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Coxsackievirus-Infektionen

Letzte Aktualisierung: 4.12.2020

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Coxsackieviren sind RNA-Viren, die zumeist über Tröpfchen- oder Schmierinfektionen übertragen werden. Es gibt zahlreiche Subtypen, die vereinfacht in Coxsackie-A- und Coxsackie-B-Viren unterteilt werden und unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen. Für Coxsackie-A-Viren sind die Herpangina und die Hand-Fuß-Mund-Krankheit typisch, eine Infektion mit Coxsackie-B-Viren kann zu einer Myokarditis oder der epidemischen Pleurodynie führen. Eine Sommergrippe, virale Meningitis oder Konjunktivitis können durch beide Erregersubtypen ausgelöst werden.

Infektionen mit Coxsackieviren verlaufen zumeist asymptomatisch. Je nach Virustyp können aber folgende Krankheitsbilder entstehen:

Ätiologie

  • Erreger: Enteroviren der Gruppe A, insb. Coxsackie A16, seltener Coxsackie A6 und A10 [1][2]
  • Reservoir: Mensch
  • Übertragung
    • Kontaktinfektion (Schmierinfektion): Übertragung von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten und Stuhl (fäkal-oral)
    • Tröpfcheninfektion
  • Infektiosität
    • In der 1. Woche hohe Kontagiosität, insb. ulzerierende Bläschen
    • Auch nach Abklingen der Symptome noch über Wochen Ausscheidung des Virus im Stuhl
    • Hoher Anteil asymptomatisch infizierter Personen

Epidemiologie

  • Vorkommen: Häufig
    • Im westpazifischen Raum häufig große Ausbrüche durch Enterovirus A71 mit schweren Verläufen
  • Altersgipfel: Kinder <10 Jahren
  • Saisonale Häufung: Spätsommer und Herbst

Klinik

Komplikationen

  • Aseptische Meningitis/Enzephalitis [3]
  • Polioartige Paresen
  • Bei atypischen Verläufen: Ggf. Verlust von Finger- und Zehennägeln

Diagnostik

  • Bei mildem Verlauf: Klinische Diagnose, i.d.R. keine Labordiagnostik notwendig
  • Bei schwerem Verlauf bzw. unklarer Diagnose: Labordiagnostik
    • Virusnachweis mittels Enterovirus-RT-PCR aus Stuhlprobe, Rachenabstrich und Bläschensekret
    • Bei ZNS-Manifestation: Liquoruntersuchung
    • Ggf. weiterführende Diagnostik
      • Molekulare Typisierung mittels PCR in der proteincodierenden VP1-Region mit anschließender Sequenzierung
      • Virusisolierung mit anschließender Serotypisierung
    • Serologie nur in Ausnahmefällen
      • Aufgrund von Kreuzreaktionen schwierig zu bewerten (nur in Speziallaboratorien sinnvoll)

Therapie

Präventions- und Hygienemaßnahmen

  • Generell
    • Regelmäßiges Händewaschen mit Seife, insb. nach Windelwechsel und Toilettengang
    • Regelmäßige gründliche Reinigung von Oberflächen und Gegenständen, bspw. Spielzeug und Türgriffen
    • Vermeiden von engem Kontakt zu Erkrankten wie Küssen, Umarmen, Besteck teilen
  • In Gemeinschaftseinrichtungen, bspw. Schulen und Kitas
    • Kinder mit akuten Symptomen der HFMK: Kein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen
    • Nach Abklingen der Symptome und Eintrocknung der Vesikel: Wiederzulassung i.d.R. ohne ärztliches Attest möglich
    • Weiterhin Einhaltung der Hygienemaßnahmen, da noch über Wochen das Virus ausgeschieden wird
    • Ggf. Verwendung viruzider Desinfektionsmittel
  • Umgang mit Kontaktpersonen
    • Strikte Einhaltung der Händehygiene
    • Ausschluss von Kontaktpersonen aus Gemeinschaftseinrichtungen i.d.R. nicht erforderlich
  • Impfung: Im westpazifischen Raum sind Impfstoffe gegen Enterovirus A71 verfügbar

Enterovirus-Infektion bei Schwangeren und Neugeborenen

Mehr als 80% der Infektionen verlaufen asymptomatisch!

Ätiologie

Epidemiologie

  • Altersgipfel: Kinder und Jugendliche
  • Saisonalität: Sommer und Herbst

Klinik

Komplikationen (selten)

Diagnostik

Therapie

  • Keine kausale Therapie verfügbar
  • Symptomatische Behandlung

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für Infektionen durch Enteroviren (und somit auch Coxsackieviren). Es gibt jedoch eine amtliche Meldepflicht in Sachsen. [1]

  • Labormeldepflicht: Nach IfSGMeldeVO (nur in Sachsen ): Direkter oder indirekter Nachweis namentlich meldepflichtig, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir ein Video zum Einprägen relevanter Fakten an. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung zur schnelleren Wiederholung. Eine Übersicht über alle Videos findest du in dem Kapitel Meditricks.

  • B08.-: Sonstige Virusinfektionen, die durch Haut- und Schleimhautläsionen gekennzeichnet sind, anderenorts nicht klassifiziert
    • Exklusive: Stomatitis-vesicularis-Viruskrankheit (A93.8)
    • B08.4: Vesikuläre Stomatitis mit Exanthem durch Enteroviren
  • B33.-: Sonstige Viruskrankheiten, anderenorts nicht klassifiziert
  • B34.-: Viruskrankheit nicht näher bezeichneter Lokalisation
  • B97.-:! Viren als Ursache von Krankheiten, die in anderen Kapiteln klassifiziert sind

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK), RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 1. August 2017. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  2. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .
  3. Gonzalez et al.: Enterovirus-Associated Hand-Foot and Mouth Disease and Neurological Complications in Japan and the Rest of the World In: International Journal of Molecular Sciences. Band: 20, Nummer: 20, 2019, doi: 10.3390/ijms20205201 . | Open in Read by QxMD p. 5201.
  4. Zierz, Jerusalem: Muskelerkrankungen. Georg Thieme Verlag 2003, ISBN: 978-3-135-67803-0 .
  5. Bornholm-Krankheit. Stand: 13. Oktober 2017. Abgerufen am: 18. November 2020.
  6. Darai et al.: Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer 2009, ISBN: 978-3-540-39005-3 .
  7. Huang et al.: Epidemic Pleurodynia Caused by Coxsackievirus B3 at a Medical Center in Northern Taiwan In: Journal of Microbiology, Immunology and Infection. Band: 43, Nummer: 6, 2010, doi: 10.1016/s1684-1182(10)60079-5 . | Open in Read by QxMD p. 515-518.
  8. Lal et al.: Unusual cause of chest pain, Bornholm disease, a forgotten entity; case report and review of literature In: Respiratory Medicine Case Reports. Band: 25, 2018, doi: 10.1016/j.rmcr.2018.10.005 . | Open in Read by QxMD p. 270-273.
  9. Infektionen durch Enteroviren. Stand: 12. April 2012. Abgerufen am: 25. November 2020.