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Kardiotokografie (CTG)

Letzte Aktualisierung: 8.1.2025

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Kardiotokografie (CTG) dient der Überwachung des Fötus vor und insb. während der Geburt. Die gleichzeitige Ableitung und Aufzeichnung der fetalen Herzfrequenz, der Wehentätigkeit und (bei neueren Geräten) auch der Kindsbewegungen (sog. Kineto-Kardiotokografie) erlaubt Rückschlüsse auf den fetalen Zustand. Die CTG wird jedoch von verschiedenen maternalen, fetalen, fetoplazentaren und exogenen Faktoren beeinflusst. Durch die Beobachtung und Bewertung mehrerer Kriterien (wie Baseline, Oszillation und Dezelerationen) wird das CTG als normal, suspekt oder pathologisch befundet. Je nach Ergebnis sind unterschiedliche konservative und/oder invasive diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen indiziert.

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Grundlagentoggle arrow icon

Durchführung

Mithilfe der Kardiotokografie werden die fetale Herzfrequenz und die Wehentätigkeit (als sog. Kardiotokogramm) aufgezeichnet sowie die mütterliche Herzfrequenz und ggf. Kindsbewegungen ermittelt. Ein CTG sollte in Seitenlage, halbsitzend oder in aufrechter Position aufgezeichnet werden.

Physiologische Grundlagen [1]

Für die Befundung eines CTG ist es hilfreich, einige Grundlagen zu verstehen. Ganz essenziell für das Verständnis ist die Entwicklung des kindlichen Nervensystems.

Im fetalen Stammhirn kommen die Informationen von Sympathikus/Parasympathikus, Baro- und Chemorezeptoren zusammen und werden verarbeitet. Dies ermöglicht dem Fötus eine sofortige Anpassung an Veränderungen im Kreislaufsystem. Diese ständig wechselnden, oftmals gegensätzlichen „Antworten“ der einzelnen Systeme spiegeln sich in der Oszillation im CTG wider.

Zellatmung des Fötus

Durch die Verstoffwechselung von Sauerstoff und Glucose wird der Fötus mit der für Wachstum, Entwicklung und Bewegung benötigten Energie versorgt (aerober Stoffwechsel). Die nicht benötigten Produkte CO2 und H2O werden über den fetalen und anschließend plazentaren Kreislauf ausgeschieden. Ein kurzfristiger, vorübergehender Sauerstoffmangel (bspw. im Rahmen einer Wehe) wird insb. von reifen Föten meist problemlos kompensiert .

Bei länger bestehendem Sauerstoffmangel und eingeschränkten fetalen Kompensationsmechanismen (bspw. bei Plazentainsuffizienz, IUGR) wird Glykogen verstoffwechselt, wobei u.a. Lactat entsteht (anaerober Stoffwechsel). Dadurch sinkt der pH-Wert im fetalen Blut und ein zusätzlicher Sauerstoffmangel (bspw. durch Wehen bei der Geburt) kann nicht mehr vollständig kompensiert werden, wodurch eine immer ausgeprägtere Azidose entsteht .

Sauerstoffmangelzustände des Fötus

Sauerstoffmangel des Fötus
Hypoxämie Hypoxie Asphyxie

Ursachen (Beispiele)

Fetaler Stoffwechsel

  • Aerob
  • Kann Tage bis Wochen kompensiert werden
  • Zentralisierung
    • Aerober Stoffwechsel in Herz und Gehirn
    • Anaerober Stoffwechsel in der Peripherie
  • Zustand kann über Stunden aufrechterhalten werden
  • Anaerober Stoffwechsel : Ubiquitär
  • Zustand kann nur über wenige Minuten aufrechterhalten werden

Kompensationsmechanismus

  • Vorübergehend: Herzfrequenz
  • Chronisch: Energie sparen
    • CTG-Veränderungen: U.a. eingeschränkte Oszillation
  • Energie sparen
    • CTG-Veränderungen: U.a. eingeschränkte Oszillation
  • Keine Kompensation mehr möglich
Konsequenzen für den Fötus
  • Keine Hirnschädigung anzunehmen
  • Noch keine Hirnschädigung anzunehmen
  • Zentralisation mit schlecht durchbluteten Extremitäten nach der Geburt
  • Hohes Risiko für schwere Hirnschädigung
  • Tod
Prozedere

Einflussfaktoren auf die CTG

Die CTG wird von verschiedensten Faktoren beeinflusst. Dazu zählen u.a.:

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Terminologietoggle arrow icon

Um das CTG richtig zu verstehen, ist es essenziell, einige Wörter und Begriffe zu verinnerlichen. Evidenz für die unten aufgeführten CTG-Beschreibungen und Kriterien sind erst ab der 34. SSW gegeben . [1]

Baseline

  • Definition: Mittlere fetale Herzfrequenz über einen Zeitraum von mind. 10 min (Ermittlung über eine horizontal (gedachte) Linie durch die mittlere Herzfrequenz ) [2]
  • Allgemeines
  • Bewertung [3]
    • Normal: 110–160 bpm
    • Suspekt: Nicht normal, nicht pathologisch
    • Pathologisch: <100 bpm [4]

Ein Anstieg der Baseline innerhalb mehrerer Stunden kann ein Hinweis auf fetalen Stress sein, auch wenn sie sich noch im Normbereich befindet!

Oszillation (CTG) (Bandbreite)

  • Definition: Abstand zwischen höchstem und tiefstem spitzen Ausschlag der fetalen Herzfrequenz während einer Minute (ohne Akzelerationen oder Dezelerationen)
  • Allgemeines
    • Angabe der Oszillation (Bandbreite) zusammen mit der Bewertung „normal“, „suspekt“, „pathologisch“
    • Oszillation bedingt durch
    • Veraltet: Oszillationsfrequenz: Nulldurchgänge durch die Baseline pro Minute (Normwert: >6/min)
  • Bewertung nach DGGG-Leitlinie 2020 (nach FIGO) [2][3][4]
    • Normal: 5–25 bpm
    • Suspekt: Nicht normal, nicht pathologisch
    • Pathologisch [2]
    • Veraltet
      • Saltatorischer Oszillationstyp: >25 bpm
      • Undulatorischer Oszillationstyp: 10–25 bpm
        • Normalbefund
      • Eingeschränkt-undulatorischer Oszillationstyp: 5–10 bpm
        • Ursachen: Kind schläft, zentral-sedierende Medikamente, Hypoxie
      • Silenter Oszillationstyp: <5 bpm
        • Gleiche Ursachen wie beim eingeschränkt-undulatorischen Oszillationstyp

Dezelerationen [2][3]

Frühe Dezeleration

  • Definition
    • Wehenabhängiges Auftreten: Beginn und Ende der Dezeleration liegen synchron zum Verlauf einer Wehe
    • Normale Oszillation innerhalb der Dezeleration
    • Veraltet: Früher als „DIP I“ bezeichnet
  • Ursachen: Kompression des kindlichen Kopfes während einer Wehe → Barorezeptorvermittelter Abfall der fetalen Herzfrequenz (vagaler Reflex) [2]
  • Bewertung: I.d.R. kein Zeichen einer fetalen Hypoxie
  • Maßnahmen: Keine, wenn das CTG keine weiteren suspekten oder pathologischen Kriterien zeigt [3]

Variable Dezeleration

Späte Dezeleration

Prolongierte Dezeleration

Terminale Bradykardie [3][6]

Akzelerationen (CTG) [2][3]

  • Definition: Vorübergehender Anstieg der Herzfrequenz >15 bpm, länger als 15 s und ≤10 min
    • Vor der 32. SSW: >10 bpm, länger als 10 s und ≤10 min
    • Nicht im FIGO-Score enthalten
  • Ursache: Meist fetale Bewegung [2]
  • Bewertung
    • Vorhandene Akzelerationen: Zeichen für gesunden Fötus
    • Fehlende Akzelerationen bei sonst normalem CTG: Unklare Bedeutung, möglich in Schlafphasen
    • Periodische Akzelerationen (zusammen mit Wehen): Möglicherweise maternale Herzfrequenzaufzeichnung [2]

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Indikationentoggle arrow icon

Regelmäßige präpartale CTG-Registrierungen sind in den Mutterschaftsrichtlinien nicht vorgeschrieben, werden aber von einigen niedergelassenen Gynäkolog:innen dennoch bei den Vorsorgeuntersuchungen nach der 30. SSW durchgeführt. [7] Bei Niedrig-Risiko-Schwangerschaften soll laut aktuellen Leitlinienempfehlungen kein antepartales CTG mehr geschrieben werden. [8]

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CTG-Bewertung nach FIGO-Scoretoggle arrow icon

Die Bewertung des CTG sollte stets auch das klinische Gesamtbild beinhalten. Dazu zählen u.a. auch Vorerkrankung der Schwangeren und/oder des Fötus. Es sollten regelmäßige Fortbildungen zur CTG-Analyse absolviert werden, um die Qualität der CTG-Bewertung zu sichern.

CTG-Bewertung nach FIGO-Score der DGGG-Leitlinie 2020 [2][3]
Kriterien Normal Suspekt Pathologisch
Baseline
  • 110–160 bpm
  • Ein normales Kriterium fehlt
  • Kein Kriterium pathologisch
  • <100 bpm
Oszillation
  • 5–25 bpm
  • <5 bpm >50 min
  • >25 bpm >30 min
  • Sinusoidales Muster >30 min
Dezelerationen

Akzelerationen werden im FIGO-Score nicht mehr aufgeführt. Fehlende Akzelerationen bei sonst normalem CTG haben eine unklare Bedeutsamkeit!

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Ursachen und Diagnostik für ein suspektes oder pathologisches CTGtoggle arrow icon

Ursachen für ein suspektes oder pathologisches CTG [2]

Aufgrund der vielen verschiedenen Ursachen, die zu einem suspekten oder pathologischen CTG führen können, ist die Diagnosestellung nicht immer einfach. Gewisse Ursachen erfordern eine dringende Intervention, andere sind reversibel oder durch einfache Maßnahmen zu behandeln und lassen ggf. sogar eine normale Geburt zu. Deshalb ist es entscheidend, stets die Gesamtsituation zu beurteilen und schnellstmöglich herauszufinden, wodurch die CTG-Veränderungen verursacht werden. Zum weiteren Vorgehen siehe auch: Management bei suspektem oder pathologischem CTG.

Diagnostik bei suspektem oder pathologischem CTG

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Management bei suspektem oder pathologischem CTGtoggle arrow icon

Allgemeines

  • Grundsatz: Ein suspektes oder pathologisches CTG muss nicht immer eine rasche Geburtsbeendigung zur Folge haben (Sectio caesarea oder vaginal-operative Entbindung)! [1][2][3]
    • Wenn die Ursache gefunden und beseitigt/behandelt wird, kann sich der Fötus oftmals erholen und eine normale Geburt angestrebt werden
  • Dokumentation: Alle Maßnahmen/Entscheidungen müssen zeitnah mit Datum, Uhrzeit und Namen beteiligter Personen dokumentiert werden
  • Ganzheitliche Beurteilung: Entscheidungen während des Geburtsablaufs sollten nicht nur aufgrund des CTG erfolgen! Die Beurteilung des Verlaufs und mögliche Konsequenzen müssen immer anhand der klinischen Gesamtsituation beurteilt werden, dazu zählen u.a. auch

Maßnahmen bei suspektem oder pathologischem CTG während einer Geburt [2][3][9]

Hier sind spezifische CTG-Veränderungen mit den entsprechenden konservativen und invasiven Maßnahmen aufgeführt. Für allgemeine CTG-Beurteilungs- und Handlungsprinzipien siehe auch: CTG-Bewertung.

Maßnahmen bei suspektem oder pathologischem CTG während einer Geburt [3]
Spezifische CTG-Veränderungen Konservative Maßnahmen Invasive Maßnahmen
Bradykardie
  • Keine
  • Keine
  • Baseline 100–109 bpm oder >160 bpm mit
    • Weiterem suspekten Kriterium
  • Baseline 90–99 bpm mit
    • Normaler Oszillation
  • Messen der maternalen Herzfrequenz
  • Oberärztliche Unterstützung anfordern

Tachykardie

  • Baseline 161–180 bpm ohne
    • Zusätzliche Auffälligkeiten
  • Keine
  • Baseline: >180 bpm ohne
    • Zusätzliche pathologische Kriterien
  • Wenn Baseline trotz konservativer Maßnahmen >180 bpm: MBU
Verminderte Oszillation
  • Keine
  • Oszillation: <5 bpm über 40 min und
    • Zusätzliches suspektes Kriterium
  • Oszillation: <5 bpm über >3 min während einer Dezeleration
Dezelerationen
  • Keine
  • Keine
  • Lagewechsel oder Bewegung der Gebärenden
  • Bei anhaltendem CTG-Muster 30 min nach Beginn der konservativen Maßnahmen: MBU
  • Keine

Konservative Maßnahmen bei suspektem oder pathologischem CTG [3]

Invasive Maßnahmen bei anhaltend suspektem oder pathologischem CTG

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