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Paronychie und Panaritium

Letzte Aktualisierung: 12.5.2026

Praxisguide Allgemeinmedizin: Nagelbettentzündungentoggle arrow icon

Initiales Vorgehen

  • Anamnese
    • Beginn, Auslöser (bspw. Trauma), Verlauf
    • Vorerkrankungen, Medikamente
    • Bisher erfolgte Maßnahmen
  • Untersuchung
    • Rötung, Schwellung, Überwärmung
    • Ausdehnung des Befundes
    • Fremdkörper/Verletzungen
    • Eiter/Abszedierung
    • Funktionseinschränkung

Warnzeichen

Bei jeglichem V.a. tiefergehende Infektion: (Hand‑)chirurgische Vorstellung / Einweisung!

Wichtige Ursachen

Weiteres Prozedere

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die Paronychie ist eine Entzündung des Nagelwalls, die sich zu einem Panaritium mit eitriger Entzündung des den Nagel umgebenden Gewebes entwickeln kann. Ein Panaritium kann sich allerdings auch ohne vorhergehende Paronychie infolge von Bagatellverletzungen bilden, die durch Keimeinwanderung und -besiedelung zu einer eitrigen Entzündung führen.

Klinisch zeigen sich eine schmerzhafte Schwellung und eine Rötung des betroffenen Areals, ggf. mit Eitersekretion. Die Entzündung kann sich in tiefere Strukturen ausdehnen und dadurch zu einer sog. V-Phlegmone bzw. einer Phlegmone der Hohlhand oder des Unterarmes führen. Im schlimmsten Fall ist eine systemische Infektion bis hin zur Sepsis möglich.

Therapeutisch kann bei nicht-abszedierenden Befunden ein konservativer Therapieversuch durchgeführt werden. Bei Abszedierung ist dagegen ein chirurgisches Vorgehen zur Abszessentlastung und Spülung sowie eine begleitende Antibiotikatherapie indiziert.

Definitiontoggle arrow icon

Die Begriffe „Paronychie“ und „Panaritium“ werden im klinischen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet!

Epidemiologietoggle arrow icon

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologietoggle arrow icon

Klassifikationtoggle arrow icon

Symptomatiktoggle arrow icon

Paronychie bzw. Panaritium [2][8]

Stadieneinteilung der Paronychie [10]
Stadien Klinisches Bild
I Eiterblase (Bulla infecta) meist in der Nageltasche
II Abszess in der Nageltasche ohne Perforation der Lederhaut
III Ausbreitung des Abszesses im subkutanen Fettgewebe
IV Ausbreitung des Abszesses unter die Nagelplatte
V Beteiligung des Knochens oder Nekrosebildung

Unguis incarnatus

Stadieneinteilung des Unguis incarnatus
Stadium Nach Heifetz [4][11] Nach Mozena et al. und Martínez-Nova et al. [3]
Klinisches Bild
I
  • Schmerz bei Druck, Rötung, Schwellung
  • Noch keine Hypergranulation
II
  • Stadium IIa
    • Zusätzlich progrediente Schmerzen, Rötung und Schwellung, Sekretion
    • Ggf. Infektion
    • Hypergranulation <3 mm über den Nagel
  • Stadium IIb
    • Zusätzlich ggf. Abszess
    • Hypergranulation >3 mm über den Nagel
III
  • Zusätzlich Granulationsgewebe seitlich und über der Nagelplatte
  • Chronifizierung
  • Ggf. Abszess, Ulzeration, Deformierung des Nagels
  • Hypergranulation bedeckt Großteil des Nagels
IV
  • Chronische Deformierung des Nagels
  • Beide Nagelwälle betroffen
  • Hypergranulation progredient

Diagnostiktoggle arrow icon

  • Anamnese und klinische Untersuchung i.d.R. ausreichend
  • Erweiterte Diagnostik bei unklarem Befund oder schweren bzw. chronischen Formen
    • Labordiagnostik (Bestimmung der Entzündungsparameter)
    • Mikrobiologie (Keimnachweis mittels Abstrich)
    • Bildgebung (Nachweis bzw. Ausschluss einer ossären Beteiligung bzw. eines Fremdkörpers)

Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapietoggle arrow icon

Konservative Therapie [5][8]

  • Indikation: Befunde ohne Anhaltspunkt für Abszedierung und ohne Allgemeinsymptome
  • Allgemeine Maßnahmen
    • Ruhigstellung
    • Hochlagerung
    • Kühlung

Medikamentöse Therapie bei Nagelentzündungen

Bei beginnender leichter Symptomatik ist eine topische Antiseptikatherapie i.d.R. ausreichend! Bei ausgeprägtem Lokalbefund oder Allgemeinsymptomen ist zusätzlich eine systemische Antibiotikatherapie indiziert!

Chirurgische Therapie [5][8]

Panaritium [10]

  • Indikation: Bei Abszedierung
  • Kontraindikation: Herpesinfektion
  • Operationsvorbereitung
  • Vorgehen: Je nach Stadieneinteilung der Paronychie
    • Ab Stadium I: Inzision der Bulla infecta , Resektion von Hornhaut, Spülung zur Reinigung der Eiterhöhle
    • Ab Stadium II: Zusätzlich Inspektion des Wundgrundes, um Fistel/Kragenknopfpanaritium nicht zu übersehen
    • Ab Stadium III : Ggf. Gegeninzision (z.B. der seitlichen Nageltasche), ggf. Einlage einer Lasche
    • Ab Stadium IV : (Teil‑)Resektion der Nagelplatte und Spülung
  • Postoperative Behandlung
    • Regelmäßige Befundkontrolle
    • Verband feucht halten , alternativ: Fingerbäder bis zu dreimal täglich
    • Bei Antibiotikagabe: Reevaluation nach 5 Tagen

Um ein Kragenknopfpanaritium nicht zu übersehen, ist die Inspektion des Wundgrundes obligat durchzuführen!

Unguis incarnatus [3][4]

Von der Verwendung von topischen Antibiotika, Glucocorticoiden und harnstoffhaltigen Präparaten sollte abgesehen werden! [4]

Nagelerhaltende Eingriffe

  • Indikation: Bis einschließlich Stadium IIb (akut)
  • Vorgehen
  • Zusätzliche Maßnahmen
    • Tamponade
    • Sulci-Protektor
    • Nagelfalz-Tape
    • Anlegen einer Nagelspange (Orthonyxiebehandlung)

Eingriffe mit Verschmälerung der Nagelplatte oder des Nagelwalls

Bei der Behandlung des Unguis incarnatus sollte die Maßnahme mit dem geringsten Trauma bei funktionell und kosmetisch bestmöglichem Ergebnis gewählt werden! [4]

Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Patienteninformationentoggle arrow icon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

L03.-: Phlegmone

L60.-: Krankheiten der Nägel

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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