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Allgemeine Parasitologie

Letzte Aktualisierung: 29.7.2024

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Parasiten sind Eukaryoten, die im Laufe ihres Lebens(-zyklus) von einem oder mehreren Wirten abhängig sind. Der Nutzen dieser Beziehung liegt einseitig beim Parasiten, der bspw. Nährstoffe im Darm des Wirts aufnimmt. Neben der Ernährung des Parasiten dient die Besiedelung des Wirts bspw. bei Protozoen und Helminthen auch der asexuellen oder geschlechtlichen Vermehrung. Weltweit sind ca. 1 Milliarde Menschen mit Nematoden (wie bspw. Enterobius vermicularis) infiziert, in Deutschland erreicht der Einzeller Toxoplasma gondii eine Durchseuchung von 30-50%. Wenn möglich, steht die Prophylaxe des Kontakts mit den Parasiten im Vordergrund, für viele Infektionen sind aber auch wirksame Medikamente bekannt.

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Übersichttoggle arrow icon

Parasiten lassen sich anhand ihrer Morphologie und ihres Verhaltens in drei Gruppen einteilen:

Grundlagen der Parasitologie

Generell kann das Zusammenleben von Organismen in unterschiedlichen Formen erfolgen. Bei Parasiten liegt der Nutzen der Beziehung einseitig auf Seiten des Schmarotzers.

  • Symbiose : Gegenseitiger Nutzen des Zusammenlebens
  • Kommensalismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf Seiten des sogenannten Kommensalen, der Wirt wird dabei nicht geschädigt
  • Parasitismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf der Seite des Parasiten mit Schädigung des Wirts

Lebenszyklus

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Protozoen/Einzellertoggle arrow icon

Flagellaten

  • Charakteristikum: Fortbewegung mittels Geißeln
Wichtigste Arten und Eigenschaften Wichtige Untergruppen Erkrankungen

Giardien

  • Bedeutsamer Erreger: Giardia intestinalis (auch G. duodenalis und G. lamblia genannt )
  • Vorkommen: Weltweit
  • Morphologie: Zwei Formen kommen im Lebenszyklus vor
    • Trophozoiten sind fortpflanzungsfähig, haben zwei Zellkerne und vier Geißelpaare
    • Zysten sind resistente Dauerformen und besitzen vier Zellkerne
  • Endwirt ist der Mensch
  • Anaerobier → Therapieoption: Metronidazol

Trichomonaden

Leishmanien

  • Vorkommen: Vor allem in südlichen Ländern
  • Endwirt ist die Sandmücke
  • Der Mensch ist Zwischenwirt
  • Leishmania major, tropica und mexicana
  • Leishmania brasiliensis
  • Leishmania donovani und infantum

Trypanosomen

  • Trypanosoma brucei
    • Vorkommen: Vor allem in Afrika
    • Vektor: Tsetse-Fliege aus der Familie der Zungenfliegen
  • Trypanosoma cruzi
    • Vorkommen: Vor allem in Südamerika
    • Vektor: Blutsaugende Raubwanze

Sporozoen

  • Charakteristikum: Keine klassischen Bewegungsorganellen, jedoch ist durch Oberflächenproteine eine schlängelnde bzw. gleitende Bewegung möglich.
Wichtigste Arten und Eigenschaften Wichtige Untergruppen Erkrankungen

Toxoplasma gondii

  • Endwirte sind Katzen
  • Der Mensch ist Zwischenwirt
  • Hohe Durchseuchungsrate
  • Geringe Wirts- und Zellspezifität

Plasmodium

  • Plasmodium falciparum
  • Plasmodium vivax und Plasmodium ovale
  • Plasmodium malariae
  • Plasmodium knowlesi

Kryptosporidien

  • Cryptosporidium parvum
    • Vorkommen: Weltweit
    • Endwirt ist der Mensch

Babesia

Cyclospora

  • Cyclosporiasis [1]


Rhizopoden

  • Charakteristikum: Fortbewegung mittels Pseudopodien
  • Bekannteste Untergruppe: Amöben
Wichtigste Arten und Eigenschaften Erkrankungen

Darmamöben [2][3][4]

  • Gattung: Vorwiegend Entamöben
  • Spezies: U.a. Entamoeba histolytica , Entamoeba dispar, Entamoeba moshkovskii
  • Vorkommen: Weltweit
  • Endwirt: Mensch
  • Stoffwechsel: Anaerobier
  • Entwicklungsstadien von E. histolytica
    • Ruhestadium: Zysten (widerstandsfähige Dauerform)
      • Mikroskopie: 4 Kerne sichtbar
    • Vegetatives Stadium: Trophozoiten (aktive Form, die während der Darmpassage aus den Zysten entsteht)
      • Mikroskopie: 1 Kern sichtbar, Unterteilung in zwei Formen
        • Minuta-Form (nicht-invasive Trophozoiten): Verursachen asymptomatische Amöbiasis und entwickeln sich später zu 4-kernigen Zysten
        • Magna-Form (invasive Trophozoiten): Verursachen das klinische Bild einer Amöbenruhr oder Amöbenabszesse durch Eindringen in das Gewebe
  • Lebenszyklus von E. histolytica
    1. Orale Aufnahme von Zysten (bspw. über mit Stuhl kontaminiertes Trinkwasser)
    2. Im Dünndarm: Bildung mehrerer Trophozoiten aus einer Zyste
    3. Im Dickdarm: Einwanderung und Vermehrung der Trophozoiten (Teilung)
      • Trophozoiten können ausschließlich intraluminal verbleiben (nicht-invasiv, Minuta-Form)
      • Trophozoiten können sich an Enterozyten heften und diese mittels proteolytischer Enzyme zerstören (invasiv, Magna-Form)
    4. Im distalen Dickdarm: Umwandlung der Trophozoiten zu neuen Zysten
    5. Ausscheidung von Zysten über den Stuhl
    6. Mögliche (Re‑)Infektionsgefahr durch orale Aufnahme von Zysten

Freilebende Amöben [5][6]

  • Gattungen: U.a. Acanthamoeba, Balamuthia, Naegleria
  • Spezies: U.a. Acanthamoeba castellanii, Balamuthia mandrillaris, Naegleria fowleri
  • Vorkommen: Weltweit, insb. in Erde und Wasser

Ziliaten

  • Charakteristikum: Fortbewegung mittels Zilien (härchenförmige Zytoplasmafortsätze)
Wichtigste Art und Eigenschaften Erkrankung

Balantidium coli [7]

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Helminthentoggle arrow icon

Cestoden (Bandwürmer)

  • Charakteristika
    • Leben im Darm ihrer Endwirte
    • Bestehen aus einem Kopf (Skolex) und mehreren Gliedern (Proglottiden)
    • Cestoden sind Zwitter und befruchten sich selbst → Die befruchteten Eier werden direkt oder in abgetrennten Proglottiden ausgeschieden
    • Besitzen keinen Verdauungstrakt
  • Lebenszyklus: Der Lebenszyklus der Cestoden ähnelt sich stark, Unterschiede bestehen vor allem in den befallenen Wirten.
Wichtigste Arten und Eigenschaften Wichtige Untergruppen Erkrankungen

Taenia

Echinococcus

  • Der Mensch ist Fehlwirt
  • Therapie: Je nach Stadium wird die medikamentöse Therapie (bspw. mit Albendazol) allein oder in Kombination mit einem operativen Vorgehen angewendet.

Diphyllobothrium latum (Fischbandwurm)

Nematoden (Fadenwürmer)

  • Charakteristika
    • Durchlaufen vier Larvenstadien
    • Es entwickeln sich weibliche und männliche Würmer
    • Bei einigen Nematoden kommt es im Laufe des Lebenszyklus zu einer Lungenpassage die für die Entwicklung der Larve zum adulten Wurm notwendig ist

Nematoden mit Lungendurchwanderung

Wichtigste Arten und Eigenschaften Erkrankungen

Ascaris (Spulwürmer)

  • Bedeutsamer Erreger: Ascaris lumbricoides (Spulwurm)
  • Häufigster Wurmbefall weltweit
  • Morphologie
    • Länge 10--40 cm
    • Hat makroskopisch eine große Ähnlichkeit zum Regenwurm
  • Endwirt ist Mensch
  • Therapie mit Anthelminthika (bspw. Albendazol)
Toxocara canis (Hundespulwurm) und Toxocara mystax (Katzenspulwurm)

Ancylostomatidae (Hakenwürmer)

  • Bedeutsamer Erreger: Ancylostoma duodenale
  • Endwirt ist der Mensch

Strongyloides stercoralis (Zwergfadenwurm, Kot-Älchen)

  • Endwirt ist der Mensch
  • Hauptsächliches Erregerreservoir ist der Mensch

Nematoden ohne Lungendurchwanderung

Wichtigste Arten und Eigenschaften Wichtige Untergruppen Erkrankungen

Trichinella spiralis

  • Endwirt ist der Mensch bzw. andere Fleisch- und Allesfresser (dementsprechend ist bspw. bei Rindern kein Befall zu erwarten)
  • Komplette Entwicklung in einem Wirt, ohne Außenphase

Enterobius vermicularis (Madenwurm)

  • Häufigster Wurmbefall in Europa
  • Morphologie: Die Würmer erreichen eine Länge von ca. 10 mm und besitzen einen zugespitzten Schwanz
  • Endwirt ist der Mensch
  • Häufige Autoinfektion

Trichuris trichiura (Peitschenwurm)

  • Trichuriasis

Filarien Filarien

  • Endwirt ist der Mensch, aber auch Affen oder Katzen kommen infrage
  • Wuchereria bancrofti

Trematoden (Saugwürmer)

  • Charakteristika
    • Weisen zwei Saugnäpfe auf
    • Besitzen nur einen rudimentären Verdauungstrakt
Wichtigste Arten und Eigenschaften Wichtige Untergruppen Erkrankungen

Schistosomen (Pärchenegel)

  • Schistosoma haematobium
  • Schistosoma mansoni
  • Schistosoma japonicum

Clonorchis, Opisthorchis (kleine Leberegel)

  • Clonorchiasis und Opisthorchiasis [10]
Fasciola (großer Leberegel)
  • Fascioliasis [11]
Paragonimus (Lungenegel)
  • Paragonimiasis [12]
Fasciolopsis (Darmegel)
  • Fasciolopsiasis [13]

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Arthropodatoggle arrow icon

Arachnida

  • Charakteristikum: Vier Beinpaare
Wichtigste Arten Wichtige Untergruppen Vektorielle Erkrankungen

Milben

  • Morphologie: In der Regel <1 mm
  • Keine typischen vektoriellen Erkrankungen
  • Dermatophagoides farinae (Hausstaubmilbe)
  • Keine typischen vektoriellen Erkrankungen

Zecken

  • Morphologie: In der Regel >1 mm
  • Bohren ihren Kopf in die Haut des Wirtes

Tracheata

  • Charakteristikum: Drei Beinpaare
Wichtigste Arten Wichtige Untergruppen Vektorielle Erkrankungen

Läuse

  • Morphologie: Besitzen einen Stech-Saug-Rüssel zur Blutaufnahme
  • Weibchen legt Nissen

Flöhe

  • Leben normalerweise außerhalb des Wirts
  • Stiche stellen sich als punktförmige Blutungen mit umgebendem Hof und starkem Juckreiz dar

Wanzen

  • Halten sich nur zur Blutmahlzeit auf dem Wirt auf
  • Typischer Vertreter in den gemäßigten Breiten ist die Bettwanze

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Therapietoggle arrow icon

Antiprotozoika

Die metabolischen Prozesse der Einzeller sind denen des Menschen sehr ähnlich, daher stellt sich die Therapie nicht immer einfach dar. Entsprechende Medikamente unterscheiden sich stark in ihrer Wirkweise und lösen teils ausgeprägte Nebenwirkungen aus. Häufig werden auch Medikamente angewendet, die ihre Indikation eigentlich im Rahmen von bakteriellen Infektionen oder bei Pilzbefall haben.

Wichtige Beispiele sind

Anthelminthika

Charakteristika: Die Anthelminthika wirken vermizid und sind allesamt in der Schwangerschaft kontraindiziert. Während bei Erkrankungen mit Taenia häufig Einmalgaben ausreichend sind, kann eine Infektion mit Echinococcus multilocularis in einigen Fällen eine lebenslange Therapie notwendig machen.

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Charakteristika Anwendungsgebiet
Praziquantel (z.B. Cysticide®, Biltricide®)
  • Wirkmechanismus: Vermehrter Calciumeinstrom durch die Wurmoberfläche
  • Nebenwirkungen: Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö
  • Zu beachten: Bei den meisten Würmern reicht eine Einmalgabe aus

GABAAR-Aktivatoren

Ivermectin (z.B. Driponin®)
Mikrotubuli-Inhibitoren

Albendazol (z.B. Eskazole®)

Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®)

Pyrviniumembonat (z.B. Molevac®)
  • Zulassung: Ab dem 4. Lebensmonat
  • Standarddosierung (jedes Alter): Pyrviniumembonat (z.B. Molevac®) 5 mg/kgKG p.o. als Einzeldosis, Wiederholung nach 2 Wochen
  • Zu beachten
    • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
    • Führt zur Stuhlentfärbung

Imidazole

Pyrantel (z.B. Helmex®)
  • Zulassung: Ab dem 7. Lebensmonat
  • Standarddosierung (jedes Alter): Pyrantelembonat (z.B. Helmex®) 10 mg/kgKG p.o. als Einzeldosis, Wiederholung nach 2 Wochen, Tagesmaximaldosis 1 g, bei schwerem Befall 10 mg/kgKG p.o. als Einmaldosis an 3 aufeinanderfolgenden Tagen
  • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen Pyrantelembonat, Soja, Erdnuss oder sonstige Bestandteile sowie bei Leberschädigung

Ektoparasitizide

Einige Arthropoden haben einen großen Stellenwert als Vektor, andere führen selbst zu einem Krankheitsbild. Wichtig ist vor allem die Expositionsprophylaxe, bei der neben physikalischen Maßnahmen wie langer Kleidung auch sogenannte Repellents und Insektizid-Sprays angewendet werden. Für Laus- und Milbenerkrankungen gibt es spezielle Medikamente, von denen in der Tabelle einige der häufigsten beschrieben sind.

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Charakteristika Anwendungsgebiet
Natriumkanalaktivatoren Permethrin(z.B. Infectopedicul®)
Reduktoren der Oberflächenspannung Dimeticon (z.B. Nyda®, Jacutin Pedicul® Fluid)
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Giardiasis (Lambliasis)

Trichomoniasis

Leishmaniose

Toxoplasmose

Amöbiasis

Läuse und Pedikulosen

Flöhe

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