch verschiedene Enzymdefekte verursacht werden, meist ist damit jedoch ein AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel gemeint!

Ein klassisches AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel führt in ¾ der Fälle zu einem Salzverlustsyndrom!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Ätiologietoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz: Abhängig vom Enzymdefekt
    • 21-Hydroxylase-Mangel
      • Klassische Form: 1:11.000–1:15.000 [3]
        • Verhältnis mit/ohne Salzverlustsyndrom: 3:1 [4]
        • Geschlecht: = [6]
      • Nicht-klassische Form: 1:200–1:1.000 [7]
    • 11β-Hydroxylase-Mangel: 1:160.000 [3]
    • 17α-Hydroxylase-Mangel: Sehr selten
    • 3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel: Sehr selten

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Pathophysiologietoggle arrow icon

Physiologische Steroidhormonsynthese in der Nebennierenrinde

Die 21-Hydroxylase und die 11β-Hydroxylase sind Schlüsselenzyme der Aldosteron- und Cortisolbiosynthese in der Nebennierenrinde!

Häufigste Störungen der Steroidhormonsynthese beim AGS

21-Hydroxylase-Mangel [3]

Die verminderte Cortisolsynthese in der Nebennierenrinde führt zu einer gesteigerten ACTH-Produktion in der Adenohypophyse!

11β-Hydroxylase-Mangel [3][8]

Beim 11β-Hydroxylase-Mangel kommt es i.d.R. zu keinem Salzverlustsyndrom!

17α-Hydroxylase-Mangel [4][8]

Beim 17α-Hydroxylase-Mangel kommt es im Gegensatz zu den anderen AGS-Formen zu einem Androgenmangel!

3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel [3]

DHEA führt durch seine schwach androgene Wirkung bei XX-Genotyp zu einer schwachen Virilisierung, bei XY-Genotyp überwiegt jedoch der Androgenmangel (z.B. Testosteron)!

Steroidhormonsynthese bei Unterformen des AGS [3]
Enzymdefekt Glucocorticoide Mineralocorticoide Androgene
Cortisol 11-Desoxycorticosteron [4] Aldosteron
21-Hydroxylase-Mangel Ohne Salzverlust ↔︎
Mit Salzverlust
11β-Hydroxylase-Mangel (↓)
17α-Hydroxylase-Mangel (↓) [4] (↓)
3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel Ohne Salzverlust ↔︎ (↓)
Mit Salzverlust
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Symptomatiktoggle arrow icon

Klassisches AGS [3]

Das klassische AGS manifestiert sich i.d.R. bereits im Neugeborenenalter!

Normalerweise kommt es bei Erbrechen zu einer Hypokaliämie – Kinder mit AGS und Salzverlustsyndrom haben dennoch eine Hyperkaliämie!

Ein Salzverlustsyndrom führt zu Erbrechen, Apathie sowie Exsikkose und kann unbehandelt in eine lebensbedrohliche Salzverlustkrise münden!

Nicht-klassisches AGS (Late-Onset-AGS) [7]

Die Symptome eines nicht-klassischen AGS sind milder ausgeprägt und treten erst im Verlauf auf!

Kommt es im Rahmen eines AGS zu einer beschleunigten Skelettreifung, besteht im Kindesalter eine überdurchschnittliche Körpergröße. Aufgrund des vorzeitigen Verschlusses der Wachstumsfugen wird die genetische Zielgröße im Erwachsenenalter allerdings nicht erreicht!

Symptome des nicht-klassischen AGS [4][7][8][9]
Enzymdefekt Äußeres Genitale und Pubertätsentwicklung Blutdruck Wachstum
Genotyp-unabhängig XX-Genotyp XY-Genotyp
21-Hydroxylase-Mangel
  • Unauffälliges äußeres Genitale
  • Ggf. verminderte Fertilität
  • Beschleunigtes Längenwachstum mit verringerter Endgröße
11β-Hydroxylase-Mangel
17α-Hydroxylase-Mangel
  • Ggf. uneindeutiges äußeres Genitale
3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel

Vergleich von klassischem und nicht-klassischem AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel

Vergleich von klassischem und nicht-klassischem AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel [3]
Klassisch Nicht-klassisch
21-Hydroxylase-Mangel
  • Ausgeprägt
  • Gering
Detektion im Neugeborenenscreening
  • Ja
  • Nein
Häufigkeit
  • Seltener
  • Häufiger
Symptombeginn
Klinische Manifestation
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

AGS-X [10]

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Diagnostiktoggle arrow icon

Neugeborenenscreening [3][11]

  • Indikation: Jedes Neugeborene im Alter zwischen 36 und 72 h
  • Material: Trockenblutkarte (venöses oder kapilläres Blut)
  • Prinzip: Messung von 17-Hydroxyprogesteron (17-OHP)
  • Pathologische Befunde und Prozedere
    • Leichte 17-OHP-Erhöhung (≤90 nmol/L ) → Wiederholung der Untersuchung und Aufklärung der Eltern → Keine weitere Diagnostik bei negativem Kontrollscreening
    • Deutliche 17-OHP-Erhöhung (>90 nmol/L ) → Umgehend weiterführende Diagnostik und Therapie
  • Einschränkungen

Das Neugeborenenscreening erfasst nur das klassische AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel!

Ein negativer Screeningbefund schließt ein schweres klassisches AGS mit Salzverlustsyndrom nicht aus!

Diagnostik bei V.a. AGS

Neugeborene, Säuglinge und Kinder <5 Jahren [3]

Entscheidend ist der sofortige Ausschluss einer Hypoglykämie und einer Salzverlustkrise durch Bestimmung des Blutzuckers und der Elektrolyte!

Unmittelbar nach der Blutentnahme für die Bestätigungsdiagnostik sollte mit der Therapie begonnen werden!

Im Schul- und Jugendalter [3]

Bei einem Alter von ≥5 Jahren ist das Auftreten eines nicht-klassischen AGS wahrscheinlicher!

Im Erwachsenenalter [12]

Bei unspezifischen Symptomen wie verminderte Fertilität oder Zyklusunregelmäßigkeiten sollten bei Frauen u.a. eine gynäkologische Untersuchung und eine basale Hormondiagnostik erfolgen!

Die Diagnosesicherung erfolgt i.d.R. durch einen ACTH-Stimulationstest für 17-Hydroxyprogesteron bzw. genetische Diagnostik!

Spezielle Funktionsdiagnostik

ACTH-Stimulationstest für 17-Hydroxyprogesteron [12]

  • Indikation
  • Prinzip
    1. Stimulation der Nebenniere durch Gabe von ACTH
    2. Beurteilung der Nebennierenfunktion durch regelmäßige Messung von Cortisol und 17-Hydroxyprogesteron
  • Durchführung
    1. Morgendliche Messung: Basales Cortisol und 17-Hydroxyprogesteron im Serum
    2. Gabe von synthetischem ACTH i.v. [12]
    3. Messung 60 min nach Injektion: Cortisol und 17-Hydroxyprogesteron im Serum
  • Interpretation
    • Physiologisch: Anstieg von Cortisol und leichter Anstieg von 17-OHP
    • Pathologisch: AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel [4]
      • Unzureichender Anstieg von Cortisol [3] und/oder
      • Überschießender Anstieg von 17-OHP

Bei Patient:innen mit AGS durch 21-Hydroxylase-Mangel führt die Stimulation mit ACTH zu einem überschießenden Anstieg von 17-OHP!

Ein ausreichender Cortisolanstieg schließt ein AGS nicht aus!

Typische Laborbefunde verschiedener AGS-Formen

Typische Laborbefunde verschiedener AGS-Formen [3]
Enzymdefekt 17-Hydroxyprogesteron 11-Desoxycorticosteron Natrium Kalium Säure-Basen-Haushalt
21-Hydroxylase-Mangel Mit Salzverlustsyndrom Metabolische Azidose
Ohne Salzverlustsyndrom ↔︎
11β-Hydroxylase-Mangel ↔︎ / (↑) ↔︎ / (↓) Ggf. metabolische Alkalose
17α-Hydroxylase-Mangel ↔︎ / (↑)
3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Mangel Mit Salzverlustsyndrom Metabolische Azidose
Ohne Salzverlustsyndrom ↔︎

Typische Laborbefunde des klassischen AGS mit Salzverlust durch 21-Hydroxylase-Mangel sind Hyponatriämie, Hyperkaliämie und metabolische Azidose!

Bei einem AGS durch 11β- oder 17α-Hydroxylase-Mangel kann es hingegen zu einer Hypernatriämie, Hypokaliäme und metabolischen Alkalose kommen!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Therapietoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Klassisches AGS durch 21-Hydroxylase-Mangeltoggle arrow icon

Medikamentöse Therapie

Neugeborene [3]

  • Prinzip: Substitution von Glucocorticoiden und Mineralocorticoiden zur Vermeidung einer Salzverlustkrise und einer Nebennierenkrise
  • Indikation: Alle Neugeborenen mit (V.a.) klassisches AGS
  • Beginn: Unmittelbar nach Abnahme der Bestätigungsdiagnostik
  • Wirkstoffe
    • Hydrocortison [3]
      • Zu beachten
        • Verabreichung früh morgens, spät mittags und abends
        • Erhöhtes Risiko für Hypoglykämien
        • Anpassung an zirkadianen Rhythmus ab dem Kleinkindalter
    • Fludrocortison
      • Zu beachten
        • Engmaschige Kontrollen (Renin , Elektrolyte, Blutdruck ) und individuelle Dosisanpassung
        • Bei fehlenden Hinweisen auf Salzverlustsyndrom: Schrittweise Reduktion und Auslassversuch möglich
    • Ggf. NaCl
      • Zu beachten: Keine eindeutige Empfehlung

Alle Neugeborenen mit V.a. AGS sollten umgehend mit Hydrocortison und Fludrocortison behandelt werden!

Säuglinge, Kinder und Jugendliche [3]

  • Prinzip
  • Indikation: Alle Kinder und Jugendlichen mit klassischem AGS
  • Wirkstoffe
    • Hydrocortison
      • Zu beachten
        • Anpassung an zirkadianen Rhythmus der endogenen Cortisolausschüttung (½ früh morgens, ¼ spät mittags, ¼ abends)
    • Fludrocortison (bei Salzverlustsyndrom)[14]
      • Zu beachten
        • Bei fehlenden Hinweisen auf Salzverlustsyndrom: Schrittweise Reduktion und Auslassversuch möglich
        • Engmaschige Kontrollen (Renin , Elektrolyte, Blutdruck ) und individuelle Dosisanpassung

Bei klassischem AGS mit 21-Hydroxylase-Mangel ist eine lebenslange Hydrocortison-Substitution erforderlich!

Erwachsene [12]

Zusätzliche Maßnahmen [3]

  • Psychologische Betreuung
  • Patientenschulung: Aufklärung der Eltern und Kinder/Jugendlichen (altersadaptiert)
    • Stressmanagement (siehe: Stressbehandlung - AGS)
      • Verhalten im Krankheitsfall (inkl. Kontaktdaten/Notfallnummern)
      • Sicherstellung der Versorgung mit Notfallmedikamenten
    • Kontakt zu Patientenorganisationen
  • Notfallausweis Der Notfallausweis mit genauen Handlungsempfehlungen sowie notwendige Notfallmedikamente sollten immer mitgeführt werden!

Operative Eingriffe am Urogenitalsystem

Allgemeines [15]

Rechtliche Grundlage

  • Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung (§ 1631e Bürgerliches Gesetzbuch) [17]
    • Sorgeberechtigte dürfen nicht eigenständig über Maßnahmen zur Anpassung der Geschlechtsmerkmale entscheiden
    • Eine Einwilligung der Sorgeberechtigten ist nur möglich, wenn
      • Der Eingriff nicht bis zur Einwilligungsfähigkeit des Kindes hinausgezögert werden kann und
      • Eine Zustimmung vom Familiengericht vorliegt: Möglich, wenn
        • Der operative Eingriff dem Wohl des Kindes am besten entspricht und
        • Eine interdisziplinäre Kommission hierfür eine befürwortende Stellungnahme ausspricht
      • Ausnahme: Eingriffe zur Abwendung einer akuten Lebensgefahr

Ethische Aspekte [15]

  • Behandlungsziel: Bestmögliche Lebensqualität
  • Individuelle Beurteilung der jeweiligen medizinischen und psychosozialen Gegebenheiten und Bedürfnisse
    • Entscheidungen immer zum Wohle des Kindes
    • Beachtung des Selbstbestimmungsrechts des Kindes
  • Weiterführende Informationen (siehe: Tipps & Links)
Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Stressbehandlung und perioperatives Managementtoggle arrow icon

Stressbehandlung - AGS [3][19]

  • Prinzip: Situationsbedingte Erhöhung der Glucocorticoid-Dosis (gleichbleibende Fludrocortison-Dosis)
  • Indikationen
    • Fieber (Temperatur >38,5 °C)
    • Schwere Erkrankung
    • Operation/Narkose
    • Trauma
    • Ggf. starker körperlicher oder emotionaler Stress (z.B. Schmerzen oder belastende Ereignisse)
  • Wirkstoff und Darreichungsform: Je nach Situation
Anpassung der medikamentösen AGS-Therapie bei (fieberhaften) Erkrankungen [3]
Leichte Erkrankung (>38,5 °C) Temperatur >39 °C Schwere Erkrankung (>40 °C)
Hydrocortison 2-fache Erhöhung 3-fache Erhöhung 5-fache Erhöhung
Fludrocortison Keine Dosisveränderung

Bei (fieberhaften) Erkrankungen, Schmerzen und/oder operativen Eingriffen muss die Hydrocortison-Dosis vervielfacht werden!

Neben der Gefahr einer Salzverlustkrise besteht in Stresssituationen ein erhöhtes Hypoglykämierisiko!

Perioperatives Management - AGS [19]

  • Prä-OP-Tag: Verdopplung der abendlichen Hydrocortison-Dosis
  • OP-Tag: Ca. 5-fache Hydrocortison-Tagesdosis (bzw. 50–75 mg/m2 KOF/d)
    • 25% als Bolus kurz vor Ende der Operation
    • 25% als Bolus kurz vor Beginn der Operation
    • 50% als Dauerinfusion über 24 h (Beginn ca. 1 h vor Anästhesie)
  • Post-OP-Tag: Doppelte bis dreifache orale Hydrocortison-Dosis
    • Rückkehr auf Standarddosierung innerhalb von 2 Tagen bei unkompliziertem Verlauf

Neben einer Erhöhung des Hydrocortisons muss auf eine adäquate Flüssigkeitszufuhr und Analgesie geachtet werden!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Nicht-klassisches AGS durch 21-Hydroxylase-Mangeltoggle arrow icon

Medikamentöse Therapie

Kinder und Jugendliche [3]

Beim nicht-klassischen AGS im Kindesalter kann nach individueller Abwägung der Vor- und Nachteile eine Therapie mit Hydrocortison und/oder antiandrogenen Substanzen erfolgen!

Erwachsene [12]

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

AGS durch seltene Enzymdefektetoggle arrow icon

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

AGS und Schwangerschafttoggle arrow icon

AGS-Verdacht beim ungeborenen Kind (Pränataltherapie) [12][20]

Die pränatale Therapie eines AGS gilt als experimentell und sollte daher nur in einem spezialisierten Zentrum unter Anwendung standardisierter Protokolle erfolgen!

Mögliche Folgen einer pränatalen Dexamethason-Therapie sind nicht ausreichend erforscht!

Schwangere Patientinnen mit AGS [12]

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Komplikationentoggle arrow icon

Nebennierenkrise bei AGS

Wenn der Glucocorticoid-Bedarf die körpereigene Produktion und/oder medikamentöse Substitution übersteigt, kommt es zu einer Nebennierenkrise bei AGS!

Salzverlustkrise bei AGS [3]

Normalerweise kommt es bei Erbrechen zu einer Hypokaliämie – bei einer Salzverlustkrise kommt es trotz des Erbrechens zu einer Hyperkaliämie!

Weitere Komplikationen [3][21]

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Nachsorgetoggle arrow icon

Aufgrund der lebenslangen Glucocorticoid-Therapie müssen regelmäßig Nebenwirkungen eines Hypercortisolismus ausgeschlossen werden!

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Adrenogenitales Syndrom

Inhaltliches Feedback zu den Meditricks-Videos bitte über den zugehörigen Feedback-Button einreichen (dieser erscheint beim Öffnen der Meditricks).

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2025toggle arrow icon

  • E25.-: Adrenogenitale Störungen
    • Inklusive:
    • E25.0-: Angeborene adrenogenitale Störungen in Verbindung mit Enzymmangel
      • Angeborene Nebennierenrindenhyperplasie
      • Angeborenes adrenogenitales Salzverlustsyndrom
      • E25.00: 21-Hydroxylase-Mangel [AGS Typ 3], klassische Form
      • E25.01: 21-Hydroxylase-Mangel [AGS Typ 3], Late-onset-Form
      • E25.08: Sonstige angeborene adrenogenitale Störungen in Verbindung mit Enzymmangel
      • E25.09: Angeborene adrenogenitale Störung in Verbindung mit Enzymmangel, nicht näher bezeichnet
    • E25.8: Sonstige adrenogenitale Störungen
    • E25.9: Adrenogenitale Störung, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2025, BfArM.

Icon of a lock

Anmelden oder Einloggen , um den ganzen Artikel zu lesen.

Probiere die Testversion aus und erhalte 30 Tage lang unbegrenzten Zugang zu über 1.400 Kapiteln und +17.000 IMPP-Fragen.
disclaimer Evidenzbasierte Inhalte, von festem ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.