Zusammenfassung
Eine Sepsis (im Volksmund auch fälschlicherweise als „Blutvergiftung“ bezeichnet) ist die schwerste Verlaufsform einer Entzündung und ein lebensbedrohlicher Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Sie beginnt immer mit einer einfachen Infektion. Doch dann gerät die komplette körpereigene Abwehr außer Kontrolle: Die Immunreaktion fällt übermäßig stark aus, sodass auch gesunde Zellen absterben und Organe ausfallen. Dies hat einen septischen Schock zur Folge, der ohne schnelle professionelle Hilfe zum Tod führt.
Sepsis ist weltweit verbreitet. Pro Jahr gibt es knapp 48,9 Mio. Fälle. Trotz aller Bemühungen bleibt die Sterblichkeit hoch: Ca. 30% der Erkrankten versterben!
Da jedes Jahr sehr viele Menschen von einer Sepsis betroffen sind, ist es wichtig, dass nicht nur medizinisches und pflegerisches Personal geschult wird. Idealerweise sollte auch die breite Bevölkerung über diese lebensbedrohliche Notfallsituation aufgeklärt sein. Nicht selten wird eine Sepsis von den Betroffenen, den Angehörigen, den Hausärzt:innen und dem Klinikpersonal gar nicht als solche erkannt, denn das ist aufgrund der Vielzahl an möglichen Symptomen oft gar nicht so einfach. Ziel aller Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen ist es daher, eine Sepsis frühzeitig erkennen und schnell reagieren zu können.
Ohne Behandlung endet eine Sepsis immer tödlich!
In diesem Kurs lernst du:
- Welche Personen ein besonders hohes Sepsisrisiko haben
- Wie man eine Sepsis durch Präventivmaßnahmen vermeiden kann
- Wieso es so schwer sein kann, eine Sepsis zu erkennen
- Wie man bei einem Verdacht handeln sollte
- Wie eine Sepsis behandelt wird
- Welche Unterstützungsangebote Betroffene auch langfristig brauchen
Risikogruppen und -faktoren
Personen mit erhöhtem Sepsisrisiko
- Menschen höheren Lebensalters: Besonders Menschen >60 Jahre mit Multimorbidität
- Neugeborene und Kleinkinder: Aufgrund des unreifen Immunsystems und der eingeschränkten Fähigkeit kleiner Kinder, Beschwerden klar zu äußern
- Schwangere und Mütter im Wochenbett: Aufgrund physiologischer Veränderungen im Immunsystem
- Chronisch erkrankte Personen: Bei Lungen-, Leber- oder Herzerkrankungen
- Immunsupprimierte Personen: Bspw. bei Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen, rheumatologischen Erkrankungen, Dialysepflicht, fehlender Milz (Asplenie), AIDS oder Einnahme von Immunsuppressiva
Situationen mit erhöhter Sepsisgefahr
- Wundinfektionen: Bei oberflächlichen, tiefen, postoperativen oder chronischen Wunden
- Dekubitus: Unbehandelt mit hoher Infektionsgefahr
- Tierbisse: Typische Eintrittspforten für Sepsiserreger
- Invasive Zugänge und OPs: Bspw. zentralvenöser Katheter (ZVK), Drainagen, Trachealkanülen, Einsatz künstlicher Herzklappen oder Gelenkprothesen
Auch Personen ohne bekannte Risikofaktoren können eine Sepsis entwickeln. Der Ausgangspunkt ist immer eine Infektion, auch wenn sie noch so marginal erscheint!
Symptome
Eine Sepsis direkt zu erkennen, ist oft gar nicht so einfach. Die Symptome unterscheiden sich von Fall zu Fall und sind zudem von der betroffenen Körperregion bzw. dem betroffenen Organ abhängig. Bekannte allgemeine Symptome sind:
- Allgemeinzustand
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsveränderungen
- Starkes Unwohlsein (Gefühl, „sterbenskrank zu sein“)
- Starke Schmerzen
- Vitalparameter
- Atemfrequenz: Schnelle, flache Atmung (oft frühes Warnsignal), ggf. Hyperventilation
- Herzfrequenz: Erhöhter Puls
- Blutdruck
- Hypotonie
- Rascher Abfall des Blutdrucks in Kombination mit Anstieg der Herzfrequenz als Zeichen der Verschlechterung und eines Schockgeschehens
- Temperatur: I.d.R Fieber und Schüttelfrost, ggf. Hypothermie
- Sauerstoffsättigung: Hypoxie
- Haut
- Urinausscheidung: Vermindert
Die in der Bevölkerung weitverbreitete Annahme, dass ein „schwarzer Strich“ am Arm eine Sepsis sei, ist falsch! In Wirklichkeit handelt es sich dabei um eine Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis), die durch Bakterien in einer Haut- oder Wundinfektion ausgelöst wird!
Am schwersten kann man eine Sepsis bei kleinen Kindern, Personen mit kognitiven Einschränkungen oder Menschen mit starker Schmerzmedikation erkennen. Diese können (je nach Personengruppe) bspw. körperliche Beschwerden sowie Unwohlsein nicht klar äußern. Zudem sind akute Bewusstseinsänderungen nicht immer eindeutig erkennbar!
Sepsis-Scoring-Instrumente
Mittlerweile gibt es einige Scoring-Instrumente, mit deren Hilfe viele dieser Symptome erfasst werden können. So kann das Risiko für eine mögliche Sepsis systematisch eingeschätzt werden.
Bekannte Scoring-Systeme sind u.a.:
- SOFA-Score
- Bewertet die Funktion verschiedener Organsysteme
- Wird v.a. auf Intensivstationen genutzt, um Organversagen einzuschätzen
- qSOFA-Score
- Vereinfachter Schnelltest für die Einschätzung einer möglichen Sepsis, bestehend aus 3 Kriterien:
- Atemfrequenz ≥22/min
- Verwirrtheit / verändertes Bewusstsein
- Systolischer Blutdruck ≤100 mmHg
- Falls 2 von 3 zutreffen: Hinweis auf Vorliegen einer Sepsis
- Vereinfachter Schnelltest für die Einschätzung einer möglichen Sepsis, bestehend aus 3 Kriterien:
- NEWS (National Early Warning Score)
- Umfasst Vitalparameter wie Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Puls, Blutdruck, Temperatur und Bewusstsein
- Wird im Krankenhaus genutzt, um Verschlechterungen früh zu erkennen
- MEWS (Modified Early Warning Score)
- Ähnlich wie NEWS, bewertet ebenfalls Vitalwerte
- Hilft, frühzeitig kritische Situationen zu erkennen
- SIRS-Kriterien
- Frühere Standardkriterien, um eine starke Entzündungsreaktion zu erkennen
- Temperatur >38 °C oder <36 °C
- Herzfrequenz >90/min
- Atemfrequenz >20/min
- Leukozyten ↑↑↑ oder ↓↓↓
- Werden heute ergänzend genutzt, sind aber allein nicht ausreichend für die Sepsisdiagnose
- Frühere Standardkriterien, um eine starke Entzündungsreaktion zu erkennen
Jemand hat bereits einen Infekt und weist verschiedene Symptome auf – wie soll man da differenzieren? Der Grundsatz lautet: Wenn das Gesamtbild nicht stimmt oder ein eher ungewöhnliches Symptom dazukommt, ist das bereits ein Warnsignal!
Beispiele früher Verläufe
Diese folgenden Beispiele spiegeln wider, wie unterschiedlich sich eine Sepsis äußern kann. Gehe kurz in dich und überlege: Würdest du sofort eine Sepsis vermuten?
Der Mann, der vom Hund gebissen wurde
Ein Mann kommt in die Notaufnahme, da sich eine Bisswunde an seinem Arm entzündet hat. Wie man es von dieser Verletzungsart kennt, ist sie gerötet, geschwollen und schmerzhaft. Nach einiger Zeit meldet er sich beim Personal und klagt zusätzlich über Luftnot, Herzrasen und plötzliche Schmerzen im ganzen Körper. Dabei fällt auf, dass er teils verwaschen spricht.
Lediglich ein kleiner Kratzer?
Eine pflegende Angehörige versorgt ihren Vater (81 Jahre, Diabetes mellitus Typ 2) zu Hause. Er hatte sich vor 2 Tagen bei der Gartenarbeit mit einer Hake aus Versehen das Bein zerkratzt. Die Wunde sah zunächst harmlos aus. Doch heute wirkt er ungewöhnlich müde, schwitzt stark und klagt über starke Schmerzen sowie Erschöpfung. Seine Haut fühlt sich zudem kalt an.
Ein „ganz normaler“ Harnwegsinfekt?
Eine ältere Dame wird wegen eines Harnwegsinfekts behandelt. Zunächst verspürt sie nur ein Brennen beim Wasserlassen. Am Nachmittag wirkt sie jedoch plötzlich stark verwirrt sowie schläfrig. Ihre Haut ist auffallend blass-kalt. Zudem lässt die Urinausscheidung nach.
Der kleine Schnitt im OP-Saal
Einer jungen Frau wurde erst vor wenigen Tagen der Blinddarm entfernt. Die Operation verlief komplikationslos. Zunächst ist alles in Ordnung. Bei einem späteren Rundgang fällt jedoch auf, dass die OP-Wunde stark gerötet und warm ist. Es tritt ungewöhnlich viel Wundflüssigkeit aus. Schon kurz darauf entwickelt sie plötzlich Fieber, Kopfschmerzen und Schwindel.
Pflegebedürftiger mit chronischem Dekubitus
Eine pflegebedürftige Person wird aufgrund einer unklaren Verschlechterung des Allgemeinzustands in der Klinik aufgenommen. Bei der Anamnese fällt sofort ein Dekubitus 3. Grades auf. Das Druckgeschwür riecht stark und zeigt vermehrt Exsudat. Gleichzeitig wirkt die Person ungewöhnlich teilnahmslos und reagiert verzögert auf Ansprache. Der Blutdruck beträgt 90/55 mmHg! Während der Vitalzeichenkontrolle wird seine Atmung plötzlich schneller.
„Es ist nichts, nur eine Erkältung.“
Eine Mutter versorgt ihr 3-jähriges Kind zu Hause. Es war am Vortag wegen eines Infekts kurz als Notfall in der Kinderklinik, musste dort aber gar nicht erst aufgenommen werden. Anfangs scheint es zu Hause wieder besser zu gehen. Am Abend bekommt das Kind jedoch plötzlich starken Schüttelfrost, atmet deutlich schneller und wirkt ungewöhnlich schläfrig. Es trinkt kaum und wirkt sehr leidend. Der Mutter ist klar: So hat sie ihr Kind noch nie erlebt.
Vorgehen im Verdachtsfall
Im klinischen Umfeld (Krankenhaus, Pflegeeinrichtung mit ärztlicher Anbindung)
Eine Sepsis kann sich innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich entwickeln und erfordert sofortiges Handeln. Pflegefachpersonen und Ärzt:innen müssen Warnzeichen früh erkennen, Veränderungen richtig einordnen und die nötigen Behandlungsschritte klar kommunizieren können.
- Sofort handeln: Keine Zeit verlieren
- Vitalzeichen vollständig erfassen: Atemfrequenz, Puls, Temperatur, Blutdruck, spO2, Bewusstsein, Urinausscheidung
- Einschätzung: Mit einem Scoring-System
- Bei Verschlechterung oder erhöhtem Score: Sepsisverdacht klar äußern
- Sofort die zuständigen Mediziner:innen informieren (ggf. auch Notfallteam)
- Klare Weitergabe aller Auffälligkeiten, am besten strukturiert
- Behandlungspfade nutzen
- Jede Veränderung sofort dokumentieren
- Sofortige Meldung, wenn sich der Zustand weiter verschlechtert
Patient:in sollten nicht alleine gelassen werden! Eine Sepsis kann sich innerhalb von Minuten dramatisch verschlechtern!
Im häuslichen Umfeld
Patient:innen sollten über das Vorgehen bei einem Sepsisverdacht im außerklinischen Setting ausreichend informiert werden, da:
- Medizinische Hilfe nicht sofort vor Ort ist
- Pflegende (bspw. aus Pflegediensten oder pflegende Angehörige) meist nur begrenzt vor Ort sind
- Angehörige Symptome oft nicht richtig deuten können
Angehörige und Patient:innen sollten immer über die Symptome und nötigen Schritte bei Sepsisverdacht aufgeklärt werden, selbst wenn noch keine Gefahr besteht. Sie sind im häuslichen Umfeld i.d.R. die ersten vor Ort, die reagieren können!
- Alarmzeichen ernst nehmen
- Sofort ärztliche Abklärung anstoßen
- Umgehend Hausarzt/-ärztin, Bereitschaftsdienst oder zuständige Praxis kontaktieren
- Ungewöhnliches oder plötzlich verschlechtertes Befinden immer als Warnsignal sehen
- Wenn niemand erreichbar ist: 112 anrufen – Sepsis ist ein absoluter Notfall!
- Wichtig: Nicht abwimmeln lassen – klar betonen, dass der V.a. eine Sepsis besteht
- Alternativ: Sofort in der nächstgelegenen Klinik/Notaufnahme vorstellen
- Vitalzeichen prüfen, falls möglich (ggf. ist eine automatische Blutdruckmanschette vor Ort, die auch Laien bedienen können)
- Bis Hilfe eintrifft: Beobachtungen und Verschlechterung merken/notieren
- Betroffene beruhigen, warmhalten, nicht alleine lassen
- Keine orale Flüssigkeit erzwingen bei Bewusstseinsveränderungen oder Schluckstörungen (Aspirationsgefahr)
- Angehörige einbeziehen
- Angehörige können helfen, Warnzeichen früh zu melden („Wissen rettet Leben“)
- Sichere Umgebung schaffen
Diagnostik und Therapie
Diagnostik und Therapie laufen immer parallel! Es muss nicht auf Laborbefunde gewartet werden – die Behandlung beginnt sofort. Eine frühe Volumentherapie und schnelle Antibiotikagabe innerhalb einer Stunde ab V.a. Sepsis kann Leben retten!
- Blutkulturen abnehmen vor Antibiotikagabe
- Breitbandantibiotika verabreichen: Unbedingt erst nach Blutkulturentnahme
- Antibiotika helfen jedoch nur bei bakterieller Ursache
- Wichtig: Innerhalb der 1. Stunde („1-Hour-Bundle“) nach Einlieferung oder V.a. Sepsis beginnen
- Kreislauf stabilisieren
- Flüssigkeitszufuhr (kristalloide Infusionslösungen)
- Bei Bedarf: Medikamente zur Kreislaufunterstützung
- Zielwert: MAP ≥65 mmHg
- Atmung stabilisieren und Sauerstoff zuführen
- Bei niedriger Sättigung: Sauerstoffgabe
- Bei zunehmender Atemnot oder Erschöpfung: Frühzeitig ärztlich über Eskalation entscheiden
- Zielgerichtete Behandlung der Infektion einleiten
- Erregerquelle (Infektionsherd) möglichst schnell finden
- Fokusversorgung
- Blutentnahme (sofort, nicht zeitversetzt)
- Blutgasanalyse (BGA)
- Lactat
- C-reaktives Protein (CRP)
- Procalcitonin (PCT): Sensitiver Marker für bakterielle Sepsis
- Großes Blutbild
- Leberwerte
- Nierenwerte
- Gerinnungswerte
- Sinkende Thrombozytenzahl kann frühes Zeichen einer schweren Sepsis sein
- Bildgebung erwägen (zur Fokus- bzw. Erregersuche)
- Bspw. Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT, abhängig vom vermuteten Infektionsort
- Patient:in engmaschig überwachen
- Vitalzeichen
- Urinausscheidung
- Bewusstsein
- Sofort reagieren bei Zustandsveränderung
Auch bei einer nicht-bakteriellen Sepsis gilt: Zuerst stabilisieren, dann den Erreger finden! Antibiotika werden anfänglich trotzdem gegeben, bis klar ist, ob der Erreger bakteriell, viral, fungal oder parasitär ist! Danach wird die Therapie gezielt angepasst.
Komplikationen und Folgen
Eine Sepsis ist nicht nur in der akuten Phase gefährlich. Selbst wenn jemand die Erkrankung überlebt, können schwere gesundheitliche Probleme folgen. Diese betreffen sowohl den Körper als auch die Psyche und können Wochen bis Monate anhalten – oder für den Rest des Lebens. Je schwerer die Sepsis war, desto höher ist das Risiko für bleibende Schäden.
Organversagen während der akuten Sepsis
Die folgenden Schäden entstehen durch die gestörte Mikrozirkulation und überschießende Immunreaktion:
- Akute Nierenfunktionseinschränkung: Verminderte Ausscheidung bis hin zum vollständigen Ausbleiben des Urins, Dialysepflicht möglich
- Akutes Lungenversagen: Atemnot, häufig Beatmungsbedarf
- Herz-Kreislauf-Versagen: Schock, Herzrhythmusstörungen, septische Kardiomyopathie
- Akutes Leberversagen: Gelbfärbung der Haut, Gerinnungsstörungen
- Gerinnungsstörungen: Gefahr von Blutungen oder kleinen Gefäßverschlüssen (DIC)
- Beeinträchtigung des Gehirns (sepsisassoziierte Enzephalopathie): Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Delir
Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP)
Bei Sepsisüberlebenden kann sich eine Schädigung der Nerven und Muskulatur entwickeln. Typische Folgen sind u.a.:
- Ausgeprägte Muskelschwäche an Armen und Beinen
- Schwierigkeiten beim Stehen, Gehen oder Greifen
- Verzögerte Beatmungsentwöhnung
- Verminderte Reflexe
- Starke Müdigkeit, reduzierte Belastbarkeit
Psychische Folgen / Post-Sepsis- und Post-Intensive-Care-Syndrom
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Schlafstörungen
- Angstzustände
- Depressionen
- Flashbacks oder Belastungsreaktionen
- Allgemeine Erschöpfung, reduzierte Stressbelastbarkeit
- Manche Betroffene fühlen sich „nie wieder ganz wie vorher“
- Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS)
- Einschränkung der Beweglichkeit
- Kognitive Störungen
- Psychische Belastungen
- Überforderung im sozialen Umfeld
Immunschwäche nach der Sepsis
Nach einer Sepsis ist das Immunsystem oft lange geschwächt, wodurch Patient:innen anfälliger sind für:
- Erneute Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- Krankenhausinfektionen
- Chronische Entzündungsreaktionen
Auch das Risiko für eine erneute Sepsis ist erhöht!
Weitere mögliche Folgen
- Gelenkprobleme und Schmerzen
- Hormonelle Störungen
- Herzschwäche
- Muskelschwund
- Langsame Genesung
Sterblichkeit
Auch wenn die Betroffenen die Intensivphase überstehen, bleibt das Risiko erhöht für:
- Erneute Krankenhausaufnahmen
- Erneute Infektionen
- Erhöhte Sterblichkeit im Folgejahr
Eine Sepsis beeinträchtigt den Körper nachhaltig! 12,3% der Betroffenen entwickeln innerhalb von 60 Tagen einen neuen oder höheren Pflegegrad! Die Nachsorge ist daher besonders wichtig!
Nachsorge
Nach einer Sepsis ist die akute Behandlung zwar abgeschlossen, aber viele Patient:innen sind noch lange nicht wieder belastbar. Es gibt keine standardisierte Nachsorge, weil die Beschwerden sehr unterschiedlich sein können. Die Nachsorge ist multiprofessionell und muss individuell angepasst werden. Die Maßnahmen orientieren sich an den entstandenen körperlichen, psychischen und kognitiven Problemen.
Mögliche allgemeine Nachsorgebehandlungen
- Rehabilitationsmaßnahmen
- Stationär oder ambulant
- Häufig über mehrere Wochen bis Monate
- In schweren Fällen bis zu 1 Jahr sinnvoll
- Physiotherapie
- Mobilisation
- Kraftaufbau
- Gangschule
- Atemtherapie (nach Lungenproblemen)
- Ergotherapie
- Motorische Übungen
- Alltagstraining
- Kognitionsübungen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit)
- Logopädie
- Nach Intubation/Tracheotomie
- Bei Schluckstörungen
- Sprach- und Stimmtherapie
- Psychotherapie
- Behandlung von Depression, Angst, Traumafolgen
- Unterstützung bei Anpassungsstörungen
- Sozialdienst / Case Management
- Organisation von Reha
- Anträge für Hilfsmittel, Pflegegrade, Haushaltshilfen
- Beratung der Angehörigen
In einigen Regionen gibt es für Betroffene mit einem Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) auch spezielle PICS-Ambulanzen, die interprofessionell behandeln und nach schweren Verläufen sehr hilfreich sind!
Wichtige Nachsorgemaßnahmen durch Hausärzt:innen
Nach einer Entlassung sollten Hausärzt:innen:
- Den Impfstatus überprüfen
- Grunderkrankungen stabilisieren
- Weitere Therapien verordnen
- Symptome ernst nehmen und ggf. an Spezialambulanzen überweisen
- Frühzeitig Reha-Maßnahmen einleiten
Sepsisprävention
Grundsätzliche Präventionsmaßnahmen
- Grundimmunisierung: Impfungen gemäß STIKO-Empfehlung
- Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Behandlung chronischer Erkrankungen: Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Therapie, bspw. bei Diabetes mellitus, COPD oder Herzinsuffizienz
- Haut- und Wundschutz: Eintrittspforten wie Wunden oder Läsionen frühzeitig abdecken
- Gesundheitsbildung: Schulungen für Fachpersonal und Aufklärung von Patient:innen und Angehörigen
Für Betroffene im häuslichen Umfeld und in der ambulanten Pflege ist die Sepsis besonders gefährlich, denn der Weg bis zur professionellen Hilfe ist lang und/oder der Pflegedienst kommt i.d.R. nur einmal am Tag vorbei. Nicht alle Laien (und ebenfalls nicht alle aus dem medizinisch-pflegerischen Bereich) sind in der Lage, die Warnsignale der Sepsis zu erkennen und entsprechend zu handeln. Die Beratung hat daher einen hohen Stellenwert!
Wissen rettet Leben! Die Beratung der Patient:innen und ihrer Angehörigen ist wichtig, da diese oft die ersten sind, die eine Sepsis vermuten können!
Medizinische und pflegerische Präventionsmaßnahmen
- Händehygiene: Konsequente hygienische Händedesinfektion nach WHO-Standard
- Schutzkleidung bei Bedarf: Mund-Nasen-Schutz, Handschuhe und ggf. Schutzkittel tragen
- Aseptisch arbeiten: Insb. bei der Anlage, Pflege und Entfernung invasiver Zugänge
- Sterile Technik: Non-Touch-Technik und aseptische Arbeitsmethoden bei invasiven Maßnahmen einhalten
- Katheter entfernen: So früh wie möglich, wenn medizinisch vertretbar
- Harnableitung korrekt handhaben: Blasenkatheter nur bei klarer Indikation verwenden und möglichst geschlossen halten
- Wundbeobachtung: Engmaschig kontrollieren und hygienisch versorgen
- Mundpflege: Regelmäßig durchführen, um Infektionen im Mundraum zu vermeiden
- Aspirationsprophylaxe: Besonders bei Menschen mit Dysphagie oder neurologischen Erkrankungen
- Thromboseprophylaxe: Ggf. medikamentös oder durch Mobilisation und Kompression
- Dekubitusprophylaxe: Druckentlastung u.a. durch regelmäßiges Umpositionieren und Hautpflege