Zusammenfassung
Parasiten sind Eukaryoten, die im Laufe ihres Lebens(-zyklus) von einem oder mehreren Wirten abhängig sind. Der Nutzen dieser Beziehung liegt einseitig beim Parasiten, der bspw. Nährstoffe im Darm des Wirts aufnimmt. Neben der Ernährung des Parasiten dient die Besiedelung des Wirts bspw. bei Protozoen und Helminthen auch der asexuellen oder geschlechtlichen Vermehrung. Weltweit sind ca. 1 Milliarde Menschen mit Nematoden (wie bspw. Enterobius vermicularis) infiziert, in Deutschland erreicht der Einzeller Toxoplasma gondii eine Durchseuchung von 30-50%. Wenn möglich, steht die Prophylaxe des Kontakts mit den Parasiten im Vordergrund, für viele Infektionen sind aber auch wirksame Medikamente bekannt.
Übersicht
Parasiten lassen sich anhand ihrer Morphologie und ihres Verhaltens in drei Gruppen einteilen:
Grundlagen der Parasitologie
Generell kann das Zusammenleben von Organismen in unterschiedlichen Formen erfolgen. Bei Parasiten liegt der Nutzen der Beziehung einseitig auf Seiten des Schmarotzers.
- Symbiose : Gegenseitiger Nutzen des Zusammenlebens
- Kommensalismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf Seiten des sogenannten Kommensalen, der Wirt wird dabei nicht geschädigt
- Parasitismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf der Seite des Parasiten mit Schädigung des Wirts
- Die Parasiten können dabei grob in Ekto- und Endoparasiten unterteilt werden
- Ektoparasiten parasitieren auf der Haut des Menschen (bspw. Zecken)
- Endoparasiten leben im Menschen (bspw. Bandwürmer)
- Die Parasiten können dabei grob in Ekto- und Endoparasiten unterteilt werden
Lebenszyklus
- Die Lebenszyklen der Parasiten finden meistens in unterschiedlichen Wirten (Zwischenwirt, Endwirt, Fehlwirt) statt, im folgenden wird beispielhaft der Lebenszyklus des Hundebandwurms (Echinococcus granulosus) dargestellt.
- Die Eier des Hundebandwurms werden vom Zwischenwirt (bspw. Mäuse) aufgenommen → In der Muskulatur des Zwischenwirts bilden sich Finnen aus → Der Endwirt (v.a. Hunde) frisst den Zwischenwirt und nimmt dadurch Finnen auf → Im Darm des Endwirts entwickelt sich ein adulter Wurm, der Eier produziert, die letztlich wieder ausgeschieden werden.
- Der Mensch ist Fehlwirt für Echinococcus granulosus. Werden Wurmeier aufgenommen, kann es zu einer Besiedelung verschiedener Organe (v.a. der Leber) kommen, die eine medikamentöse und/oder operative Therapie notwendig macht
- Neben der Infektion durch kontaminierte Lebensmittel haben auch Vektoren einen großen Stellenwert in der Verbreitung von parasitären Erkrankungen
Protozoen/Einzeller
- Protozoen bzw. Einzeller gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten Parasiten
- Einteilung anhand der Bewegungsorgane
Flagellaten
- Charakteristikum: Fortbewegung mittels Geißeln
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Wichtige Untergruppen | Erkrankungen |
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Giardien
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Trichomonaden
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Leishmanien
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Trypanosomen
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Sporozoen
- Charakteristikum: Keine klassischen Bewegungsorganellen, jedoch ist durch Oberflächenproteine eine schlängelnde bzw. gleitende Bewegung möglich.
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Wichtige Untergruppen | Erkrankungen |
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Toxoplasma gondii
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Plasmodium
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Kryptosporidien |
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Babesia
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Cyclospora
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Rhizopoden
- Charakteristikum: Fortbewegung mittels Pseudopodien
- Bekannteste Untergruppe: Amöben
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Erkrankungen |
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Darmamöben [2][3][4]
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Freilebende Amöben [5][6]
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Ziliaten
- Charakteristikum: Fortbewegung mittels Zilien (härchenförmige Zytoplasmafortsätze)
Wichtigste Art und Eigenschaften | Erkrankung |
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Balantidium coli [7] |
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Helminthen
- Multizellulär und hochdifferenzierte Parasiten
- Unterteilung anhand des makroskopischen Erscheinungsbildes
Cestoden (Bandwürmer)
- Charakteristika
- Leben im Darm ihrer Endwirte
- Bestehen aus einem Kopf (Skolex) und mehreren Gliedern (Proglottiden)
- Cestoden sind Zwitter und befruchten sich selbst → Die befruchteten Eier werden direkt oder in abgetrennten Proglottiden ausgeschieden
- Besitzen keinen Verdauungstrakt
- Lebenszyklus: Der Lebenszyklus der Cestoden ähnelt sich stark, Unterschiede bestehen vor allem in den befallenen Wirten.
- Eier der Würmer werden vom Zwischenwirt aufgenommen → Finnen bilden sich in der Muskulatur aus → Die Endwirte fressen die Zwischenwirte und nehmen die Finnen auf → Im Darm der Endwirte entwickelt sich ein adulter Wurm, der Eier produziert, die letztlich wieder ausgeschieden werden
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Wichtige Untergruppen | Erkrankungen |
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Taenia
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Echinococcus
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Diphyllobothrium latum (Fischbandwurm)
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Nematoden (Fadenwürmer)
- Charakteristika
- Durchlaufen vier Larvenstadien
- Es entwickeln sich weibliche und männliche Würmer
- Bei einigen Nematoden kommt es im Laufe des Lebenszyklus zu einer Lungenpassage die für die Entwicklung der Larve zum adulten Wurm notwendig ist
Nematoden mit Lungendurchwanderung
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Erkrankungen | ||
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Ascaris (Spulwürmer)
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Toxocara canis (Hundespulwurm) und Toxocara mystax (Katzenspulwurm) | |||
Ancylostomatidae (Hakenwürmer)
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Strongyloides stercoralis (Zwergfadenwurm, Kot-Älchen)
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Nematoden ohne Lungendurchwanderung
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Wichtige Untergruppen | Erkrankungen |
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Trichinella spiralis
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Enterobius vermicularis (Madenwurm)
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Trichuris trichiura (Peitschenwurm)
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Filarien Filarien
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Trematoden (Saugwürmer)
- Charakteristika
- Weisen zwei Saugnäpfe auf
- Besitzen nur einen rudimentären Verdauungstrakt
Wichtigste Arten und Eigenschaften | Wichtige Untergruppen | Erkrankungen |
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Schistosomen (Pärchenegel)
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Clonorchis, Opisthorchis (kleine Leberegel) |
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Fasciola (großer Leberegel) |
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Paragonimus (Lungenegel) |
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Fasciolopsis (Darmegel) |
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Arthropoda
- Gruppe von Ektoparasiten, die vor allem auf der Haut ihrer Wirte leben
- Unterteilung anhand der Anzahl der Beinpaar
Arachnida
- Charakteristikum: Vier Beinpaare
Wichtigste Arten | Wichtige Untergruppen | Vektorielle Erkrankungen |
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Milben
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Tracheata
- Charakteristikum: Drei Beinpaare
Wichtigste Arten | Wichtige Untergruppen | Vektorielle Erkrankungen |
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Läuse
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Flöhe
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Wanzen
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Therapie
Antiprotozoika
Die metabolischen Prozesse der Einzeller sind denen des Menschen sehr ähnlich, daher stellt sich die Therapie nicht immer einfach dar. Entsprechende Medikamente unterscheiden sich stark in ihrer Wirkweise und lösen teils ausgeprägte Nebenwirkungen aus. Häufig werden auch Medikamente angewendet, die ihre Indikation eigentlich im Rahmen von bakteriellen Infektionen oder bei Pilzbefall haben.
Wichtige Beispiele sind
- Die Medikamente zur Therapie der Malaria z.B. Atovaquon/Proguanil, Artemeter/Lumefantrin
- Die Antimykotika Amphotericin B, Ketoconazol und Itraconazol, bspw. im Rahmen der Leishmaniose
- Das Antibiotikum Metronidazol, bspw. im Rahmen der Infektionen mit Giardia lamblia, Entamoeba histolytica oder Trichomonas vaginalis
Anthelminthika
Charakteristika: Die Anthelminthika wirken vermizid und sind allesamt in der Schwangerschaft kontraindiziert. Während bei Erkrankungen mit Taenia häufig Einmalgaben ausreichend sind, kann eine Infektion mit Echinococcus multilocularis in einigen Fällen eine lebenslange Therapie notwendig machen.
Wirkstoffgruppe | Wirkstoff | Charakteristika | Anwendungsgebiet |
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— | Praziquantel (z.B. Cysticide®, Biltricide®) |
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GABAAR-Aktivatoren | Ivermectin (z.B. Driponin®) |
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Mikrotubuli-Inhibitoren | Albendazol (z.B. Eskazole®) |
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Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®) |
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— | Pyrviniumembonat (z.B. Molevac®) |
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Imidazole | Pyrantel (z.B. Helmex®) |
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- Für weitere Informationen siehe:
Ektoparasitizide
Einige Arthropoden haben einen großen Stellenwert als Vektor, andere führen selbst zu einem Krankheitsbild. Wichtig ist vor allem die Expositionsprophylaxe, bei der neben physikalischen Maßnahmen wie langer Kleidung auch sogenannte Repellents und Insektizid-Sprays angewendet werden. Für Laus- und Milbenerkrankungen gibt es spezielle Medikamente, von denen in der Tabelle einige der häufigsten beschrieben sind.
Wirkstoffgruppe | Wirkstoff | Charakteristika | Anwendungsgebiet |
---|---|---|---|
Natriumkanalaktivatoren | Permethrin(z.B. Infectopedicul®) |
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Reduktoren der Oberflächenspannung | Dimeticon (z.B. Nyda®, Jacutin Pedicul® Fluid) |
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- Für weitere Informationen siehe
AMBOSS-Podcast zum Thema
Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Strategien für eine Milliarde Betroffene (Januar 2022)
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Giardiasis (Lambliasis)
Trichomoniasis
Leishmaniose
Toxoplasmose
Amöbiasis
Läuse und Pedikulosen
Flöhe
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