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Nierenzellkarzinom

Letzte Aktualisierung: 30.6.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das Nierenzellkarzinom geht vom Tubulusepithel der Niere aus und ist die häufigste maligne Neoplasie der Niere. Die Herkunft ist ungeklärt, Risikofaktoren wie Übergewicht oder arterieller Hypertonus sind bekannt. Entdeckt werden die Tumoren meist zufällig oder im symptomatischen, metastasierten Stadium bei weitestgehend symptomloser Primärerkrankung. Therapeutisch steht die operative Tumorentfernung im Vordergrund. Erst bei Irresektabilität oder fortgeschrittener Metastasierung kommt eine systemische Therapie mit Checkpoint-, Tyrosinkinase- oder mTOR-Inhibitoren zum Einsatz, jedoch ohne klassische Chemotherapeutika, da diese beim Nierenzellkarzinom unwirksam sind. Beschränkt sich das Karzinom auf das Nierenparenchym, ist die Prognose sehr gut.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS-Audio-Reihe im Podcastformat vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion „Tipps & Links“.

Definitiontoggle arrow icon

Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz (2–3% aller Tumorerkrankungen) [2]
    • : 15,2/100.000
    • : 6,6/100.000
  • Häufigster maligner Nierentumor (90–95% der Fälle)
  • Geschlechterverhältnis: > (1,5:1)
  • Häufigkeitsgipfel

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Risikofaktoren [1][3][4]

Klassifikationtoggle arrow icon

TNM-Klassifikation des Nierenzellkarzinoms

TNM-Klassifikation des Nierenzellkarzinoms von 2017 [4][5]
TNM-Stadium Ausdehnung
TX Tumor nicht beurteilbar
T0 Kein Tumor nachweisbar
T1: Tumor begrenzt auf die Niere, Tumorgröße ≤7 cm
T1a Tumorgröße: ≤4 cm
T1b Tumorgröße: >4–7 cm
T2: Tumor begrenzt auf die Niere, Tumorgröße >7 cm
T2a Tumorgröße: >7–10 cm
T2b Tumorgröße: >10 cm
T3: Perirenale oder Gefäßinfiltration (innerhalb Gerota-Faszie); Nierenbeckenkelchsystem, jedoch ohne ipsilateralen Nebennierenbefall
T3a Infiltration ins perirenale Fettgewebe (auch Nierensinus), Nierenbeckenkelchsystem oder in die Nierenvene (auch segmentale Äste)
T3b Vena-cava-Infiltration: Unterhalb des Zwerchfells
T3c Vena-cava-Infiltration: Oberhalb des Zwerchfells oder Befall der Venenwand
T4: Infiltration über Gerota-Faszie hinaus oder ipsilateraler Nebennierenbefall
Lymphknoten und Fernmetastasen
NX Lymphknoten nicht beurteilbar
N0 Keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1 Regionäre Lymphknotenmetastasen
M1 Fernmetastasen

Stadien nach UICC (2017) [1][4]

Stadien nach UICC [1][4]
Stadium TNM-Stadien
I
  • T1, N0, M0
II
  • T2, N0, M0
III
  • T3, N0, M0
  • T1–T3, N1, M0
IV
  • T4, alle N, M0
  • Alle T, alle N, M1

Symptomatiktoggle arrow icon

Über 50% der Nierenzellkarzinome werden als Zufallsbefund in der Bildgebung gefunden!

Verlaufs- und Sonderformentoggle arrow icon

Pathologietoggle arrow icon

Histologische Klassifikation der Nierentumoren nach WHO 2022 [1][3][4]

  • Klarzelliger Typ
    • Klarzelliges Nierenzellkarzinom (ca. 70%)
    • Multilokulärer zystischer Nierentumor mit niedrigem malignem Potenzial
  • Papillärer Typ: Charakteristisch sind die namensgebenden, sich fingerförmig darstellenden Tumorpapillen
  • Onkozytisch und chromophober Nierentumor
  • Andere renale Tumoren (Auswahl)
    • Sammelrohrkarzinom (Ductus-Bellini-Karzinom) (ca. 1%)
    • Muzinös-tubuläres und spindelzelliges Karzinom (ca. 1%)
    • Klarzellig-papilläres Nierenzellkarzinom
    • Tubulozystisches Nierenzellkarzinom
    • Nierenzellkarzinom bei erworbener zystischer Erkrankung
    • Eosinophiles und zystisches Nierenzellkarzinom
  • Molekular definierte Nierentumoren
    • TFE3-transloziertes Nierenzellkarzinom
    • TFEB-transloziertes Nierenzellkarzinom
    • ELOC-mutiertes Nierenzellkarzinom
    • Fumarathydratase-defizientes Nierenzellkarzinom
    • Succinatdehydrogenase-defizientes Nierenzellkarzinom
    • ALK-rearrangiertes Nierenzellkarzinom
    • SMARCB1-defizientes medulläres Nierenzellkarzinom

Papilläre und chromophobe Nierenzellkarzinome sind häufiger auf die Niere begrenzt als das klarzellige Nierenzellkarzinom und haben insg. eine bessere Prognose!

Grading [3][4][6][7]

  • Klarzellige und papilläre Nierenzellkarzinome
    • WHO-ISUP-Graduierungssystem
      • G1: Fehlende oder unauffällige basophile Nukleolen bei 400-facher Vergrößerung
      • G2: Erkennbare und eosinophile Nukleolen bei 400-facher Vergrößerung; sichtbar, aber nicht prominent bei 100-facher Vergrößerung
      • G3: Erkennbare und eosinophile Nukleolen bei 100-facher Vergrößerung
      • G4: Extreme nukleäre Pleomorphie und/oder mehrkernige Riesenzellen und/oder rhabdoide und/oder sarkomatoide Differenzierung
  • Chromophobe Nierenzellkarzinome: Keine Graduierung nach WHO-ISUP

Diagnostiktoggle arrow icon

Bosniak-Klassifikation zur Beurteilung von Nierenzysten von 2019 [4][8]
Kategorie Bildmorphologische Kriterien Dignität und weitere Diagnostik
Bosniak I
  • Dünne Zystenwand ≤2 mm
  • Keine Septen
  • Keine Verkalkungen
  • Homogener Zysteninhalt
  • Benigne
Bosniak II
  • Dünne Zystenwand ≤2 mm und 1–3 Septen
  • Leichte Verkalkungen oder Kontrastmittelaufnahme
  • Benigne
Bosniak IIF
  • Zystenwand 3 mm mit Kontrastmittelaufnahme
  • Septen mit Wanddicke 3 mm mit Kontrastmittelaufnahme
  • ≥4 Septen mit dünner Wand ≤2 mm mit Kontrastmittelaufnahme
  • Meistens benigne
  • Verlaufskontrolle empfohlen
Bosniak III
  • Zysten mit Kontrastmittelaufnahme ≥4 mm Wanddicke oder Septen-Wanddicke
  • Unregelmäßige, unscharf begrenzte Kontrastmittelaufnahme ≤3 mm einer konvexen Protrusion
  • Zu 50% maligne
  • Operative Abklärung erforderlich
Bosniak IV
  • Unscharf begrenzter kontrastmittelaufnehmender Nodulus in der Zyste ≥4 mm (konvexe Protrusion)
  • Scharf begrenzter kontrastmittelaufnehmender Nodulus in der Zyste (jede Größe, konvexe Protrusion)
  • Maligne
  • Operative Behandlung erforderlich

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Angiomyolipom

  • Definition: Benigner Nierentumor (enthält Gefäße, Muskel- und Fettgewebe)
    • Häufiger bei Frauen im mittleren Lebensalter und bei tuberöser Sklerose (hier oftmals multipel)
  • Diagnostik
    • Sonografie: Kapselnahe, runde, echoreiche (wie Pyelon) und scharf abgrenzbare Raumforderung
    • CT zur sicheren Beurteilung

Renales Onkozytom

Das Onkozytom ist ein benigner epithelialer Tumor, der histologisch durch große, eosinophile, mitochondrienreiche Tumorzellen (die Onkozyten genannt werden) charakterisiert ist. Er kann nicht nur in der Niere, sondern auch in der Schilddrüse, in Speicheldrüsen, in der Hypophyse und in weiterem Gewebe vorkommen.

  • Definition: Benigner Tumor bis 10 cm Größe, ausgehend vom Nierenparenchym
  • Pathohistologie
  • Therapie
    • Überwachung
    • Nephron-schonende Entfernung bei Größenzunahme → Verdacht auf Umwandlung in Nierenzellkarzinom
  • Prognose: Onkozytom selbst nicht invasiv, Umwandlung in Nierenzellkarzinom jedoch möglich

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Therapie des nicht-metastasierten Nierenzellkarzinoms

Eine kurative Therapie besteht immer in der chirurgischen Entfernung des Tumors.

Operative Therapie [3]

Ablative Verfahren des Nierenzellkarzinoms [3]

Aktive Überwachung (Active Surveillance) [3]

  • Indikation: Kleine Nierentumoren (<4 cm) und multiple Komorbiditäten und/oder begrenzte Lebenserwartung, wenn eine Ablation nicht gewünscht/möglich ist
    • Voraussetzung: Nierenbiopsie
    • Therapeutische Intervention: Bei Patient:innenwunsch oder tumorbedingten Symptomen

Therapie des fortgeschrittenen und metastasierten klarzelligen Nierenzellkarzinoms

  • Operative Therapie des Primärtumors bei vorliegender Metastasierung zum Diagnosezeitpunkt anstreben

Immuntherapie des klarzelligen Nierenzellkarzinoms

Metastasentherapie

Palliative Radiotherapie

  • Indikation: Behandlung lokaler Beschwerden
  • Durchführung
    • Bei begrenzter Prognose: Kurzzeitkonzepte (bspw. 1×8 Gy)
    • Bei prognostischem Überleben (>6 Monate): Höhere Intensität/Dosierung (bspw. 10×3 Gy)
  • Spezifische Situationen

Supportive Therapie

Therapie nicht-klarzelliger Nierenzellkarzinome

  • Diagnostik und operative Therapie analog zu klarzelligen Nierenzellkarzinomen
  • Systemtherapie
    • Kombinationstherapie analog zu klarzelligen Nierenzellkarzinomen
    • In metastasierter Situation: Keine Monotherapie

Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Nachsorgetoggle arrow icon

Prognosetoggle arrow icon

5-Jahres-Überlebensrate [1]

  • Stadium I: 75–92%
  • Stadium II: 63–77%
  • Stadium III: Ca. 38–47%
  • Stadium IV: Ca. 11–12% [1]

Die Prognose des Nierenzellkarzinoms hat sich in den letzten Jahren verbessert, da durch die häufigere Durchführung bildgebender Verfahren (insb. Sonografie) die Tumoren bereits früher erkannt werden!

IMDC-Prognosekriterien (Risikofaktoren) für das klarzellige Nierenzellkarzinom [3]

Risikogruppe nach IMDC-Prognosekriterien

  • Niedriges Risiko: 0 Risikofaktoren
  • Intermediäres Risiko: 1–2 Risikofaktoren
  • Hohes Risiko: ≥3 Risikofaktoren

Meditrickstoggle arrow icon

In Kooperation mit Meditricks bieten wir durchdachte Merkhilfen an, mit denen du dir relevante Fakten optimal einprägen kannst. Dabei handelt es sich um animierte Videos und Erkundungsbilder, die auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend sind. Die Inhalte liegen meist in Lang- und Kurzfassung vor, enthalten Basis- sowie Expertenwissen und teilweise auch ein Quiz sowie eine Kurzwiederholung. Eine Übersicht aller Inhalte findest du im Kapitel „Meditricks“. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – für genauere Informationen empfehlen wir einen Besuch im Shop.

Nierenzellkarzinom

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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