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Harnröhrenstriktur

Letzte Aktualisierung: 29.1.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Harnröhrenstriktur ist eine Verengung der Harnröhre und entsteht durch die Bildung von fibrotischem Narbengewebe. Klinisch äußert sich die Erkrankung durch obstruktive und irritative Miktionssymptome (z.B. schwacher Harnstrahl, Restharnbildung, Pollakisurie). Für die Therapieplanung ist die korrekte Bestimmung der Strikturlänge entscheidend. Zu den therapeutischen Maßnahmen zählen u.a. die Urethrotomia interna sowie die End-zu-End-Anastomose. Das Krankheitsbild ist mit einer hohen Rezidivrate vergesellschaftet.

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Definitiontoggle arrow icon

Harnröhrenstriktur () [1]

Harnröhrenstriktur () [2]

  • Verengung der Urethra, meist im distalen Anteil [3]
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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Prävalenz (): In Industrieländern ca. 600–900/100.000 Männer
    • Zunahme im Alter
  • Für Frauen kaum Daten vorhanden, jedoch deutlich seltener als bei Männern [3][4]

Beim Mann kommen bulbäre Strikturen am häufigsten vor, gefolgt von penilen Engen, insb. im Bereich der Fossa navicularis. Strikturen im Bereich der posterioren Harnröhre kommen am seltensten vor! [4]

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Beim Mann

Posttraumatisch [1][4]

  • Posteriore membranöse Harnröhre: Narbige Defektheilung nach Harnröhren(distraktions)verletzung bei Beckentrauma
  • Anteriore bulbäre Harnröhre: Kompressionsverletzung durch direktes Dammtrauma (z.B. nach Straddle-Trauma )

Postentzündlich [2]

Iatrogen [1][2][4]

  • Postoperativ
    • Nach endourethralen Eingriffen : Insb. nach TUR-P und Prostatektomie
    • Nach Hypospadiekorrektur : Striktur v.a. im Bereich des Meatus und der penilen Harnröhre
  • Katheterismus und Dauerkatheterversorgung
    • Risikofaktoren: Dicklumige Katheter, Latexkatheter, längere Liegedauer, intensivmedizinische Behandlung, Infekte
  • Strahlentherapie

Idiopathisch [1]

  • Lokalisation: Bulbär
  • Mögliche Ursachen
    • Kongenital: Auftreten der Symptome meist ab jungem Erwachsenenalter (um die 3. Lebensdekade)
      • Sehr selten
    • Ischämisch: Meist im höheren Alter
    • Verkanntes Trauma

Bei der Frau [1][3]

  • Vermutlich
    • Posttraumatisch
    • Postentzündlich
    • Iatrogen, bspw. durch Katheterisierung oder vorausgegangene OPs
    • Idiopathisch
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Klassifikationtoggle arrow icon

Nach Engegrad (EAU-Klassifikation, ) [2]

Transgender-Personen [2]

Transfrauen

  • Meatusstrikturen: Treten am Neomeatus auf
  • Bulbäre Strikturen: Entsprechend eines biologischen Mannes
  • Posteriore Strikturen: Entsprechend eines biologischen Mannes

Transmänner

Nach einer geschlechtsangleichenden OP können vier verschiedene Bereiche der Harnröhre identifiziert werden.

  • Native Harnröhre: Biologisch weibliche Harnröhre vom Blasenhals bis äußeren Meatus
  • Pars fixa (perineale Harnröhre): Beginn am äußeren Meatus mit Verlauf ähnlich der bulbären Harnröhre bei biologischen Männern
  • Anastomotischer Teil: Verbindung zwischen Pars fixa und Neophallus
  • Phallische Harnröhre: Segment innerhalb des Neophallus, besteht i.d.R. aus einem Hautschlauch
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Symptomatiktoggle arrow icon

  • Leitsymptome
    • Abgeschwächter oder dünner Harnstrahl („Spraying“ oder gespaltener Harnstrahl)
    • Restharngefühl/-bildung
    • Verlängerte Miktionszeit
    • Rezidivierende Harnwegsinfektionen (ggf. mit Prostatitiden bzw. Epididymitiden als Komplikation beim Mann)
    • Dysurie
    • Hämaturie
    • Harnverhalt
    • Irritative Miktionssymptome: Pollakisurie, Nykturie
    • Inkontinenz (bei Frauen)
  • Zeitlicher Verlauf: I.d.R. Entwicklung über Monate bis Jahre
  • Begleitsymptomatik: Ggf. sexuelle Dysfunktion
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Diagnostiktoggle arrow icon

Beim Mann

Allgemein [1][2][4]

Uroflowmetrie [2]

  • Indikation: Standarduntersuchung bei obstruktiven Miktionsbeschwerden
  • Befund
    • Kurve mit schnellem Anstieg
    • Verlängerte flache Miktionskurve mit Plateau
    • Bei Flussraten ≤15 mL/s: Weitere Diagnostik
  • Sonderform: „High Pressure Flow“ = Guter Harnstrahl bei Harnröhrenstriktur durch einen erhöhten Blasendruck
  • Postoperativ: Verlaufskontrolle

Sonografie

  • Harnblase und Niere
    • Restharnsonografie : Standarduntersuchung bei obstruktiven Miktionsbeschwerden
    • Detrusordickenmessung
      • Füllvolumen von 250 mL zur Bestimmung der Hypertrophie der Blasenmuskulatur nötig
      • Suspekt ab 1 cm Blasenwanddicke oder Doppelkontur der Blasenwand
    • Beurteilung des Nierenbeckenkelchsystems
    • Mögliche prä- und postoperative Befunde
  • Harnröhre
    • Längenbestimmung der Striktur
    • Ablauf
      • Instillation von Kochsalzlösung oder Gleitmittel in die Harnröhre ()
      • 7,5- bis 10-MHz-Schallkopf

Retrograde Urethrografie [2]

Zystoskopie [2]

  • Indikationen
    • Verdacht auf Harnröhrenstriktur in der Uroflowmetrie/Sonografie
    • Bei unauffälliger retrograder Urethrografie zur Verifizierung
    • Nach radiologischer Diagnostik und unklarem Befund
  • Ziel: Visualisierung einer Striktur
  • Vorteile
    • Ambulant möglich (häufig erstes Diagnostikum)
    • In Kombination mit Biopsie bei Malignitätsverdacht
  • Nachteil: Meist keine Beurteilung der Strikturlänge

MRT [2]

  • Zusatzuntersuchung zur Längenbestimmung von posterioren Urethrastenosen
  • Zur Erkennung weiterer etwaiger Pathologien

Follow-up

Bei der Frau [1][2][3][5]

Allgemein

Apparative Diagnostik

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Therapietoggle arrow icon

  • Erstmaßnahme bei Harnverhalt: Anlage eines dünnen transurethralen oder eines suprapubischen Dauerkatheters
  • Allgemeine Therapieziele
    • Gewährleisten des adäquaten Harnabflusses
    • Erweiterung der Harnröhre
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Endourethrale Verfahrentoggle arrow icon

Urethrotomia interna (, )

  • Indikation: Kurzstreckige Strikturen von max. 1 cm
  • Interventionsprinzip: Transurethrale Inzision des narbigen Anteils bei 12 Uhr in SSL
  • Postoperativ: Einlage eines DK für ca. 1–3 Tage
  • Mögliche Komplikationen
  • Rezidivrate: Ca. 50% bei Ersteingriff, dann deutlich höher bei wiederholten Eingriffen

Eine Urethrotomia interna sollte grundsätzlich unter Sicht (Technik nach Sachse) durchgeführt werden! Die Technik nach Otis mittels Otis-Urethrotom stellt eine veraltete Methode dar!

Laser-Urethrotomie

  • Holmium-Laser
  • Effektivitäts- und Komplikationsrate wie bei der Urethrotomia interna nach Sachse
  • Vorteil: Minimale intraoperative Blutungen

Bougierung (, )

  • Indikation
  • Interventionsprinzip: Dauerbehandlung in mehreren Sitzungen
  • Rezidivrate
    • : Nahezu 100%
    • : Deutlich geringere Rezidivraten als beim Mann

Ballondilatation (, )

  • Indikation: Meatusstenosen, kurzstreckige Strikturen, die den Sphinkter externus betreffen
  • Interventionsprinzip
    • Selbstdilatation
    • Lange Ballonabschnitte für mehrere Minuten auf 24 CH aufblasen
  • Rezidivrate: 25–73%

Meatusplastik/Meatotomie (, ) [1][2][3]

  • Indikation: Kurze Meatusstriktur
  • Durchführung
    • : Sagittale Inzision der Vaginalwand und der Fibrose bei 6 Uhr, quere Adaptation der Wundränder
    • : Dorsale und ventrale Meatotomie, Hautlappen-Meatoplastik oder Transplantat-Urethroplastik
  • Nachteil: Sprühstrahl möglich

Harnröhrenstent ()

  • Indikation: Palliative Situation
  • Interventionsprinzip: Stenteinlage mittels Gitter- oder Geflechtröhrchen aus Metall
  • Nachteil: Nur kurzzeitige Verbesserung, hohe Komplikationsrate, geringe Erfolgsrate, Schmerzen
  • Rezidivrate: 20–100%
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Offene operative Verfahrentoggle arrow icon

End-zu-End-Anastomose ()

Nicht-durchtrennende bulbäre Harnröhrenplastik () [1]

Substitutionsurethroplastik (, )

  • Material
    • Mundschleimhaut (aus Wange, Zunge, Lippe)
    • Gestielte Hautlappen (Penis-/Präputiallappen bzw. vaginale/labiale Schwenklappen)
    • Voll- und Spalthauttransplantate
    • Blasen- und Kolonschleimhaut (selten)
    • „Matrices“ (aus Schweinedünndarm)
    • Tissue-Engineering
  • Aufklärung über mögliche Komplikationen

Gestielter Lappen

  • Indikation: Kurzstreckige penile und bulbäre () Harnröhrenstrikturen
  • Durchführung
    • Eröffnung der Harnröhre über die Länge der Striktur
    • Abpräparierten gestielten Penisschafthautlappen in den Defekt einschwenken
  • Wichtig: Suffiziente Durchblutung und gute Beweglichkeit des Hautlappens nötig
  • Nachteile: Wundheilungsstörung bei Minderperfusion, Hautnekrosen, Fistelbildung, Penisdeviation bei langstreckigen Harnröhrenstrikturen ()
  • Rezidivrate: 5–12%

Mundschleimhautplastik

  • Indikation: Langstreckige penile und bulbäre Harnröhrenstriktur
  • Vorteile: Geringe Morbidität an der Entnahmestelle, gute Verfügbarkeit, sehr gutes Heilungsverhalten, gute Dehnbarkeit und Reißfestigkeit, geringes Schrumpfungsverhalten, keine Haare
  • Rezidivrate: 10% nach 7 Jahren

Durchführung

  • Glans-Haltenaht
  • Skalpieren des Penis
  • Mobilisierung der Harnröhre
  • Exzision des Narbengewebes
  • Ausmessen der Strikturlänge
  • Entnahme der Mundschleimhaut
    • Desinfektion des Mundraumes
    • Anzeichnen der Papilla parotidea und des Präparationsgebietes an der Innenseite der Wange
    • Ca. 1 cm Abstand zum Zahnfleisch
    • Transplantatlänge ca. 4–5 cm
    • Transplantatbreite ca. 1,5–2 cm
    • Ausschneiden des Transplantats mit Skalpell
    • Koagulation der Wundfläche
    • Vernähen der Mundschleimhaut
  • Befreiung des Transplantats auf der Unterseite von Fettgewebs- und Muskelresten
  • Annähen des Präparats (als Onlay oder Inlay ) dorsal oder ventral mittels Einzelknopfnähten
  • Einlage eines dicklumigen Dauerkatheters intraoperativ
  • Vernähen der Schnittränder und der Vorhautblätter mit resorbierbarem Nahtmaterial (z.B. Monosyn® 4,0)
  • Annähen des Dauerkatheters mit nach oben liegendem Penis am Bauch
  • Fixierung für ca. 3 Wochen

Boutonnière (perineale Urethrostomie) ()

  • Definition: Anlage des Harnausgangs distal des Sphinkter externus perineal
  • Indikation
  • Vorteil: Umgehen der langstreckigen penilen Harnröhrenstriktur
  • Nachteil: Miktion im Stehen nicht möglich

Zweizeitige offene Harnröhrenplastik () [1][4]

  • Indikation: Langstreckige Strikturen
  • Vorgehen
    • Longitudinale Eröffnung der Harnröhre über die gesamte Striktur
    • Resektion der Harnröhrenstriktur und der Spongiofibrose
    • Deckung mit Subkutangewebe und darüber mit Spalthaut oder Mundschleimhaut
    • Wundverschluss
    • Anlegen einer perinealen Urethraöffnung
    • Legen eines Dauerkatheters für mind. eine Woche, danach
    • Miktionierung über perineale Urethraöffnung
    • Nach Heilung (mehrere Monate) Neoharnröhre aus der Spalthaut oder Mundschleimhaut formen
    • Neoharnröhre möglichst mit Dartoslappen (Lappen aus der Dartos-Faszie des Penis) decken
    • Legen eines transurethralen Katheters für eine und eines suprapubischen Katheters für drei Wochen
  • Vorteile: Gute Heilungsrate
  • Komplikationen
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Urologische Operationsvideos zur Harnröhrenstriktur - GeSRU Stepstoggle arrow icon

End-zu-End-Anastomose bei Harnröhrenstriktur

  • Autoren: Mikhail Borisenkov, Dr. Hansjörg Keller
  • Zur Verfügung stellende Institution: German Society of Residents in Urology (GeSRU) e.V. [6]


→ Bewerte dieses Video, bitte teilnehmen →

Urethrotomia interna nach Sachse

  • Autoren: Julian Struck, Prof. Herbert Sperling
  • Zur Verfügung stellende Institution: German Society of Residents in Urology (GeSRU) e.V. [6]


→ Bewerte dieses Video, bitte teilnehmen →

Für eine Gesamtübersicht der urologischen Operationsvideos siehe: Urologische Operationsvideos - GeSRU Steps

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Komplikationentoggle arrow icon

  • Direkte Komplikationen durch die Striktur
    • Miktionsbeschwerden
    • Psychogen: Einschränkung der Lebensqualität
    • Schädigung des Nierentraktes bis hin zum funktionellen Nierenverlust
  • Komplikationen nach Therapie
    • Hohe Rezidivrate

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

  • N35: Harnröhrenstriktur
    • Exklusive: Harnröhrenstriktur nach medizinischen Maßnahmen (N99.1)
  • N35.0: Posttraumatische Harnröhrenstriktur
    • Harnröhrenstriktur als Folge von: Geburt
    • Harnröhrenstriktur als Folge von: Verletzung
  • N35.1: Postinfektiöse Harnröhrenstriktur, anderenorts nicht klassifiziert
  • N35.8: Sonstige Harnröhrenstriktur
  • N35.9: Harnröhrenstriktur, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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